Quotation (343): Kaum mehr Italiener…?
»Alternative Fakten« setzen sich durch

Außerhalb der größeren Städte gibt es ja kaum mehr Italiener, und daher ist dieser italienische »disagio« in den Tälern nicht wahrnehmbar.

— Senator Francesco Palermo (PD/SVP)

In den städtischen Gebieten und in vielen Ämtern ist Südtirol tatsächlich ein zweisprachiges Land. Weniger in der Peripherie, denn dort gibt es kaum noch Italiener.

— Landtagsabgeordneter Pius Leitner (F)

Beide Aussagen sind in ff Nr. 7 vom 16. Februar 2017 enthalten.

Laut der letzten Volkszählung von 2011 hat der Anteil italienischsprachiger MitbürgerInnen im Vergleich zu 2001 in 62% der Gemeinden (72 von 116) und in 6 Bezirksgemeinschaften von 8 zugenommen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

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One Pingback/Trackback

  • Sigmund Kripp

    das wundert mich, denn insgesamt ist ihr Anteil doch zurück gegangen?

    • hunter

      darauf sind wir auch schon “hereingefallen”. wie ist das möglich, dass der anteil insgesamt zurückgeht, jedoch in nahezu allen bezirksgemeinschaften steigt.

      die erklärung ist glaub ich die bevölkerungsentwicklung. wenn z.b. bozen (mit hohem italieneranteil) absolut langsamer wächst als mehrheitlich deutschsprachige gegenden (also im prinzip alle anderen), dann “wiegt” bozen landesweit weniger und hebt somit die zuwächse in den bezirksgemeinschaften auf.

      • Genau! Siehe auch hier.

      • Sigmund Kripp

        ok, kapiert: 1 + 1 = + 100% aber 70.000 – 700 = – 1 %

  • Sabina

    Abgesehen von der Bevölkerungsstatistik, die nur die ansässige Bevölkerung zählt, hat der diffuse Eindruck, dass in den Bezirken bedeutend weniger Italiener (in diesem Fall ist die männliche Form die angemessene) leben auch damit zu tun, dass die massive Militärpräsenz beispielsweise im Oberen Vinschgau oder im Hochpustertal weggefallen ist. Die „najoni“ waren – bei aller Differenzierung – in Mals, Schlanders oder Innichen durchaus prägend.
    Zu prüfen wären, bei einem insgesamt konstanten Abwärtstrend, außerdem die Wanderbewegungen der italienischen Bevölkerung von Bozen in Richtung Bezirke.
    Am spannendsten fände ich allerdings eine Überprüfung der Hypothese, dass gerade auch die medialien Diskurse zum „disagio“ bei gewissen Bevölkerungsgruppen im ländlichen Raum zu einer bewussten Entscheidung für die Zugehörigkeitserklärung zur italienischen Sprachgruppe geführt haben. Ich denke dabei sowohl an Menschen aus zweisprachigen Familien, als auch an Kinder italienischsprachiger Eltern, die in einem mehrheitlich deutschsprachigen Umfeld aufgewachsen sind und sich bei einer Volkszählung als deutsch- und bei der nächsten als italienischsprachig erklärt haben.

    • Wäre interessant, dem nachzugehen. Bislang sprechen die Daten eher dagegen. So wird es für Deutschsprachige immer schwieriger, ihr Recht auf Muttersprache in Anspruch zu nehmen, der italienischen Sprache wird eine immer größere Bedeutung zugeschrieben. Auch die Zweitsprachkenntnisse nehmen nicht etwa ab, sondern zu.

      • Sabina

        Wäre interessant, dem nachzugehen.

        Worauf beziehst du dich?

      • Zu prüfen wären…

        und

        Am spannendsten fände ich allerdings eine Überprüfung der Hypothese…

        Aber vor allem auf zweiteres.

      • Sabina

        Bislang sprechen die Daten eher dagegen.

        Die von dir angeführten Daten sind interessant und aufschlussreich (und mir bekannt). Aber sie geben keine Antwort auf meine beiden Fragen: Jene nach der Abwanderung von Bozen in Richtung Bezirke (das ließe sich den meldeamtlichen Erhebungen entnehmen, allerdings nicht mit Bezug auf die erklärte Sprachgruppe) und auch nicht auf jene, ob und wenn ja warum sich Personen im Laufe von zwei Volkszählungen einmal deutsch- dann italienischsprachig erklärt haben (neben der Analyse quantitativer Daten, müsste das im Rahmen einer qualitativer Forschung untersucht werden).

      • Nein, natürlich beantworten die Daten nicht deine Fragen… deshalb fände ich es auch interessant, dem nachzugehen.

        Trotzdem glaube ich, dass die von mir genannten Ergebnisse wenigstens Hinweise geben können.

      • Sabina

        Trotzdem glaube ich, dass die von mir genannten Ergebnisse wenigstens Hinweise geben können.

        Für meine zwei Fragestellungen?

      • Ja genau. Natürlich indirekt und ohne Beweiskraft. Wenn aber gleichzeitig

        • die Deutschkenntnisse der BeamtInnen so drastisch abzunehmen scheinen;
        • die Bedeutung der Staatssprache in der Wahrnehmung der BürgerInnen weiter zunimmt und
        • die Italienischkenntnisse der Deutschsprachigen wachsen

        ist es meiner Einschätzung nach (!) ziemlich unwahrscheinlich, dass das anteilsmäßige und zahlenmäßige Wachstum der italienischen Sprachgruppe in den Bezirken vorwiegend auf einen wie von dir beschriebenen »Effekt« zurückzuführen ist — sprich, dass das im Grunde dieselben Leute (mit grossomodo denselben Sprachkenntnissen) wie zehn Jahre früher sind, nur dass sie sich jetzt einer anderen Sprachgruppe zugehörig erklärt haben. Außerdem halte ich diesen »Effekt« schon per se für eher unwahrscheinlich… dass sich also unabgesprochen hunderte (wenn nicht tausende) quasi zeitgleich dafür entschieden haben, einen Zugehörigkeitsswitch vorzunehmen.

        Wie gesagt: Beweisen kann man das im Moment nicht, aber alle Daten, die mir zur Verfügung stehen, sprechen meiner Meinung nach eher für diese Interpretation.

      • Sandro R
        • die Deutschkenntnisse der BeamtInnen so drastisch abzunehmen scheinen;
        • die Bedeutung der Staatssprache in der Wahrnehmung der BürgerInnen weiter zunimmt und
        • die Italienischkenntnisse der Deutschsprachigen wachsen

        Interpretazione della realtà sudtirolese molto soggettiva, di fatto opposta alla mia, per esempio.
        Sui primi due punti non concordo, ma forse è la mia percezione da “italiano” a ritenere vero il contrario. Sul terzo punto, invece, è parere comune tra tutte le persone che frequento (di tutti e tre i gruppi linguistici) che l’italiano dei sudtirolesi di lingua tedesca sia peggiorato negli ultimi 10-15 anni.

      • hunter

        subjektiv? im gegensatz zu deinem bauchgefühl sind das zumindest aussagen, die eine statistische erhebung – sprachbarometer des astat – ergeben hat.

        http://astat.provinz.bz.it/de/aktuelles-publikationen-info.asp?news_action=4&news_article_id=516194

        wir können aber auch gern weiter auf grund von bauchgefühlen und subjektiven eindrücken politik machen.

      • Sabina

        Wie gesagt: Beweisen kann man das im Moment nicht, aber alle Daten, die mir zur Verfügung stehen, sprechen meiner Meinung nach eher für diese Interpretation.

        Welche Interpretation?
        Wenn diese Daten deiner Meinung nach eher gegen die beiden Hypothesen sprechen, dass sich der (geringe absolute und anteilsmäßige) Zuwachs an italienischsprachiger Bevölkerung in 6 von 8 Bezirken weder auf Wanderbewegungen von Bozen in Richtung Bezirke noch auf einen Wechsel bei der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung zurückführen lässt (bzw. einer Kombination aus beidem), welche Hypothese hältst du dann, immer aufgrund der von dir genannten Daten, für wahrscheinlich?
        Jene, dass die italienische Sprachgruppe in den Bezirken einen positiven Geburtensaldo hat? Oder die, dass ihr Zuwachs darauf zurückzuführen ist, dass sich in 6 von 8 Bezirken ehemals deutschsprachige BewohnerInnen nunmehr der italienischen Sprachgruppe zugehörig fühlen?

      • Welche Interpretation?

        Dass die Hypothese, dass Menschen massiv die Sprachgruppe geswitcht haben könnten, eher unwahrscheinlich ist. Ich glaube — auch aufgrund der Datenlage — eher an einen positiven Wanderungssaldo sowohl aus der Landeshauptstadt, als auch aus italienischen Regionen.

        Ich weiß nicht, ob es bezüglich Geburtensaldo Daten gibt. Nach Sprachgruppen aufgeschlüsselt wahrscheinlich nicht.

  • fk

    Laut “astat info 38/2012” hat zwischen 2001 und 2011 in 72 von 116 Gemeinden (=62%) der Anteil der italienischen Sprachgruppe zugenommen. Bei der Aufzählung der Gemeinden im Artikel vom 11.11.2016 wurde Vöran vergessen.

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