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Autorinnen und Gastbeiträge

Kritische Betrachtung der Impfpflicht.
Im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Bevormundung

von Oliver Hopfgartner*

Der italienische Staat weitete kürzlich per Gesetz die Impfpflicht aus, indem die Anzahl der Pflichtimpfungen von vier auf zwölf und die Verwaltungsstrafen von 250€ auf bis zu 7.500€ erhöht wurden. Die Impfpflicht wird kontrovers und emotional diskutiert. Aus medizinischer Sicht besteht kein Zweifel daran, dass Impfungen sinnvoll sind. Doch es gibt auch Ärzte, die sich gegen eine Impfpflicht aussprechen. Ich möchte im folgenden Text kurz umreißen, warum Impfungen sinnvoll sind, aber eine Impfpflicht kritisch zu sehen ist.

Warum sind Impfungen sinnvoll?
Impfungen können den Patienten vor einer Infektion mit Krankheitserregern schützen. Das Risiko einer Impfung ist deutlich geringer als das mit der Krankheit verbundene Risiko. Darüber hinaus wird die Übertragungskette unterbrochen, wenn eine ausreichende Anzahl von Menschen geimpft ist, sodass dadurch auch die wenigen Nicht-Geimpften geschützt sind. Dieser Effekt wird als Herdenimmunität bezeichnet. Immer wieder wird die Wirksamkeit von Impfungen angezweifelt, doch die Wirksamkeit kann eindeutig belegt werden. Dazu möchte ich auf die ausgerotteten Pocken sowie auf die Tatsache verweisen, dass von den rund 2.500 in Italien aufgetretenen Masernfällen rund 90% keine Impfung erhalten hatten. 1/ Impfungen gelten als sicher. Nebenwirkungen sind generell selten und umfassen in der Regel leichte Beschwerden wie Fieber. 2/ Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen kommen noch seltener vor und stellen eigentlich keine Gefahr dar, da ein impfender Arzt die entsprechende Ausbildung und Ausrüstung hat, um die Situation zu entschärfen. Aus Übersichtsgründen wird an dieser Stelle darauf verzichtet, näher auf die Wirkmechanismen von Impfstoffen einzugehen, ich möchte aber auf einen Artikel verweisen, den ich vor vier Jahren zu diesem Thema verfasst habe. 3/

Warum sind Menschen teils so impfskeptisch?
Das menschliche Gehirn ist trotz seiner morphologischen und funktionellen Komplexität relativ einfach gestrickt, sodass dem Menschen Denkfehler unterlaufen. So neigt das menschliche Gehirn dazu, Kausalitäten zu sehen, wo keine sind. Dadurch wird die Bewertung von medizinischen Interventionen verzerrt: Krankheiten verlaufen kurven- oder wellenförmig. Zuerst steigern sich die Symptome und in der Regel nehmen Patienten erst dann Medikamente oder ärztliche Leistungen in Anspruch, wenn sie den Gipfel fast erreicht haben. Dementsprechend wird der Patient die darauffolgende Linderung auf das Medikament zurückführen, obwohl sich die Symptome womöglich auch ohne Intervention gebessert hätten. Bei Impfungen ist es genau umgekehrt: Impfungen werden an Gesunden durchgeführt. Dementsprechend wird jede anschließende Verschlechterung des Gesundheitszustandes fälschlicherweise kausal mit der Impfung in Zusammenhang gebracht. Dazu sei ein kurioser Fakt zu Schwangerschaften und Impfungen erwähnt: Einige Impfstoffe gelten in der Schwangerschaft als kontraindiziert — das heißt, sie sollen nicht verwendet werden. Das liegt nicht etwa an einer potentiellen Schädigung der Leibesfrucht, sondern hat hauptsächlich PR-Gründe. Das allgemeine Risiko für kindliche Fehlbildungen beträgt 2-3%. Das Risiko für eine Fehlgeburt beträgt 15%. Ein Paar, das ein Kind verliert, würde sehr wahrscheinlich der Impfung die Schuld geben — auch wenn das Blödsinn ist. Unser Gehirn ist eben so gestrickt. 4/

Ein weiterer Faktor ist das negative Framing, das stattfindet. Impfstoffe enthalten zerstückelte Krankheitserreger und Spuren von giftigen Stoffen, um den Impfstoff vor bakterieller Kontamination zu schützen. Diese Vorstellung führt bei manchen Menschen zu einer Aversion gegen den Impfstoff.

Auch die Politik trägt zu dieser negativen Wahrnehmung bei. Im Zuge der Schweinegrippe meldete der Spiegel, dass Politikern ein Impfstoff ohne die umstrittenen Adjuvantien wie Squalen verabreicht wurde — während für das gemeine Volk der umstrittene Impfstoff vorgesehen war. 5/ Solche Possen können die Bemühungen großangelegter Sensibilisierungskampagnen mit einem Schlag zunichte machen.

Ist eine Impfpflicht sinnvoll?
In Anbetracht der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit von Impfungen und der scheinbaren Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes könnte man auf die Idee kommen, Impfungen verpflichtend einzuführen. Um diese Frage zu klären, lohnt es sich, die Fragestellung durch verschiedene Augen zu betrachten.

Die Wissenschaft ist wertfrei. Sie gibt uns Informationen. Welche Entscheidungen aufgrund dieser Informationen getroffen werden, hängt letztlich von den vorherrschenden Wertvorstellungen ab.

Aus medizinischer Sicht gibt es mehrere Zugänge. Einerseits stellt eine Impfpflicht den verlockenden, schnellen Weg zu hohen Impfquoten dar. Sowohl das Individuum als auch das Kollektiv profitieren statistisch betrachtet von der Zwangsimpfung. Aus medizinethischer Sicht hingegen ist eine Impfpflicht nicht wirklich vertretbar, denn sie verstößt gegen das Prinzip der Patientenautonomie. Rechtlich stellt jede medizinische Intervention eine Körperverletzung dar und erfordert die Einwilligung des Patienten. Der Arzt berät den Patienten, ohne ihn zu manipulieren. Die Entscheidung des Patienten ist zu respektieren. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld.

Spätestens wenn der Staat in solche Entscheidungen eingreifen will, sind wir mitten in in der Staatsphilosophie. Hat der Staat das Recht, Körperverletzungen an seinen Bürgern vorzunehmen, wenn diese dem Gemeinwohl nützen? Wenn Impfungen dem Gemeinwohl nützen und deshalb legitim sind, warum sind es Beschneidungen beim Mann nicht? Beschnittene Männer leiden seltener an Geschlechtskrankheiten und übertragen diese folglich auch seltener. 6/ Wäre dann eine Beschneidung ebenfalls sinnvoll? Der Stadtstaat Sparta tötete schwache Säuglinge, SS-Ärzte führten Menschenversuche durch und auch in den USA wurden Experimente an Menschen durchgeführt. Im Zuge des Tuskegee-Experiments wurden Syphilis-Kranke über Jahre nicht sachgerecht behandelt, um Forschungsergebnisse zu erhalten. 7/ Diese Überzeichnung soll nicht das Schreckgespenst des Totalitarismus beschwören. Vielmehr soll es zeigen, dass die Ziehung der roten Linie von gesellschaftlichen Faktoren abhängt. Das Gemeinwohl ist schwammig und kann je nach vorherrschender Ideologie beliebig definiert werden, wie die genannten Beispiele zeigen. In der westlichen Welt beginnt das Interesse der Gruppe das Recht des Einzelnen irgendwo zwischen Impfung und Zirkumzision zu überwiegen.

Damit diese Grenze nicht beliebig gedehnt werden kann, gibt es die Medizinethik. Dabei möchte ich das Prinzip des Nicht-Schadens und das Prinzip der Patientenautonomie besonders hervorheben. 8/ In dieser Hinsicht ist Vorsicht geboten, damit sich die Impfpflicht am Ende nicht als trojanisches Pferd erweist. Eine Impfpflicht verändert nicht nur das Verhältnis von Bürger und Staat, sondern auch das Verhältnis zwischen Patient und Arzt. 7.500€ Strafe sind für große Teile der Bevölkerung existenzbedrohend. Jedes ärztliche Aufklärungsgespräch über Impfungen wird zur Farce, wenn die Entscheidung ohnehin alternativlos ist.

Herdenimmunität?
Die Herdenimmunität ist das Hauptargument für eine Impfpflicht. Die Argumentation lautet: Es gibt Menschen, die sich nicht impfen lassen können und wer sich nicht impft, setzt diese Menschen bewusst einem Risiko aus. Der Staat hat das Recht, diese Bürger zu schützen und darf deshalb eine Zwangsmedikation vornehmen.

In den Medien geistern allerdings falsche Zahlen herum. Für eine Herdenimmunität sind nicht 95% Durchimpfungsrate notwendig, sondern laut WHO reichen rund 85% aus. Einzig für die Masern wird aufgrund der hohen Infektiösität eine höhere Durchimpfungsrate benötigt. 9/

Die Sorge, ein geimpftes Kind könne sich mit Masern anstecken, wird etwas übertrieben dargestellt. Die Sicherheit, dass man nach der zweiten Masern-Impfung effektiv geschützt ist, beträgt 93-99%. Wem das nicht ausreicht, der kann durch eine einfache Blutuntersuchung feststellen lassen, ob die Impfung wirksam war und sich dann eventuell mit einem alternativen Impfstoff nochmals impfen lassen. 10/

Wie viele Kinder können sich aufgrund von Kontraindikationen nicht impfen lassen? Mir war es nicht möglich, aussagekräftige Zahlen dazu zu finden. Ich kann lediglich auf eine chinesische Studie verweisen, welche ca. 0,5% angibt, wobei dabei vorübergehende Kontraindikationen wie etwa Infekte im Vordergrund standen. 11/

Deshalb habe ich mit dem ehemaligen Leiter des Hygienedienstes im Pustertal gesprochen. Er meint, er habe in fünf Jahren mit 3-5 Kindern zu tun gehabt, welche aus medizinischen Gründen von der Impfung befreit wurden.

Fazit
Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass auch ohne Impfpflicht Durchimpfungsraten jenseits der 90% erreicht werden können. 12/

Eine Studie von Nyhan et al. konnte zeigen, dass herkömmliche Aufklärungskampagnen mit Informationsblättern teilweise den gegenteiligen Effekt erzielen, als beabsichtigt wurde und Impfskeptiker in ihrer Ablehnung sogar bestätigen. 13/

Das bedeutet, die Forderung nach einer Impfpflicht ist nichts anderes als das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Das ärztliche Aufklärungsgespräch ist meiner Meinung nach das effektivste Werkzeug, um Menschen von der Sinnhaftigkeit von Impfungen zu überzeugen. Nur der Arzt oder zumindest in Impffragen qualifiziertes Personal können gezielt auf die Ängste der Menschen eingehen und so die Impfbereitschaft der Bevölkerung erhöhen. Manche Länder haben es ohne Impfpflicht geschafft, Impfquoten von 96% (Belgien: Masern) zu erreichen.

Die Impfpflicht bringt nur unnötige Unruhe. Sinnvoller wäre es, gemeinsam daran zu arbeiten, die Durchimpfungsrate durch Bewusstseinsschaffung zu erhöhen und dabei die Grundprinzipien der Medizinethik zu wahren.

*) Über den Autor: Der angehende Mediziner absolvierte sein Studium der Humanmedizin in Graz und ist derzeit am Insitut für makroskopische und klinische Anatomie der medizinsichen Universität Graz beschäftigt. Kürzlich wurde er von der österreichischen Schmerzgesellschaft im Zuge der Präsentation seiner Diplomarbeit mit dem Preis für die beste Posterpräsentation ausgezeichnet.

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18 replies on “Kritische Betrachtung der Impfpflicht.
Im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Bevormundung

Zu diesen wirklich schlüssigen Aussagen fallen mir drei auffällige Tatsachen auf:
1. Als noch viele lebensbedrohende Krankheiten im Umlauf waren, die vielen Menschen und vor allem Kindern das Leben gekostet haben, wäre eine so wirkungsvolle Maßnahme wie eine Impfung nie und nimmer hinterfragt, kritisiert und schon gar nicht abgelehnt worden. Man war froh ein Mittel gegen tödliche Krankheiten zur Hand zu haben. Heute wo die Gefahr weitgehend gebannt ist und gerade durch die hohe Durchimpfungsrate viele Krankheiten eingedämmt oder sogar ausgerottet wurden, zeigt man sich kritisch der Impfung gegenüber, stellt evtl. Nebenwirkungen in den Vordergrund und ignoriert die Autorität von Fachleuten indem man glaubt selbst besser über Vorteile und Gefahren urteilen zu können.
2. Obwohl man sich in Südtirol seitens der politisch Verantwortlichen einig zu sein scheint, dass in Sachen Impfung Aufklärung der bessere Weg sei als der mit Zwang vorzugehen, hat man einmal mehr keine Handhabe gegen den Staat und muss die Zwangsmaßnahmen mittragen und ggf. noch verteidigen. Autonome Kompetenzen wieder einmal nicht vorhanden.
3. Wenn (Zwangs)Impfungen gegen die Patientenautonomie verstoßen und Körperverletzungen darstellen dann kann der italienische Staat solche gar nicht durchsetzen, denn wenn es hart auf hart geht, kann die causa auch vor dem europ. Gerichtshof landen und da wird man sehen ob einzelne Staaten Verfügungen die gegen die Patientenautonomie verstoßen oder Impfung gegen das Recht auf Bildung ausspielen, überhaupt erlassen dürfen.

Eine Sache ist klar, wenn der Staat die Durchimpfungsrate erhöhen will, aus Gründen der Volksgesundheit, dann ist den ideologischen Impfgegnern nur mit einer Impfpflicht und auch mit einer Sanktion im Falle einer Verweigerung beizukommen.

Arnold Tribus im Leitartikel der aktuellen TAZ-Wochenendausgabe

Erschreckender Jargon. Obrigkeitsdenken.

Ich finde jeder soll auf den Straßen so schnell fahren wie er möchte, solange er keinen Unfall baut. Die Verkehrsschilder sollten nur zur eigenen Orientierung dienen. Es ist ein erschreckendes Obrigkeitsdenken, wenn man nicht jeden selbst einschätzen lässt, wie schnell er noch sicher fahren kann.

Aus Oliver Hopfgartners Artikel lässt sich meiner Meinung nach gut ableiten, warum die Impfpflicht nicht mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu vergleichen ist. Man muss damit ja nicht einverstanden sein — aber ein Nazijargon wie der von Tribus geht gar nicht.

Ist Volksgesundheit vorbelastet?
Der “gesunde Volkskörper” schon,aber Volksgesundheit verstehe ich nicht als völkisch.

Unter totalitärem Vorzeichen machte die Schaffung und Erhaltung der Volksgesundheit nicht das individualistisch geprägte Prinzip der Fürsorge, sondern das als eine Funktion der Diktatur aufgefaßte Prinzip der Vorsorge obligatorisch. Anstatt von Kranken ging man von Gesunden aus, was sich auch auf den Berufsstand der Ärzte auswirkte: diese seien »in erster Linie nicht um der Kranken, sondern um der Gesunden willen geboren«. Jedes Glied der Volksgemeinschaft besitze nicht mehr das »aus krassem Individualismus hergeleitete ›Recht auf den eigenen Körper‹«, sondern habe die »sittliche Pflicht zur Gesundheit«.

Das 1934 gegründete Hauptamt für Volksgesundheit, zuerst unter Wagner, stand schon ganz im Zeichen der rassistischen Erbpflege, denn es hatte die Aufgabe, »das deutsche Volk zur höchsten Auswirkung der erb- und rassemäßigen Anlagen, zur höchsten Gesundheit und daher Leistungsfähigkeit zu führen«.

Auszüge aus »â€ºVolksgesundheit‹ — ein biopolitischer Begriff und seine Anwendung« von Michael H. Kater, in »Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften, Band 2«, Lehmann/Oexle (Hrsg.)

Interessant wäre zu sehen ob der Begriff durch das NS-System geschaffen wurde oder ob er nur in dieser Zeit eine NS-Prägung erhalten hat und dafür für das damalige Weltbild adaptiert wurde.
Ich verstehe den Begriff mehr wie er in diesem Wikipedia-Artikel verwendet wurde: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Public_Health

gorgias, der Vergleich mit den Verkehrsregeln hinkt. Die Straßen haben einen Eigentümer – den Staat. Er kann uns verwehren, die Straßen zu benützen, wenn wir die Straßenverkehrsordnung nicht einhalten, genau so wie der Eigentümer eines Hauses jemand des Hauses verweisen darf, der sich nicht an die Hausordnung hält.
Der Körper einer Person ist nicht Eigentum des Staates. Was der Staat meiner Meinung nach aber sehr wohl tun könnte: Er könnte von Nicht-Geimpften im Krankheitsfall einen Selbstbehalt von 100% einfordern. Das wäre ein anderer Zugang, der auf Eigenverantwortlichkeit setzt anstatt auf Bevormundung.

Was der Staat meiner Meinung nach aber sehr wohl tun könnte: Er könnte von Nicht-Geimpften im Krankheitsfall einen Selbstbehalt von 100% einfordern. Das wäre ein anderer Zugang, der auf Eigenverantwortlichkeit setzt anstatt auf Bevormundung.

Damit machst du ein sehr großes Fass auf, bei dem es um die Grundlagen der Solidargemeinschaft geht. Mich würde interessieren, wo du mit welcher Begründung die Demarkationslinie für Eigenverantwortlichkeit ziehst. Ums griffig zu machen: Wie würdest du zum Beispiel mit sogenannten RisikosportlerInnen umgehen, die aufgrund von Verletzungen den Gesundheitsdienst in Anspruch nehmen müssen? Wie mit RaucherInnen, die an Lungenkrebs erkranken? Und last but not least wie würdest du die Sache angehen, wenn Erkrankte nicht die finanziellen Mittel haben, um die Kosten für die Behandlung selbst zu tragen?

Wenn unter dem Vorwand des Antifaschismus (Stossen an Begrifflichkeit Volksgesundheit) die Solidarität innerhalb der Gesellschaft in Frage gestellt wird, dann muss man sich fragen wie wackelig unsere Wertegemeinschaft geworden ist.
Hat der Geist des Neoliberalismus hat die Gesellschaft so durchdrungen, dass jeder nur mehr aus seiner eigenen Perspektive denken kann? Sind wir nicht mehr fähig im Sinne von Gemeininteresse zu handeln oder Entscheidungen zu treffen?

Den Nichtgeimpften muß klar sein, dass Sie von einer Immunität profitieren, die von den anderen sozusagen umsonst zur Verfügung gestellt wird.

Doch daraus das verlockende Instrument Selbstbehalt als Mittel, dass Menschen sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien, und sie dazu motiviert als mündige Patienten zu handeln, abzuleiten, ist eine Kapitulationserklärung an die Vernunft des Menschen schlechthin. Es ist eine Beleidigung. Wird doch versucht durch einen wirtschaftlichen Zwang, duch ein wirtschaftliches Dogma, einen vernünftigen Zustand herzustellen. Das wäre dann alles andere als Freiheit.

Es geht um nichts mehr und um nichts weniger als darum eine Kultur zu entwickeln, einen sicheren Zustand herzustellen, der es erlaubt, dass Menschen aus freien Stücken gute, abgewogene Entscheidungen treffen können. Das muß doch das gemeine Interesse sein.

Gleichheit ist also wichtiger als Freiheit.

Mich würde interessieren, wo du mit welcher Begründung die Demarkationslinie für Eigenverantwortlichkeit ziehst.
Ums griffig zu machen: Wie würdest du zum Beispiel mit sogenannten RisikosportlerInnen umgehen, die aufgrund von Verletzungen den Gesundheitsdienst in Anspruch nehmen müssen? Wie mit RaucherInnen, die an Lungenkrebs erkranken?
Und last but not least wie würdest du die Sache angehen, wenn Erkrankte nicht die finanziellen Mittel haben, um die Kosten für die Behandlung selbst zu tragen?

Es ist in der Tat ein großes Fass. Die Demarkationslinie ist schwierig zu ziehen, auf jeden Fall haben wir aktuell zu wenig Eigenverantwortung. Insofern sollten Raucher oder Extremsportler durchaus einen Selbstbehalt zahlen, wenn sie eine mit ihrem Risikoverhalten assoziierte Erkrankung bekommen. Medial lässt sich das leichter vermitteln, wenn man von Ermäßigungen für Menschen mit gesundem, risikoarmen Lebensstil spricht, es kommt aber aufs selbe.
Ich finde die Gesellschaft sollte eine Grundversorgung für Arme gewährleisten.
In Singapur hat man ein dreisäuliges Modell etabliert, bestehend aus individuellen Gesundheitssparkonten, einer Versicherung und einem staatlichen Fond. Zuerst braucht der Bürger sein Gesundheitssparkonto und seine Versicherung auf. Falls diese ausgeschöpft sind, springt der staatliche Fond ein. Dort sind etwa 10% der Bevölkerung auf den staatlichen Fond angewiesen. Das Gesundheitssystem hat angeblich recht gute Kennzahlen und vereint Eigenverantwortung mit dem Solidaritätsprinzip. Es lohnt sich meiner Meinung nach über eine Variante dieses Systems nachzudenken.

Wenn unter dem Vorwand des Antifaschismus (Stossen an Begrifflichkeit Volksgesundheit) die Solidarität innerhalb der Gesellschaft in Frage gestellt wird

Wer tut das?

Warum das? Stellen diese eine Gefahr für Geimpfte dar? Oder etwa für die Pharmaindustrie.

Onestamente mi riesce difficile credere che a big pharma stia piú a cuore la salute delle persone rispetto al proprio fatturato. Se dovesse esserci conflitto tra i due cosa sceglieranno ? È una domanda che merita di essere presa in attenta considerazione.
Inoltre i sistemi sanitari pubblici sono gli acquirenti perfetti delle multinazionali in quanto l’ente pubblico spende soldi che non sono suoi e in piú é spesso gestito e controllato da funzionari e politici che sono notoriamente corruttibili. Poi possono arrivare anche le leggi ad hoc, quando bisogna fare presto e c’é il rischio che le gente capisca…
Interessante questo articolo:
http://www.informasalus.it/it/articoli/vaccini-big-pharma.php

In quest’ottica… a quanto servirà  quindi questo obbligo di 12 vaccinazioni pena l’esclusione dalla scuola (dell’obbligo) e il sollevamento dalla responsabilità  genitoriale per favorire la cultura della prevenzione? Se stiamo ai numeri delle ricerche precedenti, poco. Se dovessimo promuovere l’ottica della trasparenza, ancora meno. La coercizione è un atto di chiusura del dialogo tra istituzione e cittadini, specchio di uno Stato che riconosce di non avere le risorse per prendere provvedimenti in direzione educativa e di promozione della salute, oltre a decretare il fallimento della comunicazione in medicina operatore-paziente nell’ambito delle vaccinazioni e della prevenzione.

Annalisa Corbo

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