Quotation (263): Unschöne Wendung.

Im Gegensatz zur Süd-Tiroler Freiheit sind alle anderen Parteien, was die ethnische Komponente betrifft, völlig austauschbar!

– Cristian Kollmann, STF-Bürgermeisterkandidat für Bozen

Eine subjektive Einschätzung dazu:

Unter Eva Klotz war die Süd-Tiroler Freiheit eine Single-Issue-Partei. Dem Ziel der Selbstbestimmung hat man alles untergeordnet. Die Bewegung hat sich zwar immer mehr oder weniger aggressiv gegen den Staat Italien ausgesprochen, eine wirklich ethnische oder gar xenophobe Komponente hatte das Ganze aber meiner Einschätzung nach nicht, da sich die STF wohl in der Tradition des mehrsprachigen historischen Tirols sah. Gleichzeitig hatte man im machiavellischen Sinne jedoch auch kaum Berührungsängste. Der Zweck heiligt die Mittel.

Auf der anderen Seite hatte ich immer den Eindruck, dass Klotz ein sehr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ein tief verankertes soziales Gewissen auszeichneten. Ich kann mich dunkel an eine Episode nach einer Abstimmung im Landtag erinnern, in der es – glaube ich – um den Zugang von Ausländern zu irgendwelchen Sozialleistungen ging. Der Antrag kam von den Grünen. Auf Facebook tat Riccardo Dello Sbarba im Anschluss an die Abstimmung seine Enttäuschung über den PD kund, da dieser — wie alle anderen Parteien mit Ausnahme der Süd-Tiroler Freiheit und natürlich den Grünen — den Antrag abgelehnt hatte. Daraufhin kommentierte Luigi Gallo von Rifondazione Comunista: “Come mai la Klotz?”. Dello Sbarba belehrte ihn sogleich, dass die meisten Italiener ein völlig falsches Bild von Klotz hätten und dass sie eine im sozialen Denken verhaftete Person sei. Dazu passt auch, dass die Süd-Tiroler Freiheit Mitglied der EFA (European Free Alliance) ist, in welcher sehr viele linke bis linksradikale Parteien aktiv sind und die im Europäischen Parlament zusammen mit den Grünen eine Fraktion bildet. Eine Konstellation, mit der die meisten Wähler der STF in Südtirol wahrscheinlich recht wenig anfangen können.

Mit dem offiziellen Abgang von Klotz im November 2014 setzte ein schleichender Richtungswechsel ein, der der Gesinnung eines Großteils der Wählerschaft wohl gerechter wird. Eine junge Garde übernahm das Ruder. Sven Knoll rückte an die vorderste Front und in jüngster Zeit ist auch der Sprachwissenschafter Cristian Kollmann stark präsent. Beide sind rhetorisch ausgesprochen versiert und verleihen der Bewegung einen intellektuelleren Touch. Mit der verstärkten Präsenz von Knoll, Kollmann, Hofer und Co. rückt die Bewegung von der Single-Issue-Partei in Richtung Rechtspopulismus mit noch weniger Berührungsängsten zu demokratisch zweifelhaften Organisationen. Eine befremdliche Deutschtümelei gehört in der STF mittlerweile zum guten Ton. Kollmanns Bemerkungen anlässlich seiner Kandidatur zum Bozner Bürgermeister fügen sich nahtlos in diesen Befund ein.

Wir sind natürlich für die Italiener wählbar. Und zwar für jene Italiener, die auch wollen, dass Bozen eine deutschere Stadt wird.

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8 Pingbacks/Trackbacks

  • Hartmuth Staffler

    Cristian Kollmann hat leicht verständlich erklärt, was er mit dem Begriff “eine deutschere Stadt” meint, nämlich eine Stadt, in der auch die deutschsprachige Bevölkerung, die trotz aller faschistischen Bemühungen und zum Ärger vieler Italiener immer noch vorhanden ist, die ihr zustehenden Menschenrechtechte erhält, indem sie mit der Gemeindeverwaltung in ihrer Sprache kommunizieren kann, indem in den deutschen Kindergärten manchmal auch etwas Deutsch gesprochen wird und in der Senioren in den Altenheimen in ihrer Sprache betreut und nicht einfach ins Abseits geschoben werden, wie es derzeit der Fall ist. Ich verstehe nicht, was das mit “Deutschtümelei” zu tun haben soll? Wie nennt man dann die Geisteshaltung der Italiener, die der Meinung sind, dass die deutsche Sprache überflüssig sei, weil wir ja “in Italien” sind?

    • @schierhangl

      Tja so schnell bestätigen sich manche Annahmen.

      Aber Hand aufs Herz: Wenn ich jemandem sage, dass er rechts ist, dann wird er nicht verstehen, dass er „Anhänger der Idee einer kulturellen oder ethnischen Gleichheit nach innen und einer Ungleichheit nach außen“ ist. Er wird das als Beleidigung auffassen.

      aus https://krautreporter.de/1276–die-neuen-rechten-verstandlich-erklart

      Lesenswerter Artikel über die „neue Rechte“, konservative Revolution und ein Selbsttest „Bin ich ein Nazi?“.

      • @schierhangl

        @Hartmuth Staffler:
        Warum spricht Kollmann nicht von einer “österreichischeren Stadt”?

      • RoMo

        @schierhangl Wäre es besser ?

      • ola

        @Hartmuth Staffler:
        Warum spricht Kollmann nicht von einer „österreichischeren Stadt“?

        @schierhangl: Weil man mittlerweile gerne “deutsch” statt “deutschsprachig” benutzt, um es sich leichter zu machen – ist mir auch zuletzt immer öfter aufgefallen.

    • […] die sich immer weniger identifizieren können, mit dieser italienischen Arbeitsmoral, mit dieser italienischen Mentalität, die sich eben dahingehend äußert, dass in Bozen kaum noch etwas vorangeht.

      ORF

      Denn gerade in der Gemeindeverwaltung herrschen teilweise chaotische Verhältnisse, die mitunter der italienischen Arbeitsmoral, der italienischen Mentalität geschulded wird [sic!].

      SDF

      also ob gerade wir diese missstände nicht oft genug angesprochen hätten.
      aber kollmann versteht unter einer “deutschen stadt” auch noch was anderes, wie diese zitate zeigen. italiener = faul und chaotisch, deutscher = fleißig und ordentlich. ich denke, diese geisteshaltung hatten wir schon mal.
      das wort “tirol” ist in den beiträgen nicht vorgekommen.

      • Selbst wenn Cristian Kollmann mit »deutschere Stadt« tatsächlich meinen sollte, was Herr Staffler behauptet, wäre die Formulierung haarsträubend.

        Bei der Zielvorgabe einer »deutscheren Stadt« weiß man nicht, wo diese »Verdeutschung« beginnen und vor allem wo sie enden soll… und schon gar nicht, was mit den ItalienerInnen und allen anderen »Nichtdeutschen« geschehen soll. Man nimmt die Verunsicherung großer Bevölkerungsteile billigend in Kauf.

        Wenn man hingegen von Gleichberechtigung, Gleichstellung, Aufwertung, Recht auf Muttersprache, zwei- bzw. mehrsprachiger Verwaltung, Verbesserung der Deutschkenntnisse (etc.) spricht, wie wir das stets tun, bringt das klar zum Ausdruck, was man erreichen möchte.

        Mit Sprache kann man Ziele sehr nuanciert formulieren… wenn man es nicht tut, sollte man (angebliche!) Fehlinterpretationen nicht anderen anlasten.

  • Sandro R

    La scoperta dell’acqua calda…

  • Hartmuth Staffler

    Man kann es anderen anlasten, wenn sie, wie es hier geschieht, jemandem bewusst und in böser Absicht das Wort im Munde umdrehen. Es geht hier nicht darum, was Cristian Kollmann “tatsächlich meinen würde”, sondern darum, was er tatsächlich gesagt hat, und das hat er auch schwarz auf weiß in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Sinnerfassend zu lesen scheint hier unbekannt.

    • Denn gerade in der Gemeindeverwaltung herrschen teilweise chaotische Verhältnisse, die mitunter der italienischen Arbeitsmoral, der italienischen Mentalität geschulded wird [sic!].

      […] die sich immer weniger identifizieren können, mit dieser italienischen Arbeitsmoral, mit dieser italienischen Mentalität, die sich eben dahingehend äußert, dass in Bozen kaum noch etwas vorangeht.

      hat er tatsächlich gesagt. kann man im video nachhören. wort im mund umdrehen? wtf? wenn du so gut wärst und mir bitte erklären könntest, wie man diese sager so auslegen kann, dass sie nicht als beleidigende stereotypen rüberkommen und eine überlegenheit des deutschen suggerieren?

      • Tirola Bua

        Dass Deutschland Italien wirtschaftlich und politisch überlegen ist, steht glaub ich außer Frage, aber natürlich lassen sich seine Aussagen in zwei Richtungen deuten. Aber ihm Nähe zu irgendwelchen Ideologien vorzuwerfen, ist schon ein bisschen billig.

  • Bei einer Diskussionsrunde in St. Walburg/Ulten (»Die Zeit ist reif für neue Wege«), an der u.a. Wolfi und ich im April 2015 teilgenommen haben, hat mich Cristian Kollmann aus dem Publikum heraus gefragt, ob ich nicht wie er der Meinung sei, dass Südtirol eine »deutsche Leitkultur« benötigt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich ziemlich baff war (und natürlich vehement verneint habe).

    • Tirola Bua

      Was soll es dann für eine Leitkultur geben, in einem mehrheitlich deutschem Gebiet? (Ohne Bozen sogar noch deutscher)

      • Ohne Bozen? Und Bozen sprengen wir einfach weg?

        Meiner Meinung nach brauchen wir gar keine sprachliche oder ethnische Leitkultur, schon gar nicht in einem mehrsprachigen Land, ungeachtet der Mehrheitsverhältnisse. Sowas gibt es (implizit oder explizit) in Nationalstaaten und genau das bekämpfen wir.

        Sollen sich etwa die Ladiner und auch die Italiener im Lande der »deutschen Leitkultur« unterordnen?

        Wenn wir eine Leitkultur brauchen, dann eine Leitkultur der Demokratie, der Toleranz, des gegenseitigen Respekts, der Legalität, der Aufklärung etc.

      • Tirola Bua

        Der größte Teil der Italiener lebt in Bozen, der Rest Südtirols wird nur von kleiner Gruppen bevölkert. Deswegen sollte es außerhalb von Bozen eine deutsche/tirolerische Leitkultur geben, wie in jedem anderen normalen Land der Welt auch.

        Und natürlich sollte es in Ladinien eine ladinische Leitkultur geben. Nur so kann die kulturelle Eigenheit der Ladiner bewahrt werden und Vielfalt erhalten bleiben.

      • Tirola Bua

        Und: Demokratie, Toleranz und gegenseitiger Respekt ist genau das, was vielen Italienern in Südtirol fehlt, so scheint es mir persönlich, denn alles was man von gewissen Kreisen hört, ist “siamo in Italia”

      • @schierhangl

        @Tirolabua
        Wie genau soll diese deutsche Leitkultur aussehen?

      • @schierhangl

        @TirolaBua
        Noch eine Frage: Warum ist es trotz mehr als 20 JAhre offener Grenzen nicht zu einer grösseren Vernetzung der deutschsprachigen und vielleicht auch der ladinischen Tiroler Landesteile sei es in wirtschaftlicher als auch kulktureller Hinsicht gekommen?

      • Tirola Bua

        Das musst du die SVP/ÖVP fragen.

        Zur tirolerischen Leitkultur: Am wichtigsten ist da die Vermittlung des Heimatbegriffes. Dazu gehört Schutz und Respekt vor Natur und Umwelt und Heimatkunde in der Schule. Dann eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schule und (Brauchtums)Vereinen, sowie Geschichtsunterricht aus tiroler Sicht.
        Von der Politik erwarte ich mir, dass ausnahmslos alle erfundenen italienischen Ortsnamen gestrichen und nur auf historisch gewachsene Namen gesetzt wird und das auch im Ausland. Weiters die Entfernung von faschistischen Denkmälern, dafür bessere Pflege und Näherbringung der heimischen Denkmäler.
        Das waren einige Punkte, hoffentlich ist die Frage dadurch halbwegs beantwortet☺

      • Sandro R

        Ziemlich völkisch dein Programm, lieber Tirola Bua…😱

      • Tirola Bua

        Eine tiroler Leutkultur in Tirol? Ganz böse. Und völkisch. Warum gibt es eigentlich noch verschiedene Kulturen und Völker?

      • hunter

        ich bin bei keinem traditionsverein, besitze keine lederhose, meine urgroßmutter war deutsche, ich mag kein gröstl und keine speckknödelsuppe. wenn man mich nach meiner identität fragt, würde ich wohl tiroler sagen. ist mein kultureller beitrag als nicht-jodelnder globetrotter dann teil der tiroler leitkultur und wenn nein, darf ich dann dennoch tiroler sein?

      • Tirola Bua

        Na und? Es geht nur darum, den Interessierten tiroler Kultur zu vermitteln. Jeder kann dann selber entscheiden, ob er es gut oder schlecht findet.

    • m.gruber

      Hahah 🙂 Deutsche Leikultur … als ob es soetwas überhaupt geben würde.

      Das ist nichts als ein Phantasiebegriff. Der Begriff impliziert ja, dass Werte/Kultur an eine Ethnie gekoppelt wären und an willkürlich gezogenen Grenzen enden würde … so ein sozialdarwinistischer Schmarrn.

      Und dann reduziert man das auch noch auf tirolerische Leitkultur … das ist ja von der deutschen L. quasi nochmal das bessere Stückchen, weil … ohne Humanismus, dafür mit viel Heimatspathos … 😉

      • Mit einer Tiroler Leitkultur könnte ich noch eher etwas anfangen, wenn man diese zum Beispiel an der historischen Mehrsprachigkeit dieses Landes festmachen würde. Andererseits würde man mit einer Tiroler Leitkultur wohl die Büchse der Pandora öffnen.

      • Tirola Bua

        Warum? Weil man Italiener oder Ausländer “verletzen” würde?

      • @schierhangl

        @TirolerBua:
        Trägst du eine Jack Wolfskin Jacke?

      • Tirola Bua

        Nein, warum?

    • Mich würde interessieren, ob Hartmuth Staffler eine »deutsche Leitkultur« für Südtirol befürwortet/fordert und — wenn ja — wie er diese definiert.

      • Hartmuth Staffler

        Ich kann grundsätzlich mit dem Begriff Leitkultur nicht allzu viel anfangen, weil Kultur ja in ständigem Wandel begriffen ist und sich nicht durch Definition oder gar Gesetz festlegen lässt. Ich rede lieber von grundlegenden Tiroler Werten wie z.B. Freiheit, Respekt, Menschenwürde, die unverzichtbar sind, während andere Werte verändert (und alle zusammen auch verbessert) werden können. Ein Wesensmerkmal Tirols ist die Dreisprachigkeit und ein entsprechender Grundwert die Selbstverständlichkeit, mit der man die Anderssprachigkeit eines Tiroler Landsmannes akzeptiert, weil es im gegenseitigen Respekt geschieht. Es ist schön zu sehen, wie sich ein Nordtiroler und ein Welschtiroler ohne Probleme verstehen, obwohl jeder von ihnen manchmal nur ein paar Brocken der jeweils anderen Sprache beherrscht, die er gerne hervorkramt, während z.B. die Carabinieri, mit denen ich ab und zu in Konflikt gerate, auf ihrem “siamo in Italia” beharren und von mir perfektes Italienisch verlangen, weil ich das als Südtiroler ja können muss – zuletzt geschehen erst vor wenigen Monaten in Brixen. Zu den Tiroler Grundwerten zähle ich auch einen gewissen Hang zum Widerspruch, um nicht zu sagen Rebellion, gepaart mit einer an Sturheit grenzenden Konsequenz. Wir haben uns unsere Freiheiten gegenüber unseren Landesherren und auch gegenüber Wien erstritten, das Landlibell von 1511 und andere Freiheiten sind uns ja nicht geschenkt worden. Wir haben mit unserem Wunsch nach Selbstverwaltung den Zug zu ihrer vollständigen Verwirklichung – im Gegensatz zu den Schweizern – nur knapp verpasst. Die Tiroler Heimatliebe ist inzwischen auch durch ein sehr hohes Umweltbewusstsein ergänzt worden. Zu den Tiroler Grundwerten gehört meiner Meinung auch, dass man nicht ausgrenzt, sondern inkludiert – vorausgesetzt jemand akzeptiert und respektiert unsere Werte. Speckknödel gehören nicht unbedingt zu den Grundwerten, aber sie schmecken mir nun einmal ausgezeichnet. Deswegen verschmähe ich aber eine Pizza oder italienisch Nudeln nicht.

      • Also sind Sie anders als Cristian Kollmann nicht für eine deutsche Leitkultur.

      • hunter

        @ staffler
        weitgehend einverstanden.
        wobei sich diese “werte” ja auch in vielen anderen gesellschaften finden lassen – also gehört der speckknödel doch zur kulture, denn der macht dann den unterschied – sagen wir mal zu den navajo-indianern, die – so meine ich – obigen absatz auch unterschreiben würden.

  • Hartmuth Staffler

    Tirol hat historisch gesehen drei Sprachgruppen, die eine gemeinsame Tiroler Kultur entwickelt haben, wenn auch jede Sprachgruppe innerhalb dieser Kultur ihre Besonderheiten bewahrt hat. Es kann also keine deutsche Leitkultur für Tirol geben, sondern eine Tiroler Kultur in den drei Sprachvarianten. Ich finde das Schweizer Modell recht gut. Die vier Sprachgruppen fühlen sich einer “nationalen” Schweizer Kultur verbunden, innerhalb der sie aber ihre jeweilige sprachliche Eigenart pflegen und nach dem Territorialprinzip auch schützen.

    • @schierhangl

      @Hartmuth Staffler:
      ich sehe da nur 2 Möglichkeiten: Parteiasutritt und Wechsel zu #BBD oder PArteispaltung von Südtiroler Freiheit. Denn die Realisierung einer “ethnischen Demokratie” und die Errichtung einer “nationalen Demokratie” stehen einander diametral gegenüber.

      • Denn die Realisierung einer „ethnischen Demokratie“ und die Errichtung einer „nationalen Demokratie“ stehen einander diametral gegenüber.

        Sehe ich nicht so. Und wir sind gegen beides.

      • @schierhangl

        @pervasion
        Die vier Sprachgruppen fühlen sich einer „nationalen“ Schweizer Kultur verbunden (Hartmuth Staffler)
        Die Frage ist natürlich was unter “nationaler Demokratie” zu verstehen ist. In diesem Sinne kann auch das Bekenntnis zu einer postnationalen Demokratie eingebettet in die Vereinigten Staaten von Europa durch eine Föderation der europäischen Regionen als eine Alternative zum Nationalismus betrachten. Die Suche nach Antworten auf die Frage was verbindet wird in Grenzregionen stets mehr Stabilität schaffen, als der Rückfall in die Stammessicherheit, das scheint auch Staffler erkannt zu haben.

        @pervasion: Bist du auch gegen eine “nationale Demokratie” in den Vereinigten Staaten von Europa?

      • @schierhangl

        Und: wenn aus Empörung Nörgeln entsteht……dann….

        In Umbruchzeiten, so scheint es, ziehen sich die Menschen auf kollektive Identitäten und scheinbar “natürliche” Kategorien wie Nation, Ethnie, Religion oder auch Rasse zurück, die ihnen größere Sicherheiten zu vermitteln scheinen. Die Diskurse nationalistischer Bewegungen versprechen den verunsicherten Menschen Orientierung und Halt, suchen die Schuld an den bestehenden unbefriedigenden Verhältnissen beim Gesamtstaat und zeigen vermeintlich einfache Lösungen auf.

        aus http://www.bpb.de/apuz/28091/ethnonationalismus-und-das-politische-potenzial-nationalistischer-bewegungen?p=all

      • @schierhangl

        @pervasion:
        Lehnst du auch eine postnationale Demokratie der Vereinigten Staaten von Europa ab? (besser formuliert, sorry)

      • Tirola Bua

        Die Vereinigten Staaten von Europa wäre das Ende der indigenen europäischen Völker und damit die Vernichtung der Vielfalt. Den europäischen Völkern würde das gleiche passieren wie den Indianerstämmen in Europa.

      • Lehnst du auch eine postnationale Demokratie der Vereinigten Staaten von Europa ab?

        Nein. Siehe hierzu die folgenden FAQ-Punkte: [1] [2] [3]

        Wiewohl ich in Anlehnung an Menasse nicht von »Vereinigten Staaten« sprechen würde.

      • @schierhangl

        @TirolaBua:
        Zu welchem europäischen Indianerstamm zählst du?
        (Sorry musste leider sein;))

      • Tirola Bua

        Zum Stamm der Tiroler😆

  • Spaceman Spiff

    Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie ihr generell zum Thema “Leitkultur” eingestellt seid. Ich meine damit nicht, ob wir jetzte eine deutsche, italienische, europäische, tirolerische etc. Variante davon brauchen, sondern ob es generell Vorgaben zu sozialen Normen und Werthaltungen geben sollte, die als Standard für die Gemeinschaft gelten sollten und die man in ihrer Zusammenschau mit dem Begriff “Leitkultur” umschreiben könnte.
    Wie bewertet ihr in diesem Zusammenhang der Vorfall in der Schweiz, in der zwei Jugendliche sich weigerten, ihrer Lehrerin die Hand zu schütteln:
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/islam-streit-in-der-schweiz-duerfen-maenner-und-frauen-einander-die-hand-geben-1.2933860
    Wäre es legitim zu sagen, dass es Teil unserer Leitkultur ist, dass sich Männer und Frauen die Hände schütteln? Und dass der Wert, der dadurch zum Ausdruck kommt, Präzedenz vor religiösen Einstellungen hat, die einen solchen Vorgang verbieten?

    • Auch in Spanien geben sich Männer und Frauen i.d.R. nicht die Hand, daran musste ich mich erst gewöhnen. Zu unserer »Leitkultur« gehört Händeschütteln m.M.n. sicher nicht, eher zum guten Ton (und hygienisch ist es auch nicht immer). Charakteristisch für unsere Gesellschaft ist eher, dass jede/r frei entscheiden können soll — im speziellen Fall also, dass niemand dazu gezwungen werden darf und auch niemandem verboten werden sollte, die Hand eines anderen Menschen zu schütteln.

      • Spaceman Spiff

        Klar, wenn man sich ein einem anderen kulturellen Kontext aufhält, muss bzw. sollte man sich an die dortige Leitkultur (mit oder ohne Anführungszeichen) anpassen. Dies ist meistens ein etwas mühsamer Prozess, wie du auch bestätigen kannst. Ob jetzt Händeschütteln zwischen Männern und Frauen nur zum guten Ton oder bereits zu einer gehobenen kulturellen Anforderung gehört, darüber wird derzeit in den Medien eine heftige Debatte geführt. Ich vermute mal, dass Alice Schwarzer das etwas anders sehen könnte als du (ist aber reine Spekulation). Andere Beispiele für Komponenten einer Leitkultur wäre der Umgang mit Alkohol oder Müll:

        http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/integration-in-deutschland-als-ob-jeder-ueber-dich-herzieht/13415156.html

        Wenn ich dich richtig verstehe, dann gibt es für dich so etwas wie eine Leitkultur bzw. ist deren wichtigste Komponente die individuelle Wahlfreiheit. Sorry für meine Neugier, aber sollte man dann nicht auch die Waffengesetze nach amerikanischem Vorbild liberalisieren? Schließlich sollte doch jeder selber entscheiden können, ob er oder sie eine bzw. mehrere Waffen besitzen kann… .

      • Ich glaube, dass wir uns in liberalen Demokratien grundsätzlich darauf geeinigt haben, jeder und jedem soviel individuelle Selbstbestimmung zu gewähren, wie nur möglich — solange anderen dadurch kein Schaden zugefügt bzw. deren Selbstbestimmung nicht eingeschränkt wird. Wo genau man hier eine Grenze setzt wird eben in der Regel demokratisch (und im Einklang mit den Menschenrechten) festgelegt. Klingt kompliziert? Ja… ist es auch. Aber es ist wohl eine sehr gute Art, mit derartigen Problemen umzugehen. In Europa hat man entschieden, dass unkontrollierter Waffenbesitz nicht mit unseren Vorstellungen des Zusammenlebens vereinbar ist — in den USA ist das anders, und beides legitim.

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  • Pfeifnracher

    Auf der anderen Seite hatte ich immer den Eindruck, dass Klotz ein sehr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ein tief verankertes soziales Gewissen auszeichneten.

    Mit dem offiziellen Abgang von Klotz im November 2014 setzte ein schleichender Richtungswechsel ein, der der Gesinnung eines Großteils der Wählerschaft wohl gerechter wird.

    Während der aktuellen Fragestunde im Rahmen der heutigen Landtagssitzung wollte Bernhard Zimmerhofer wissen, ob die Vereinbarung zwischen der Gemeinde Meran, der Caritas, Volontarius und anderen zur Freiwilligenarbeit von Asylbewerbern eine Diskriminierung der einheimischen Bevölkerung darstellt.

    • Schade um eine Partei, die das Potential gehabt hätte, sich anders zu entwickeln. Wie lange die wohl noch in der EFA bleiben? Pöder wurde damals ja rausgeschmissen…

      • hunter

        und die lega auch. wobei die glaub ich einem rauswurf durch austritt zuvorgekommen ist.

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