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EU-Regio vergessen?

Seit einiger Zeit gibt es für den “Recht und Wirtschaft”-Unterricht an Oberschulen Südtiroler Lehrbücher. “Grundlagen des Rechts” und “Grundlagen der Wirtschaft” sind auf Initiative des Bereichs Innovation und Beratung des deutschen Bildungsressorts bei Athesia erschienen.

Bezeichnend ist einmal mehr, dass selbst in einem Südtiroler Lehrbuch die nationale Komponente überwiegt und die Chance einer differenzierten, realitätsnahen Darstellung nicht genutzt wurde.

Wirtschaftskreislauf.

Die Einteilung der Wirtschaftssubjekte ist in dieser Art nicht nur “nationenzentriert” sondern auch überholt sollte meines Erachtens grundsätzlich überdacht werden. In Zeiten der EU und des europäischen Binnenmarktes greift die Unterscheidung “Staat” und “Ausland” zu kurz. Begriffe wie “Import” und “Export” sind in diesem Zusammenhang differenzierter zu betrachten, da “Ausland” nicht mehr gleich “Ausland” ist. Gerade im Sinne eines europäischen Bewusstseins, das den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden soll, sind Begriffe wie “Ausland” im europäischen Kontext auch generell zu hinterfragen.

Grundlagen Wirtschaft.

Passend dazu wurden auch in der Grundeinteilung des Buches die europäische und regionale Ebenen völlig ausgeblendet. Zwar wird unter Schwächen der Südtiroler Wirtschaft angemerkt, dass “mehr Offenheit für internationale Zusammenarbeit wünschenswert wäre”; doch leider folgt das Buch selbst mit den Kapiteln “Die Wirtschaft in Südtirol” und “Die Wirtschaft in Italien” diesem zu Recht kritisierten, eingeengten und nationalen Denken. Eine solche Einteilung suggeriert, dass Wirtschaft etwas “Isoliertes” sei, was mit der Lebens- und Wirtschaftswirklichkeit unsere Landes wenig zu tun hat.

Bruttoinlandsprodukt.

Die Dekonstruktion der nationalstaatlichen Logik ist in der europäischen Wirtschaft weit fortgeschritten und gerade ein Südtiroler Lehrbuch, welches die Sichtweise der Schülerinnen und Schüler maßgeblich und langfristig prägt, darf den regionalen Aspekt nicht unberücksichtigt lassen. Dieser ist sogar mehr denn anderswo ein Spezifikum unserer Wirtschaft. Nachbarn wie das Belluno, Graubünden oder das Bundesland Tirol kommen in dem Buch jedoch überhaupt nicht vor und sind nicht einmal im Regionenvergleich aufgelistet. Das Wort Euregio sucht man vergeblich. Im Sinne des eingangs erwähnten Anspruches auf “Internationalität” sollte auch die Betrachtung der Wirtschaft im regionalen und zumindest auch europäischen Kontext erfolgen. Zudem wäre ein Kapitel über den wohl prägendsten Aspekt modernen Wirtschaftens – nämlich der Globalisierung – mehr als angebracht.

Siehe auch: 1/ 2/

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45 replies on “EU-Regio vergessen?”

Die Einteilung der Wirtschaftssubjekte, so wie sie der Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft macht, soll überholt sein?

Da muss ich wohl etwas verpasst haben, denn ich beschäftige mich beruflich regelmäßig mit diesem Modell und es gibt in der Fachliteratur nicht mal die leisesten Anzeichen, dass an diesem Modell gerüttelt werden soll. In sämtlichen Schulen und Universitäten wird dieses aus dem 18. Jahrhundert stammende Modell weiterhin so gelehrt und es bildet die Grundlage für das System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), das von allen Statistikämtern verwendet wird.

Die Schaffung des europäischen Binnenmarktes spielt überhaupt keine Rolle für den Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft. Ob eine Volkswirtschaft in Form eines EU-Mitgliedslandes wirtschaftliche Beziehungen mit einem anderen EU-Mitgliedsland oder mit einem Nicht-EU-Mitgliedsland unterhält, ist für den Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft völlig unerheblich. Die Güter- und Geldströme, so wie sie in der Grafik dargestellt sind, bleiben unverändert.

Bemängeln kann man einzig, dass man als Staat den italienischen Staat und nicht etwa die Europäische Union verwendet. Ich würde aber davon abraten, weil damit das Modell für Oberschüler, die zum ersten Mal mit diesem Modell konfrontiert werden, unnötig kompliziert gemacht werden würde.

Ich halte es für äußerst bedenklich, dass hier aus politischen Gründen bewährte volkswirtschaftliche Erkenntnisse in Frage gestellt werden, denn fachliche Kritik kann ich hier nicht erkennen.

Jetzt vermischen wir aber schon die Ebenen: Die Therorie der Wirtschaftkreisläufe auf der einen Seite und der Blick auf die reale Welt auf der anderen. Wenn Südtirol mit “zufällig ausgewählten” Regionen verglichen wird und dabei Umbrien und Apulien herhalten müssen, so ist das doch bitte höchst politisch und manipulativ: “seht, wir sind die Besten in unseren Breiten”. Wenn dann aber Tirol und Graubünden unterschlagen werden, dann versperrt man bewusst den Vergleich, was im Rahmen unserer Möglichkeiten drin ist. Hoffentlich lehrt man unsere Wirtschaftsschüler, dass unser Land im täglichen Wettbewerb mit unseren Nachbarn steht. Hoffentlich lehrt man sie auch, wie wettbewerbsnachteilig es ist, wenn man nicht die natürlichen, regionalen Kreisläufe nicht voll ausschöpft. Ich denke schon, dass hier ein Grundstein gelegt wird, der sich in den Köpfen unvorteilhaft einnistet – und das ist politischer als Haralds Kritik.

genau so sehe ich das auch. das völlige ausblenden der regionalen und auch der europäischen dimension ist – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – für ein südtiroler schulbuch fatal, weil die präsentierte sichtweise für die schüler prägend ist. es werden – eben auch durch die auswahl von inhalten und begrifflichkeiten – muster injiziert, die die nationale logik befeuern, der wirtschaftswirklichkeit bzw. der wirtschaftlichen notwendigkeit aber völlig entgegenlaufen.

Ich verstehe nicht, was deine Antwort mit meinem Kommentar zu tun hat. Ich vermische nichts, denn in meinem Kommentar gehe ich ausschließlich auf den Wirtschaftskreislauf ein. Die Regionenvergleiche erwähne ich überhaupt nicht.

Auf regionale Kreisläufe darf gerne eingegangen werden, aber im Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft ist das absolut fehl am Platz.

Ich verfolge diesen Blog seit Jahren und bemerke, dass sich über die Jahre hinweg eine ideologische Einbahnstrasse aufgetan hat, die Ihrerseits von jeglicher Kritik erhaben ist. Deshalb find ich den Inhalt von pervasions Kommentar, dass keine Chance verpasst wird, auf unredliche Art und Weise! alles schlechtzureden, was einem nicht in den Kram passt für sehr deplaziert! Vor allem wenn hier der Versuch unternommen wird volkswirtschaftliche Grundregeln umzuwerfen (phönixblob ist nichts hinzuzufügen), nur weil diese dann ggf. besser in ein politisch ideologisches Welt-/Südtirolbild passen könnten.

Ok. Ich hätte schreiben sollen, dass ich es für überholt halte (hab ich nun gemacht) und zwar aus mehreren Gründen:
1. Der Begriff Staat ist in Zeiten der Europäischen Union sehr wohl überholt, da unpräzise. Der Staatenverbund nimmt im Kreislauf Funktionen wahr, die früher den Einzelstaaten vorbehalten waren. Mit dem Begriff “Öffentliche Hand” bzw. “Öffentliche Haushalte” würde mir das schon besser gefallen.
2. Im Sinne einer europäischen Integration denke ich, dass es sehr wohl angebracht wäre, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in einem Währungsraum mit Zentralbank differenzierter und anders zu verstehen, als wir das heute tun.
3. Die Diktion entspricht – wie du bestätigst – der Denkweise des 18. Jahrhunderts. Ich finde, dass das präziser und realitätsnäher ginge. Wenn es darüber offenbar keinen wissenschaftlichen Diskurs gibt, zeigt dass doch nur, wie nationenzentriert wir immer noch denken.

1. Im Kreislaufmodell findet man für den Begriff “Staat” hin und wieder auch den Begriff “Öffentliche Haushalte”. Den Begriff “Staat” halte ich für einfacher, während der Begriff “Öffentliche Haushalte” undeutlich ist. Hier handelt es sich um Oberschüler, die zum ersten Mal mit diesem Modell konfrontiert werden. Ich gehe jede Wette ein, dass man sich im Unterricht eine ausführliche Diskussion einbrocken wird, was denn nun diese “Öffentlichen Haushalte” sind. Die Schüler mögen dann zwar den Begriff “Öffentliche Haushalte” kennengelernt haben, das Modell haben sie aber nicht verstanden. Super!
2. Ich wiederhole: Die europäische Integration hat überhaupt keinen Einfluss auf den Wirtschaftskreislauf einer offenen Volkswirtschaft und die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Die Güter- und Geldströme und die einzelnen Posten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bleiben unverändert. Ich bitte um Vorschläge, wie die europäische Integration im Kreislaufmodell und in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung berücksichtigt werden soll, ohne dass unnötige Komplikationen entstehen und so dass das Modell und die Rechnung fachgerecht und wissenschaftlich korrekt bleiben.
3. Wenn es keinen wissenschaftlichen Diskurs darüber gibt, dann zeigt das hier, dass es überhaupt keinen Anlass für Änderungen gibt. Das Ausland umfasst im Wirtschaftskreislauf per Definition alle Wirtschaftssubjekte, die sich außerhalb der geografischen Grenzen einer Volkswirtschaft befinden. Durch die europäische Integration bzw. den europäischen Binnenmarkt ändert sich daran gar nichts.

1. so schwer zu verstehen ist das nun auch wieder nicht. oder was machst du, wenn die frage kommt: ist die eu ausland?
2. + 3. genau das sag ich doch. das verständnis von volkswirtschaft und wirtschaftsraum ist national geprägt. wir verstehen die staaten als volkswirtschaften – obwohl wir einen binnenmarkt also einen gemeinsamen europäischen wirtschafts- und währungsraum haben. wenn der sterzinger milchhof seine yoghurts nach gries am brenner verkauft, ist das export. verkauft er sie nach sizilien berührt das die handelsbilanz der italienischen volkswirtschaft nicht. das ist nationale logik und der binnenmarkt hat damit sehr wohl was zu tun. oder versteh ich da was falsch?
gleichzeitig spricht nichts dagegen, auch die wirtschaftsleistung und -bilanz untergeordneter einheiten zu erheben.

Ich halte es für äußerst bedenklich, dass hier aus politischen Gründen bewährte volkswirtschaftliche Erkenntnisse in Frage gestellt werden, denn fachliche Kritik kann ich hier nicht erkennen.

Ja, das finde ich auch. Find’ den Artikel recht ideologisch, errinert mich an Gender-Diskussionen :)

Es wäre in diesem Zusammenhang hilfreich, wenn bbd mal definieren würde, was denn “nationalstaatliche Logik” eurer Ansicht nach ist!? Von mir aus in den FAQ.

Ihr verwendet das als Kampfbegriff und konnotiert ihn ausschließlich negativ. Dabei ist diese Konnotation, wie man sie eben auch hier in Haralds Beitrag findet und wie sie von Phoenixblob zurecht kritisiert wird nicht pauschal richtig, in diesem Fall sogar falsch.

das verständnis von volkswirtschaft und wirtschaftsraum ist national geprägt. wir verstehen die staaten als volkswirtschaften

Ja. Per Definition/Konvention, wohlgemerkt! Dass du daran rumrütteln willst ist durchaus legitim, deine konstruktivistische Sichtweise in Ehren, nur ist das hier eben in etwa so wie die Weltkarte auf den Kopf zu stellen, weil man glaubt damit einem eurozentristisches Weltbild und einer Norden=Gut, Süden=Böse Mentalität entgegenzuwirken. https://en.wikipedia.org/wiki/South-up_map_orientation

Deine Meinung scheint mir recht extremistisch. Wenn ich deine Logik richtig verstanden habe, dann bedürfen alle folgenden Begriffe, ob ihrer “nationalistischen Prägung” einer Überprüfung: Binnenmarkt (ist übrigens auch nationalistisch), Bruttoinlandsbrodukt, Inland, Staatsdefizit, Zollunion, Staatshaushalt, …

… was soll das? Deine Kritik hat keinen Realitätsbezug mehr.

Deshalb meine Frage: Was lernen denn die Schüler konkret falsch (falsche Sichtweisen mit eingenommen), wenn sie dieses Buch im Unterricht verwenden?

Dass Italien eine Volkswirtschaft ist?
Dass Österreich Ausland ist?
Dass es Euregio/Belluno/Graubünden nicht gibt?

Und … es gibt in einer Schule -neben Bücher- auch noch Lehrer. Und glaube mir Globalisierung ist Unterrichtsgegenstand. Ob das Kapitel nun im Buch fehlt, oder nicht.

1. Wenn ich sage, dass alle Wirtschaftssubjekte, die sich außerhalb von Italien befinden, zum Ausland gehören, dann dürfte klar sein, dass die restliche EU zum Ausland gehört. In deinem Modell ist ja “Ausland” nicht gleich “Ausland”. Welche Unterschiede gibt es dann zwischen einem Wirtschaftssubjekt “EU (außer Italien)” und einem Wirtschaftssubjekt “Nicht-EU”, wenn man von der italienischen Volkswirtschaft ausgeht? Welche Güter- und Geldströme, die zum Wirtschaftssubjekt “EU” führen und von dort ausgehen, gibt es beim Wirtschaftssubjekt “Nicht-EU” nicht und umgekehrt?
2. und 3. Was hat nun der Wirtschaftskreislauf und die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung damit zu tun? Sie sind die falschen Adressaten deiner Botschaft, denn ob eine Volkswirtschaft national geprägt ist oder nicht, darüber haben sie nicht zu entscheiden. Es ist Aufgabe der Politik, die Gebietskörperschaften und deren geografische Grenzen zu definieren. Entsprechend dieser politischen Vorgaben werden die Volkswirtschaften gebildet und die Statistikämter ermitteln die Importe und Exporte zwischen diesen Volkswirtschaften im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Ob nun verschiedene Volkswirtschaften in Form eines gemeinsamen Wirtschaftsraums und einer vertieften politischen Integration näher zusammenrücken, spielt dafür keine Rolle. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung hat nicht zu bestimmen, ob eine Warenlieferung von Sterzing nach Gries am Brenner als Export aufscheint. Deswegen muss auch nicht die Einteilung der Wirtschaftssubjekte überdacht werden, so wie du es forderst.

@ m.gruber

– natürlich ist der artikel ideologisch. was soll er denn sonst sein? das hier ist ein polit-blog mit einer eindeutigen ausrichtung und einer klaren zielsetzung und kein öffentlich rechtliches nachrichtenportal.

– die “nationalstaatliche logik” beschreibt zum einen, dass gewisse eigenschaften und vorgänge innerhalb eines nationalstaates gemeinhin als norm angenommen werden. zum anderen, dass diese “preconceived ideas” die situation daher immer weiter zugunsten der nationalen norm verschieben.

– nein. sie ist nicht falsch. ich habe geschrieben “dass selbst in einem Südtiroler Lehrbuch die nationale Komponente überwiegt”. weder hab ich gesagt, dass nur im nationalen lichte beleuchtet wurde, noch dass man die nationale ebene völlig ausblenden sollte. ich orte nur ein missverhältnis in einem von einem “nationalen standpunkt” her besonderen gebiet wie südtirol. nationalstaatliche logik eben.

Wenn ich deine Logik richtig verstanden habe, dann bedürfen alle folgenden Begriffe, ob ihrer ”nationalistischen Prägung” einer Überprüfung:

nein. ich habe nichts grundsätzlich gegen diese begriffe. es geht mir vielmehr um die schwerpunktsetzung. man kann ja auch das bip südtirols mit dem bayerns und muss nicht notwendigerweise italien mit deutschland vergleichen. es ging mir in meiner kritik darum aufzuzeigen, auf welcher ebene der schwerpunkt der beobachtungen liegt. und dabei dominiert die nationale gegenüber der europäischen und regionalen.

Was lernen denn die Schüler konkret falsch (falsche Sichtweisen mit eingenommen), wenn sie dieses Buch im Unterricht verwenden?

ich bin nach wie vor der meinung, dass der begriff staat falsch ist und durch “öffentliche haushalte” ersetzt werden muss. zudem ist es eben diese eingeengte nationale sichtweise, die vermittelt wird.

– mit verlaub, aber dein argument zur verteidigung, dass die globalisierung im buch fehlt, ist lächerlich. natürlich gibt es lehrer und diese können auch dinge unterrichten, die nicht im buch stehen. aber darum geht es nicht. es geht um die indizien, wo die schwerpunkte liegen. und heutzutage in einem wirtschaftsbuch das thema globalisierung auszusparen, ist bizarr.
dein zitat umgelegt auf ein geschichtsbuch: “Und … es gibt in einer Schule -neben Bücher- auch noch Lehrer. Und glaube mir DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION ist Unterrichtsgegenstand. Ob das Kapitel nun im Buch fehlt, oder nicht.

@ phoenixblob

1. ich kann mich irren, aber was ist mit den ganzen subventionszahlen der eu? mit dem investitionsfond? das sind doch keine klassischen ausländischen transferleistungen (wie entwicklungshilfe), da die gelder zum teil von denen stammen, die sie erhalten.

2. es geht nicht darum, ob die volkswirtschaft national geprägt ist, sondern ob man nicht den europäischen wirtschaftsraum als volkswirtschaft verstehen kann.

@hunter

1. Subventionen werden von den einzelnen Mitgliedsländern als auch von der EU vergeben. Der Geldstrom ist also identisch.

Der Europäische Investitionsfond (EIF) funktioniert nach dem selben Schema wie die Weltbank, nur dass sich der EIF auf die EU, die Türkei und die EFTA-Länder Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz beschränkt, während die Weltbank praktisch weltweit tätig ist. Wenn du also nun in deinem Wirtschaftsmodell ein Wirtschaftssubjekt “EU (außer Italien)” und ein Wirtschaftssubjekt “Nicht-EU” hast, so sind die Geldströme, die im Rahmen von EIF zwischen Staat und “EU (außer Italien)” fließen, die selben Geldströme, die im Rahmen der Weltbank zwischen Staat und “Nicht-EU” fließen. Somit sind deine Wirtschaftssubjekte “EU (außer Italien)” und “Nicht-EU” weiterhin identisch.

2. Den europäischen Wirtschaftsraum kann man als Volkswirtschaft verstehen. Dazu braucht es aber keine Überholung oder kein Überdenken der Einteilung der Wirtschaftssubjekte. Da genügt es vollkommen, beim Wirtschaftssubjekt “Staat” Italien mit der EU zu ersetzen. Auch die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung auf der Ebene des europäischen Wirtschaftsraumes wird bereits von Eurostat erhoben. Auch hier ist keine Überholung oder Reform notwendig.

wobei im gegensatz zur weltbank im rahmen der eu die staaten souveränitätsrechte abgetreten haben und es ein übergeordnetes recht gibt.
und gilt deine argumentation dann auch für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der ja ausschließlich auf EU-gebiet agiert und von den mitgliedsstaaten gespeist wird, die gleichzeitig profiteure sind.
aber nochmals: es geht mir um fokus und signalwirkung. auch wenn das, was im buch steht nicht falsch ist (wobei ich auf öffentliche haushalte statt staat nach wie vor beharre). es ist – auch deiner argumentation folgend – also sehr wohl möglich, die berechnungen bzw. zusammenhänge für verschiedene ebenen zu erstellen und zu zeigen. und die entscheidung im südtiroler lehrbuch fiel auf die nationale und nicht auf die europäische oder gar die regionale. du bestätigst somit meine kritik, dass die die nationale ebene gegenüber der EU-Regio (sprich regionale und europäische ebene) überwiegt.
und das ist die kritik, die in meinem artikel steht. nichts anderes.

nochwas

1. Subventionen werden von den einzelnen Mitgliedsländern als auch von der EU vergeben. Der Geldstrom ist also identisch.

das gilt aber doch nur, wenn in der grafik statt staat öffentliche haushalte stehen würde. oder irre ich?

@m.gruber

und nochwas: das derzeitige von mir kritisierte modell ist doch nicht “unideologisch”. wir nehmen es doch nur als solches wahr, weil es der derzeitigen norm folgt. ideologisch ist es dennoch. genauso wie meine kritik daran.

Manche verpassen einfach keine Chance, auf unredliche Art und Weise alles schlechtzuschreiben, was nicht dem üblichen/unhinterfragten Kanon entspricht. Soweit ich lesen kann, hat Harald vor allem eine gerade für ein autonomes Gebiet stimmigere Gewichtung und eine differenziertere, nicht so stark nach nationalen Kriterien ausgerichtete Darstellung angemahnt bzw. vorgeschlagen. Es geht nicht darum, die Realität zu unterschlagen, sondern im Gegenteil darum, sie besser und aus mehreren Blickwinkeln darzustellen und zu verstehen.

@hunter
Ob Souveränitätsrechte abgetreten werden, ist völlig irrelevant. Die Geld- und Güterströme werden dadurch nicht berührt.
Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung hat die gleiche Funktionsweise, nur dass er ein anderes geografisches Gebiet betrifft und andere Ziele verfolgt.
Auch von mir nochmals: Ich halte es für äußerst bedenklich, dass hier aus politischen Gründen bewährte volkswirtschaftliche Modelle Erkenntnisse in Frage gestellt werden, denn fachliche Kritik kann ich hier nicht erkennen.
Ideologische und politische Einflüsse haben im Kreislaufmodell und in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nichts verloren.

Das Wirtschaftssubjekt “Staat” ist gleich dem Wirtschaftssubjekt “Öffentliche Haushalte”, nur dass die Bezeichnung “Staat” üblich ist. Mehr steckt da nicht dahinter.

@pérvasion
Wenn mit “manche” auch ich gemeint sein sollte:
Wie bereits erwähnt, dürfen regionale Kreisläufe und Besonderheiten in einem Wirtschaftslehrbuch gerne behandelt werden. Dafür gibt es sehr viele Möglichkeiten.
Aber bewährte volkswirtschaftliche Modelle und Erkenntnisse auf Kosten der fachlichen Korrektheit zu ändern, wie hier gefordert wurde, ist eindeutig der falsche Weg. Du schreibst zwar, dass es nicht darum geht, die Realität zu unterschlagen, durch die Forderungen (‘Einteilung der Wirtschaftssubjekte (…) sollte meines Erachtens grundsätzlich überdacht werden’) wird das aber leider betrieben. Wenn die Realität falsch dargestellt wird, dann kann sie auf keinen Fall besser dargestellt werden, auch wenn nach so erstrebenswerte Ziele damit verfolgt werden.
Ihr habt hier leider die Chance verpasst, die Unabhängigkeit der Wissenschaft vor politischen Einflüssen zu wahren.
Wenn ich für die fachliche Korrektheit einstehe, dann argumentiere ich auf unredliche Art und Weise? Ich darf doch sehr bitten.

das ist schon klar, dass die geld- und güterströme durch abgabe der souveränitätsrechte nicht berührt werden, es geht aber vielmehr darum, ob durch diese abtretung nicht ein neues subjekt entsteht, für welches die volkswirtschaftliche rechnung relevant ist und dass dadurch die eingrenzung der volkswirtschaftlichen subjekte nicht mehr stimmig ist. denn die abgrenzung erfolgt ja anhand politischer und nicht wirtschaftlicher einheiten.

Ideologische und politische Einflüsse haben im Kreislaufmodell und in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nichts verloren.

nochmals: natürlich ist der wirtschaftskreislauf “politisch”. mit 1990 hat sich doch auch die volkswirtschaftliche rechnung deutschlands verändert. oder wird die ehemalige ddr immer noch separat gerechnet? die wirtschaftliche rechnung orientiert sich an politischen und somit auch ideologischen gegebenheiten und grenzen.

Ich kann bezüglich Wissenschaft und Ideologie nicht anders, als eines meiner absoluten Lieblingszitate wiederzugeben:

Es gibt […] keinen klar formulierbaren Unterschied zwischen Mythen und wissenschaftlichen Theorien. Die Wissenschaft ist eine der vielen Lebensformen, die die Menschen entwickelt haben, und nicht unbedingt die beste. Sie ist laut, frech, teuer und fällt auf. Grundsätzlich überlegen ist sie aber nur in den Augen derer, die bereits eine gewisse Position bezogen haben oder die die Wissenschaften akzeptieren, ohne jemals ihre Vorzüge und Schwächen geprüft zu haben. Und da das Annehmen und Ablehnen von Positionen dem einzelnen, oder, in einer Demokratie, demokratischen Ausschüssen überlassen werden sollte, so folgt, daß die Trennung von Staat und Kirche durch die Trennung von Staat und Wissenschaft zu ergänzen ist.

Feyerabend, Paul, »Wider den Methodenzwang«, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt am Main 1986, Kapitel 19, Seite 385

@Steffl
Neben den Staatsbediensteten auch die Landesbediensteten aufführen? Kein Problem! Das Kreislaufmodell macht dazu keine Vorgaben.
Anstelle (nicht neben, weil im Kreislaufmodell gibt es immer um die Darstellung einer einzigen Volkswirtschaft. Italien und Südtirol sind zwei unterschiedliche Volkswirtschaften) des italienischen Staates das Land Südtirol als Wirtschaftsubjekt “Staat”? Kein Problem! Das Kreislaufmodell schreibt nicht vor, welche Gebietskörperschaftsebene dargestellt werden muss.

Zusätzliche Wirtschaftssubjekte einführen, die vollkommen identisch mit bereits anderen Wirtschaftssubjekten sind? Problem!
Einfluss darauf nehmen, wie die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Exporte und Importe zu erfassen hat? Problem!

Das Kreislaufmodell kennt keine strikten Vorgaben, also gibt es durchaus Gestaltungsspielraum. Hier wird aber aus politischen Gründen in das Kreislaufmodell eingegriffen und das kann ich auf keinen Fall gutheißen.

@hunter
In der EU ist die politische Einheit gleich der wirtschaftlichen Einheit. Wo ist da also das Problem?

Wie soll außerdem eine Einteilung als wirtschaftliche Einheit funktionieren? Wer bestimmt, wie stark die wirtschaftliche Integration und die Abtretung der Souveränitsrechte sein muss, um die wirtschaftliche Einheit als Volkswirtschaft gelten zu lassen? Wie soll das Ausmaß der wirtschaftlichen Integration und der Abtretung der Souveränitätsrechte gemessen werden?
Eine eindeutige Definition, wann ein Gebiet eine “wirtschaftliche Einheit” ergibt oder nicht, gibt es nun mal nicht. Das Chaos wäre perfekt. Bei politischen Einheiten geht das ganz einfach.

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung orientiert sich nur insoweit an der Politik und Ideologie, als dass sie die politischen Einheiten, für die sie die Berechnungen erstellt, übernimmt. Die Definition der einzelnen Komponenten und die Berechnungsmethoden der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind aber politik- und ideologiefrei.

@pérvasion
Ich finde es interessant, dass du dieses Zitat bei wissenschaftlichen Erkenntnissen anbringst, die entgegen deiner politischen Positionen sind, aber nicht bei wissenschaftlichen Erkenntnissen, die deine politische Positionen bestärken.

Dazu ein schönes Zitat zu Unabhängigkeit (in der Wissenschaft):

“Ich brauche nur das zu tun, was ich will, und nicht, was die anderen von mir erwarten. In der Gemeinschaft ist es leicht, nach fremden Vorstellungen zu leben. In der Einsamkeit ist es leicht, nach eigenen Vorstellungen zu leben – aber bewundernswert ist nur der, der sich in der Gemeinschaft die Unabhängigkeit bewahrt.”

Ralph Waldo Emerson (1803 – 1882), US-amerikanischer Geistlicher, Lehrer, Philosoph und Essayist

Ich finde es interessant, dass du dieses Zitat bei wissenschaftlichen Erkenntnissen anbringst, die entgegen deiner politischen Positionen sind, aber nicht bei wissenschaftlichen Erkenntnissen, die deine politische Positionen bestärken.

Kannst du das belegen? Ich bin nämlich der Auffassung, dass gerade Erkenntisse, die uns in unserer eigenen Position (zu) bestärken (scheinen), am kritischsten hinterfragt werden müssen. Meine Konsequenz aus Feyerabends Aussage ist auch nicht, dass Wissenschaft grundsätzlich nutzlos ist — ganz im Gegenteil. Aber die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eben nicht frei von ökonomischen und/oder politischen Interessen, weshalb ein Vorwurf wie jener an Harald gerichtete der ideologischen Einflussnahme ins Leere greift.

In beiden von dir verlinkten Artikeln geht es doch um Studien, die von Wahrscheinlichkeiten und (rechtlichen, politischen…) Plausibilitäten sprechen. Wir alle wissen doch ganz genau, dass der politische Mainstream das genaue Gegenteil behauptet, nämlich, dass Regionen, die sich von EU-Mitgliedsstaaten abspalten, automatisch aus der EU fliegen (und u.U. für lange Zeit draußen bleiben) würden. Das Thema ist also ein gutes Beispiel für die Richtigkeit von Feyerabends These, und dass dies so ist, haben wir auch nie geleugnet. Im Gegenteil: Während Sezessionsgegner glauben/angeben, eine absolute Wahrheit zu vertreten, sagen wir (völlig kohärent zu Feyerabend), dass es keine absoluten Wahrheiten und Gewissheiten gibt.

Auch Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten sind Erkenntnisse, die man kritisieren kann. Da zwischen Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten auf der einen Seite und “absoluten Wahrheiten” zu unterscheiden, halte ich für nicht richtig.

Da die Wirtschaftswissenschaft zu den Sozialwissenschaften gehört, ist es in dieser Wissenschaft generell falsch, von absoluten Wahrheiten zu sprechen. Nur weil mich die hier vorgebrachten Änderungsvorschläge überhaupt nicht überzeugen, heißt das nicht, dass die hier von mir verteidigten Modelle die absolute Wahrheit darstellen. Vielleicht gibt es ja Methoden, die diese Modelle in Kürze komplett über den Haufen werfen werden, nur dass sie noch niemand erforscht oder erkannt hat. Wenn jemand gut begründete Kritik vorbringt, dann werde ich und ich glaube auch die Wissenschaftler diese mit Sicherheit prüfen.

mit verlaub, aber dein argument zur verteidigung, dass die globalisierung im buch fehlt, ist lächerlich. natürlich gibt es lehrer und diese können auch dinge unterrichten, die nicht im buch stehen. aber darum geht es nicht. es geht um die indizien, wo die schwerpunkte liegen. und heutzutage in einem wirtschaftsbuch das thema globalisierung auszusparen, ist bizarr.
dein zitat umgelegt auf ein geschichtsbuch: ”Und … es gibt in einer Schule -neben Bücher- auch noch Lehrer. Und glaube mir DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION ist Unterrichtsgegenstand. Ob das Kapitel nun im Buch fehlt, oder nicht.

Gut, dass du das Beispiel mit den Geschichtsbüchern bringst, da kenn ich mich nämlich ein bisschen besser aus als in Wirtschaft. Geschichtsbücher der Oberstufe stammen überwiedgend aus Deutschland oder Österreich. Die Geschichte Südtirols fehlt deshalb meist (ich sage “meist”, weil ich nicht alle Geschichtsbücher kenne, vielleicht fehlt sie auch immer) komplett. Auch wird die Einigung Italiens in diesen Büchern, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich behandelt.

Ich finde mein Gegenargument deshalb alles andere als lächerlich.

hä? das macht das fehlen von wichtigen kapiteln in anderen fächern doch nicht besser.
und wir sprechen hier ja von einem spezifischen südtiroler buch. dass in einem unterrichtsbuch aus deutschland tiroler geschichte nur rudimentär behandelt wird, ist irgendwie logisch.
würde die einigung italiens in einem italienischen geschichtsbuch hingegen fehlen, wäre das recht schräg.
das mit dem geschichtsbuch haben wir übrigens schon mal thematisiert, denn mittlerweile gibt es ja für die oberschule drei südtiroler geschichtsbücher.

Geschichtsbuch.

@hunter:

hä? das macht das fehlen von wichtigen kapiteln in anderen fächern doch nicht besser.

Nein, aber auch nicht schlimmer, es bringt dich vielleicht auf den Gedankengang, dass ein Schulbuch nicht alles abdecken muss, was tatsächlich Unterrichtsgegenstand ist, oder, dass dies gar nicht der Anspruch eines Schulbuches ist.

Apropos Anspruch dieses Buches:
Hast du dir eigentlich den Link, den du selbst gesetzt hast durchgelesen?
http://www.bildung.suedtirol.it/unterricht/wirtschaft-und-recht/grundlagen-wirtschaft-biennium/

Dort steht, dass es sich um eine MODULREIHE handelt. Und rechts im Navigationsmenue ist ein Link gesetzt zu einem weiteren Modul, das sich GLOBALISIERUNG nennt.
http://www.bildung.suedtirol.it/unterricht/wirtschaft-und-recht/globalisierung/

dass in einem unterrichtsbuch aus deutschland tiroler geschichte nur rudimentär behandelt wird, ist irgendwie logisch.

Wieso ist dir dann dieser Gedankengang derart fremd, bei einem Buch das sich “Grundlagen der Wirtschaft” nennt? Für mich ist es nämlich sehr wohl nachvollziehbar, wenn in diesem Buch der europäische Binnenmarkt, Globalisierung und Europaregion ausgespart werden und man stattdessen nur auf ein vereinfachtes Modell zurückgreift.

@m.gruber: Im Artikel wird ein Schulbuch kritisiert, ein Südtiroler Schulbuch für Südtiroler Schüler zumal — und nicht der Unterricht.

Die Kritik im Artikel setzt auch die Prämisse, dass die Schüler vom Buch einen falschen Blickwinkel vermittelt bekommen, also kritisiert der Artikel sehr wohl den Unterricht.

Textstellen aus dem Artikel die dies belegen:

– Gerade im Sinne eines europäischen Bewusstseins, das den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden soll, sind Begriffe wie “Ausland” im europäischen Kontext auch generell zu hinterfragen.

– und gerade ein Südtiroler Lehrbuch, welches die Sichtweise der Schülerinnen und Schüler maßgeblich und langfristig prägt, darf den regionalen Aspekt nicht unberücksichtigt lassen

ad globalisierung:
ich habe das fehlen der globalisierung schon vor monaten schriftlich beim “bereich innovation und beratung” beanstandet und mir wurde – ebenfalls schrifltich – versichert, dass ein modul globalisierung online zur verfügung gestellt werden wird. dies ist nun offenbar passiert.

ad unterricht:

Die Kritik im Artikel setzt auch die Prämisse, dass die Schüler vom Buch einen falschen Blickwinkel vermittelt bekommen, also kritisiert der Artikel sehr wohl den Unterricht.

WTF???

Wie kann man etwas vergessen, das es nie gegeben hat?
Höchstens als politisches Feigenblatt und erfundenes Konstrukt um die Selbstbestimmungsdiskussion zu unterdrücken.

es geht in meinem artikel weniger um die institution “euregio” als um den regionalen und europäischen kontext.

auf Kosten der fachlichen Korrektheit zu ändern

wo gehen meine forderungen zu lasten der fachlichen korrektheit?
1. mich stört erstens die schwerpunktsetzung auf das nationale (zitat: dass selbst in einem Südtiroler Lehrbuch die nationale Komponente ÜBERWIEGT und die Chance einer differenzierten, realitätsnahen Darstellung nicht genutzt wurde). sprich, dass obwohl dies möglich wäre, die regionale und europäische perspektive nicht dargestellt wurde
2. die gegenüberstellung von staat und ausland, da diese zu eng ist. wie du mir bestätigt hast, könnte man diese rechnung und diesen kreislauf sehr wohl auf die europäische ebene verlagern (stichwort: schwerpunktsetzung siehe punkt 1). somit würde in der neuen rechnung ein teil des sektors “ausland” in den sektor “staat” übergehen. und meine forderung nach “offentlichen haushalten” statt staat ist daher nicht unkorrekt sondern genau das gegenteil. es wäre wissenschaftlich präziser.
3. begriffe grundsätzlich zu hinterfragen halte ich für legitim. auch im wissenschaftlichen diskurs sind doch immer wieder begriffe hinterfragt und geändert worden.

Die Forderung, die Einteilung der Wirtschaftssubjekte zu überdenken, insbesondere nicht mehr ein einziges Wirtschaftssubjekt “Ausland” zu haben, sondern dieses in mehrere Wirtschaftssubjekte aufzuteilen, die schlussendlich aber nur die selben Güter- und Geldströme aufweisen. Das ist für mich fachlich nicht korrekt.
Wenn man möchte, könnte man im Kreislaufmodell unendlich viele Wirtschaftssubjekte schaffen, die das Ausland betreffen. Hier die Rest-EU, da die Schweiz, dort Afrika. Wo soll das dann aufhören?

1. In einem Südtiroler Lehrbuch darf gerne die regionale Komponente stärker betont werden. Aber bitte nicht in das Kreislaufmodell und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eingreifen.
2. Ich habe selbst geschrieben, dass es korrekt wäre, anstelle des Begriffes “Staat” den Begriff “Öffentliche Haushalte” zu verwenden, auch wenn ich in einem Schulbuch davon abraten würde.
3. Selbstverständlich darfst du Begriffe hinterfragen. Niemand hindert dich daran. Ich hinterfrage dagegen, wie du das Kreislaufmodell und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung hinterfragst.

Frage am Rande: Warum fehlen in der ersten Grafik die Beziehungen zwischen Staat (bzw. öffentlicher Hand) und Banken?

Ein Erklärungsversuch:
Wenn du dich durch das Internet durchklickst, wirst du bemerken, dass es Kreislaufmodelle ohne und mit dieser Beziehung gibt.

Es kann sein, dass der Staat spart oder Kredite aufnimmt. In diesem Fall müsste eine Beziehung zwischen Staat und Banken hergestellt werden. Es kann aber auch sein, dass die Einnahmen und die Ausgaben des Staates im Einklang sind. In diesem Fall ist keine Beziehung zwischen Staat und Banken vorhanden.

Das hängt damit zusammen, dass Banken grundsätzlich als Vermittler zwischen den privaten Haushalten und den Unternehmen gesehen werden und das offensichtlich bei dieser Darstellung betont werden soll.
Wenn nun Sparen und Investieren bereits im Gleichgewicht sein sollten und der Staat verschuldet sich trotzdem, dann verdrängt der Staat private Kreditnehmer und somit Investitionen. Das ist das sogenannte crowding out. Solche Komplikationen vermeidet man dadurch.

Es kann aber auch sein, dass die Einnahmen und die Ausgaben des Staates im Einklang sind. In diesem Fall ist keine Beziehung zwischen Staat und Banken vorhanden.

Was im Zinsgeldsystem nicht möglich ist…zumindest nicht für alle Staaten gleichzeitig. Und die Zentralbank versorgt ja die Geschäftsbanken mit Geld…wird diese zum Staat dazugerechnet?

Wenn die Staaten nie Kredite aufgenommen haben oder nie Ersparnisse angelegt haben, dann müssen sie weder Zinsen bezahlen noch bekommen sie Zinsen. Dann gibt es keine Beziehung zwischen Bank und Staaten.
Es gehört aber zu den Eigenschaften eines Modells dazu, dass es die Realität immer nur verkürzt erfassen kann. Eine vollständige Darstellung der Realität ist einfach unmöglich. Sachen wie z. B. den Zinseszins wirst du hier nicht finden.

Ich sehe die Zentralbank immer der Bank zugeordnet. Sie wird ja auch als “Bank der Banken” bezeichnet, die die Banken mit Zentralbankgeld versorgt, damit diese den Zahlungsverkehr abwickeln können. Zusätzlich kann die Zentralbank auch als Kreditgeber für den Staat fungieren, aber da unterscheidet sie sich nicht von den normalen Banken.

Theoretisch könnte man schon ein neues Wirtschaftssubjekt “Zentralbank” in Abgrenzung von den normalen Banken schaffen, aber mir ergibt sich der Sinn dahinter nicht. Da könnte man auch die privaten Haushalte in Selbstständigenhaushalte und Arbeitnehmerhaushalte einteilen.

Vielleicht sollte man sich von der Idee verabschieden dass sich das ganze überhaupt in eine Grafik verkürzen lässt. Desweiteren ist hier mit Staat einfach die öffentliche Hand gemeint und das Siegel ist ohnehin fehl am Platz.

Eine Frage: Gibt es in Europa noch eine Staat ohne Schulden?
Also, bitte Modell an die Realität anpassen, denn wenn Zinseszins “nicht vorgesehen” ist, lernt man da ziemlich an der realen Situation vorbei, oder?

…denn wenn Zinseszins ”nicht vorgesehen” ist, lernt man da ziemlich an der realen Situation vorbei, oder?

“Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.”
– Henry Ford (1863 – 1947)

Könnte ein Grund sein…

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