Vom befremdlichen Umgang mit Umfragen.

Vor etwas mehr als einem Jahr gab die Süd-Tiroler Freiheit das Ergebnis einer selbstverwalteten Umfrage zum Thema Selbstbestimmung bekannt, an der sich 61.189 SüdtirolerInnen beteiligt hatten. Davon befürworteten 56.395 (oder 92%), die Bevölkerung frei und demokratisch über die staatliche Zugehörigkeit Südtirols entscheiden zu lassen.

Alexandra Aschbacher schrieb dazu in einem Leitartikel (ff 03/2014) unter anderem:

Etwa 85 Prozent der wahlberechtigten Südtiroler haben weder Ja noch Nein gesagt, sie haben schlicht und einfach nicht mitgemacht. Das ist die große Mehrheit der Südtiroler, bei einem offiziellen Referendum (sic) hätte man mit 15 Prozent Beteilung das erforderliche Quorum nicht erreicht.

Kürzlich hat der Elternbeirat ebenfalls Umfrageergebnisse veröffentlicht, wonach sich 77,2% von 9.569 Schülereltern eine Intensivierung des Italienischunterrichts an Südtirols Schulen wünschen. Dies entspricht 7.387 Eltern, die sich auf drei unterschiedliche Antwortmöglichkeiten (Zusammenlegung der Schulen, Sachfachunterricht, Schüleraustausch) aufteilen. Dass die Fragestellung suggestiv war und die Möglichkeit, sich für eine qualitative Verbesserung des Italienischunterrichts auszusprechen, nicht gegeben war, sei hier nur am Rande erwähnt.

Laut Landesstatistikinstitut (Astat) besuchen im Schuljahr 2014/15 insgesamt 20.290 SchülerInnen eine deutsche Grundschule im Land. Für Mittel- und Oberschulen liegen nur Daten für das Schuljahr 2013/14 vor — sie werden von 12.369 respektive 14.486 SchülerInnen besucht. Insgesamt wären das, wenn wir uns an diesen Zahlen orientieren, 47.145 Kinder und Jugendliche.

Daran gemessen hätten sich die Eltern von 20,3% der Südtiroler SchülerInnen an der Umfrage beteiligt und 15,7% sich für eine der drei Optionen der Intensivierung des Italienischunterrichts ausgesprochen. Da auch bildungspolitische Entscheidungen in einer Demokratie der Gesamtbevölkerung obliegen und nicht der Elternschaft, müsste man die 7.387 zudem nicht an den 47.145 SchülerInnen, sondern an den über 400.000 Stimmberechtigten* bemessen.

In der ff schreibt diese Woche (ff 14/2015) Georg Mair jedoch in einem Leitartikel:

Jetzt hat der Elternbeirat erhoben, dass sich die Eltern mehr Italienischunterricht in der Schule wünschen.

Dass man auch mit 20,3% bei einer offiziellen Volksabstimmung nicht das Quorum erreicht hätte, wird diesmal nicht erwähnt. Und in einem weiteren Artikel in derselben Ausgabe heißt es:

Nachdem sich 77 Prozent der Eltern in einer Umfrage dafür ausgesprochen haben, dass die italienische Sprache in der Schule mehr Gewicht haben müsse […] melden sich nun auch die Schüler selbst zu Wort.

(Hervorhebungen von mir.)

Das ist, als hätte man bei der STF-Umfrage behauptet, 92% der SüdtirolerInnen hätten sich für die Ausübung der Selbstbestimmung ausgesprochen. Stattdessen ist es korrekt zu sagen, dass sich 56.395 BürgerInnen (oder 92% der Teilnehmenden) dafür ausgesprochen haben, die Selbstbestimmungsfrage zu stellen und Eltern von 7.387 SchülerInnen (oder 77% der Teilnehmenden) den Italienischunterricht ausweiten oder Austauschprogramme umsetzen möchten. Repräsentativ sind beide Umfragen nicht.

Die ff — und die Südtiroler Medien im allgemeinen — reden und schreiben jedoch das eine Ergebnis klein und das andere groß, je nachdem, was als politisch »genehm« erscheint. Dies ist nicht nur unzulässig, sondern eine Missachtung des Informationsauftrags, den unabhängige Medien in einer Demokratie eigentlich hätten. Bedauerlich.


*) 7.387 von 400.000 entspricht einem Anteil von rund 1,85%

  • Mir wäre übrigens auch nicht bekannt, dass jemand — wie im Fall der STF-Umfrage — die Methodik bzw. die technische Sicherheit unter die Lupe genommen und zerpflückt hätte. Damals wurde ja sogar behauptet, die STF könne doch auch irgendein frei erfundenes Ergebnis verkünden. Genau dasselbe könnte aber auch für den Elternbeirat gelten.

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  • Steffl

    Das ist auch der große Unterschied zu Katalonien und anderen Regionen. In Südtirol sind die Medien und Eliten völlig abhängig vom italienischem System (oder andere unbekannte Gründe) bzw. gegen die Unabhängigkeit von Südtirol. Man kann dies an solchen Artikeln sehen, die Medien berichten sehr tendenziös und somit ist leider auch dieser Faktor (sprich im Grunde Manipulation) bei Wahlen mit einzubeziehen.

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  • succus

    Dies entspricht 7.387 Eltern, die sich auf drei unterschiedliche Antwortmöglichkeiten (Zusammenlegung der Schulen, Sachfachunterricht, Schüleraustausch) aufteilen.

    Das stimmt so leider auch nicht. Ich habe beispielsweise drei Kinder in Schulen, folglich habe ich auch drei Fragebögen bekommen und hätte diese alle ausfüllen können und wäre drei Mal gezählt worden. Befremdlich ist für mich, dass der Landesbeirat, das Schulamt und unsere lieben Medien mit einer Selbstverständlichkeit davon ausgehen, die Ergebnisse seien repräsentativ. Die Präsentation kann man herunterladen, auf Folie 2 wird dann verkündet, dass “fast 13.000 Eltern an der Umfrage teilgenommen haben” und eine “repräsentatives Ergebnis” vorliegt. Dies wird damit begründet, dass Vergleiche mit Bezirken, Gemeindegröße und Schulstufe angestellt werden. Jeder, der mal einen Grundkurs in Statistik besucht hat, kann nachvollziehen, dass keinesfalls ein repräsentatives Ergebnis vorliegt, da von der Grundgesamtheit (Eltern) keine Stichprobe gezogen, keine Gewichtung vorgenommen und vor allem Doppelzählungen nicht verhindert wurden. Ich unterstelle dem Landesbeirat keinerlei Böswilligkeit, eher schon Blauäugigkeit, was mich aber wirklich wütend macht, ist die Tatsache, dass weder das Schulamt (wo es eine Evaluationsstelle gibt) noch die Medien sich die Mühe machen, die Ergebnisse zu hinterfragen und zu interpretieren. Es ist wirklich interessant, wie mit zweierlei Maß gemessen wird.

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    • Ich habe beispielsweise drei Kinder in Schulen, folglich habe ich auch drei Fragebögen bekommen und hätte diese alle ausfüllen können und wäre drei Mal gezählt worden.

      Stimmt. Darauf habe ich an anderer Stelle durch die Formulierung »Eltern von 7.387 SchülerInnen« (statt 7.387 Eltern) aufmerksam zu machen versucht.

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      • succus

        Interessant ist, dass der Landesbeirat von den 7.387 Eltern dann 13.000 macht…als ob immer beide Elternteile geantwortet hätten…

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      • succus

        Noch was, ich habe bereits früher auf Mängel im Unterricht hingewiesen. Dass der Fragebogen aus meiner Sicht nicht gut entworfen war, darauf möchte ich hier nicht eingehen. Ich wünsche mir einfach mehr UNTERRICHT und weniger “Projekte”, dann würden vielleicht die Ergebnisse in den Sprachen auch besser werden.
        Erst kürzlich traf ich zwei Schulklassen am Bahnhof, diese fuhren samt vier Lehrerinnen nach Brixen in eine Bibliothek um Bücher (!) zurückzugeben. Damit war der ganze Vormittag vergeudet. Ich wundere mich mittlerweile überhaupt nicht mehr, wieso meine Kinder kaum ein Wort Italienisch können…

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      • Interessant ist, dass der Landesbeirat von den 7.387 Eltern dann 13.000 macht…als ob immer beide Elternteile geantwortet hätten…

        Nein, es haben tatsächlich die Eltern von knapp 13.000 SchülerInnen und Kindergartenkindern an der Umfrage teilgenommen. Die Frage bezüglich Italienischunterricht haben Eltern von 9.569 Kindern beantwortet, weil den Eltern von Kindergartenkindern diese Frage nicht gestellt wurde.

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  • Sabina

    Der Umgang mit der Elternbefragung des LBE weist eine Reihe von Mängeln auf, die im Beitrag angesprochen werden.
    Der größte, so scheint mir, ist jener, dass eine ELTERNBEFRAGUNG nicht als ELTERNBEFRAGUNG dargestellt und bewertet wird. Eine Organisation hat ihre Mitglieder zu für sie relevanten Themen befragt. Das ist legitim und führt zu Aussagen, die als solche verwertbar sind. Vorausgesetzt, es werden einige allgemeine Sorgfaltsregeln eingehalten. Das war bei dieser Umfrage – soweit ich das überblicken kann – weitgehend, aber nicht durchgehend der Fall:
    Die Fragestellungen waren großteils klar, allerdings haben die Antwortmöglichkeiten manchmal, z.B. auch bei der umstrittenen Fragestellung zum Italienischunterricht, nicht alle relevanten Optionen abgebildet. Daher wäre es bei dieser Fragestellung sinnvoller gewesen, die Einschätzung zu den Antwortsoptionen mittels einer Bewertungsskala einzeln abzufragen und in Folge auch nicht zu summieren. Dass keine offene Antwortmöglichkeit gegeben wurde, wie von manchen gefordert, finde ich bei einer quantitativen Befragung hingegen sinnvoll.
    Den Eltern wurde die Teilnahme mittels Zugangscode ermöglicht und die Sicherheitsvorkehrungen waren für eine – ich betone – Elternumfrage durchaus angemessen. Es war weder eine Wahl noch eine Abstimmung.
    Und hier liegt der nächste Hund begraben. Die Umfrage hat ihre Legitimität als Erhebung eines Stimmungsbildes der Eltern jener Kinder und Jugendlichen, die eine deutschsprachige Bildungseinrichtung besuchen. Ob sie (für diese Personengruppe!) repräsentativ ist, ist so einfach nicht zu sagen, es kommt u.a. darauf an, woran die Repräsentativität festgemacht werden soll: sozidemographische Variablen, territoriale Variablen, schulstufenbezogene Variablen…?
    Was ich weder sinnvoll noch notwendig finde, ist es, die Teilnehmenden an der Befragung zur stimmberechtigten Südtiroler Bevölkerung in Bezug zu setzen. Es geht bei der Bewertung einer Befragung immer darum, was die Grundgesamtheit ist. Bei der STF war es die gesamte Südtiroler Bevölkerung, bei dieser Umfrage waren es die Eltern der Kinder und Jugendlichen, die eine deutsche Bildungseinrichtung besuchen. Es handelte sich weder um eine Wahl noch um eine Abstimmung, sondern um die Positionsbestimmung eines Teils der Bevölkerung in Bezug auf eine nicht für alle gleichermaßen relevante Fragestellung (Betroffenheitsprinzip). Das bedeutet natürlich auch, dass dies in der Darstellung der Ergebnisse entsprechend kommuniziert werden muss, was weder seitens der Medien noch seitens des LBE in ausreichendem Maße erfolgt ist.
    Was hingegen Entscheidungsprozesse anbelangt, ist die Erhebung der Position *eines* betroffenen Teils der Bevölkerung zu einer für sie bedeutenden Fragestellung ein (gewichtiger) Aspekt, aber nicht der einzig relevante.
    Es geht – wie immer – um komplexe Aushandlungsprozesse, in die unterschiedliche AkteurInnen unterschiedliche Formen von Expertise einbringen können und sollen (und können müssten….).

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    • Libertè

      Was Italienischunterricht angeht ist die gesamte Bevölkerung betroffen, zumindest in einer Minderheitensituation in der wir uns befinden, geht es doch um den Erhalt der eigenen Sprache.
      Es müsste auch nicht langwierig nach einer Lösung gesucht werden, da das Katalanische Modell zu funktionieren scheint.

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      • Sabina

        (…) es geht doch um den Erhalt der eigenen Sprache.

        Es geht *auch* um den Erhalt der eigenen Sprache. Aber nicht nur. Es ging in dieser Umfrage darum zu verstehen, was Eltern für ihre Kinder als angemessenen Sprachunterricht definieren. Davon ist nicht die gesamte Bevölkerung betroffen.
        Eine daran anschließende Frage wäre dann, auf welcher Grundlage und unter Miteinbeziehung welcher Wissensbestände *Entscheidungen* gefällt werden…

        Es müsste auch nicht langwierig nach einer Lösung gesucht werden, da das Katalanische Modell zu funktionieren scheint.

        Es muss, so finde ich, doch (wie langwierig auch immer) nach einer Lösung gesucht und nicht einfach ein Modell übernommen werden. Ich finde den allseits grassierenden best-practice-Hype unsäglich. Nicht weil wir alles besser wissen und können als andere, ganz und gar nicht. Sondern weil es bei kulturellen und gesellschaftlichen Prozessen darum gehen muss, lokale Realität (lokales Wissen) mit anderen Realitäten (anderem Wissen) in Relation zu setzen und auf dieser Grundlage Neues zu entwickeln. In diesem Sinne fände ich es wünschenswert, wenn wir uns in Südtirol (auch) mit dem Katalanischen Modell befassen würden.

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      • hunter

        Ich finde den allseits grassierenden best-practice-Hype unsäglich.

        Vergelt’s Gott tausendmal für diesen Satz. Gemäß dieser Logik hat man auch in Österreich geglaubt, dass wenn man die neue Mittelschule einführt, alles gut wird. Dumm geht die Welt zu Grund’.

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    • Was ich weder sinnvoll noch notwendig finde, ist es, die Teilnehmenden an der Befragung zur stimmberechtigten Südtiroler Bevölkerung in Bezug zu setzen.

      Es wäre weder sinnvoll noch notwendig, wenn allen klar wäre, dass es sich um (nichts mehr und nichts weniger als um) eine Elternumfrage handelt. Nachdem dies jedoch weder von den Urhebern der Umfrage noch von den Medien klar und unmissverständlich kommuniziert wird, hielt ich den Hinweis für interessant. Wenn wir nämlich wissen, dass die erhobene Meinung 1,85% der stimmberechtigten Bevölkerung entspricht (und weder für die Eltern, noch für die Gesamtbevölkerung repräsentativ ist) gelingt es vielleicht besser, die korrekten gesamtgesellschaftlichen Proportionen zu erfassen. Ohne der Meinung der Teilnehmenden als solche einen Abbruch zu tun.

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      • Sabina

        Mir wäre nicht bekannt, dass der LBE die erhobenen Daten als für die stimmberechtigte Bevölkerung Südtirols repräsentativ bezeichnet oder behauptet hätte, “die Südtiroler Bevölkerung” wolle dieses oder jenes. Es war immer von “den Eltern” die Rede. Ergo ist es legitim, nach der Repräsentativität der gesammelten Daten in Bezug auf jene Personengruppe, welche die Grundgesamtheit darstellt, zu fragen. Das wären (nicht alle Eltern, sondern) die Eltern jener Kinder und Jugendlichen, die eine deutschsprachige Bildungseinrichtung besuchen. Im Fall der besagten und beanstandeten Fragestellung zum Italienischunterricht nochmals eingeschränkt auf jene, deren Kinder eine Pflicht- oder Oberschule besuchen. Diese Repräsentativität ist – soweit meine Informationen reichen – nicht gegeben oder zumindest wurden keine Belege dafür erbracht (gleichzeitig muss aber auch gesagt werden, dass die Rücklaufquote für eine online-Befragung durchaus respektabel war).

        Diese Daten jedoch in Relation zur gesamten stimmberechtigten Bevölkerung Südtirols zu setzen ist nicht korrekt, weil sich die Umfrage nicht an sie gerichtet hat und sie sich nicht daran beteiligen konnten. Das bleibt so, auch wenn du der Ansicht bist, dass es sich um eine Frage handelt, die *eigentlich* alle hier lebenden Menschen angeht.

        (Ich finde übrigens, dass sie nicht alle hier lebenden Menschen *im selben Maße* angeht und dass es – auch bei entsprechenden Entscheidungen – durchaus legitim wäre, zu dieser Frage Menschen unterschiedlich zu beteiligen. Aber das führt hier zu weit.)

        Ziehen wir die STF-Umfrage als Vergleich heran: dort war es legitim, den Prozentsatz der Beteiligung auf die stimmberechtigte Südtiroler Bevölkerung zu beziehen, weil diese die Grundgesamtheit dargestellt hat. Aber es wäre völlig unzulässig gewesen, die Beteiligung auf die Gesamtbevölkerung Italiens oder auf die Euregio zu beziehen, diese konnten sich an der Befragung nicht beteiligen. Auch wenn manche der Ansicht sind (ich nicht), dass zu dieser Frage nicht nur die SüdtirolerInnen ihre Meinung sagen sollten.

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      • hunter

        niemand sagt, dass die beteiligung zu gering gewesen sei. repräsentativität hängt aber eben nicht bloß von der beteiligung ab. und wenn florian peer sagt “Unsere Umfrage ist repräsentativ”, dann frage ich mich, nach welchen parametern er eine solche aussage rechtfertigt.

        http://www.salto.bz/article/27032015/wie-viel-italienisch-duerfen-sich-eltern-wuenschen

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      • Zudem: Es wurde vielleicht nicht ausdrücklich behauptet, dass die Daten für die Gesamtbevölkerung repräsentativ sind, doch es wurde auch nicht ausreichend auf das Gegenteil hingewiesen, was in einem solchen Fall jedoch notwendig wäre. Insbesondere wie die mediale Diskussion geführt wird, entsteht mitunter der Eindruck, »die SüdtirolerInnen« hätten da eine Meinung zum Ausdruck gebracht und nicht 15,7% der Eltern.

        Du selbst, Sabina, schreibst weiter oben:

        Es handelte sich weder um eine Wahl noch um eine Abstimmung, sondern um die Positionsbestimmung eines Teils der Bevölkerung in Bezug auf eine nicht für alle gleichermaßen relevante Fragestellung (Betroffenheitsprinzip). Das bedeutet natürlich auch, dass dies in der Darstellung der Ergebnisse entsprechend kommuniziert werden muss, was weder seitens der Medien noch seitens des LBE in ausreichendem Maße erfolgt ist.

        (Hervorhebung von mir.)

        Dies war auch Grund und Anlass für meinen Hinweis. Natürlich ist der Bezug auf die Gesamtbevölkerung bzw. auf die Stimmberechtigten nicht so sinnvoll und notwendig, wie bei der STF-Umfrage — deshalb habe ich ihn auch nur am Rande bzw. in einer Fußnote angeführt.

        Dass nicht alle Stimmberechtigten an der Umfrage teilnehmen durften, halte ich für meinen Hinweis jedoch nicht für relevant. Stellen wir uns vor, der Bauernbund macht unter seinen MitgliederInnen eine Umfrage zu einem bestimmten Thema, das vor allem die BäuerInnenschaft betrifft. Wird danach vom Bauernbund oder von den Medien gefordert, die Landesregierung müsse dem angeblich mehrheitlichen Wunsch der Bauern entsprechen, kann es sinnvoll sein, darauf hinzuweisen, dass in einer Demokratie Gesetze und Beschlüsse von der Mehrheit gutzuheißen sind (und dass die Mehrheit der Bauern nicht der Mehrheit der Bevölkerung entspricht).

        Natürlich sollen Bäuerinnen und Bauern bei Themen, die sie besonders betreffen auch besonders angehört werden. Die Entscheidung hat dann aber von allen und im Interesse der Allgemeinheit gefällt zu werden. Weder haben zum Beispiel Nichtbauern unter den Landtagsabgeordneten bei einer solchen Abstimmung den Landtag zu verlassen oder »bauernkonform« abzustimmen, noch haben Nichteltern rein »eltern- und schülerkonforme Entscheidungen« zu treffen. Entschieden werden muss — ich wiederhole mich — im Sinne der Allgemeinheit.

        Mir fällt dazu der Vergleich mit der Bundesheerabstimmung in Österreich ein, bei der deutlich mehr Frauen als Männer für die Beibehaltung der Wehrpflicht (von Männern) gestimmt haben sollen.

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      • Sabina

        @hunter
        …meine Rede, oder?
        @pérvasion
        mir scheint es wichtig, zwei Ebenen zu unterscheiden: Erhebung einer Meinung/Position und Entscheidung in einer Sachfrage. Hier ging es um eine Erhebung und es bringt, glaub’ ich, nicht viel, diese mit Fragen zu vermischen, die mit einem demokratischen Entscheidungsprozess zu tun haben!?

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      • Solange die beiden Ebenen getrennt bleiben, braucht es auch keinen Hinweis wie den von dir beanstandeten. Nachdem die Ebenen aber meines Erachtens (nicht von BBD, sondern in der öffentlichen Debatte) sehr wohl vermischt werden, halte ich den Hinweis für sinnvoll.

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      • Sabina

        Mit diesem Hinweis begibst du dich aber argumentativ auf dieselbe vermischende Ebene. Und das finde ich nicht so sinnvoll.

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  • 1. auch wenn die umfrage nicht manipuliert ist (wovon ich ausgehe), ist sie dennoch nicht notwendigerweise repräsentativ. umfragestandards für repräsentativität hängen nicht (nur) von der zahl der befragten ab. so kann ein exit-poll mit 800 befragten in südtirol repräsentativ sein. eine umfrage mit 13.000 antworten vielleicht aber nicht. es kommt auch darauf an, woran ich die repräsentativität festmache. das ergebnis fußt auf freiwilliger rückmeldung und nicht auf zufallsstichproben. beispielsweise wurde bei der stf-umfrage, bei der eine ähnliche rücklaufquote zu verzeichnen war, richtigerweise immer betont, dass das ergebnis nicht repräsentativ sei. man ging stellenweise so weit zu sagen, dass die 31 % (über 60.000 stimmen) überhaupt nicht aussagekräftig seien. diese eltern-umfrage, die auch auf freiwilliger rückmeldung basiert und einen niedrigeren turnout als die stf-umfrage hat, soll jetzt aber auf einmal repräsentativ und aussagekräftig sein? sie ist maximal ein stimmungsbarometer.
    2. das design der fragen ist schwach bis suggestiv. warum meinungen über den inhalt des italienischunterrichts nicht abgefragt wurden, ist nicht nachvollziehbar. gerade weil florian peer selbst bestätigt, dass inhaltlich-qualitative aspekte in der umfrage sehr wohl abgefragt wurden. zitat: Ein weiterer dringlicher Wunsch der Eltern ist demnach beispielsweise eine zeitgemäße Überarbeitung der Unterrichtsinhalte. (was immer das heißen mag).
    5. grundsätzlich gibt es in südtirol keine belastbaren daten bezüglich der entwicklung von sprachkenntnissen. bildungspolitik dann anhand der wunschvorstellungen von eltern, die in einem stimmungsbarometer erhoben wurden und nicht auf basis wissenschaftlicher erkenntnisse betreiben zu wollen, ist ausdruck einer provinzposse sondersgleichen. sollte festgestellt werden, dass der italienischunterricht so wie er sich derzeit präsentiert, nicht funktioniert, warum sollte man dann mehr davon wollen? mehr von etwas, das nicht funktioniert! qualitative wissenschaftliche analysen sind daher essentiell für zukünftige schritte in der bildungspolitik. (sind aber offensichtlich nicht gewollt). eine elternumfrage kann wissenschaftliche befunde bestenfalls ergänzen.

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    • ProEuregio

      …genau so ist es! – Meine Erfahrung als vierfacher Schülervater von 1980er-Jahrgängen ist – und ist wohl auch gegenwärtig ähnlich – : nicht mehr sondern besseren Unterricht sollte man ins Auge fassen! – Ich befürchte, dass die Tatsache, dass sich die allermeisten Italienisch-Lehrkräfte aller Schulstufen, selbst nie ernstlich um das Erlernen einer Zweit- oder Fremdsprache bemüht haben, wohl kaum die nötige Kompetenz ergibt, der oftmalige Lehrkräftewechsel ist dann zusätzlich nicht dazu angetan eine Sprache zu vermitteln! – Der Qualitätsvergleich mit dem noch gar nicht so lange gängigen Englischunterricht sollte doch zu denken geben!

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  • Libertè

    Wie wäre es wen wir endlich den ununnötigen Italienischunterricht abschaffen? Rein hypothetisch gefragt, wäre das wirklich der Weltuntergang wenn man im Gegenzug die MINT Fächer stärken würde?

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    • Ich provoziere mal weiter: Warum überhaupt irgendwelche Fächer vorschreiben? Die SchülerInnen sollten selbst entscheiden, welche Fächer sie besuchen wollen, gemäß Prinzip von Angebot und Nachfrage wird sich dann schon herauskristallisieren, welche Fächer wichtig sind und welche nicht.

      Nicht meine Meinung, aber wennschon dennschon.

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  • Guido Flor

    Herr Peer vom Elternbeirat ist Apotheker in Brixen und vor ein paar Tagen war ich in seiner “Stadtapotheke”. Bedient wurd ich von einem ältern Herrn der nur gebrochen deutsch konnte, aber das war nicht schlimm. Ich wurde aber nicht gefragt ob ich einen deutschen Beipackzettel will und deshalb bin ich davon ausgegangen, dass er in der Packung enthalten ist, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Zu Hause habe ich aber bemerkt, dass der Beipackzettel nur italienisch war. Warum will Herr Florian Peer die Südtiroler Schule umkrempeln wenn er anscheinend nicht fähig ist die Zweisprachigkeit in seinem Laden zu verwirklichen?

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