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Jugendgewalt ist kein »Ausländerproblem«.

Gemeinsame Stellungnahme von Integration Rock, Rock the Lahn, Brennerbasisdemokratie, Südtiroler HochschülerInnenschaft, Antifa Meran, OstWestClub, Miracle Hill Festival, Shanti Powa, Zigori Media, Ghosttown Festival Prad, Gleeman members, Jumpout Openair Eppan, Jokerface, Brigata GialloRossa

Mit Sorge verfolgen wir, welche Wellen die Dolomiten-Kampagne gegen »Jugendgewalt« geschlagen hat: In den Kommentarbereichen von Online-Medien und Facebook manifestieren sich Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in ihrer übelsten Form. Daran ist die Dolomiten-Redaktion durch Wortwahl und Darstellung der Ereignisse maßgeblich mitverantwortlich: Insbesondere die beiden Artikel »Sie schlagen zu, bis Blut fließt« und »Raffiniert provozieren, um zu streiten« legen nahe, dass es sich bei den gewalttätigen Übergriffen um ein »Ausländerproblem« handelt. Aus diesem Grund wollen wir festhalten:

  1. Gewalt ist grundsätzlich zu verurteilen. Sie muss durch Prävention weitestgehend verhindert werden und ist mit rechtsstaatlichen Mitteln zu ahnden. Der Arbeitsbedarf für Politik und Sozialverbände besteht vor allem darin, jungen Menschen Perspektiven zu bieten und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen – unabhängig von ihrer Herkunft.
  2. Die Darstellung des Problems durch die Dolomiten ist jedoch irreführend. Wir, die wir unter anderem auch viel mit Jugendlichen und ihren Problemen zu tun haben, betrachten die Gefahr der Jugendgewalt als ein wichtiges Problem. Es stellt sich insgesamt aber nicht so drastisch dar, wie die Dolomiten-Artikel unterstellen, wenn sie schreiben: »Seit Monaten ziehen Banden von Jugendlichen schlägernd durch Südtirol.« Wir teilen die Einschätzung der Polizei, dass es sich um keinen allgemeinen Trend handelt.
  3. Die Fokussierung auf »Albaner-Banden« verschleiert die Ursachen ebenso wie effektive Lösungsansätze. Die Artikel legen nahe, dass es sich bei den Tätern der »Gewaltserie« um sogenannte »Albaner-Banden« handelt: »die Mitglieder kommen meist aus Albanien oder anderen Balkanstaaten« und »Probleme mit Albaner-Banden haben die Diskotheken nach wie vor«, heißt es dort. Dass der gewalttätige Übergriff mit der Herkunft der Jugendlichen (bzw. ihrer Eltern) in Verbindung steht, ist nicht belegt. Zudem sind, wie internationale Studien zeigen, Beziehungsprobleme, Bildung und sozialer Status bei Jugendgewalt die primären Faktoren, und nicht die Herkunft. Durch eine solche Kulturalisierung sozialer Probleme und die einseitige Darstellung als Sicherheitsproblem, das durch die Polizei gelöst werden muss, wird einer effektiven und nachhaltigen Lösung der Konflikte der Weg versperrt.
  4. Der rassistische Unterton der Dolomiten-Kampagne wirkt im Angesicht der erstarkenden Ausländerfeindlichkeit in Südtirol wie Öl im Feuer. Die Artikel bedienen sich rassistisch gefärbter Bilder von kriminellen, gewalttätigen und rückständigen »Balkanländern« und insbesondere AlbanerInnen, die die Ausländerfeindlichkeit in Südtirol auf ein neues Niveau hebt. Die tendenziöse Berichterstattung und die Pauschalurteile, die täglich in den Dolomiten und im Alto Adige zu lesen sind, sind nichts anderes als strukturelle Gewalt auf Kosten besonders schwacher Bevölkerungsschichten. Medien und JournalistInnen haben eine besondere Verantwortung bei der Darstellung von sozialen Missständen und sollten ihre Rolle, aus welchen Gründen auch immer, nicht leichtfertig aufgeben.

In diesem Sinne fordern wir die Verantwortlichen zu einer Richtigstellung, zu mehr Besonnenheit — und alle kritisch eingestellten SüdtirolerInnen dazu auf, vor allem im persönlichen Umfeld Stellung zu beziehen und der Hetze in sozialen Netzwerken entschieden entgegenzutreten.

Unterstützer.

Faschismen Kohäsion+Inklusion Migraziun Politik Polizei Racism Recht Sicherheit Solidarieté Soziales | afk BBD-Pressemitteilung Medienkritik | | Dolo | Südtirol/o | Antifa Meran OstWestClub | Deutsch

19 replies on “Jugendgewalt ist kein »Ausländerproblem«.”

Auch wenn die Dolomiten darüber hinausschießt, finde ich es trotzdem richtig, dass dieses Problem mal angesprochen wurde.
Einige der wenigen Male, wo die nach wie vor, wie sich gezeigt hat, gigantische Macht des Medienhauses Ebner, etwas längst überfälliges ins Rollen* gebracht hat.

*und diesen Stein haben sie aber leider per Raketenantrieb über die Fahrbahn hinausgeschossen…

… wie handhaben wir nun die Meldung im lokalen TV-Sender von heute Abend (mutmaßliche Täter), wo vernehmbar ein europäisches Land als Herkunftsort genannt wurde? – Dürfen die das?
Wie „vorteilhaft ist der Vorteil“ wenn man als NICHT-EU-Bürger aufgegriffen wird, NICHT einem rechtsstaatlichen Verfahren zugeführt zu werden?

Natürlich dürfen sie das, wenn es erwiesen ist, aber sie müssen es auf diesen Fall beziehen. Dolomiten und Stol haben ja leider während der letzten Tage allgemein von albanischen Schlägertrupps und »Albanern« gesprochen, womit alle Südtiroler mit albanischen Wurzeln unter Generalverdacht gestellt wurden.

Trotzdem — was sie dürfen, sollen oder müssen sie noch lange nicht… die Frage ist, was sinnvoll ist. Hier ist ein Auszug aus dem kürzlich veröffentlichten Einwanderungsbericht des Landes:

Interessant ist die unterschiedliche Darstellung von ausländischen Staatsbürgern, die in Südtirol leben, in positiven bzw. negativen Kontexten. Bei Personen, die in einem positiven Kontext erwähnt werden, wird öfter auf ihre Verbindung zu Südtirol verwiesen: So wird zum Beispiel ein Sportler, der beim Boxen einen Titel für Südtirol einholen konnte, als “der Meraner mit marokkanischen Wurzeln” bezeichnet. Ein anderer Sportler wird mit folgenden Worten beschrieben: “Sohn marokkanischer Einwanderer vertritt seine Südtiroler Heimat”. Die Alto Adige schreibt von “culture molto lontane dall’Alto Adige ma ormai di casa anche da noi”. Zudem werden positiv besetzte Begriffe wie “Mitbürger” oder “nuovi cittadini” verwendet.

Im Gegensatz dazu wird bei Personen, die in einem negativen Kontext, z.B. als Verdächtige in einem Verbrechen, erwähnt werden, vermehrt auf ihre Staatsbürgerschaft sowie auf ihren Status als “Ausländer” oder “extracomunitario” verwiesen. Hier findet also eine Abgrenzung dieser Personen zu Südtirol statt. Sie haben, im Gegensatz zu Artikeln mit einer positiven Konnotation, nicht mehr ausländische Wurzeln, sondern sind Staatsbürger eines anderen Landes. Nur in einigen Fällen wird ein Bezug zu Südtirol hergestellt, indem angegeben wird, in welcher Gemeinde die betreffende Person “wohnhaft”, “ansässig”, “domiciliato” oder “residente” ist. Eine wirkliche Verbindung mit Südtirol ist also nicht vorhanden.

Sowohl in der Alto Adige als auch in der Dolomiten wurden Artikel erhoben, die über “Schüler aus dem Ausland” und “stranieri” im Südtiroler Schulsystem berichten. Diese Bezeichnungen erwecken den Eindruck, dass es sich um Kinder und Jugendliche handle, die erst kürzlich nach Südtirol gekommen sind. Betrachtet man einige Zahlen zu diesem Thema, sieht man, dass dem nicht so ist: Laut ASTAT (2009) sind 51,5% der Kinder mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Südtirol geboren, bei den unter Vierjährigen sind es sogar 90%. Das italienische Staatsbürgerschaftsgesetz sieht zwar nicht vor, dass Kinder ausländischer Eltern, die in Italien geboren werden, mit der Geburt die italienische Staatsbürgerschaft erwerben. Trotzdem sollten bei der Berichterstattung über Minderjährige, die hier geboren oder einen wesentlichen Teil ihres Lebens hier verbracht haben, Begriffe wie “aus dem Ausland” oder “stranieri” mit Vorsicht benutzt werden. Der Leser sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich hinter einem derartigen Begriff durchaus eine Person verbergen kann, die nur Südtirol als Heimat kennt.

Die Berichterstattung der Dolomiten und der Alto Adige ist weit von der allarmierenden [sic] Berichterstattung einiger Printmedien in anderen Teilen Italiens entfernt. Zwar enthält keiner der untersuchten Artikel bewusst rassistische Elemente, allerdings können auch eine unbewusste bzw. nicht durchdachte und unsensible Wortwahl, wie sie häufig vorkommt, zu Verzerrungen und somit zu Vorurteilen bzw. Ängsten bei den Lesern führen. Es gibt also auch hier Verbesserungspotential. Mehr Reflektion bei der Wortwahl, mehr Möglichkeiten für Personen mit Migrationshintergrund, sich in den Medien zu äußern, und eine bessere Beschreibung des Kontexts, ohne auf gängige Klischees einzugehen, können zu einer Verbesserung der Berichterstattung beitragen.

Wie ”vorteilhaft ist der Vorteil” wenn man als NICHT-EU-Bürger aufgegriffen wird, NICHT einem rechtsstaatlichen Verfahren zugeführt zu werden?

Diese Frage habe ich nicht verstanden…

Mag sein, dass die Dolomiten über das Ziel hinausgeschossen hat, finde aber dass diese Stellungsname genau das Gegenteil macht. Es fehlen die Fakten bzw. würden mich Statistiken interessieren, nicht Aussagen wie:

Wir teilen die Einschätzung der Polizei, dass es sich um keinen allgemeinen Trend handelt.

Wie gross ist die Jugendkriminalität im Verhältnis zur Gesamtkriminalität und wie gross ist dabei der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund?

Zudem sind, wie internationale Studien zeigen, Beziehungsprobleme, Bildung und sozialer Status bei Jugendgewalt die primären Faktoren, und nicht die Herkunft.

Welche Studien sind das und was sagen sie aus? Die folgende Statistik sagt da was ganz anderes aus.
Polizeiliche Kriminalstatistik 2005 Berlin:
Die Tatverdächtigungszahl (Tatverdächtige je 100000 Einwohner) lag bei deutschen Staatsangehörigen im Alter zwischen acht und 21 Jahren bei 6.768, bei ausländischen Tatverdächtigen lag sie mit 13.408 fast doppelt so hoch (wobei schon Illegale, Touristen und Durchreisende, die nicht in der Bevölkerungsstatistik erfasst sind, herausgerechnet sind).
Es hat sich heute ja herausgestellt, dass es doch Albaner waren. Man darf einfach nicht die Augen davor verschliessen, dass Menschen aus anderen Kulturen ein anderes Verhältnis zu Gewalt haben (je nachdem welcher Kulturkreis). In diesen Kulturen wird schon bei der Erziehung mehr Gewalt angewendet als bei uns.
Deshalb muss sehr wohl darauf aufgepasst werden, nicht einen zu hohen Ausländeranteil zu bekommen, weil damit die Integrationswilligkeit (Assimilation) gemindert wird. Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, wenn ein Rettungsboot überfüllt wird und absäuft hat am Ende keiner was davon gehabt.
Mit Totschweigen kommt man auch nicht weiter, wie man in England, Frankreich und Deutschland aber auch Schweden sieht, die Integration der Mehrheit der Migranten ist dort überall gescheitert.

Es zerreißt mich innerlich, dir nicht zustimmen zu können, denn ich finde auch, dass die Integration in den meisten europäischen Staaten misslungen ist(als Konzept) und man in Südtirol in den kommenden Jahren von erheblichen Folgeproblemen aufgrund der, im Vergleich zu genannten Staaten, viel später eingesetzten Immigration, ausgehen muss. Ein Satz wie „Es hat sich heute ja herausgestellt, dass es doch Albaner waren. Man darf einfach nicht die Augen davor verschliessen, dass Menschen aus anderen Kulturen ein anderes Verhältnis zu Gewalt haben (je nachdem welcher Kulturkreis). In diesen Kulturen wird schon bei der Erziehung mehr Gewalt angewendet als bei uns.“ ist aber rassistisch, da die Erziehung der eigenen Kinder zumeist eine Privatangelegenheit der Eltern ist und deine Zuordnung nun rein Aufgrund der Nationalität erfolgt, nicht darauf, ob sie z.B tief religiös sind(was sicher nicht bei allen der Fall ist!), aus zerrüttelten Verhältnissen kommen oder Ähnlichem. Im übrigen empfehle ich dir, wenn du denn schon aufgrund der Kultur argumentierst, was ich nicht einmal falsch, aber nicht als Hauptgrund für solcherlei Taten, von wem auch immer verübt, ansehe, dir Interviews mit dem Vorsitzenden der NRA anzuschauen(„Bowling for Columbine“). Dort behauptet der Vorsitzende am Ende tatsächlich, dass es in den USA verhältnismäßig viel mehr Tote und Verletzte durch Schusswunden gibt, da die USA eine gewalttätigere Geschichte haben als andere Staaten, namentlich auch als Deutschland(Ihr wisst eh wovon ich spreche) und Frankreich(Kolonien), wobei es in Kanada relativ mehr Waffen gibt. Ich möchte damit sagen, den schwarzen Peter zuweisen ist einfach, Integration sehr, sehr schwer. Wenn man den schwarzen Peter aber jemandem zuordnet, weil der eine gewisse Herkunft hat, deren Tradition er pflegt, oder nicht, dann ist das Rassismus!

Ok du meinst also ich bin rassistisch. Na dann will ich dir einen kleinen Einblick zu meiner Person geben.
Beruflich reise ich seit zwei Jahrzehnten rund um die Welt. Ich habe diese Chance ergriffen, weil mich die Unterschiede wie sich Völker auf dieser Welt entwickelt haben fasziniert. Ich habe eine Frau aus dem slawischen Kulturkreis. Ich hoffe, dass es der neoliberalen Finanzwirtschaft nie gelingen wird, diesen Planeten gleichzuschalten nur um mehr Geschäft (Geld) zu machen. Das ist nämlich was unter der Schirmherrschaft der USA und der unbewussten Unterstützung von Leuten die meinen alle Menschen sind gleich, seit Jahrzehnten am laufen ist. Nein, alle Menschen sind verschieden und so ist es auch für Kulturkreise wo unterschiedliche Menschen zusammenleben, indem sich ein Standard entwickelt hat, der es ermöglicht untereinander mehr oder weniger auszukommen. Dass die USA dabei nicht mein Vorbild ist kann ich hier auch noch preisgeben, sonst wäre ich dorthin ausgewandert und hätte mich an diesen Lebensstiel angepasst. Und das ist der springende Punkt, ich erwarte von Einwanderern, dass sie sich unserer Kultur, bzw. Lebensstil anpassen. Dass diese Bereitschaft nicht immer vorhanden ist, wird hier wohl keiner abstreiten wollen, zumindest belegen dies Statistiken im Ausland. Diesbezüglich kann ich auf ein sehr sachliches Buch hinweisen, wo diese Statistiken zu finden sind: Abschied von Multikulti Wege aus der Integrationskrise von Stefan Luft.
Der Quästor von Bozen sagt, dass die gesamten in ST erfolgten Delikte in etwa zu gleichen Teilen von der indigenen Bevölkerung und Migranten begangen werden. Gleichzeitig sagt er es ist alles im grünen Bereich, da schrillen bei mir aber die Alarmglocken. Noch jemand der alles klein redet, anstatt den Anfängen zu wehren bis es dann zu spät ist. Wenn man nämlich diese Aussage auf den Bevölkerungsanteil umlegt, dann sind Migranten ca. 10 mal häufiger in kriminelle Delikte verwickelt als die indigene Bevölkerung! Und da hilft kein, ja aber die kommen aus schlimmen Verhältnissen ecc. ecc. Zuerst sollten wir mal die eigene Kriminalität bekämpfen bevor wir sie importieren.
Ich möchte dir eine Episode die sich mir zugetragen hat erzählen. Ich war mit Kindern im Park spielen und hatte einen Ball vorübergehenden unter eine Parkbank gelegt. Dieser war dann verschwunden. Auf einen Hinweis hin bin ich einem Jungen nachgelaufen. Habe die Familie slawischer Herkunft zur Rede gestellt, dass man das nicht macht. Musste mir übelste Beschimpfungen anhören und soll wegen eines Balls kein Theater machen. Würde mir so etwas passieren, mein Kind würde etwas „mitnehmen“, ich würde vor Scham in den Boden versinken. Solche Leute sind nicht reif um hier zu leben, die haben andere Wertevorstellungen.
Andersherum arbeite ich mit Ausländern zusammen und das kann auch funktionieren, nur darf man nicht die Augen vor den Problemen verschliessen weil man ja gefälligst tolerant und verständnisvoll sein soll. Diese Einstellung führt nur zu noch mehr Unbehagen bei der indigenen Bevölkerung. Das ist in etwa wie mit den Unionisten, die ST Autonomie darf auf keinen Fall in Frage gestellt werden egal was dabei rauskommt.
Also wenn diese Aussagen rassistisch sind, dann hat dieses Wort für mich seinen Schrecken verloren und ich muss einen neuen Begriff für mein Verständnis von Rassismus suchen.

Ja, das ist rassistisch, weil du Menschen aufgrund ihrer Herkunft einem Vorurteil unterwirfst. Zuwanderer werden im Schnitt tatsächlich häufiger straffällig, als »Einheimische«, doch die ganz große Mehrheit der Zuwanderer ist friedfertig, rechtschaffen und arbeitet. Sie mit unter Generalverdacht zu stellen, ist diskriminierend und ungerecht.

Zudem muss analysiert werden, warum die Statistik bei »Ausländern« eine höhere Kriminalitätsrate feststellt, als bei »Inländern« — das schweizerische Bundesamt für Statistik (BFS) hat das gemacht und das Ergebnis ist verblüffend:

Sind Ausländer krimineller als Schweizer?
Unter den Personen, die straffällig und verurteilt werden, gibt es wesentlich mehr Männer als Frauen und wesentlich mehr Junge als Ältere. Wie eine soeben publizierte Analyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt, sind die Unterschiede zwischen Ausländern und Schweizern dagegen verhältnismässig gering, wenn man die unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstruktur berücksichtigt. Betrachtet man ausschliesslich die Wohnbevölkerung (lässt also Asylanten und Touristen oder Durchreisende weg), so fehlen die Unterschiede sogar fast ganz.

1991 waren gemäss Urteilsstatistik 44% der in der Schweiz verurteilten Personen Ausländer. Diese Zahl darf man allerdings nicht einfach mit dem Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung vergleichen und so auf einen höhere Kriminalitätsneigung der Ausländer schliessen. Ein Teil der verurteilten Ausländer zählt nämlich nicht zur Wohnbevölkerung. Wie gross er ist, hat das Bundesamt für Statistik in einer speziellen Untersuchung ermittelt: Von den erwähnten 44% haben 16% Wohnsitz in der Schweiz, 7% sind Asylsuchende und die restlichen 21% sind Touristen, Durchreisende oder Personen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten. Lässt man diese letzte Gruppe weg, reduziert sich der Ausländeranteil bei den Verurteilten auf 29%.

Gewisse Delikte für Schweizer unmöglich
Ausländer werden oft für Delikte verurteilt, welche Schweizer gar nicht begehen können. Dies betrifft insbesondere Verstösse gegen das Gesetz «über den Aufenthalt und die Niederlassung der Ausländer». Mehr als die Hälfte der verurteilten Asylsuchenden (und etwa ein Viertel der verurteilten ausländischen Personen ohne Schweizer Wohnsitz) haben ausschliesslich gegen Bestimmungen dieses Gesetztes verstossen. Berücksichtigt man nur die Gesetze, die sowohl die schweizerische und ausländische Wohnbevölkerung wie auch die Asylanten betreffen, machen die Ausländer 26% der Verurteilten aus.

Wichtiger als die Nationalität: Alter und Geschlecht
Die Häufigkeit von Verurteilungen ist je nach Alter und Geschlecht sehr unterschiedlich: 86% der Verurteilten sind Männer, und rund 50% sind jünger als 30. Nun ist der Männeranteil bei der ausländischen Wohnbevölkerung (59%) und vor allem bei den Asylsuchenden (81%) deutlich höher als bei der schweizerischen Wohnbevölkerung (46%); auch liegt das Durchschnittsalter der ausländischen Wohnbevölkerung tiefer als jenes der schweizerischen. Vergleicht man deshalb die schweizerische und die ausländische Wohnbevölkerung nach Geschlecht und Altersgruppen getrennt, so zeigen sich kaum mehr Unterschiede in der Häufigkeit der Verurteilungen: Junge Ausländer werden sogar etwas seltener verurteilt als Schweizer. Die ausländische Wohnbevölkerung erscheint als konform und hoch integriert. Bei den Asylanten indessen bleibt ein Unterschied bestehen, allerdings ein deutlich geringerer, als aufgrund ihres Anteils an allen Verurteilten zu erwarten wäre: So beträgt der Anteil der Verurteilten bei den jungen männlichen Asylsuchenden rund 4,9%, bei den jungen Schweizern 2,9%.

Je nach Aufenthaltsstatus unterschiedliche Deliktstruktur
Die Untersuchung des BFS zeigt also zweierlei: Zum einen ist ein wesentlicher Teil der in der Schweiz registrierten und verurteilten Kriminalität nicht von der Wohnbevölkerung verursacht. Dass sich dies in Zukunft ändern wird, ist angesichts der weltweit wachsenden Mobilität unwahrscheinlich. Zum zweiten spielt der Faktor «Nationalität», was die Kriminalität der Wohnbevölkerung betrifft, praktisch keine Rolle. Das gilt im übrigen nicht nur für die Häufigkeit, sondern auch für die Struktur der Delikte: Am häufigsten sind sowohl bei der schweizerischen wie auch bei der ausländischen Wohnbevölkerung die Verkehrsdelikte (62% bzw. 65% der Verurteilten), gefolgt von den Vermögensdelikten (jeweils 22%). Umgekehrt verhält es sich bei den Asylsuchenden: hier werden wesentlich mehr Vermögens- als Verkehrsdelikte gezählt (65% bzw. 16%). Auch bei den verurteilten Touristen oder Durchreisenden ist der Anteil der Vermögensdelikte relativ hoch (35%), allerdings niedriger als jener der Verkehrsdelikte (48%). Delikte gegen Leib und Leben machen in allen vier Gruppen nur 4% bis 5% der Verurteilten aus. Etwas grösser sind die Unterschiede bei den Betäubungsmitteldelikten: sie liegen zwischen 10% (Asylsuchende) und 15% (Touristen, Durchreisende).

Quelle: Pressemitteilung 42/96/BFS

Natürlich sind diese Daten nicht einfach 1:1 auf Südtirol übertragbar, doch die Analyse zeigt, wie man vorgehen muss, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

@pervasion
Also Rassismus bedeutet nach meiner Auffassung grob gesagt, dass jemanden nur auf Grund seiner Herkunft Nachteile in seiner persönlichen Entfaltung erleidet. Ein Vorurteil erfüllt diesen Tatbestand nicht. Aber selbst das ist eine Unterstellung von deiner Seite. Nur weil ich zwischen Kulturen unterscheide ist das noch keine Vorverurteilung, ich unterdrücke halt nicht, dass neben den Universalwerten die für jede Kultur gelten, es eben Eigenarten gibt. Auch wir Tiroler haben sicherlich Eigenarten die woanders nicht entzücken. Nur würde ich Auswandern, würde ich alles dafür tun um mich der Lebensweise der ansässigen Bevölkerung anzupassen.
Zum BFS: Den Polizeibericht den ich weiter oben aufgeführt habe spricht etwas anderes, aber auch diesen kann man nicht 1:1 übertragen. Ich kann dir nur empfehlen, das oben aufgeführte Buch zu lesen, da sind jede Menge Daten, Schlüsse und Vorschläge die hier nicht Platz haben. Nur eines sagt der Autor ganz bestimmt, wegschauen aus falscher Solidarität und so tun als wären alle Menschen integrierbar ist der falsche Weg.

Dein oben zitierter Polizeibericht weist gleich mehrere gravierende Probleme auf:

  • Er bezieht sich auf Tatverdächtige und nicht auf Verurteilte, wobei Zuwanderer einer höheren Wahrscheinlichkeit unterliegen, einer Tat verdächtigt zu werden, als Deutsche (der Bericht bezieht sich auf Berlin). Von den Tatverdächtigen wiederum werden nur rund ein Drittel verurteilt.
  • Er berücksichtigt — anders als die Analyse des BFS — nicht, dass gewisse Straftaten nur von Zuwanderern begangen werden können (z.B. Delikte gegen das Aufenthaltsrecht).
  • Er berücksichtigt — anders als die Analyse des BFS — nicht die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur zwischen Zuwanderern und Deutschen (mehr Männer, mehr junge Menschen — die auch bei den »Einheimischen« überdurchschnittlich häufig straffällig werden).
  • Er berücksichtigt auch andere Faktoren (Anzeigeneffekt, Soziallagen-Effekt…) nicht.

Zur Vertiefung empfehle ich diese Information der Bundeszentrale für politische Bildung, die ausdrücklich darauf hinweist, dass die Polizeistatistik für die Straffälligkeit von »Ausländern« nicht aussagekräftig ist:

Amtliche Statistiken wie die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) werden nicht nur von Wissenschaftlerinnen, sondern auch von Politikern, Journalisten und Lobbyisten gerne und häufig als Quelle herangezogen. Die amtlichen Zahlen sind bei Bedarf relativ kurzfristig abrufbar und besitzen im Allgemeinen eine sehr hohe Glaubwürdigkeit. Das macht sie zu einem wirkungsvollen Machtinstrument in den politischen Auseinandersetzungen um die Interpretation der sozialen Wirklichkeit. Der Entstehungsprozess von amtlichen Statistiken wird dabei in der Regel nicht hinterfragt, solange das Ergebnis plausibel und der eigenen Argumentation dienlich zu sein scheint. Es ist jedoch eine Binsenweisheit der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre, dass Messbarkeit nicht mit Wahrheit gleichzusetzen ist.

Das Bundeskriminalamt formuliert deshalb folgenden Hinweis: „Diese Daten dürfen nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu“. Dennoch sind im öffentlichen Raum immer wieder Aussagen zu hören, die sich auf die PKS berufen, um zu belegen, dass Ausländer krimineller seien als Deutsche. Darin spiegelt sich im besten Fall eine unreflektierte Dateninterpretation wider. Häufig sind solche Aussagen aber auch politisch motiviert, etwa um durch das Bedienen von Ängsten vor den vermeintlich „Anderen“ die eigene Gruppenidentität zu stärken.

Was bringen Ihnen diese Daten?
Sobald Sie reinrechnen, dass ein jeder visuell Anderer Mensch wesentlich stärkeren polizeilichen Kontrollen, systemischen und sozialen Marginalisierungbestrebungen sowie Stereotypisierungen unterworfen ist, dann können Sie die Zahlen der Tatverdächtigen leider nicht mehr als objektiven Referenzrahmen annehmen.

Was sollen wir mit der Metaphorik des drohenden Schiffbruchs?

Wenn Sie schon eine historische Perspektive wählen, so bitte ohne in der vermeintlichen Starre des Mythos Nation des 19.Jhtds hängen zu bleiben. Wie können Sie sich v.a. Südtirol, aber im Grunde die Welt, ohne Völkerwanderungen vorstellen? Also erstens: welches Boot? Ich sehe nur das rhizomatische Wurzelgeflecht eines Unkrautes, das die Erde überzieht. Und zweitens: Interessanterweise begründen die europäischen kolonialen, neoimperialen und turbokapitalistischen Unterfangen, welche zur prekären Situation in vielen Emigrationsländern beigetragen haben, einen beträchtlichen Teil unseres relativen Wohlstands.

Ich gebe Ihnen recht, mit Totschweigen kommt man nicht weiter. Nun sollte man sich aber fragen, was das denn ist, das da nicht totgeschwiegen werden soll.

Meines Erachtens sollte nicht ein Symptom sondern die Krankheit und ihre Heilung im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Für mich gibt es da keinen Zweifel: die Krankheit lautet Rassismus.

Statistiken helfen ein Problem zu orten bzw. analysieren. Wenn ich nicht weiss woher ein Problem kommt kann ich nichts dagegen unternehmen.
In ST leben wir in einer relative gut funktionierenden Gesellschaft, das durch falsche Einwanderungspolitik leicht zum kentern gebracht werden kann.
Ich kann gerne auf die Völkerwanderung, die mit Krieg, Verwüstung und Elend einherging, verzichten.
Was den Neoliberalismus angeht sind wir wahrscheinlich ähnlicher Meinung (siehe oben), es ist aber keinem gedient wenn wir deshalb alle Ausländer bei uns aufnehmen wollen.
Wir sollten mal definieren was mit Rassismus gemeint ist, dazu habe ich aber heute keine Lust mehr. ;-)

Was ich damit sagen will ist, dass Worte eine sehr große Macht haben und in den falschen Händen einen sehr großen Schaden anrichten können. Wenn uns Stol lange genug damit einlullt, dass überall straffällige Albaner herumlungern, die nur darauf warten, rechtschaffene Südtiroler zu terrorisieren, dann glaubt man bald, dass die wirklich immer kriminell sind.

Das Problem an der ganzen Problematik ist auch, dass diese Vorurteile und Ressentiments in unregelmäßigen Abständen immer wieder bestätigt werden und natürlich, in diesem Fall, die Albaner, Marokkaner, etc. immer wieder mit Öl nachgießen das Feuer am lodern halten!

Kommt jetzt die Dolomiten und spritzt mit einem Feuerwehrschlauch Benzin drauf gibt es natürlich Stichflammen mit Kollateralschaden. Aber das gelingt auch nur, weil das Feuer wie gesagt schon brannte und immer wieder genährt wurde…

….eine urtalte nationalistische, faschistuide Erscheinung besserer Nationalitäten. Diese wird sich ganz real verschärfen und man sieht zu. Wir sind mitten drin. Tag für Tag. Wer was davon hat? ganz einfach; die Erzeuger von globaliesierten Profitraten und deren Handlanger bis hin zu politischen Kräften und hysterisch schmierenden Medien, „da man ja der Informationspflicht unterliege“…. usw. Mittlerweile scheinen wir auch soweit zusein, dass das Böse nicht nur dort lauert. Stellt euch vor, es gäbe einen Marsch aller arbeitslosen Jugendlichen aus Spanien, Portugal, Frankreich, Griechenland usw. und so weiter. Sie kämen mit Berechtigung; mihrwardübel; was könnte man alleine mit den paar wenigen € tun, welche das deutsche „Verteidigungsministerium“ verdröhnt hat. Hier leidet Südtirol nur am Rande; gut für euch, für manchen auch schlecht. Es reicht nicht, plakatief diese Themen zur Kenntnis zu nehmen. Klar; wohl höre ich es; was kann man dagegen tun. Es reicht auch nicht mehr, nur die Tmen Loslösung von irgend was zu stellen; die Probleme bleiben.

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