Die Anthropologin Ann Laura Stoler bezeichnet mit „imperial debris“ die sozialen, räumlichen und affektiven Nachleben imperialer Herrschaft. Ruinen – ob intakt oder verfallen – sind nicht neutral, sondern werden politisch erzeugt, restauriert oder vernachlässigt. So kann imperiale Macht bis in die Gegenwart wirken.
Faschistische Macht wird nicht nur durch Inschrift und Liktorenbündel reproduziert, sondern auch durch die heutige Inszenierung: Das Monument steht zentral auf einem hohen Sockel, ist eingezäunt, videoüberwacht und nachts beleuchtet. Die Hierarchie ist deutlich: Die Menschen bleiben unten, während das Denkmal geschützt und unzugänglich über ihnen steht. Die kritische Ausstellung liegt dagegen unter und hinter dem Bau; außen ist fast nur der LED-Ring sichtbar.
Nora Viehweider im Salto-Interview von Martin Hanni zu ihrer Abschlussarbeit in Liberal Arts and Sciences an der Universität Amsterdam, die sie über das Bozner Siegesdenkmal verfasst hat.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08

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