Die Brennerautobahn, die der zweisprachigen Beschilderung angeblich »besondere Aufmerksamkeit« schenkt, dann aber merkwürdigerweise immer und immer (sowie immer und immer) wieder daran scheitert, kennt keine Landesstraßen.
Wie die folgenden Bilder zeigen, werden sie auf den Schildern an den Abfahrten lediglich mit »SP« (für strada provinciale) aber nicht mit »LS« (für Landesstraße) angegeben:
Ohnehin sind auf den Schildern dieser nach Verkehrsaufkommen bedeutendsten Verkehrsachse des Landes die Hinweise in italienischer Sprache und die italienischen Ortsnamen konsequent erstgereiht. Ladinisch fehlt hingegen auch dort gänzlich, wo auf Ortschaften in der Ladinia (Gherdëina, Jëuf de Sela, Jëuf de Frea…) verwiesen wird.
Hinzu kommt ein weiterer bemerkenswerter Aspekt: Die Mitglieder der Borghi più belli d’Atreju genießen offenbar eine Vorzugsbehandlung. Beim flüchtigen Vorbeifahren hatte ich immer gedacht, dass den betreffenden Ortschaften — wie Kastelruth und Klausen — bloß das Logo dieses Privatvereins beigefügt wird, wenn sie sowieso angeführt werden. Schon das wäre fragwürdig. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber: Die Orte werden angeführt, weil sie Teil dieser Vermarktungsinitiative sind.
Dass ein privater Verein, der schon im Namen eine banal-nationalistische Perspektive transportiert, auf den offiziellen Hinweistafeln einer internationalen Transitautobahn derart prominent berücksichtigt wird, während gleichzeitig die Minderheitensprachen marginalisiert werden, ist durchaus bezeichnend.
Mitverantwortung dafür tragen nicht zuletzt auch die öffentlichen Anteilseigner der Brennerautobahn — insbesondere das Land Südtirol sowie die Gemeinden Bozen und Meran. Gerade sie sollten besonders darauf achten, dass die gleichberechtigte Sichtbarkeit der Landessprachen gewährleistet ist.
Cëla enghe: 01


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