Kürzlich wurde das Signet des Südtiroler Straßendienstes überarbeitet. Eine gestalterische Auffrischung war meiner Meinung nach tatsächlich nötig, denn in der alten Fassung war nur schwer zu erkennen, dass es sich bei dem merkwürdigen Schwulst um eine stilisierte Straße handeln sollte.
Allerdings wurde die Überarbeitung auch für eine sprachliche Neuordnung zum Nachteil der deutschen Sprache genutzt — eine Entwicklung, wie sie beim Land in letzter Zeit leider immer öfter zu beobachten ist.
Links altes, rechts neues Signet. Quellen: LPA, eigenes Foto
Beim Landesnamen bleibt zwar auch nach dem Restyling das im Deutschen und Ladinischen gebräuchliche Südtirol erst- und das im Faschismus oktroyierte A. Adige zweitgereiht. Doch bei der eigentlichen Bezeichnung des Dienstes ist das italienische Servizio strade jetzt — vor Strassendienst (sic) und Sorvisc dles strades — erstgereiht.
Aus Sicht des Minderheitenschutzes ist dies ein Rückschritt.
Obwohl es seit 2017 auch einen »nicht obligatorischen« Großbuchstaben ẞ gibt, wurde Straßendienst zudem mit Doppel-S geschrieben.
Man könnte jetzt anhand der obigen Bildmontage einwenden, dass nun immerhin Ladinisch hinzugefügt worden sei, doch das ist so nicht richtig. Auch vom alten Logo gab es bereits eine dreisprachige Version, die genauso wie die abgebildete (zweisprachige) aussah, bloß dass nach Deutsch und Italienisch eine dritte Zeile mit der ladinischen Bezeichnung hinzugefügt worden war.
→ Falls jemandem noch ein Fahrzeug mit dem alten, dreisprachigen Logo begegnet (zumindest ein Mähfahrzeug ist meiner Beobachtung zufolge noch mit diesem Logo unterwegs, doch ich habe es nicht geschafft, es zu fotografieren), wäre ich für ein Foto sehr dankbar.
Während bei zentralstaatlichen Institutionen die deutsche bzw. die ladinische Sprache praktisch nie vor dem Italienischen gereiht werden (und sehr oft ganz fehlen), rückt Italienisch auch beim Land immer öfter an die erste Stelle. Das Ergebnis ist daher keine Durchmischung, sondern eine Angleichung an die sprachliche Hierarchie des Staates.
Eine autonome Institution hätte in einem Minderheitengebiet die entgegengesetzte Aufgabe: Sie sollte ein Gegengewicht zur strukturellen Dominanz der staatlichen Mehrheitssprache bilden. So wird hingegen die vorherrschende Asymetrie nicht bloß nicht ausgeglichen, sondern reproduziert.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06


Scrì na resposta