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Was darf Tourismuswerbung?

Am Mittwoch wurde im Landtag über einen Beschlussantrag der Süd-Tiroler Freiheit diskutiert und abgestimmt, mit dem die Bewegung auf das Problem des Ortsnamensgebrauchs in der offiziellen Tourismuswerbung aufmerksam machen und eine Lösung vorschlagen wollte. Obschon in weiten Teilen unterstützbar, schoss der detaillierte Antrag wohl in einigen Punkten über das Ziel hinaus — jedenfalls, wenn man sich eine vollumfängliche Annahme im Landtag erhofft und vorgenommen hatte. Schlussendlich konnte sich die Mehrheit bei einer sogenannten Abstimmung nach getrennten Teilen dazu durchringen, einen kleinen Stummel des Textes zu genehmigen, der wie folgt lautet:

Der Südtroler Landtag fordert die Landesregierung auf, bei der Südtirol Marketing Gesellschaft zu intervenieren, damit diese die Feriengäste Stück für Stück an die authentische Toponomastik heranführt und die Richtlinien zum Gebrauch der Orts- und Flurnamen in der Tourismuswerbung entsprechend modifiziert und verfeinert.

Immer und immer wieder hatten auch wir — möglicherweise sogar als erste — auf das Problem hingewiesen, dass in Südtirol ein kulturell äußerst sensibles Thema wie die Ortsnamengebung immer mehr dem Gutdünken kurzfristig denkender Marketingabteilungen überlassen wird, statt es mit dem demokratischen Willen der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Mit dem nun großmehrheitlich genehmigten Textausschnitt wird die Angelegenheit zwar nicht gelöst, doch SMG, Tourismusvereinen und anderen Akteuren der Vermarktungsbranche wurde vom Landtag erstmals eine Grenze aufgezeigt. Der Landeshauptmann als Inhaber der Zuständigkeiten im Tourismus wird die Verantwortlichen der SMG treffen und ihnen klarmachen müssen, dass der im Landesparlament vertretene Souverän die derzeitige Vorgehensweise nicht goutiert.

Ob dies wenigstens teilweise zu den gewünschten Ergebnissen führen wird, werden wir auch weiterhin genau beobachten.

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13 replies on “Was darf Tourismuswerbung?”

Der genehmigte Stummel des Gesetzes ist das Papier nicht Wert, auf dem er steht.

Der Landeshauptmann als Inhaber der Zuständigkeiten im Tourismus wird die Verantwortlichen der SMG treffen und ihnen klarmachen müssen, dass der im Landesparlament vertretene Souverän die derzeitige Vorgehensweise nicht goutiert.

Der Teufel steckt, wie so oft, wieder einmal im Detail. Denn was der LH schlussendlich daraus macht, liegt ganz an ihm. Vor allem wird es darauf ankommen, mit welcher “Begeisterung” und mit welchem Nachdruck er die Verantwortlichen der SMG auf den “Missstand” hinweist bzw. ihnen auf die Finger klopft.

Das stimmt natürlich. Doch die Marketingfreunde dürften seit langem zum ersten Mal den Atem der Politik in ihrem Nacken spüren und vielleicht wenigstens einmal innehalten. Denn wenn sie sich weiterhin aufführen, wie Elefanten im autonomiepolitischen Porzellanladen, kann es gut und gerne passieren, dass schon bald ein etwas strengerer Beschluss durchgeht. Allerdings ist der Stummel an sich tatsächlich nicht viel wert.

… die MarketingStrategen verstehen sicher besser was unserem Land gut tut ! – Es ist ebenso sicher eine Studie vorausgegangen, wonach die italienisierten Namen eben mediterran verlockender klingen ! Dass die “Destination” dann alpin daherkommt ist sicher ein Marketing”gerechter” Schachzug ! !
Qualitätstourismus pur ! ! !

Unter dem Anspruch der SMG unser Land authentisch präsentieren zu wollen, sollten schon die geschichtlichen Namen zuerst und hinter dem Schrägstrich die Übersetzung aufscheinen. Dies sollte für nicht-deutsche Texte gehandhabt werden, in deutschen Texten würde ich nur die Hauptorte wo ein italienischer Bevölkerungsanteil besteht deutsch/italienisch anmerken. Das selbe gilt für die Ladinischen Talschaften.

es ist ein Irrglaube, dass der Gast im Allgemeinen die südländisch klingenden Namen den historischen vorzieht, auch wenn diesen Unsinn sogenannte “Experten” propagieren. Warum ist die Werbung in Österreich sehr viel erfolgreicher, obschon sie keine Verzerrung der Ortsnamen betreiben?
Nein, eine erfolgreiche Bewerbung eines Gebietes muss die historisch gewachsenen Namen schon “ertragen”, oder?

Wie sagte Dieter Steger doch so schön ? Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Fischer. Nur hat Steger vergessen, daß jemand der bildlich gesprochen nur mit Fast Food und Coca Cola groß geworden ist, ein gutes Essen und ein gutes Glas Wein nicht mehr zu schätzen weiß. Die touristische Prostitution im Namen des schnöden Mammon muß endlich aufhören. Landschaftszertörung, respektloser Umgang mit historischen Namen, Lebensräume, die zu “locations” für “Mega-Events” verkommen -den Touristikern müssen endlich mal Grenzen aufgezeigt werden. Dieser Beschlußantrag kann ein kleiner Ansatz dafür sein.

Es ist leicht über fremdes Geld zu bestimmen…

den Touristikern müssen endlich mal Grenzen aufgezeigt werden.

Welche den? Was läuft den falsch? Es würde mich freuen wenn alle Menschen einen derartigen Beitrag zur Gesellschaft (Arbeitsplätze,Steuern,Aufträge an verschiedenste Unternehmen) leisten wie Touristiker. Die Bauern, die wie aus Steffls STRATFOR Bericht hervorgeht, nur aus einem Grund über alle Ohren mit Steuergeldern subventioniert werden, nämlich den Machterhalt der konservativen SVP zu sichern! Eher nicht von wem den dann? Der Industrie, die immer mehr zurückgeht, sofern sie denn überhaupt da war…
Personen wie sie sollten einmal darüber nachdenken woher denn ihr Geld kommt!

Ich bin auch der Meinung, dass die Touristiker bzw. die Tourismusvermarkter in die Grenzen zu weisen sind. Egal wie erfolgreich sie sind (was auch immer man darunter versteht): Wenn sie sich anmaßen, Entscheidungen zu treffen, die in einer Demokratie dem Souverän vorbehalten sind, ist die Grenze mit Sicherheit überschritten.

Personen wie sie sollten einmal darüber nachdenken woher denn ihr Geld kommt!

Woher kommt denn das Geld für die Tourismuswerbung ? Von uns Steuerzahlern ! Da wird es hoffentlich nicht zuviel verlangt sein, wenn wir auch ein Wörtchen mitreden dürfen. Die Außendarstellung unseres Landes kann und darf uns nicht egal sein – ganz gleich, ob es um Ortsnamen oder um Absurditäten wie den wöchentlichen Almabtrieb oder “Tirolerabende” geht.
Was die Grenzen anbelangt: Es kann nicht immer um Gewinnmaximierung gehen. Irgendwann sind die Touristen auch “stuff” von heillos überlaufenen Orten, Mega-Events und ahnlichem. Wir können nicht zusehen, wie uns der Ast, auf dem wir sitzen abgesägt wird.

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