Sprachpolitik: Eine Bankrotterklärung.

In Bezug auf die Sprachkenntnisse der Südtiroler halten sich seit Jahren hartnäckig einige Mythen, so zum Beispiel, dass Südtirol zunehmend »verdeutsche« oder dass die Zweitsprachkenntnisse der Deutschsprachigen abnähmen, während sich die der Italienischsprachigen verbesserten. Zahlreiche Indizien scheinen dieser These zu widersprechen, doch offizielle Daten, die zur Entflechtung des Zweifels beitragen könnten, existieren offenbar nicht. In jahrelanger Recherche mussten wir immer wieder feststellen: Die Datenlage gestattet keine eindeutigen Aussagen, insbesondere was die Entwicklung der Sprachkenntnisse über einen mehrjährigen Zeitraum hinweg betrifft.

So sagte Prof. Rita Franceschini in einem Interview (vom Mai 2012) nicht nur

Das ist natürlich schon die Realität […], dass die Italienischsprachigen weniger Deutsch können, und umgekehrt, dass die Deutschsprachigen eigentlich […] sehr wohl Italienisch zumindest verstehen und teilweise auch sehr gut sprechen.

sondern im Gespräch mit der ff (November 2013) auch:

[I]n Südtirol wird immer behauptet, die Kenntnisse der zweiten Sprache würden zurückgehen, auf allen Seiten. Ist das so?

Franceschini: Wir wissen es nicht genau. Ich hätte auch gerne eine deutliche, objektive Antwort darauf. Aber womit wollen wir die Sprachkenntnisse vergleichen? […]

Andrea Abel, Sprachforscherin an der Eurac, schrieb uns im September 2013:

Studien, die umfassende Aussagen über die Veränderung der L2-Kompetenzen erlauben, gibt es nicht.

Doch nun hat die Südtiroler Landesregierung selbst eine Bankrotterklärung bezüglich ihrer Sprachpolitik abgegeben — in Beantwortung einer Anfrage der Süd-Tiroler Freiheit. Im Wortlaut:

1) Haben sich die Deutschkenntnisse der italienischen Schüler in den letzten 5 Jahren verbessert? (aufgeschlüsselt nach Grund-, Mittel- und Oberschulen)

Es wurden in den letzten 5 Jahren in keiner Schulstufe Untersuchungen durchgeführt, die diese Frage beantworten könnten.

2) Verfügen die Schüler aus dem Trentino noch immer [wie vor Jahren erhoben, Anm.] über bessere Deutschkenntnisse, als die italienischen Schüler in Süd-Tirol?

Es liegen keine Vergleichsstudien vor, die diese Behauptung untermauern oder widerlegen könnten.

3) Wie ist es um die Kenntnisse der Zweitsprache an Süd-Tirols Schulen bestellt? Sprechen italienische Schüler gleich gut die deutsche Sprache, wie deutsche Schüler die italienische Sprache?

Um diese Frage beantworten zu können, müsste es auch dafür Vergleichsdaten geben, die derzeit allerdings nicht vorliegen. Allein die 2. KOLIPSI Studie der EURAC könnte in naher Zukunft über die Sprachkompetenzen der deutschsprachigen und italienischsprachigen Oberschüler Auskunft geben.

Unterschrieben ist die Antwort von Landesrat Christian Tommasini (PD), der sich seit Jahren rühmt, die italienische in eine mehrsprachige Schule umzubauen. Dass dies ohne ausreichende Daten geschieht, hatten wir schon einmal bemängelt. Doch offenbar hat sich auch seitdem nichts verändert.

Wir haben es nun also auch amtlich: Es gibt in Südtirol keine Daten über die Entwicklung der Sprachkenntnisse. Für ein Minderheitengebiet in einem Nationalstaat, das sich zudem eine »Modellautonomie« schimpft (aber auch grundsätzlich für ein mehrsprachiges Land) ist das eine inakzeptable Situation.

Gerade auch diejenigen, die das Schulwesen grundlegend umkrempeln möchten, politische Parteien und Teile des Elternbeirats, sollten sich massiv an dieser unglaublichen Misere stören. Wie bitteschön soll ohne die geringste Spur einer brauchbaren Erhebung und ohne eine kontinuierliche Evaluierung der bereits laufenden CLIL-Projekte eine sinnvolle Schul- und Sprachpolitik gemacht werden? Ein Landesrat, der in seinem selbst auferlegten Fachgebiet eine derartige Nullleistung vorlegt, müsste eigentlich sofort zurücktreten. Doch das Versagen ist der gesamten Landesregierung anzulasten — da wird auf höchstem Niveau einfach nur dahingewurschtelt. Zum Haare Raufen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

26 Replies to “Sprachpolitik: Eine Bankrotterklärung.”

  1. Unglaublich, jetzt verstehe ich auch wieso so konzeptlos herumgedoktert wird. Es gibt beim Schulamt eine Evaluationsstelle, was die tun, ist wohl ein großes Geheimnis. Kürzlich habe ich im Rai Südtirol eine Diskussionssendung gehört, da waren Schülervertreter, Elternvertreter, Lehrerinnen und eine Dame aus der Wirtschaft anwesend. Vieles wurde bemängelt, unter anderem ein sinkendes Niveau der Absolventen, ich hatte einfach das Gefühl, dass die Schule nicht weiß, wohin sie sich entwickeln soll. Ein kontinuierliches Benchmarking wäre doch unabdingbar bevor man sich auf neue Experimente wie Immersion einlässt.

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    1. Es gibt beim Schulamt eine Evaluationsstelle, was die tun, ist wohl ein großes Geheimnis.

      Nein, nur weil du nicht weißt, was sie tun ist es kein Geheimniss. Was die tun ist öffentlich. Jede Schule ist verpflichtet die Ergebnisse auszuhängen. In Zukunft gibt’s die Ergebnisse auch online. Im Übrigen ist die Evaluationsstelle für die Ermittlung der Sprachkompetenzen, wie du aus den Qualitätsstandards entnehmen kannst, nicht zuständig. Dafür gibt es den PISA, INVALSI und verpflichtende Kompetenztest.

      Es ist hier also wichtig zu differenzieren. Es gibt Sprachtests. Es gibt sie, nur eben keine vergleichenden/vergleichbaren (über Jahre/Entwicklngszeitraum (wegen der wechselnden Bewertungskriterien) und zwischen den Sprachgruppen Italienisch/Deutsch) Sprachtests. Wozu Vergleichende Sprachtests (Deutsch/Italienisch) gut sein sollen erschließt sich mir nicht.

      Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der Begriff Bankrotterklärung F+STF-Niveau. Wenn man sagt die Daten seien nicht ausreichend, sollte man sich auch Fragen _für welchen Zweck_ sie nicht ausreichen. Klar, für billigen Populismus reichen sie nicht. Ich glaube die STF und bbd wird’s verkraften.

      […] ich hatte einfach das Gefühl, dass die Schule nicht weiß, wohin sie sich entwickeln soll.

      Ja, weil da -ähnlich wie beim Fußball- jeder glaubt mitreden zu müssen/können (Wirtschaft, Eltern, Lehrer, Staat, Provinz, Politiker, bbd) und die Schulen im unseren Land viel zu selten um ihre Autonomie wissen, bzw. diese mutig ausschöpfen. Ich kenne keinen anderen Bereich der öffentlichen Verwaltung in dem wir so viel Gestaltungsspielraum haben und ihn nicht nutzen, weil jeder nur auf seine eigenen Interressen konzentriert ist. Viel zu selten steht der Schüler/Bildung im Mittelpunkt. Diese Gruppen ringen eben um einen Konsens.

      Ein kontinuierliches Benchmarking wäre doch unabdingbar bevor man sich auf neue Experimente wie Immersion einlässt.

      Und wie würde so ein Benchmarking aussehen? Was sollte man momentan testen, um Aussagen über die Nützlichkeit/Effizienz von Immersion treffen zu können? Immersionsunterricht ist erwiesenermaßen förderlich für’s Erlernen einer Sprache (PUNKT) Was sollte man also testen?

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      1. @ m.gruber
        ich muss gestehen, du wirst mir immer unheimlicher :-).
        während du in alten tagen bisweilen noch treffend mit dem finger auf wunde punkte gezeigt hast und man deine kritik auch konstruktiv nennen konnte, scheinst du mittlerweile nur mehr auf “zerstörung” aus. dazu ist dir dann auch der abstruseste vorwurf nicht zu blöd. woher kommt der wandel?

        Es ist hier also wichtig zu differenzieren. Es gibt Sprachtests. Es gibt sie, nur eben keine vergleichenden/vergleichbaren

        genau diese differenzierung macht simon doch. und genau da liegt ja das problem. simon sagt ja nicht, dass es keine erhebungen gäbe, sondern dass es keine daten bezüglich der ENTWICKLUNG der sprachkenntnisse gibt. was bringt evaluation, wenn ich sie nicht zeitlich und “räumlich” vergleiche? wenn ich sie nicht verknüpfe? und niemand sagt, dass die evaluationsstelle selber erheben muss. es ist ihr aber bestimmt nicht verboten, ergebnisse zu kontextualisieren. gerade weil und solange wir ein getrenntes schulsystem haben, sind vergleichende spracherhebungen (deutsch/italienisch) sinnvoll.

        ein beispiel, dass du es auch verstehst:
        wenn ich von jemandem den blutdruck messe und ich erhalte 180/150, dann kann ich mit diesem ergebnis überhaupt nichts anfangen. ich brauche ergebnisse anderer menschen, um eine vorstellung zu bekommen, was “normaler” blutdruck ist. erst dann kann ich sagen ob 180/150 hoch oder niedrig ist.
        des weiteren ist es sehr wohl interessant, wie sich der blutdruck meiner testperson entwickelt. ob er nach oben oder nach unten geht. ob er sich im normbereich bewegt. denn davon ist dann abhängig, welche individuelle therapie ich dem patienten vorschlage.
        das hat nichts mit populismus zu tun, sondern ist die vorgangsweise, die ein vernünftiger arzt an den tag legen würde.

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      2. ps.:

        und

        Es wurden in den letzten 5 Jahren in keiner Schulstufe Untersuchungen durchgeführt, die diese Frage beantworten könnten.

        ist die formulierung des landesrats und nicht jene von simon. also schreib dem landesrat ein mail, dass er gefälligst differenzieren soll.

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      3. scheinst du mittlerweile nur mehr auf “zerstörung” aus. dazu ist dir dann auch der abstruseste vorwurf nicht zu blöd. woher kommt der wandel?

        Na, das ist eine gute Frage. Der BBD Blog scheint ja der einzige Ort zu sein, wo m.gruber mit der Lupe rumläuft um irgendetwas zu finden.
        Was ist die Substanz des Artikels bzw. der Tommasini Antworten? In Südtirol gibt es keine belastbaren Daten zur Sprachentwicklung, geschweige denn eine wissenschaftliche Grundlage die Schnellschüsse im Schulbereich erlauben würde.
        Trotzdem ist die Politik drauf und dran im Schulsystem gravierende Weichenstellungen vorzunehmen. Vielleicht geht es der Politik ja um diese Weichenstellungen und gar nicht um eine belastbare Datengrundlage, die möglicherweise das eine und andere Märchen widerlegen würde mit dem man derzeit hausieren gehen kann.

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      4. […] scheinst du mittlerweile nur mehr auf “zerstörung” aus.

        naja … destruktiv? Ich empfinde es als aneinader vorbei Reden, unabsichtlich falsch verstehen/lesen, Verhärtung im “Tonfall” und ein beharren um jeden Preis. Ich stell mir schon die Frage, ist das eigentlich diskutieren, oder schon Trollen? Auch deine, diese Antwort auf mein Post zeugt davon. Als Test steig ich hier mal für ein paar Monate aus. Niwo wird sich freuen.

        ein beispiel, dass du es auch verstehst:
        […] ich brauche ergebnisse anderer menschen, um eine vorstellung zu bekommen, was “normaler” blutdruck ist. erst dann kann ich sagen ob 180/150 hoch oder niedrig ist.

        ES GIBT Ergebnisse anderer Menschen! Es gibt zwingend vorgeschriebene Kompetenztests bei deutschsprachigen (deutsche Schule) und bei italienischschprachigen (italienische Schule). Nur sind diese _nicht_ dafür ausgelegt miteinander verglichen zu werden. Man könnte sie vergleichen. wissenschaftlich ist dies jedoch nicht.

        des weiteren ist es sehr wohl interessant, wie sich der blutdruck meiner testperson entwickelt.

        Beim Blutdruck ist es vielleicht interressant, aber auch nur, wenn du Kreislaufprobleme o.ä. hast. Ich messe meinen Blutdruck eigentlich nie, weil ich nicht krank bin.

        “Wenn ich krank bin” ist in diesem Fall ein Trigger, sonst messe ich meinen Blutdruck nicht. Beim Schulsystem ist es genau das selbe; man überprüft die Einhaltung von Qualitätskriterien erst danach kommt der Trigger. Die Überprüfung erfolgt dabei JÄHRLICH. Bei deutsch und italienisch sind das unterschiedliche Tests, die nicht auf Vergleichbarkeit über einen Zeitraum ausgelegt sind.

        Und hinzu kommt, wie sich die Schule in den letzten 5 Jahren verändert hat. Da war die Oberschulreform, die Einführung der 5-Tage-Woche, die an manchen Schulen mit Kürzungen des Deutschunterrichts (in der Schule wird nach Minuten abgerechnet) einherging. Die Einführung der Rahmenrichtlinien und des Kompetenzorientierten Unterrichts (ein Jahr geschenkt, das war 2009). Wie willst du da Tests vergleichen.

        Wer diese Studien einfordert verlangt etwas unmögliches, per se unwissenschaftliches.

        was bringt evaluation, wenn ich sie nicht zeitlich und “räumlich” vergleiche?

        Man versucht Qualitätskriterien zu setzen und kontrolliert die Einhaltung derselben. Das ist von der Vorgehensweise her etwas anderes als höher, schneller, weiter.

        Ein Landesrat, der in seinem selbst auferlegten Fachgebiet eine derartige Nullleistung vorlegt, müsste eigentlich sofort zurücktreten.

        … natürlich.

        gerade weil und solange wir ein getrenntes schulsystem haben, sind vergleichende spracherhebungen (deutsch/italienisch) sinnvoll.

        Verstehe ich nicht. Weil wir ein getrenntes Schulsystem haben sind vergleichende Spracherhebungen sinnvoll? Warum und welche Relevanz ergibt sich daraus für das Schulsystem?

        Deshalb nochmal meine Frage: Was sollen den derartige Studien, wie sie die STF fordert bezwecken? Welcher Mehrwert ergibt sich daraus?

        Over & Out.
        Bussi an alle :-*

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      5. Tommasini hat die Immersion eingeführt — da wird es doch wohl hoffentlich nicht zuviel verlangt sein, Daten zu fordern, die die Auswirkungen auf die Zweitsprachkenntnisse aufzeigen. Oder wird da ohne Evaluierung einfach mal drauflos gewurschtelt?

        Was den Vergleich mit den deutschen Schulen anlangt, so sind es doch die PolitikerInnen selbst, die regelmäßig behaupten, die Zweitsprachkenntnisse der Deutschen nähmen ab, die der Italiener zu. Wenn auf Grundlage dieser Behauptung Schulpolitik gemacht werden soll, muss sie wenigstens belegt sein.

        Ja, weil da -ähnlich wie beim Fußball- jeder glaubt mitreden zu müssen/können (Wirtschaft, Eltern, Lehrer, Staat, Provinz, Politiker, bbd)

        Das nennen wir gemeinhin Demokratie.

        Es gibt sie, nur eben keine vergleichenden/vergleichbaren (über Jahre/Entwicklngszeitraum (wegen der wechselnden Bewertungskriterien)

        Wie oft wurden während der letzten fünf Jahre die Bewertungskriterien geändert?

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      6. @ m.gruber
        ok. auf ein neues.
        du übersiehst den wesentlichen aspekt. wir leben in einem land, das es sich zum ziel gesetzt hat, die kulturelle und sprachliche vielfalt zu erhalten. daher ist sprachunterricht nicht bloß schul- sondern gesellschaftspolitik und daher ist es interessant zu wissen, wie sich sprachkenntnisse über die zeit bzw. in den einzelnen unterschiedlichen schulsystemen (deutsch, italienisch, ladinisch) entwickeln.
        unsere “pathologie” ist diese situation sozusagen (die den italienisch- und deutschunterricht bei uns z.b. vom englischunterricht in deutschland unterscheidet). daher sind erhebungen, wie sie oben gefordert werden, sehr wohl indiziert.

        daher: wenn es sprachtest gibt, die nicht vergleichbar sind, dann muss ich halt welche machen, die man vergleichen kann. wobei ich da grundsätzlich kein problem sehe ob jetzt nach lehrplan oder nach rahmenrichtlinien kompetenzorientiert unterrichtet wird. am ende geht es darum, ob jemand die sprache beherrscht (verstehen, sprechen, schreiben) oder nicht. und das lässt sich einigermaßen objektiv feststellen.

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      7. Wurde ja auch schon gemacht (Kolipsi), nur leider im Jahr 2009 zum ersten (!) Mal und seitdem nicht mehr. Mal sehen, wann die zweite Runde veröffentlicht wird, ein Rhythmus von über fünf Jahren ist jedenfalls zu wenig.

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      8. @ m.gruber

        Was sollen den derartige Studien, wie sie die STF fordert bezwecken?

        kannst ja populistin franceschini fragen.

        [I]n Südtirol wird immer behauptet, die Kenntnisse der zweiten Sprache würden zurückgehen, auf allen Seiten. Ist das so?

        Franceschini: Wir wissen es nicht genau. Ich hätte auch gerne eine deutliche, objektive Antwort darauf. Aber womit wollen wir die Sprachkenntnisse vergleichen?

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      9. Muss wohl auch wieder so ein Südtiroler Spezifikum sein, dass die Kaffeesudleser seriöse Politiker sind und diejenigen, die objektive Daten fordern, als Populisten bezeichnet werden. (Achtung! Ich meine damit nicht generell die STF, ich beziehe mich auf den spezifischen Fall.)

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  2. Hier ein Beispiel, wie ein Immersionsprojekt woanders (nämlich in Wales) evaluiert wird. Natürlich auch die Entwicklung der Sprachkenntnisse (ab S. 103). In Südtirol hingegen heißt es:

    Immersionsunterricht ist erwiesenermaßen förderlich für’s Erlernen einer Sprache (PUNKT) Was sollte man also testen?

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    1. Immersion mag durchaus funktionieren. Aber der Weg muss auf die individuellen Gegebenheiten – basierend auf wissenschaftlichen Daten – abgestimmt sein. Dazu muss der Prozess durch eine laufende Evaluation begleitet werden. Zudem sind auch die Auswirkungen auf die gesamtgesellschaftliche Sprachentwicklung bzw. -verwendung interessant.

      Oder sind die Waliser Dilettanten, weil sie ein strukturiertes auf Daten basierendes Konzept haben und die Südtiroler sind die Profis, weil sie einfach mal drauflosprobieren nach dem Motto “Was sollte man schon testen?”

      Auszüge aus dem Bericht:

      The Welsh Assembly Government should commit funding for the Immersion and Intensive Language Teaching Pilots Project for a further period of three years to allow data to be gathered about sufficient numbers of participating pupils’ linguistic and wider academic progression over time.

      Die wollen doch tatsächlich Daten über die zeitliche Entwicklung der Kenntnisse sammeln.

      The Steering Group should revisit the purpose and practicality of supporting primary school centred pilots. Should it be decided to continue supporting primary school centred pilots, the number of pilots supported should be increased to ensure that comparisons can be drawn and lessons learnt.

      Die wollen auch Vergleiche anstellen und sogar Lehren daraus ziehen.

      We would envisage that the schools running immersion approaches would be asked to assess all participating pupils’ language levels at the end of Years 7, 8 and 9 and that the Project Team would ‘audit’ a sample of pupils each year, focusing particularly upon schools which are new to immersion approaches, thus providing an opportunity to help those schools develop their capacity.

      Die evaluieren jedes Jahr und geben dann aufgrund der vorher gesammelten Erfahrungen Rückmeldungen

      schools are asked to set out:
      □ Their rationale for running immersion approaches;
      □ Measurable objectives for pilots;
      […]
      □ How they will assess and report pupils’ linguistic and curricular development; […]

      Die müssen doch tatsächlich begründen, warum sie einen derartigen Ansatz wählen wollen, der dann auf messbaren Zielen basiert, welche über einen Zeitraum erfasst und ausgewertet werden.

      Verrückt, diese Waliser. Alles hinausgeschmissenes Geld. Tommasini sollte mal rauffahren und denen zeigen, wie man so etwas richtig macht.

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    2. und dann erheben die sogar auch noch, was für einen einfluss der immersionsunterricht auf den gebrauch der sprache außerhalt der schule hat.

      Similarly, Figure 7.16, which shows the proportions of Year 7 pupils claiming to speak Welsh in the community at the beginning and end of the academic year, points to a greater use of the language outside school settings.

      Figure 7.17 shows that proportionally fewer respondents to our survey of Year 9 pupils claimed to make frequent use of Welsh in either setting, though a higher proportion said that they spoke Welsh on an occasional basis, most particularly to friends at school. These findings were reinforced during focus group discussions, albeit that some contributors claimed to speak a mixture of Welsh and English with friends and one commented that “some speak Welsh at break times … but the ones that do also speak Welsh at home … the ones that speak English [during] break time tend to speak English at home”. It must, of course be remembered that most Year 9 pupils have considerably more experience of Welsh than pupils in Year 7 and there will, undoubtedly, be a difference in the nature/quality of the language spoken by these two groups of pupils.

      Wie gesagt, die spinnen, die Waliser.

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    3. nochwas.

      ein guter sprachunterricht ist ja automatisch CLIL – der allerdings nie zu lasten der fachlichen kompetenz in anderen fächern geht. wie sonst, außer über praktische beispiele soll ich den schülern die sprache näher bringen? es sei denn, ich mache sprachunterricht aus dem 19. jhd. und mache nur grammatikübungen, lasse zusammenhangslos vokablen auswendig lernen, konzentriere mich auf sprachwissenschaft und literatur und rede mehr über die sprache als dass ich sie benutze. wenn ich sie aber benutze, brauche ich themen und die sind dann zwangsläufig geschichte, geographie, biologie, soziologie, technik usw. usw.

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  3. m.gruber ha ragione dicendo state facendo populismo… a chi servono dei dati? Solo a STF-F-BBD: una politica seria e responsabile come quella PD-SVP (o “alternativa” come quella dei Verdi) non ha bisogno di dati! Loro hanno solo e sempre ragione.

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  4. Verfügen die Schüler aus dem Trentino noch immer [wie vor Jahren erhoben, Anm.] über bessere Deutschkenntnisse, als die italienischen Schüler in Süd-Tirol?

    Nun, das finde ich ja interessant. Sind die jeweiligen Erhebungen dazu noch irgendwo nachzuschlagen?

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  5. Naja, ist halt die Frage, was man mit diesen Ergebnissen anfängt. Zunächst scheint mir die Schüleranzahl doch recht niedrig gewählt. Dann weiß man auch nicht, welche Typen von Oberschule man verglichen hat: an einem Sprachengymnasium erwarte ich mit klarerweise andere Sprachkenntnisse als bspw. an einer TFO.
    Was mich mehr interessierte: wie wird Deutsch, sei es in Bozen als auch in Trient, unterrichtet? Als Zweit- oder als Fremdsprache?
    Und dann ist es weniger wichtig, wie gut die SuS die zweite Sprache beherrschen, sondern wie es dann später im “richtigen” Leben aussieht. Aber das ist eine andere Diskussion…
    Den Kasten hab ich übrigens nicht ganz verstanden (ist aber auch schon fast 10 Jahre alt…): um was ging es bei der Aussage von Durnwalder nochmal?

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