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Karl Zeller und die Ukraine.

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Lieber Karl Zeller,

bei allem Respekt, den russischen Kriegspräsidenten Wladimir Putin hätte auch eine Autonomie samt Minderheitenschutz im ukrainischen Donbas nicht von einem Einmarsch abgehalten. Putin braucht für seinen Imperialismus keinen – wie auch immer gearteten – Vorwand.

Selbstverwaltung plus Minderheitenrechte im Donbas, eine Hürde gegen die Invasion? Zeller ist überzeugt, so sagte er es im Interview mit der Zeitung Corriere dell’Alto Adige, die Ukraine hätte damit Putin das Argument für die »Sonderoperation« entzogen. So als ob Putin ein Vorwand bräuchte, ein Nachbarland zu überfallen.

Der Ex-KGB-Agent und spätere Sankt Petersburger Verbindungmann zur russischen Mafia (siehe dazu das Standardwerk Putins Netz von Catherine Belton) begründete seinen Krieg gegen die Ukraine damit, dass er den angeblichen Genozid an der russischen Bevölkerung in der Ostukraine stoppen wollte. Es gab aber keinen Genozid, die große Mehrheit in der Ukraine sprach wegen der mehrhundertjährigen Russifizierung des Landes – die kommunistische Sowjetunion unterschied sich diesbezüglich wenig vom Zarenreich – Russisch. Besonders im Donbas.

Milizen prorussischer Oligarchen zündelten schon 2014 gekonnt im Osten der Ukraine, gesponsert von amtlichen russischen Stellen. Die ersten Funktionäre der sogenannten »Volksrepubliken« stammten allesamt aus Russland. Sie erklärten die Ostukraine zu »Neurussland«. Purer völkischer Imperialismus. Nachzulesen in Im täglichen Krieg von Andrej Kurkow, im Feuerpanorama von Sergej Gerassimow und auch im Schergenstaat Russland von Alexander Estis.

Einige Monate vor Kriegsbeginn, 2021, veröffentlichte das russische Präsidialamt einen Text von Präsident Putin: »Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer«. Da erklärte der Hobbyhistoriker, dass die Ukrainer:innen nur die kleinen Brüder und Schwestern der Russ:innen sind. Und die können ja jederzeit überfallen werden. Besonders dann, wenn ukrainische Nationalisten ein »Anti-Russland« formieren. Und schon hatte Putin seinen Vorwand.

Schon Parteifreund Luis Durnwalder (SVP) warb 2015 im Donbass für Autonomie und Minderheitenschutz. Eingeladen ausgerechnet von westeuropäischen Rechtsradikalen und einem Pro-Putin-Netzwerk. Südtirol als Modell?

Noch ein Blick auf mögliche Vorwände. Putin ließ auf den ersten Tschetschenienkrieg (1994-96) – initiiert von Putin-Vorgänger und Paten Boris Jelzin – einen zweiten Krieg (1999-2009) folgen. Er ließ das Land plattbomben. Kriegsverbrechen gehörten zur Strategie.

Die russische Armee marschierte in Georgien ein, um die angeblich bedrohten Südoseten und Abchasen vor den Georgiern zu schützen. Seitdem sind beide Regionen russisch besetzt. Ein Krieg, um den Westkurs Georgiens zu stoppen. Erfolgreich gelungen.

Die russische Armee hält Transnistrien in der Republik Moldawien besetzt, weil angeblich auch Neurussland. Leitmotiv, wo ein russischer Soldat begraben liegt – mit und ohne Autonomie – ist Russland.

Putin braucht keinen begründbaren Vorwand, schon gar keinen ethnisch motivierten, um losschlagen zu lassen.

Der Stalin-Nachfolger ließ losschlagen, weil die Ukraine in die NATO wollte, weil die Ukrainer:innen sich vom Sowjetsystem lossagten, weil die Ukraine endlich den russischen Kolonialismus abwickeln wollte. Putin ließ die Panzer rollen, weil er seine oligarchischen Freunde in der Ukraine sponsern wollte. Autonomie und Minderheitenrechte wären da wohl kein Hindernis gewesen, die Ukraine zu überfallen.


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Comentârs

One response to “Karl Zeller und die Ukraine.”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Die bedenklichen Aussagen des Herrn Zeller beruhen auf der SVP-Maxime, wonach die Südtirol-Autonomie die beste der Welt sei. An Südtirols-Autonomie-Wesen soll die Welt genesen. Selbst der sonst nicht gerade naive Durnwalder hat sich damals vor den Karren der Imperialisten spannen lassen, weil er wohl tatsächlich glaubte, dass die Südtirolautonomie etwas Besonderes sei und unser Beispiel anderen helfen könne. Ein unverzeihlicher Irrtum. Dass man sich in Südtirol, vor allem in der SVP, dabei selbst in den Sack lügt, ist wohl darauf zurückzuführen, dass die SVP ihr Scheitern in der Autonomiepolitik aus wahltaktischen Gründen nicht zugeben will, oder noch schlimmer, weil den heutigen SVP-Granden andere Dinge wichtiger sind als das Wohl Südtirols. Bedenklich sind aber auch die Kontakte von Teilen der Südtiroler Freiheit mit europäischen Rechtsextremisten, die als fünfte Kolonne des verbrecherischen Putin-Regimes agieren. Wenn die Südtiroler Freiheit sich nicht auf ihre Wurzeln besinnt und diese Kontakte beendet, dann muss sie wohl das Wort Freiheit aus ihrer Bezeichnung streichen. Über das Windfahnen-Karussell der Südtiroler Freiheitlichen braucht man wohl keine weiteren Worte zu verlieren.

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