Am 23. März legte der italienische Kulturminister Alessandro Giuli im Rahmen eines USA-Besuchs in New York einen Kranz zu Ehren von Christoph Kolumbus nieder. Er wählte dafür die Statue des »Entdeckers« am Columbus Circle.
Dabei erklärte er, das amerikanische Volk sehe in Kolumbus und in den Italienerinnen in Amerika eine Präsenz, die seine Identität seit Jahrhunderten bereichert habe. Dies erfülle, so der Minister, »uns alle« mit Stolz.
Unklar bleibt, wie in dieser Aussage das »amerikanische Volk« definiert ist. Die Ureinwohnerinnen dürften jedenfalls nicht gemeint sein. Und auch, wen der Minister mit »uns alle« meint, die angeblich stolz sein sollen, führte er nicht näher aus. Klar ist aber, dass er historisches Unrecht einfach ausblendet und mit einem harmonischen »Wir« ummantelt.
Nur wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump für Aufsehen gesorgt, indem er in der Nähe des Weißen Hauses eine Kolumbusstatue aufstellen ließ. Es handelt sich um die Replik eines Denkmals, das 2020 — während seiner ersten Amtszeit — im Zuge antirassistischer Proteste in den Hafen von Baltimore gestoßen worden war.
Während Kolumbus in den USA zunehmend kritisch betrachtet und hinterfragt wird, propagieren Trump und die MAGA-Bewegung auch in diesem Zusammenhang ein rückwärtsgewandtes Weltbild, das nichtweiße Geschichte und Perspektiven systematisch ausblendet und koloniale Gewalt verharmlost.
Beim Auftritt des italienischen Kulturministers war von einem kritischen Umgang mit der kolonialen Vergangenheit ebenfalls keine Spur. Statt diese und das damit zusammenhängende Leid zumindest anzuerkennen, ging es ihm offenbar nur um identitär-nationalistische Selbstvergewisserung.
Cëla enghe: 01 | 02 03 04 05 06

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