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Rita Franceschini über den Spracherwerb.
Quotation 48

  1. Rita Franceschini: Das ist natürlich schon die Realität […], dass die Italienischsprachigen weniger Deutsch können, und umgekehrt, dass die Deutschsprachigen eigentlich […] sehr wohl Italienisch zumindest verstehen und teilweise auch sehr gut sprechen. Dieses Ungleichgewicht, das dann dazu geführt hat, dass man [an der Freien Universität Bozen] desöfteren Sitzungen dann einfach gänzlich auf Italienisch gehalten hat.
  2. Rita Franceschini: Es wäre wichtig, dass es direkte Botschaften gäbe, die da heißen: »Es ist ok wie du Italienisch sprichst, es ist ok wie du Deutsch sprichst, nämlich zwischendurch halt auch mit Fehlern.« Das ist ein großer Unterschied auch zur Schweiz, dass man [in Südtirol] das Gefühl hat, es muss immer alles perfekt sein. Also, man kann nicht Italienisch, Deutsch schon gar nicht, nicht perfekt reden, das ist irgendwie schwierig zu verdauen. Das find‘ ich komisch.
  3. Markus Lobis: Was müssen für Rahmenbedingungen zutreffen, dass es [beim frühkindlichen Spracherwerb] keine Unglücke gibt, die immer wieder heraufbeschworen werden, theoretisch zumindest?
    Rita Franceschini:
    Man kann nichts falsch machen. […]
  4. Rita Franceschini: […] »umso früher, umso besser« stimmt wissenschaftlich nicht. […] Personen, die auch später eine Sprache erwerben, können sie sehr gut erwerben, sie haben einfach eventuell in der Aussprache nicht denselben Zungenschlag. Aber, Herrgott, das ist ja auch nicht das Allerwichtigste. […] Und Erwachsene lernen teilweise Sprachen schneller, wie [sic] Kinder — ein Kind braucht fünf-sechs Jahre, ein Erwachsener kann in drei Jahren dieses Niveau erreichen. Also dieses ganz schnelle Denken, man braucht nur ganz früh die Kinder zu füttern, und dann sind sie zweisprachig für’s ganze Leben, stimmt auch nicht. Weil, wenn diese Sprachen nicht […] beständig gebraucht werden, dann vergessen Kinder auch ganz leicht.
  5. Markus Lobis: Warum wird in […] den schulischen Alltag nicht der Lebensalltag eingebaut?
    Rita Franceschini:
    Ich weiß es nicht. Ich weiß es definitiv nicht.
    Markus Lobis:
    Das ist eine politische Entscheidung, das kann nicht anders sein!
    Rita Franceschini:
    Nein, das hat sicher nicht der Landeshauptmann irgendwann entschieden: Es wird in den Oberschulen nur Literatur gemacht. Also das geht nicht.
    Markus Lobis:
    Aber wer hat das dann beschlossen?
    Rita Franceschini:
    Das sind didaktische Traditionen, […] die Sprachvermittlung ist auch ein kulturelles Produkt.
  6. Rita Franceschini: Wobei [Wittgenstein] natürlich auch in einer Donaumonarchie aufgewachsen ist, in der mehrere Sprachen schon immer a) respektiert wurden b) gepflegt wurden und [die] eine übrigens explizite Sprachpolitik gehabt hat, die auf Vielfalt aus war. Und es war einfach zu früh, wahrscheinlich. Heute in Europa sind wir viel donaumonarchischer.
  7. Rita Franceschini: Ich empfinde Südtirol sowieso als ein Gebiet, das nahtlos mit dem deutschen Sprachgebiet in Kontinuität lebt, also die rein sprachlichen, grammatikalischen, lautlichen Phänomene, die da sind, die sind genau gleich, wie im süddeutschen Raum […] — aber von den Einstellungen der Personen her, ist die Situation die, dass ein Minderheitenschutz hier als wichtig empfunden wird. Die Personen empfinden sich als Minderheit, die etwas zu schützen hat. Und das ist in allen Sprachminderheitensituationen so, ich glaube, es gibt keine Sprachminderheit, die nicht Angst hätte, die Sprache zu verlieren — und ich finde, das ist eine Größe, die man sehr ernstzunehmen hat…
    Markus Lobis:
    Es ist der konstituierende Faktor unseres Sonderstatus’…
    Rita Franceschini:
    Nein! Und es braucht auch ein Schulsystem, das eine Sprache schützt […].
  8. Markus Lobis: Aber ist das dann mit der Person verbunden, die dann in Kontakt ist mit dem Kind? Weil das ist ja auch immer diskutiert worden, dass wenn man mit Kindern spricht, sollte auch vor allem im mehrsprachigen Kontext, dass dann ein Elternteil wirklich sich bemühen sollte, wirklich nur in einer Sprache zu sprechen. Weil das ist ja auch manchmal schwierig für eine mehrsprachige Familie.
    Rita Franceschini:
    Das ist ein Mythos, dass das funktioniert. Also Kinder sind ja nicht dumm, sondern eigentlich manchmal g’scheiter als Erwachsene. Die merken doch auch, dass Papa und Mama sehr wohl die beiden Sprachen können und dass die miteinander in verschiedenen Sprachen reden, und vielleicht mal so, mal so… und weshalb mit mir nur so und die untereinander nicht? Also… alles was künstlich ist, funktioniert nicht. Das ist sicher eine der wenigen Regeln die ich sagen würde, wo man 100% sagen kann: Stimmt nicht! Also, künstlich eine Kommunikationssituation mit den Kindern aufrecht zu erhalten, das geht in die Binsen.

Stellenweise Auszüge aus dem Interview von Markus Lobis mit Prof. Rita Franceschini zum Thema »Spracherwerb im mehrsprachigen Kontext« (Ostwest/Zigori Clubabend vom 9. Mai 2012).

Siehe auch:
Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Scola Wissenschaft | CLIL/Immersion Zitać | Markus Lobis Rita Franceschini | | Südtirol/o | Freie Universität Bozen OstWestClub | Deutsch

17 replies on “Rita Franceschini über den Spracherwerb.
Quotation 48

Markus Lobis, ebenfalls während des Interviews:

[Sie] kommen plötzlich in einer wichtigen Phase nach Südtirol und werden Rektorin einer neuen Uni, die mit ziemlichem Aufwand aus dem Boden gestampft wurde, in einem Land, wo es keine akademische Tradition gibt, und sie übernehmen dann dort das Rektorat.

Die Universität Innsbruck existiert (mit einer Unterbrechung zwischen 1783 und 1826) seit 1669. Kann man das wirklich ein Land nennen, in dem es keine akademische Tradition gibt? Oder passt das einfach besser in die Schublade der unkultivierten Tiroler?

Auch interessant: Prof. Franceschini berichtet, dass sich im letzten Jahr die Schützen bei ihr gemeldet haben, um das Thema Mehrsprachigkeit ergebnisoffen zu diskutieren — und Lobis macht einen aufschlussreichen »Witz«.

Rita Franceschini: Die sind zu mir in’s Kompetenzzentrum gekommen, wir haben uns an einen Tisch gesetzt und sie haben mir eröffnet, dass sie das Thema Mehrsprachigkeit behandeln wollen.
Markus Lobis: …aber nicht mit Endlösungsstrategien!?
Rita Franceschini: Und zwar… Mehrsprachigkeit, ja, das hätte sie interessiert, das mit der rezeptiven Mehrsprachigkeit. […] Sie wollten eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Mehrsprachigkeit machen; und zwar, wurde mir gesagt, sie brauchen für die Jugend auch Zukunftsperspektiven.

Markus Lobis: …aber nicht mit Endlösungsstrategien!?

Markus Lobis ist ein politischer Desperado, der nur mehr mit dauerndem Herumgefuchtel mit der Nazikeule zu „argumentieren“ versucht. Ein Versuch, auf dem politisch unverdächtigen Blog Freiessüdtirol über das Alpinitreffen mit ihm zu diskutieren war leider gescheitert, weil er zuerst mit Begriffen wie „Blut und Boden“ um sich geworfen hatte u. später nur mehr mit „Muahahhaa“ und „Gäähn“ antwortete. Danach war die Diskussion zu Ende — wer weiß, mit welchen Körpergeräuschen Lobis sonst noch „diskutiert“ hätte….
Ich erwähne dies deshalb, um zu sagen, daß die Grünen in Südtirol argumentativ in eine Sackgasse geraten sind. Einerseits will man nicht weg von Italien, andererseits will man ein interethnisches Südtirol, das IMHO erst nach dem Los von Rom möglich ist. Vielleicht haben die Jungen Grünen 2009 den Selbstbestimmungsvorstoß gewagt, weil sie im Unterschied zu den „Alten“ in der Partei verstanden haben, daß in einem Staat Südtirol Dinge wie Proporz u. Mehrsprachigkeit leichter abgeschafft werden können, als unter Italien…?

@pérvasion

Einige Ansichten des Betreibers klingen ziemlich sozialdemokratisch. Der Betreiber selbst stammt aus eine gemischtsprachigen Familie und spricht sich für ein Los von Rom unter Einbeziehung aller Sprachgruppen aus. Kurz gesagt: Er gehört nicht zu den Leuten, die für Markus Lobis und Co. unter die Kategorie „Übliche Verdächtige“ fallen.
Also doch politisch unverdächtig.

politisch unverdächtig… naja naja…

Bitte was ist “politisch unverdächtig?” naja naja…Ich weiße es nicht, deshalb frage ich …

Die Grünen sind natürlich politisch völlig unverdächtig, ebenso wie die Sozialdemokraten. Bei den Christdemokraten muss man schon ordentlich Vorsicht walten lassen. Die Freiheitlichen gehören genauso wie die von der STF schon in die Rubrik “politisch Verdächtige” Die bösen und revisionistischen Schützen sowieso.
Was erlauben sich die Verdächtigen, das(s) sie von “Unverdächtigen” sofort und zweifelsfrei als solche entlarvt werden?
Ist es vielleicht das etwas rustikalere Eintreten für die Selbstbestimmung?
Zu viele Fehler in einem Plagiat? Die verdächtigen Trachten? Die Vergangenheit die einfach nicht vergehen will?

Die Meinungsfreiheit ist bekanntlich das wichtigste Menschenrecht. Gilt dieses Recht für alle, oder doch nur für die “Unverdächtigen?”

Die deutsche Grün-Partei (Mutter aller Grünen- und Innen) wurde 1980 nahezu ausschließlich von Kommunisten/Marxisten gegründet. Um die in ihrer Einheits-Uniform auftretenden Grün_innen besser unterscheiden zu können, wurde auch gleich dÊ’É›ndÉš (Gender) fester Bestandteil ihrer Bewegung.
Die Grünen wollten gleich am Anfang und voller Datendrang den Bau von Einfamilienhäusern verbieten lassen, obwohl gerade in ihrer Bewegung besonders viele Architekt_innen (und sonstige Künstler_innen) vertreten waren und sind. Einfache Handwerker eher nicht, denn die kommen meist aus einfachen Verhältnissen, sind weniger gebildet und somit naturgemäß nicht Zielgruppe der “elitären” Öko- Bewegung. Als nützliches Stimmvieh natürlich schon…Was von vielen nur als gut gemeinter grüner Scherz im grauen Alltag empfunden wurde, war durchaus ernst gemeint, hat sich dieses Model doch in der DDR so großer Beliebtheit erfreut und sich auch ausgesprochen gut bewehrt. Und überhaupt, war damals für die Grün_innen in der roten “DDR” alles viel viel besser … Nur leben wollte man- aus verständlichen Gründen- dann doch lieber in der BRD.
Man sagte damals nie Deutschland, sondern immer nur BRD, außer wenn man es (wieder einmal) abschaffen wollte wie: Claudia Roth: “Nie wieder Deutschland! Nie wieder Faschismus!”

Gestern war der Dalai Lama in Wien und hat am Helden-Platz eine Rede gehalten. Nicht einer der bekannten linken Gutmenschen die bei jeder Gelegenheit gegen rechte Gewalt und Faschismus und für mehr Freiheit und Demokratie demonstrieren und die Straßen unsicher machen, war anwesend.
Noch vor wenigen Tagen haben am selben Platz tausende Linke (meist Studenten) gegen Gewalt, Faschismus und Intoleranz demonstriert. Von T-Shirts lachten wie in guten alten Zeiten Che Guevara, Mao, Ho Chi Minh,Marx und wie sonst noch alle heißen … und natürlich der rote Stern mit Hammer und Sichel … die SP- Runen waren übrigens auch überall zu sehen …

Jetzt noch einmal meine Frage: Wer oder was ist “politisch unverdächtig?” und vor allem warum …

Auf deinen pauschalisierenden Rundumschlag will ich gar nicht eingehen — ich glaube, der disqualifiziert sich von selbst. Was das »politisch Unverdächtige« betrifft, so glaube ich einfach nicht, dass jemand grundsätzlich über jeden Zweifel erhaben sein kann, geschweige denn jemand, der sich erst seit kurzem auf der politisch-medialen Bildfläche befindet oder/aber seinen Klarnamen geheimhält.

Die politisch Unverdächtigen wollen los von Rom, wie auch die Freiheitlichen, die Union und die STF.
Die Freiheitlichen sind am weitesten, und haben sogar schon recht konkrete Vorstellungen, wie eine solche Republik ausschauen könnte.
Die STF und andere wollen zurück zu Österreich, was wohl selbst für diese tapferen Einzelkämpfer sehr utopisch erscheinen mag, wenn auch sehr romantisch.
Das Modell der Freiheitlichen ist auch hier am realistischsten und durchaus im Bereich des Möglichen. Die Freiheitlichen als Gesamtes sind aber- so sagt man- nicht ganz unverdächtig, was immer das heißen mag. Ein verdammter Teufelskreis in der sich die zerstrittenen Hofer- Nachfolger bewegen. Und dabei wollen ALLE doch nur eins: LOS VON ROM!
Aber kaum ausgesprochen, hat schon jemand Bedenken, ein zweiter noch größere Bedenken, und ein Dritter findet es unter Italien gar nicht mal so schlecht, wenn ..je wenn … Die Angst vor der eigenen Courage ist übermächtig. Das Pausenläuten kommt da gerade recht. Pause, bei echten SÜDtioler Speck und SÜDtiroler Milch- je nach dem … man will unter sich bleiben, so wie die Unverdächtigen unter sich bleiben, die STF, die freiheitlich und all die anderen auch.
Jetzt wird erstmal das Vorgehen der jeweils anderen Freidenkerpartei diskutiert und analysiert. Neidisch Blicke überall. Neidische blicke, die man sonst nur kennt, wenn der Nachbar ein schöneres und schnelleres Auto gekauft hat, um bequemer und schneller an der Adria zu sein.
Punkt für Punkt, Beistrich für Beistrich wird jedes Freiheits-Manifest der gegnerischen Freiheitsbewegung genüsslich zerpflückt, jeder Stein dreimal umgedreht, jedes Wort auf seine Unverdächtigkeit mit der Lupe untersucht. Wird selbst nach langem und intensiven Suchen nichts gefunden, wird eben das ganze Maifest als verdächtig unverdächtig erklärt und als ungeeignet befunden.

Ein Plagiat (vielleicht sogar gut gemeint- aber eben ein Plagiat) wird entdeckt, und sofort wird (muss) es veröffentlicht werden. Die Eitelkeit eines Freidenkers soll und darf ja nicht unterschätzt werden! Wo kämen wir denn da hin, wenn … ja wenn da jeder Dahergelaufene … Und wehe, eine ganzes Freidenkerkorps wird plagiatiert!

Freidenker in Südtiroler denken über ihre Zukunft und über die Zukunft ihres Landes nach. Solange sie nur nachdenken und diskutieren, wird nichts Aufregendes passieren, werden sich die Italiener und die SVPler denken, und beruhigt zurücklehnen.
Das kommt mir manchmal vor, als würde ein älterer Herr in einer weltbekannten Wiener Hofzuckerbäckerei um Naschereien betteln, weil er vergessen hat, dass ihm der ganze Laden gehört. Nicht lachen! Das gab es wirklich! Das war etwa zur gleichen zeit, als in Südtirol Österreicherwitze außer Mode kamen (lieber Landstreicher als österreicher) – also vor nicht allzu langer zeit ..

Das ist aber Vergangenheit, jetzt wird ernsthaft nachgedacht und diskutiert! Nicht etwa, weil die Italiener aus Südtirol ein it. Elsaß- Lothringen machen wollen (das wartet noch auf seine Vollendung) auch nicht weil österreich zum letzen mal nach Südtirol ruft (das ist spätestens mit den Landstreichern verstummt- die Eitelkeit der österreicher wollen eben auch nicht unterschätz werden!)
Wenn die Podiumsdiskussion Nr. 998 über die Bühne geht, bitte mich benachrichtigen, bei Nr. 999 möchte ich auch dabei sein!

Aber vielleicht kommt doch noch ein Freidenker auf die Idee, schließt sich mit all den anderen Freidenkern in ein Zimmer ein (oder noch besser er lässt sich einschließen) und verbleibt solange dort, bis ein gemeinsamer Nenner gefunden ist, ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsamer Gedanke, ein gemeinsames Miteinander (und nicht gegeneinander!) Auch wenn dabei die eigene Eitelkeit, die ganze Unverdächtigkeit verloren geht!
Ich fürchte, eher erlebe ich Podiumsdiskussion Nr. 999 … von 1000 … mehr hält selbst der eitelste Unverdächtige unter den Unverdächtigen nicht aus … oder doch? Wie heißt es bedrohlich schon in einem zitat: “Man (n) soll die Eitelkeit eines Mannes nicht unterschätzen!” [und die eines akad. Freidenkers schon gar nicht! Anm.]

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