In Bezug auf die beschlossene Streichung von Plan de Corones aus dem Kronplatz-Logo hat der Ladinische Bildungs- und Kulturdirektor, André Comploi, eine gleichsam scharfe wie intelligente Stellungnahme veröffentlicht, die ich hier wiedergeben möchte:
I mëssi baldi compartí n ponsier sön na chestiun che m’á fat veramënter me al cör:
Impröma nes lasciunse tó Al Plan (de Mareo), spo ince ciamó Plan de Corones. Na mancianza de sensibilité da pert de düc chi co á tut la dezijiun, na mancianza de autostima dai ladins che á dé pro ala dezijiun. Sëgn ván (o stán) a San Vigilio, Kronplatz Dolomites?
Püri ladins de Mareo!
– André Comploi
Heute muss ich meine Enttäuschung über zwei Entscheidungen teilen, die mich wirklich getroffen haben:
Zuerst wurde “San Vigilio” als Destinationsmarke eingeführt und damit das ladinische Al Plan de Mareo (St. Vigil in Enneberg) verdrängt. Nun musste auch das historische ladinische Plan de Corones dem deutschen Kronplatz ersatzlos weichen.
Zwei ladinische Orts- bzw. Flurnamen, die die sprachliche und kulturelle Identität der ältesten Sprachgruppe Südtirols widerspiegeln, werden von einer italienischen und einer deutschen Bezeichnung regelrecht erstickt.Was Generationen als sprachliches und kulturelles Recht – nämlich das Recht auf die Verwendung ladinischer Ortsnamen – mühsam erstritten haben, wird heute im Namen einer vermeintlich besseren touristischen Vermarktung preisgegeben. Ein erschreckender Mangel an Sensibilität seitens der Entscheidungsträger:innen und ein ebenso erschreckender Mangel an sprachlichem und kulturellem Selbstbewusstsein seitens jener Ladiner:innen, die solche Entscheidungen mittragen.
Und bitte kommt mir jetzt nicht mit irgendwelchen Marketingstrategie-Floskeln! Das sind vorgeschobene Argumente. Gerade im zeitgenössischen Destinationsmarketing gibt es genügend wissenschaftliche und praktische Ansätze, die kulturelle Identität, sprachliche Eigenständigkeit und lokale Authentizität als wesentliche Grundlagen einer unverwechselbaren Markenbildung verstehen. Ein starkes Branding muss die Identität eines Gebietes nicht verdrängen – im Gegenteil: Es kann und sollte sie sichtbar machen und stärken.Ist San Vigilio – Kronplatz Dolomites also wirklich zeitgemäßes Destinationsmarketing? Oder vielmehr touristische Selbstentfremdung mit postimperialem Beigeschmack, bei der die sprachliche und kulturelle Identität einer Minderheit einer vermeintlichen Branding-Optimierung geopfert wird?
– André Comploi
Comploi, ein international erfahrener, engagierter und vielfältig tätiger Kulturmanager, stammt selbst aus Mareo.
Orts- und Flurnamen gehören zu den wichtigsten und schutzbedürftigsten Kulturgütern einer Sprachminderheit. Genau aus diesem Grund wurden die historisch gewachsenen deutschen und ladinischen Bezeichnungen in Südtirol während des Faschismus systematisch zurückgedrängt und großteils durch italienisch klingende Neuschöpfungen ersetzt. Die daraus entstandene rechtliche Asymmetrie wirkt bis heute fort, da nach wie vor ausschließlich die italienischen Namen die volle amtliche Geltung genießen. In diesem Kontext ist es umso weniger hinnehmbar, dieses Kulturgut leichtfertig kurzfristigen Marketingüberlegungen zu opfern.
Es ist erfreulich, dass diesmal auch aus der ladinischen Gemeinschaft selbst deutlicher Widerspruch kommt. Und es ist höchst an der Zeit, dass die touristischen Vermarkterinnen in Südtirol endlich begreifen, dass die kulturelle Identität eines Gebietes nicht bloß eine Ressource ist, die man nach Belieben für Werbezwecke einsetzen oder aus Gründen vermeintlich effizienterer Markenbildung wegwischen kann.
Cëla enghe: 01

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