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Katalonien ist in der Europäischen Rundfunkunion.

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Wieder einmal schreibt Katalonien — in einem Teilbereich — Geschichte, indem es sich neue Freiräume erkämpft, die es bislang nicht gab.

Wir in Südtirol wissen ja immer besonders gut, was angeblich »unmöglich« ist. In Katalonien ist gerade das, was (noch) nicht vorgesehen ist, hingegen oft erst recht ein Ansporn, neue Wege zu suchen und politische Realität zu schaffen.

Ein symbolträchtiges Beispiel ist die Domain .cat, die im vergangenen Dezember ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte. Sie war die weltweit erste Top-Level-Domain (TLD), die nicht einem Staat oder Territorium, sondern einer sprachlich-kulturellen Gemeinschaft gewidmet ist. Hinzu kommen etwa von Spanien unabhängige »Nationalmannschaften« in mehreren Sportarten, das Bestreben nach Aufnahme in die Unesco und UN Tourism, sowie der beharrliche Wille, die Anerkennung von Katalanisch als Amtssprache der EU zu erreichen, was für eine Minderheitensprache bislang als unmöglich galt.

Am Donnerstag wurde nun 3Cat, der öffentlich-rechtliche Rundfunk von Katalonien, in die Europäische Rundfunkunion — die European Broadcasting Union (EBU) — aufgenommen. Der Sender kooperiert schon seit über fünfzehn Jahren mit der EBU, mehrere Beitrittsversuche waren aber an den Statuten der Organisation gescheitert, die nur staatliche Rundfunkanstalten als Mitglieder vorsahen.

Bei derselben Generalversammlung, die diese Woche auch die Aufnahme von 3Cat besiegelte, wurden die EBU-Statuten so angepasst, dass künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch »regionale« Anstalten eine Mitgliedschaft beantragen können. Diese Änderung ist maßgeblich auf katalanischen Druck zurückzuführen.

Die EBU hob im Zusammenhang mit der Aufnahme von 3Cat insbesondere dessen Expertise in den Bereichen Minderheitenrundfunk, Crossmedia-Integration und digitale Transformation hervor. Diese Kompetenzen sollen auch bisherigen Mitgliedern zugute kommen, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.

Der Fall zeigt wieder einmal, wie Katalonien Autonomie versteht: nicht als statischen Rechtsrahmen, innerhalb dessen man sich möglichst konfliktfrei bewegt, sondern als dynamischen Prozess, in dem neue Kompetenzen, neue Anerkennung und neue institutionelle Räume aktiv erkämpft werden.

Südtirol verfolgt seit Jahren eine nahezu gegenteilige Logik: Hierzulande wagt man nicht einmal den Schritt zu einem von der italienischen Rai unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rom entscheidet weiterhin über Personalfragen und behält wesentliche Kontrolle, auch über die Finanzen. Geschweige denn, dass man wie Katalonien über den Tellerrand hinausblicken und eine Internationalisierung anstreben würde.

Es sind zwei völlig gegensätzliche Visionen — nicht nur des Rundfunks, sondern von Autonomie insgesamt. Auf der einen Seite ein Land, das seinen Handlungsspieraum auch dorthin ausdehnt, wo es zunächst unmöglich erscheint. Auf der anderen Seite Südtirol, das seine Autonomie vor allem »verwaltet« und sich programmatisch damit zufrieden gibt, was es an »Blumen am Wegesrand« zu pflücken gibt — sich also fast spontan anbietet. Und das ist naturgemäß nicht viel.

Cëla enghe: 01 02 03



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