An der Umfahrung von Vintl ist mir kürzlich wieder dieses Schild aufgefallen, auf das ich aufmerksam machen wollte, weil es meiner Meinung nach eine ganz besondere Spielart von Minorisierung oder suprematistischer Zweisprachigkeit darstellt:
Nicht in Winnebach, sondern bei Vintl: der Winnebach.
Auf dem Schild steht nicht einfach Winnebach und auch nicht Winnebach / rio Winnebach, sondern ausschließlich rio “Winnebach”.
Obwohl es für das Gewässer offenbar keine »italienische« Fälschung gibt, hält es der Landesstraßendienst für nötig, dem Namen ein rio voranzusetzen. Indem dafür aber Winnebach unter Anführungszeichen gesetzt wird, geht man zu dem Namen auf Distanz. Es entsteht der Eindruck, dass in Südtirol nur Bezeichnungen mit kolonialer Übersetzung zulässig sind, während ein unübersetzter Begriff nicht ohne Weiteres für sich selbst stehen darf.
Der italienische »Gattungsname« steht hier zudem außerhalb der Anführungszeichen und somit gewissermaßen in der »Normalität« der Beschilderung, während der historisch gewachsene »deutsche« Eigenname durch die Anführungszeichen auch noch als fremd gekennzeichnet wird.
Diese Form von Othering fällt vielleicht nicht sofort auf, wirkt aber auf subtile Weise trotzdem: Auch da, wo die Bezeichnungen einer Minderheit nicht übersetzt oder gar ausgelöscht werden, kann man sie — wie im vorliegenden Fall — der nationalen Mehrheitssprache unterordnen, zum Beispiel durch eine harmlos erscheinende typographische Entscheidung.
Wenn man schon nicht darauf verzichten will, dem Winnebach ein rio beizufügen, gäbe es dafür genügend andere, neutralere Möglichkeiten:
- Winnebach / rio Winnebach
- Winnebach / rio “Winnebach”
- Winnebach (rio)
- (rio) Winnebach
Die gewählte Form ist allerdings bei weitem die schlechteste, da sie den »deutschen« Namen — gewollt oder nicht — gewissermaßen unter Vorbehalt stellt, anstatt ihn gleichberechtigt stehen zu lassen.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08


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