Perfid, wie der Kammerabgeordnete von den Fratelli d’Italia, Alessandro Urzì, Minderheitenrechte verteidigt. Zurecht in dem Fall. Scharf kritisierte er die Germanisierung des Plan de Corones in Kronplatz-Dolomites. Er spricht von einer »ethnischen Säuberung« und einer unerträglichen deutschen Dominanz.
Urzì solidarisiert sich mit den ladinischen Schützen, die vehement gegen die Umtaufe protestierten. Der Plan de Corones ist kein Einzelfall, erinnern die Schützen an die Ortsnamenspolitik der touristischen Vermarkter. Diesen Hinweis nahm der Präsident der Sechserkommission nicht zur Kenntnis oder übersah ihn bewusst. Was aber keinesfalls verwundert.
Seit Jahrzehnten werden laut den ladinischen Schützen historische ladinische Ortsnamen im Tourismusmarketing verdrängt — wie beispielsweise im oberen Teil des Val Badia, Marketing-Toponomastik: Alta Badia, Calfosch zu Colfosco, La Ila zu La Villa und San Ciascian zu San Cassiano. Auch die ladinische Bezeichnung Al Plan verschwindet hinter der Bezeichnung San Vigilio. Auch eine ethnische Säuberung, in dem Fall italienische Dominanz.
Simon erinnerte auf dieser Seite auch an Gherdëina, das die Marktstrategen als Gardena verkaufen. Für die Union Generela schlicht und einfach unverantwortlich.
Unmissverständlich bringt es André Comploi, Landesdirektor für ladinische Bildung und Kultur, auf den Punkt, unerträglich. Mit der seit einigen Jahren vehement vorangetriebenen Marketing-Toponomastik, forciert auch von ladinischen Vermarktern, werden die ladinischen Bezeichnungen von einer italienischen und einer deutschen Bezeichnung regelrecht erstickt.
Sein Fazit, wegen einer Branding-Optimierung wird das Ladinische leichtfertig geopfert, Comploi spricht von einer touristischen Selbstentfremdung mit postimperialem Beigeschmack.
Der boomende Tourismus verdrängt das Ladinische aus den ladinischen Tälern. Aber nicht nur. Elide Mussner von den Grünen schlug Alarm. Junge Ladiner:innen können sich in den ladinischen Gemeinden kaum oder keine Wohnungen mehr leisten. Viel zu teuer, teurer als der teure Rest des Landes. Junge Menschen bleiben oder ziehen weg. Ladinien, Walt Disney.
Fakt ist auch, dass deutschsprachige Tourismustreibende immer öfter die deutschsprachigen Bezeichnungen »verstecken«.
hat darauf immer wieder hingewiesen. Der Ferienregion Gitschberg-Jochtal wird Rio Pusteria angehängt, dann Alta Pusteria und Dolomiti di Sesto, San Vigilio Dolomites, Val Gardena, Carezza Ski. Wolfgang Niederhofer warf hier dem Marketing vor, die Geographie zu privatisieren. Tolomei wird sich freuen, die touristische Toponomastik wird Urzì begeistern. Und das Ganze findet auch noch freiwillig statt. Schönes Land, böse Leut, um Claus Gatterer zu zitieren.
Ist es nicht an der Zeit, die Handbremse zu ziehen? Künftig sollten in den beiden ladinischen Tälern Gherdëina und Val di Badia nur mehr ladinische Ortsnamen gelten. Aus Respekt vor der ladinischen Sprachminderheit. Das rätoromanische Graubünden in der Schweiz als Vorbild. Nachahmenswert. Und was in der Schweiz klappt, dürfte doch wohl auch im ladinischen Südtirol klappen?
Und, warum nicht, verträgt das deutsche Bildungssystem nicht eine ladinische Stunde in der Woche? Von Innichen bis Reschen, von Salurn bis Gossensass.

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