Auf der Facebook-Seite von Radio Südtirol wird ungeniert für Russland Stimmung gemacht
Weit rechts außen Jürgen Wirth-Anderlan wollte kürzlich wissen, ob das Land den Südtiroler Rundfunk fördert. In der Zusatzfrage sollte der Landeshauptmann mitteilen, warum dieser Privatsender nicht gefördert wird. Wirth-Anderlan auf der Suche nach dem Südtiroler »deep state«.
Der Südtiroler Rundfunk präsentiert sich auf seiner homepage als »Heimatsender«, bodenständig, was auch immer das heißen mag, volkstümlich und »Südtirol verbunden«. Wann ist ein Radiosender südtirolverbunden? Deshalb die Nachfrage von Wirth-Anderlan? Keine Landesförderung, weil der Südtiroler Rundfunk »Südtirol verbunden« ist?
Auf der erwähnten Seite Südtiroler Rundfunk wird im Doppelpack auch Radio Südtirol genannt, wegen einiger gemeinsamer Sendestandorte. Die beiden Sender stehen zueinander wie Mutter und Sohn. Den Südtiroler Rundfunk betreibt die Witwe des Gründers Gabriel Torggler, Maria Torggler. Laut der eigenen »Hauszeitung« verfolgten vor 24 Jahren noch bis zu 42.000 Hörerinnen und Hörer die Sendungen des Südtiroler Rundfunks. Trotzdem »vom Land leider nicht anerkannt und unterstützt«, klagt und kritisiert die Hauszeitung.
Torggler-Sohn Siegfried, seit 1975 in der Radio-Szene unterwegs, hatte mehr Glück als Vater Gabriel. Radio Südtirol wurde vom Land gefördert, 2022 beispielsweise mit fast 100.000 Euro. Viel Geld für ein »Phantomradio« kommentierte Christoph Franceschini im Jahr 2022 auf Salto. Geld, das Siegfried Torggler zurückzahlen musste, weil die Förderung angeblich »irrtümlich« war.
Die Landesverwaltung fördert über ihr Mediengesetz die verschiedenen Medien, entsprechende Kriterien — Qualität, Meinungs- und Informationsvielfalt — müssen dafür eingehalten werden. Der Landesbeirat für das Kommunikationswesen »überwacht« die Einhaltung der erwähnten Kriterien. Das ist auch gut so.
Die Kommunikationsbeiräte würden sich wundern, wer sich auf der Facebook-Seite von Radio Südtirol so tummelt. Qualität, Meinungs- und Informationsvielfalt?
Drei jüngste Posts auf der Seite belegen einen ungefilterten Hass auf die Ukraine, ungeschminkte Putin-Propaganda der Marke Lawrow, Medwedew oder Solowjow: »Zelensky im Geldwäsche mit dabei«, »Putin ist der beste, die Ukraine saugt nur die EU aus und zelensky ist kein Politiker sondern ein Mörder der sein Volk niedermetzelt anstatt sich mit seinem Bruder Putin zu einigen« und »Wir brauchen keine Ukrainer und noch weniger Ukrainerinn«. Heißt es da, Originaltöne. Unwidersprochen, unkommentiert. Übelste Hetze.
Radio Südtirol verstößt mit der Veröffentlichung solcher Posts gegen die eigene Nettiquette (sic). Da wird empfohlen, eine respektvolle Sprache zu verwenden, Sarkasmus zu vermeiden, auf die Grammatik zu achten, bei Fakten zu bleiben usw. Die oben zitierten Posts sind ein glatter Verstoß der Radio-Südtirol-Netiquette.
Auf Kritik reagierten die Facebook-Nutzer von Radio Südtirol dementsprechend untergriffig, hasserfüllt. Kostprobe? »Auf das Arbeitest du ja hin,menschen ihr Meinungsäußerung zu verbieten« (Schreibweise und Fehler alles original) und eine freundliche Empfehlung lautet »geh scheissen«. Ausgeschmückt mit der russischen Fahne.
Es mag heute zwar niemand mehr Radio Südtirol hören, wie Franceschini lakonisch feststellte, dafür wirkt Radio Südtirol auf Facebook. Heimatverbunden, bodenständig, Südtirol verbunden? Für Putin und sein kriegsführendes Russland.

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