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Touristikerinnen übernehmen Verantwortung für die ladinische Identität.

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Die Tourismusgenossenschaft von Al Plan und San Martin de Tor hat kürzlich beschlossen, Schutz und Förderung der ladinischen Sprache, Kultur und Identität ausdrücklich in ihren Statuten festzuschreiben. Dem Ladinischen soll fortan mehr Raum gewährt werden, damit es von den Besucherinnen als etwas Lebendiges wahrgenommen wird, das nicht bloße Folklore, sondern gelebter Teil des Alltags der Menschen vor Ort ist.

Minderheitenkulturen werden im Tourismus häufig auf dekorative Elemente reduziert: auf Trachten, Spezialitäten oder symbolische Versatzstücke, während Sprache und Kultur aus dem öffentlichen Raum und aus dem gelebten Alltag verdrängt werden. Zumindest dem Anspruch nach deutet die Entscheidung der Tourismusgenossenschaft auf ein anderes Verständnis hin: Ladinisch soll nicht bloß Kulisse oder Beiwerk sein.

Der Tourismus ist in Südtirol ein enormer Machtfaktor, der konkrete Auswirkungen auf die Selbstdarstellung des Landes und somit auch auf das Selbstverständnis der Menschen, auf ihre kulturellen und sprachlichen Gepflogenheiten, aber mangels klarer Regeln etwa auch auf die Ortsbezeichnungen hat. Identität wird durch diesen Wirtschaftszweig nicht nur abgebildet, sondern aktiv mitgeformt.

Die Südtiroler Bevölkerung ist nämlich nicht nur Senderin, sondern auch selbst Empfängerin der touristischen Botschaften. Die Art und Weise, wie es touristisch vermarktet wird, beeinflusst in nicht unwesentlichem Maß die Wahrnehmung des Landes durch die Südtirolerinnen selbst. Welche Sprachen, Namen oder kulturellen Ausdrucksformen sichtbar gemacht oder ausgeblendet werden, prägt ihren gesellschaftlichen Stellenwert, aber auch die Erwartungen der Gäste, die wiederum erfüllt werden wollen.

Gerade deshalb kann eine Bewusstwerdung der Tourismusbranche für ihre Verantwortung gegenüber dem Land und den Menschen — nicht nur in ökologischer und sozialer, sondern auch in kultureller und sprachlicher Hinsicht — speziell in Südtirol und in der Ladinia nur begrüßt werden. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, inwieweit dies tatsächlich konkrete Auswirkungen haben wird und ob die Aufwertung des Ladinischen über symbolische Bekenntnisse hinausgeht.

Wichtiger wären selbstredend eine stärkere demokratische Einbindung der Bevölkerung und klarere politische Leitlinien für die touristische Vermarktung. Doch in deren Ermangelung sind Schritte wie jene von Al Plan und San Martin de Tor umso wichtiger.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09



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Comentârs

One response to “Touristikerinnen übernehmen Verantwortung für die ladinische Identität.”

  1. Stuff avatar
    Stuff

    Das finde ich eine super Sache, es ist nie zu spät aufzuwachen! Wenn ich daran denke, dass zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Dolomiten Weltnaturerbe die ladinische Kultur und Sprache kaum zur Geltung kommen, was eine völlig unentschuldigt verpasste Chance ist, so freut mich das jetzt sehr!

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