Kürzlich berichtete Trail über eine Kampagne der Uniun di paurs de Badia im Südtiroler Bauernbund, mit der über die Rolle der Landwirte als Landschaftspfleger informiert und für ein respektvolles Miteinander auf Wegen und Pfaden sensibilisiert werden soll. Häufig geschehe es nämlich, dass sich die Bauern auf ihren eigenen Straßen als Fremde fühlten.
Das sieht dann so aus:
Bildausschnitt – Quelle: Trail.
Zunächst fällt etwas ausgesprochen Positives auf: Die Kampagne ist nicht nur auch auf Ladinisch gehalten, sondern Ladinisch steht selbstbewusst an erster Stelle, wie es eigentlich normal sein sollte. Und das, obschon die Hauptzielgruppe der Botschaft vermutlich nicht aus Ladinischsprecherinnen besteht.
Das ist ein klares und wohltuendes Statement: Die minorisierte Sprache der örtlichen Bevölkerung wird nicht nur sichtbar gemacht, sondern in den Vordergrund gerückt.
Auch der Titel Düc adöm sön tru! — Alle gemeinsam auf dem Weg! — passt eigentlich gut dazu.
Dann fällt allerdings etwas anderes ins Auge: Die beiden weiteren Sprachen, die für die Kampagne gewählt wurden, sind die Staatssprache Italienisch und die internationale Verkehrssprache Englisch. Deutsch als meistgesprochene Sprache in Südtirol fehlt vollständig.
Das düc adöm wird somit wieder relativiert.
Ich interpretiere das als ein weiteres Symptom für den sinkenden Stellenwert der deutschen Sprache in Südtirol. Für die deutsche Sprachgruppe weiterhin wichtig, empfinden sie offenbar die beiden anderen Sprachgruppen inzwischen relativ oft als vernachlässigbar.
Wenn nur Italienisch und Englisch als übergeordnete Verständigungssprachen dienen, während sich Deutsch und Ladinisch jeweils gegenseitig verdrängen, schadet das den Minderheitensprachen insgesamt.
Wie Prof. Paul Videsott kürzlich — in Bezug auf das Schulsystem — sehr einleuchtend argumentiert hat, beruht die sprachliche Stabilität der ladinischen Täler auch auf einer Balance zwischen den beiden größeren Sprachen Deutsch und Italienisch. Verschiebt sich diese Balance zugunsten einer Konstellation, in der Deutsch entfällt, könnte das mittelfristig auch für das Ladinische zum Problem werden.
Minderheitensprachen profitieren nicht davon, wenn sie untereinander um Sichtbarkeit konkurrieren müssen. Sie profitieren davon, wenn Mehrsprachigkeit als Ganzes selbstverständlich ist.


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