Arbeitnehmer für Recht auf Muttersprache.

Nicht die bösen Sezessionisten setzen sich diesmal für die Gleichstellung der deutschen mit der italienischen Sprache ein, sondern — wie es sein sollte — auch einmal die (Nur-)Autonomisten von der Volkspartei. Allerdings mutet es merkwürdig an, wenn die Mitglieder einer Partei, die Südtirol seit über 60 Jahren regiert und unsere Autonomie regelmäßig als Modell darstellt, Zeilen wie diese schreiben:

In ganz vielen Bereichen wird [das Recht auf Muttersprache] respektiert und angewandt. Immer wieder aber und noch viel zu häufig kommt es vor, dass zum Beispiel in Krankenhäusern, bei der Post oder bei der Polizei die Dienste nicht dementsprechend organisiert sind.

oder:

Abgesehen davon, dass auch immer sämtliche Unterlagen in italienischer und deutscher Sprache zur Verfügung gestellt werden müssten, fehle in vielen Einrichtungen auch der schriftliche Anschlag, dass die Bürger der Provinz Bozen das Recht auf Verwendung der Sprache ihrer Zugehörigkeitsgruppe haben.
Weiters sei nun ein schon seit vielen Jahren bestehender Missstand die Tatsache, dass der telefonische Kundendienst bei beispielsweise Post, Einnahmenagentur oder auch INPS schlussendlich nur in italienischer Sprache gewährleistet werde.

und schließlich:

In Südtirol wissen wir schon seit vielen Jahrzehnten um unsere sprachlichen Barrieren. Die öffentlichen Ämter und Organe sollten mit gutem Beispiel vorangehen, die Zweisprachigkeit in Südtirol vorrangig und ernsthaft umsetzen und somit ihren Pflichten zur Gänze nachkommen. Das wird höchste Zeit.

Irgendwas läuft mehr als falsch, wenn die Mehrheitspartei auf dieses Problem — anlässlich des internationalen Tages der Muttersprache — mit einer Pressemitteilung aufmerksam macht. Wo sind die Landtagsbeschlüsse, die Landesgesetze und das Engagement der Landesregierung, wenn es um die Einhaltung und die Ausweitung der Zwei- und Dreisprachigkeit in diesem Land geht? So erfreulich auch das plötzliche Lebenszeichen des sozialen Flügels in der SVP in diesem Bereich ist, so hilflos wirkt es, wenn man sich als langjährige Regierungspartei den Weg in die Öffentlichkeit über die Presse bahnt, statt durch konkrete Aktionen.

Siehe auch:

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