Die offizielle Zwei- bzw. Dreisprachigkeit ist eine tragende Säule der Südtirolautonomie. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Land selbst dazu beiträgt, die deutsche Sprache auch dort in eine Nebenrolle zu drängen, wo dies absolut unnötig wäre.
Das passiert zum Beispiel immer wieder in Aussendungen des Landespresseamtes (LPA). So verwendet das offizielle Sprachrohr des Landes auch in deutschen Mitteilungen regelmäßig italienische Abkürzungen, obwohl eigentlich etablierte deutsche Entsprechungen existieren.
Dabei ist die Ausgangslage ja schon stark asymmetrisch: Für unzählige staatliche Einrichtungen und Begriffe gibt es ausschließlich italienische Akronyme — etwa INAIL, RFI, ANPAL oder SPID. Umso wichtiger wäre es, dass das Land wenigstens in den Bereichen, in denen es autonom handeln und eine eigene Terminologie schaffen kann, die Minderheitensprachen konsequent pflegt und sichtbar macht.
Die folgenden Beiden Aussendungen verdeutlichen das Problem exemplarisch:
Bildschirmfotos zweier LPA-Meldungen (01 02) – Hervorhebungen von mir
In der ersten Meldung wird die Landesstraße 44 als »SP 44« statt als »LS 44« bezeichnet. Wie der Name schon sagt, fallen Landesstraßen in die direkte Zuständigkeit des Landes. Das deutsche Kürzel hat hier also exakt dieselbe Legitimität und Daseinsberechtigung wie das italienische SP (für Strada Provinciale). Erst kürzlich hatte ich darauf hingewiesen, dass die Brennerautobahn die deutsche Bezeichnung ignoriert. Doch wenn das Land selbst dies in einem offiziellen deutschsprachigen Text tut, leistet es dieser Unsichtbarmachung indirekt Vorschub.
Noch befremdlicher ist aus meiner Sicht der zweite Fall: Die Gemeindeimmobiliensteuer (GIS) ist eine der wenigen vom Staat ans Land delegierten Steuern. Viele Jahre lang gab es für die staatlichen Vorgänger (ICI, dann IMU) keine deutschen Entsprechungen. Seit der Übernahme durch das Land wurde nun erstmals eine offizielle deutsche Bezeichnung geschaffen.
Wenn das LPA nun in deutschen Texten dennoch auf das italienische Kürzel (IMI) zurückgreift, verwendet es nicht bloß die falsche Abkürzung. Es entwertet damit eine eigene sprachpolitische Leistung. Das Land schafft eine offizielle deutsche Terminologie — und behandelt sie anschließend selbst so, als wäre sie der italienischen untergeordnet und eigentlich verzichtbar.
Dass das Presseamt bei solchen Begriffen auf italienische Abkürzungen zurückgreift, ist mehr als ein kleiner Verstoß gegen gesetzliche Verpflichtungen. Es zementiert nämlich die unterschwellige Wahrnehmung der deutschen Sprache in Südtirol als bloße Sekundär- und Hilfssprache. Die italienischen erscheinen als die maßgeblichen Bezeichnungen, während die deutschen lediglich als Übersetzungen wahrgenommen werden.
Die Folgen sind real und reichen weit über die Landesverwaltung hinaus. Regelmäßig werden LPA-Mitteilungen von Medien (wie z.B. hier) Wort für Wort übernommen. Das LPA fungiert somit als Multiplikator, dessen Sprachgebrauch sich unmittelbar auf Zeitungen, Portale und soziale Medien auswirkt. Was womöglich als Schlampigkeit — oder Nachlässigkeit — beim Land beginnt, etabliert sich anschließend in der Öffentlichkeit.
Für sich genommen mag das nebensächlich erscheinen. In der Summe mit vielen anderen vermeintlichen Nebensächlichkeiten ist es jedoch das, was die Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol vorantreibt.


Scrì na resposta