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Ethnisch. Ethnischer. Am ethnischsten.

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von Brigitte Foppa

Je besser wir uns trennen, desto besser verstehen wir uns. Der alte Wahlspruch der Südtiroler Volkspartei — er wird Anton Zelger zugeschrieben — hat an seiner Macht leider nichts verloren. Wir sehen es an der »Lösung« zur Thematik des Senatswahlkreises Bozen-Unterland, die jetzt von der SVP Unterland ins Felde geführt wird.

Alessandro Urzì, Fratello d’Italia und Koalitionspartner der SVP, Rechtsaußen-Stratege im römischen Parlament, hatte den ersten Schritt gemacht und vorgeschlagen, die Gemeinden rechtsseitig der Etsch dem Wahlkreis Meran zuzuordnen. Auf der anderen Seite sollte Aldein zu Brixen kommen. Der Protest im Unterland will seitdem nicht enden. Für den Widerstand gibt es durchaus unterschiedliche Motivationen, auf jeden Fall gelten folgende Feststellungen:

  1. Bisher war der Wahlkreis Bozen-Unterland jener, in dem es einen offenen Wahlausgang und damit einen demokratischen Wettbewerb gab, von dem man anderswo nur träumen konnte. Und
  2. bisher hat man im Unterland immer transethnisch gewählt. Jeder Kandidat musste schauen, wie er auch die Stimmen der anderen Sprachgruppe »zusammenklaubte«. Das haben Oskar Peterlini und Francesco Palermo gleichermaßen gemacht wie zuletzt Gigi Spagnolli.

Für uns im Unterland war das immer ein Gewinn gewesen. Es war normal.

Für den ultraethnischen Urzì war das kein Fuhrwerk. Seinen Moment der Macht über die SVP hat er genutzt, um aus diesem besonderen Wahlkreis, in dem es natürlich war, jenen zu wählen, der einem ideell am nächsten stand, einen zu machen, in dem »der Italiener« gewählt werden soll.

Nach den Protesten legt die SVP Unterland noch eins drauf. Sie führt den ethnischen Diskurs von Urzì weiter und schlägt vor, den Wahlkreis frisch auf Bozen, Leifers und Pfatten (oder Branzoll?) einzugrenzen. Der »italienische« Wahlkreis würde damit sanktioniert.

Es ist die Logik des Trennens, die immer weiter getrieben wird. Vielleicht haben wir es dann irgendwann so weit, dass alle Italiener:innen in Bozen/Leifers/Pfatten wohnen, und der Rest Südtirols ist dann »italienerbefreit«. In der Repräsentanz würde das mit diesem Vorschlag schon einmal vorgelebt.

Dazu kann man nur sagen: NEIN! Das Unterland hatte die Logik der Trennung der Sprachgruppen längst überwunden. Hier, wo man seit ewigen Zeiten miteinander lebt, italienische Familiennamen und deutsche Vornamen hat, wo viele immer noch eine Nona haben und vielleicht einen italienischen Schwiegersohn, hier achtet man sehr auf das Eigene — gerade der Kontakt mit dem Anderen hat dazu geführt, die deutsche Sprache und Kultur sehr zu schätzen und sich um ihren Schutz zu bemühen. Und man hat gerade deshalb keine Angst, sich zu berühren, und sich eben von dem vertreten zu lassen, der es schafft, beide Gruppen anzusprechen.

Je besser wir uns kennen, desto besser verstehen wir uns. Dieses Gegenkonzept gegenüber der Trennung der Sprachgruppen in Südtirol, es liegt immer entfernter statt näher.

Brigitte Foppa ist Landtagsabgeordnete der Südtiroler Grünen.


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Comentârs

2 responses to “Ethnisch. Ethnischer. Am ethnischsten.”

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Brigitte Foppa beschreibt die historische Selbstverständlichkeit der Zwei- bzw. Dreisprachigkeit in Tirol, die sich in jüngster Zeit zunehmend auf das Unterland konzentriert bzw. reduziert hat. Früher war es in ganz Tirol selbstverständlich, dass man von einem Landesteil in den anderen und von einer Sprache in die andere wechselte. Ein schönes Beispiel ist wohl der von Revò am Nonsberg stammenden Jurist und Philosoph Carlo Antonio de Martini, der als Freiherr Karl Anton von Martini zu Wasserberg ein wichtiger Berater von Kaiserin Maria Theresia wurde. Unserem Landsmann Martini verdanken wird das Gesetz, mit dem die Kaiserin im Jahr 1774 die allgemeine und unentgeltliche Schulpflicht einführte. Vor diesem Hintergrund ist der Spruch am faschistischen Siegesdenkmal, wonach uns die Italiener Lesen und Schreiben beigebracht hätten, besonders peinlich, und noch peinlicher die Unterwürfigkeit der SVP, die sich zum Fußabstreifer jener macht, die an diesem faschistischen Spruch festhalten.

  2. Walter Kircher avatar
    Walter Kircher

    … da fällt einem immer wieder ein: “lernen Sie Geschichte” (Bruno Kreisky)! Ich will niemanden nahetreten, ich fange immer bei mir an! – Und so möchte ich dies den heutigen Generationen anempfehlen, bzw. in Erinnerung rufen …
    Kann man GESCHICHTE AUCH GESTALTEN? – Für die Gegenwart und Zukunft dringend notwendig!

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