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Schule: Verpflichtende Sprachkurse für Eltern?

Schon wieder steht der unsägliche Vorschlag im Raum, Schülerinnen anderer Muttersprache aus der deutschen Schule auszuschließen. Vorgebracht wurde er diesmal von dem ehemaligen STF-Gemeinderat Christoph Mitterhofer, der bei den kommenden Kommunalwahlen für die SVP antritt. Ihm schweben verpflichtende Deutschkurse für die Eltern von Schülerinnen vor, damit sie den schulischen Werdegang ihrer Kinder besser begleiten können.

Ich habe es schon mehrmals gesagt: Wir müssen in Südtirol endlich wegkommen von einem konservierenden Minderheitenschutz, der andere Mitglieder unserer Gesellschaft aktiv oder passiv aus der deutschen Sprachgemeinschaft ausschließt. Dazu gehören diskriminierende Verhaltensweisen wie die, mit Menschen, die wir aufgrund äußerlicher Merkmale — nicht selten sogar fälschlich — als Italienerinnen oder Zugewanderte einstufen, prinzipiell Italienisch zu sprechen. Und dazu gehören auch die mehr oder minder offiziellen Aufforderungen, anderssprachige Kinder nicht in deutsche Schulen und Kindergärten einzuschreiben.

Andere Minderheiten weltweit tun alles dafür, neue Mitbürgerinnen in ihre Sprach- und Kulturgemeinschaft zu integrieren bzw. zu inkludieren und wären froh, wenn sie sich freiwillig dafür entscheiden würden. Zugewanderte in Québec müssen verpflichtend französische Schulen besuchen. In Katalonien gibt es gar nur ein einheitliches, katalanisches Schulsystem für alle.

Auch in Südtirol wäre es im Sinne der (richtigen) Immersion wohl das Beste, wenn es nur eine deutschsprachige Einheitsschule mit unterschiedlich großen Anteilen Italienisch gäbe.

Schon heute ist die deutschsprachige Schule in Südtirol, wiewohl sie noch von der großen Mehrheit der Schülerinnen besucht wird (und auch die besseren Ergebnisse vorweisen kann), auf dem absteigenden Ast. Dass gerade neue Mitbürgerinnen noch immer überdurchschnittlich oft die Schule in der Staatssprache wählen, ist wohl ein maßgeblicher Faktor dieser Entwicklung.

Was wäre übrigens, wenn plötzlich auch die italienische Schule nur noch Kinder aufnehmen würde, deren Eltern sich zum Besuch von Sprachkursen verpflichten? Würden wir dann Kinder, deren Eltern weder Deutsch noch Italienisch lernen können oder wollen, trotz Recht auf Schulbildung zuhause lassen? Das kann es natürlich nicht sein.

Ja, auch mir ist vor einigen Monaten aus zuverlässiger Quelle zu Ohren gekommen, dass gerade in Meran das Problem mit Schulkindern, die die deutsche Schulsprache nicht ausreichend beherrschen, ein schwer beherrschbares Ausmaß angenommen hat. Doch das liegt dann vermutlich an der Organisation, an den verfügbaren Mitteln — und wohl insbesondere an der Personalknappheit.

Wir sollten also so handeln, als gäbe es in Südtirol nur die eine deutsche Schule. Andernorts (in Québec und Katalonien, aber auch in Nord-/Osttirol oder im Trentino) kann man ja Schülerinnen auch nicht einfach in andere Schulen abschieben. Es gilt Lösungen zu finden, um allen die es wollen den Zugang zur deutschen Schule zu ermöglichen und trotzdem ein gutes Sprachniveau zu gewährleisten. Vermutlich braucht es dafür vor allem: mehr Ressourcen.

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One reply on “Schule: Verpflichtende Sprachkurse für Eltern?”

Tatsächlich ist die Inklusionspolitik in Südtirol sehr schlecht gelungen. Davon zeugt in erster Linie, dass es in (für Südtirol) großen Zentren wie Bozen, Leifers, Meran, Bruneck, Sterzing und Brixen etliche Personen gibt, die kein Wort Deutsch verstehen und dies beruflich (meist Landesgesellschaften oder damit vergleichbare öffentliche Körperschaften) auch öffentlich so darlegen.
Dahinter steckt, neben vielen anderen Gründen, jedoch ein gewisses Kalkül der seit Jahrzehnten führenden Partei in Südtirol. Um die Stammwählerschaft in den Tälern und Dörfern kräftig zu mobilisieren und zu behalten, benötigt die Partei ein fortwährendes Feindbild: den Walschen.
Während STF usw. sich durch abstruse Forderungen die gewisse Wählerschaft garantieren, genügt beim Durchschnittssüdtiroler die Erweckung des über Jahrzehnte geschulten Beißreflexes. Wie würde wohl der Psairer wählen, wenn in Bozen in den Ämtern zweisprachiges Personal sitzen würde, im Bahnhofspark keine Drogenutensilien rumliegen würden, keine Wände besprüht wären, alle Hinweisschilder perfekt zweisprachig wären und der Urzì und die Biancofiore keinen Bullshit von sich geben würden? Huch, dann käme er ja auf die Idee, dass es neben der Sammelpartei, die für alles und jeden zuständig ist, es noch liberale, links- und rechtsorientierte Kräfte geben würde. Dann würde ja plötzlich das Denkmal der Sammelpartei bröckeln.
Also ist es auch im Sinne der Dauerpartei, dass genau solche Feindbilder zusammengestellt werden. Das Europaviertel in Bozen, die prügelnden Ausländer in Meran, der “Skandal” um Brixen als einsprachiges Logo und die fortwährende Besetzung landesaffiner Stellen mit italienischsprachigem Personal.
Einfacher als so wurde noch nie eine Wahl gewonnen.

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