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Buonanotte, Adelinde.

Ich bin gerade mit dem Trenitaliazug (von 21.32 Uhr) von Bozen nach Brixen zurückgefahren. Kurz nach Abfahrt wurde ich von einer Schaffnerin, Adelinde H.1*) Ihren vollen Nachnamen hat mir Frau H. verraten, doch nachdem er nicht auf ihrem Namensschild stand, möchte ich ihn hier auch nicht veröffentlichen., die aufgrund ihres Akzents eindeutig als deutsche Muttersprachlerin zu identifizieren war, kontrolliert und ausschließlich auf Italienisch um die Fahrkarte gebeten. Nachdem ich einige Sekunden verstreichen lassen hatte, um mich zu vergewissern, dass da nicht doch noch eine Frage auch auf Deutsch kommt, habe ich die gute Frau freundlich, aber bestimmt gefragt, ob sie denn nicht auch Deutsch spricht. »Doch«, meinte sie, sie sei jedoch von Trenitalia angestellt und dazu verpflichtet, mich auf Italienisch anzusprechen. Dem entgegnete ich, wir seien in Südtirol und sie habe eben auch die Pflicht, mich auf Deutsch anzusprechen — worauf sie mich bat, mich doch einfach zu beschweren. Nachdem sie meinen SüdtirolPass angeschaut, aber nicht kontrolliert hatte, denn Schaffner in Zügen, die auch außerlandes verkehren (dieser kam aus Bologna), verfügen — Achtung: Schwarzfahrertipp! — grundsätzlich nicht über das notwendige Gerät, zog sie weiter und wandte sich auch an alle weiteren Fahrgäste (großteils deutschsprachige Jugendliche auf dem Weg ins Max) ausschließlich auf Italienisch. Es war also kein Zu- oder Einzelfall.

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    *) Ihren vollen Nachnamen hat mir Frau H. verraten, doch nachdem er nicht auf ihrem Namensschild stand, möchte ich ihn hier auch nicht veröffentlichen.
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14 replies on “Buonanotte, Adelinde.”

Questa mi giunge francamente nuova: mi è sempre parso che i capotreni che fossero minimamente in grado si sforzassero con la lingua.
Il capotreno che conosco io, quando faceva la linea del Brennero parlava in tedesco a tutti e molto volentieri. Sapeva che era un diritto per gli abitanti della zona e la cosa gli piaceva. In alternativa parlava inglese, italiano e dialetto veneziano. In effetti però lui è un comunista di ferro, che ha vissuto alcuni anni a Bolzano e torna sempre a trovarci. Io una volta gli regalai un cinturone tirolese in cuoio con su Marx, Lenin e falce e martello; e lui mi regalò pure una borsa su cui aveva stampato “Südtirol ist nicht Italien” dicendo: “esta chi ea xe par l’autodeterminasion!” :-)

Questa mi giunge francamente nuova: mi è sempre parso che i capotreni che fossero minimamente in grado si sforzassero con la lingua.

Infatti, questa si sforzava talmente da dimenticare la propria lingua. ;)

Immaginati un controllore italiano che si rifiutasse di utilizzare la propria lingua perfino nei confronti di passeggeri italiani. Ora sarebbe anche divertente e interpretabile come «controbilanciamento» (discriminazione positiva). In un ipotetico Sudtirolo indipendente siginificherebbe il fallimento del plurilinguismo. Ecco, questa signora per me rappresenta un po’ questa deriva, oltre a incarnare il ruolo delle aziende statali in Sudtirolo.

Ad ogni modo: un cinturone così lo voglio anch’io.

… das klingt ja richtig nostalgisch! Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Knabe im Brixner Postamt stets italienisch parlierte, wissend “siamo in Italia”! Nach etwa 30 Jahren begegnete ich der Dame dann wieder öfters, – sie hatte sich inzwischen “geoutet”, – sie war aus Völsamschlern!! – Sie wollte eben sein wie Ginalollobridschida!

Wie Dschinalollobridschida darf im Privaten jeder sein wollen, der es gerne möchte. Im Dienst hat sie/er sich jedoch nicht an persönlichen Vorlieben zu orientieren, sondern zuerst an den Rechten der Bürgerinnen.

Sitze gerade im Regionalzug von Brenner nach Meran. Wen treffe ich Dort? Adelinde H. Sie fragte die Fahrgäste zuerst auf italienisch dann auf deutsch nach der Fahrkarte und bedankte sich mit einem “Danke”. Vielleicht hat sich diesbezüglich etwas geändert, bei Adelinde H. anscheinend schon.

Als Anektdote zum Thema vielleicht noch dieses: Ich habe vor Jahren, als es am Brenner noch Grenzkontrollen gab, mit einem in Brixen geborenen und dort ansässigen (italienischen) Polizisten eine längeren Disput gehabt, weil er darauf bestand, dass ich mit ihm Italienisch sprach. “Siamo in Italia”, war seine überzeugende Argumentation. Einige Jahre danach gab es in einem Brixner Lokal eine äusserst attraktive Kellnerin (eine Roma aus der Slowakei, aber das dürfte kaum jemand hier kapiert haben), die zunächst nur Deutsch (neben Romanes, Ungarisch und Slowakisch) sprach. Der besagte Polizist, der sich im Bleiheben übte, kramte plötzlich alle deutschen Worte hervor, die er jemals gehört hatte, mit eher peinlichem Erfolg. Die Kellnerin konnte übrigens nach sechs Monaten auch perfekt Italienisch, der Polizist kann nach 60 Jahren immer noch nicht halbwegs Deutsch.

Ich verstehe oder interpretiere diese Anekdote folgendermaßen: In Südtirol passen sich Zuwanderer und einheimische Menschen deutscher Muttersprache mehr an die herrschenden Verhältnisse an, erlernen die Staatssprache eher oder rascher – und benützen sie bereitwilliger, wenn sie erkennen, dass die Muttersprache des Gegenübers Italienisch ist (nicht immer aus reiner Höflichkeit, sondern eben oft aus opportunistischen Gründen oder auch aus Bequemlichkeit, was vielleicht bei der Schaffnerin der Fall war).
Die besagte Schaffnerin steht somit exemplarisch für eine prinzipielle Problematik einer nur vermeintlich bilingualen Gesellschaft Südtirols. Aufgrund dieser Umstände erlangt Italienisch in Südtirol auf Dauer eine Vorrangstellung, ein Übergewicht, das mittel- bis langfristig Folgen haben wird, die wohl nicht näher beschrieben werden müssen.

Nach meiner Vorstellung gibt es Südtiroler deutscher, ladinischer und italienischer Muttersprache. Für alle stellt sich das gleiche Problem, ob sie die jeweils andere(n) Sprache(n) erlernen bzw. auch verwenden wollen, und natürlich auch das Problem, ob sie – aus welchen Gründen auch immer – auf die Verwendung der eigenen Muttersprache verzichten, um sich eventuell als besonders systemtreu zu profilieren. Es ist ein sehr komplexes Problem, zu dem ich mit meiner (wahren) Anekdote einen Beitrag leisten wollte. Wenn er nicht verstanden wurde, tut es mir leid, aber nicht jedem ist es gegeben …

… nach meiner Wahrnehmung verwenden zu viele Südtiroler deutscher Muttersprache “im Zweifel” lieber italienisch als die deutsche Standardsprache und nur so kann man sich “sprachlich zu erkennen” geben!
Auf der anderen Seite mache ich reihenweise die Erfahrung, wenn ich als Kunde in ein Geschäft oder als Gast in ein Lokal eintrete, dass auf meinen deutlich vernehmbaren Gruß und meine erste Frage in meiner (Standard)-Muttersprache, dass mein Gegenüber ohne Achselzucken oder sonstiger Geste des Bedauerns in italienisch fortfährt! – Wenn uns niemand zuhört gebe ich zu verstehen dass ich dies als Unhöflichkeit auffasse, im anderen Fall verlasse ich den “Laden” wortlos.
– Aber auch eine Erfahrung ist, wie im lokalen Hörfunk und Fernsehen meist junge Menschen mit italienischen Vor- und Familiennamen einwandfrei deutsch sprechen!

ihren vollen Nachnamen hat mir die Lady ebenfalls verraten

Wohl die Schwester von Herrn Aldo Adige, dem Tourismustycoon von Sankt Candidus

Diese Anektote hat wenig mit der Situation in Südtirol zu tun sondern mit der Beschränktheit einer einzelnen Person. Ich kann mir aber dabei ein “typisch Deutsch” nicht verkneifen.

7. Februar 2013. Bahnfahrt Bozen – Klausen. Ich bestehe bei der Fahrkartenkontrolle durch ein mehrfaches “Grüßgott”, auf Deutsch als Verkehrssprache. Die Antwort des Schaffners: “Lei si è svegliato male.” Dies um 16.10 Uhr nachmittags.

Das ist beileibe nicht ein Einzelfall. Vor etlichen Jahren hat ein Trenitalia Schaffner, nachdem ich auf Deutsch bestanden habe meine Stammkarte und meinen Ausweis kontrolliert, als einzigem Passagier im Waggon – wohl auch kein Zufall.

Auf meine damalige email an Roger Hopfinger hat dieser bestritten, dass es in den Trenitalia Zügen, die von der entsprechenden Regionalabteilung verwaltet werden, eine Anweisung gäbe, Deutsch immer an zweiter Stelle bzw. überhaupt nicht zu verwenden.

@ gorgias
Der von pervasion geschilderte Fall ist kein Einzelfall. Einzelfälle sind SüdtirolerInnen, die auf ihr Recht auf Gebrauch der Muttersprache bestehen. Diese werden der Lächerlichkeit preisgegeben oder gemobbt. Entweder die Sprachen sind gleichgestellt oder nicht. Und jetzt bitte nicht mit Kommentaren, wie typisch Deutsch aufwarten. Mal in der Schweiz mit der Bahn unterwegs gewesen? Dort begrüßt der SBB Schaffner auf der Nordrampe der Gotthard-Bahn, die KundInnen in der Reihenfolge Deutsch-Italienisch auf der Südseite des Gotthard-Tunnels (Tessin) in der Reihenfolge Italienisch-Deutsch. Das sind Standards und zeugt von Sensibilität, wie man in mehrsprachigen Gebieten agiert.

Ja, die »Einzelfälle« passieren fast jedes Mal, wenn man Deutsch spricht. Unser Land muss weltweit eine der höchsten Einzelfalldichten haben… in sechs Jahren Schweiz (z.T. als Zug-Tagespendler im italienischsprachigen Tessin) habe ich keinen einzigen erlebt.

Ach ja, auch Adelinde wollte meinen Ausweis haben. Nur meinen. Wenn man so »aufmüpfig« ist, ein Recht (!) in Anspruch zu nehmen, muss man in Südtirol mit Konsequenzen rechnen.

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