Alessandro Urzì von den Fratelli will Senator Luigi Spagnolli loswerden
Senator Spagnolli nervt nicht nur die SVP, noch viel mehr ärgern sich die italienischen Überpatrioten von den Fratelli. Spagnolli stimmt im Senat — als Mitglied der Autonomiegruppe — mit SVP-Senatorin Julia Unterberger, ist keine erklärte nationalistisch-italienische Stimme aus der Provinz Bozen. Er positioniert sich für die Autonomie, für den Dialog auf Augenhöhe.
Bei den letzten Parlamentswahlen schaffte es der ehemalige Bozner Bürgermeister, seine italienische rechte Konkurrenz und den SVP-Kandidaten abzuhängen. Die Volkspartei hantierte wieder einmal mit der angeblichen Blockfreiheit. Meist steht die »Blockfreiheit« für einen Schmusekurs der SVP mit der italienischen Rechten. Offensichtlich pfiffen SVP-Wählende auf die Order aus der Brennerstraße und stimmten für Spagnolli.
Spagnolli schaffte es, die rechten Planspiele zu durchkreuzen. Dafür nun offensichtlich die Revanche von Alessandro Urzì, Kammerabgeordneter der Fratelli aus Vicenza. Urzì, bei den beiden letzten Südtirol-Wahlen schaffte er nur mehr knapp den Einzug in den Landtag, sicher kein italienisches Sprachrohr. Deshalb auch seine Kandidatur in Vicenza, auf einem sicheren Listenplatz der Meloni-Partei.
Urzì scheiterte auch bei den Gemeindewahlen 2015 an Spagnolli. Spagnolli, ein antirechtes Bollwerk, das es künftig zu verhindern gilt. Mit einer »Reform« des Senatswahlkreises Bozen-Unterland, mit einem Zuschnitt, der den Sieg rechter Kandidaten garantieren soll. Das wäre dann das Ende der ethnischen Zusammenschau in diesem diversen Bezirk. Eine sanfte Art des ethnischen Reinemachens des Südtiroler Donbas, des Unterlandes.
Aber auch die SVP ist sauer auf ihren ehemaligen Partner. Gemeinsam verwaltete die Spagnolli-Koalition mit der SVP — zehn Jahre lang — die Landeshauptstadt. Dann die Abkühlung. War Spagnolli zu wenig Hampelmann?
Spagnolli wirft der SVP vor, stark nach rechts abgedriftet zu sein, hin zur Nähe der Fratelli. Außerdem entwickelte sich die SVP zu »einer opportunistischen Partei, die sich wie die Wölfe die leichteste Beute aussucht«. Spagnolli plädiert für eine Zusammenarbeit der deutschen und italienischen Mittelinks-Kräfte, um die SVP als Regierungspartei abzulösen. Die einstige Liebe zwischen Spagnolli und der SVP scheint deutlich abgekühlt zu sein.
Ist die SVP aber auch deshalb auf Distanz zu Spagnolli gegangen, weil er eine gesicherte starke Militärpräsenz in Südtirol fordert? Es kann vermutet werden, dass dem so nicht sein wird.
Die SVP zeigte Spagnolli ihre kalter Schulter im Unterland, bei den letzten Gemeindewahlen in Bozen wurde die Blockfreiheit als Losung ausgegeben. Auch hier verweigerte ein Teil der SVP-Wähler:innenschaft der Partei die Gefolgschaft und stimmte für den blassen Mittelinks-Kandidaten. Trotzdem darf die SVP in der Landeshauptstadt mitregieren, als Juniorpartner an der Seite der rechten italienischen Wahlkoalition.
Luigi Spagnolli ist irgendwie aus der Zeit gefallen. Die SVP zieht die Zusammenarbeit mit der italienischen Rechten vor, in der Landesregierung, mit der italienischen Regierung. Ein italienischer Oppositioneller aus Südtirol, ausgerechnet aus einem italienisch geprägten und dominierten Wahlkreis, stört die Eintracht. Er ist der falsche »walsche« Senator aus Südtirol.
Das Unterland ist für Überraschungen gut. So wie italienische Wählende den SVP-Kandidaten Oskar Peterlini wählten, so stimmten SVP-Wähler:innen – und nicht nur sie – für Francesco Palermo. Ein interethnisches Wahlverhalten, die Folge des Zusammenschauens, über Sprachgrenzen hinweg.
Offensichtlich praktizierten einige SVP-Wähler:innen, Grüne, Team-K-Anhänger:innen bei den Parlamentswahlen 2022 weiterhin die Zusammenschau und hievten damit Spagnolli in den Senat.
Kommt Urzì mit seinen Trennungsplänen durch, ist mit diesem Zusammenschauen Schluss. Und Urzì wird als Senator endlich sein Alto Adige in Rom vertreten können.

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