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Vorwärts in die Vergangenheit.
Quotation 156

Die Erinnerung an den Mauerbau und das Gedenken an die Opfer der Teilung unseres Landes und unserer Stadt sind eine Zukunftsaufgabe.

— Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin (SPD)

Quelle

Wie man in einer Demokratie mit totalitärem Erbe umgeht, hat sich in Südtirol noch nicht überall rumgesprochen. Immer wieder wird ein vermeintlicher Widerspruch zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsorientierung hergestellt.

Ob die Süd-Tiroler Freiheit die glaubwürdigste Partei ist, was antifaschistisches Engagement angeht, lassen wir jetzt einmal dahingestellt. Die Kommentare auf der Facebookseite von stol.it zu ihrer jüngsten Aktion am “Siegesplatz” sind jedoch bezeichnend für den Zustand des Geschichtsbewusstseins der Südtiroler. Zwischen dem “Ewiggestrigen” Wowereit und den Südtiroler “Vorausblickern” liegen Lichtjahre.

kommentare stol

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30 replies on “Vorwärts in die Vergangenheit.
Quotation 156

Hobs es sischt nix bessors zi tian? Olleweil iborn Faschismus zi redn… Mamma mia, wos hot des enk ollz getun? Kafts enk gscheidr an nuidn Handy und tiats ob und zua a bissl Bellavita mochn, sem werts nimmor so frustriert sein.
Alla fine im 2014 interessiert des ingaling niamat mear: Sveglia Frau Klotz, mir sein in Europa und nit in Tirolistan!

In Südtirol gibt es ein Voreingenommenheitsproblem: Es ist zwar nicht (mehr) automatisch richtig, was von der richtigen Partei kommt, doch es ist automatisch falsch, was von der falschen Partei kommt. Da spielen breite Teile der Gesellschaft genauso mit, wie etablierte Medien und die Politik. Besorgniserregende Folgen sind, dass sogar Menschenrechte abgelehnt, massive Willensbekundungen ignoriert und ins Lächerliche gezogen oder eben der Faschismus bagatellisiert und Aufarbeitung als gestrig bezeichnet werden.

Es ist nicht richtig was in Augen der Medienmacher nicht richtig ist, wie mein Link zeigt gibt es durchaus andere Meinungen.

Nichts für ungut, aber an deiner Stelle würde ich mir ernsthaft überlegen, wenigere Kommentare zu schreiben und dafür etwas mehr auf Verständlichkeit zu achten.

ICh achte aud sie verstöndlichkeit die mir in den Sinn kommt, nicht umsaonst hatte ich in Deutsch eine 3.

Wie ich merken musste fällt es mir schwer!

Es ist zwar nicht (mehr) automatisch richtig, was von der richtigen Partei kommt, doch es ist automatisch falsch, was von der falschen Partei kommt

oder – nach Luis Fürnberg:

Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweißt,
Die Partei – die Partei – die Partei.

… genau so ist es und weil Dummheit aus Beschränktheit kommt (siehe die allermeisten Kommentare der oben aufgeführte Liste), ist es schwer, solchen “Meinungen” zu begegnen …

Ein bestimmter Teil der Südtiroler ist schon ein komisches Völkchen. Thema Faschismus/Vergangenheitsbewältigung oder Ortsnamen. Tenor: Ja gibt es keine wichtigeren Themen?
Was ist wichtig? Für jemanden der in Afrika ums blanke Überleben kämpft oder einen Flüchtling, der sich auf einer Nussschale übers Mittelmeer schlägt, ist das Thema Mindestrente oder die Frage, ob man mit einem Südtiroler Durchschnittsgehalt über die Runden kommt, oder der sogenannte Rentenskandal ziemlich einerlei, sprich völlig unwichtig. Also was ist wichtig?
Übrigens: Wenn es um das Thema Menschenwürde und globale Gerechtigkeit geht liegen vielleicht diejenigen, die sich mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung oder mit historischen Ortsnamen beschäftigen, wesentlich näher an brauchbaren Lösungsansätzen, als bestimmte Stammtisch-Wutbürger, die gerne laut schreien, sich aber schwertun etwas komplexere Zusammenhänge auch nur ansatzweise differenziert zu durchschauen.

Dennoch handelt es sich um ein plumpes Bedienen von Ressentiments mit populistscher Absicht. Und das beim Thema Faschismus!

Es gibt ja in Berlin auch keinen Antikommunismus-Platz!

…Ihnen standen jene gegenüber, die nicht müde wurden, das Trauma der Annexion der deutschsprachigen Bevölkerung durch einen ergaunerten Sieg Italiens zu beschwören. Jeder, der vom unüberwindbaren Starrsinn gezeichnet war…

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2014%2F08%2F12%2Fa0105&cHash=38d4fb4e12f2f3b809c2e57c4017228b
(zitiert im Artikel über das Dokumentationszentrum Bozen)

Die Südtiroler Freiheit ist eine Partei die genau diese Teile der Gesellschaft rapräsentiert.

Die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland basiert vor allem darauf dass schonungslos die eigene Vergangenheit aufgearbeitet wurde. Niemand in Deutschland würde eine andere Ethnie oder Religion zur Aufarbeitung der Vergangenheit auffordern!

Du hast schon in gewissem Maße Recht und ich habe ja auch geschrieben, dass die STF jetzt nicht unbedingt die Glaubwürdigsten sind. Aber in den von mir kritisierten Kommentaren geht es eben nicht um die von dir zurecht beschriebenen Umstände. Dort greift eher das Argument, das pervasion so trefflich beschreibt.

Die deutsche Kompromisslosigkeit, die auch du beschreibst, hab ich hier bereits thematisiert: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=19764

Wie gesagt, in meinem Artikel geht es um die Reaktionen auf die Meldung über die STF-Aktion. Und die sind extrem undifferenziert und gehören nicht ins 21. Jahrhundert.

Niemand in Deutschland würde eine andere Ethnie oder Religion zur Aufarbeitung der Vergangenheit auffordern!

Ich würde nicht für ca. 80 Millionen Menschen die Hand ins Feuer legen :-)

Was der Geissen Pater sagt ist völliger Unsinn. Die Aufforderung der STF, die Vergangenheit aufzuarbeiten, ist nicht an eine Ethnie und schon gar nicht an eine Religion, sondern an eine Ideologie gerichtet. Die STF hat wiederholt ihr Engagement gegen den Nationalsozialismus bewiesen, sie hat die Eliminierung des Hakenkreuzes am Grenzstein am Brenner bewirkt, an der Aufdeckung der Fluchtroute der Nazis nach dem Krieg (Rattenlinie) aktiv mitgearbeitet, die Wurzeln des Antisemitismus in Tirol aufgezeigt, unter Jugendlichen eine Anti-Nazi-Kampagne gestartet usw. Da darf man wohl auch die Aufarbeitung des Faschismus fordern.

Die Aufarbeitung des Faschismus muss aus dem Inneren einer Gesellschaft kommen und nicht von einer Partei für politische Aktionen missbraucht werden. Entscheidend für die Aufarbeitung sind qualitativ hochwertige unabhängige Medien; vielleicht auch Impulse aus kirchlichen Kreisen
(Rattenlinien, Ausstellen von Ausweisen für NAzis, Unterbringung für mehrere Jahre, insgesamt Toleranz des FAschismus aus Angst vor Kommunismus).

Und ja es ist sehr wohl wichtig welche Partei, Partei gegen den Faschismus ergreift. Siehe dazu eine nicht vollständige Liste berühmter Antifaschisten:

– DDR
http://www.rosalux.de/news/38835/mythos-antifaschismus-die-ddr-und-ihr-verordnetes-erbe.html

– Ukraine:
die antifaschstischen Separatisten bezeichnen Kiew ebenfalls als Faschisten

#einen ähnlichen Mechanismus verwendet Berlusconi wenn er alle Richter als Kommunisten bezeichnet und sie so diskreditiert.

Die Aufarbeitung des Faschismus muss aus dem Inneren einer Gesellschaft kommen und nicht von einer Partei für politische Aktionen missbraucht werden.

naja – sowohl in deutschland als auch in österreich war die aufarbeitung mehr eine top-down, denn eine bottom-up geschichte. über jahre hinweg hat sich dort dann in großen teilen der bevölkerung eine ansicht etabliert, die einem “antifaschistischen grundkonsens” nahe kommt.
dass die stf in diesen dingen recht reißerisch agiert, ist evident. ob dies der sache zuträglich ist, darf bezweifelt werden.

Entscheidend für die Aufarbeitung sind qualitativ hochwertige unabhängige Medien; vielleicht auch Impulse aus kirchlichen Kreisen

stimmt. das wäre auch eine wichtige säule im aufarbeitungsprozess, von der bislang keine spur zu sehen ist.

Und ja es ist sehr wohl wichtig welche Partei, Partei gegen den Faschismus ergreift.

also ich würde schon sehr vorsichtig sein, parteien aus diktatorischen regimen und guerillagruppen aus kriegsgebieten mit einer demokratischen partei, die die stf ohne jeden zweifel ist, zu vergleichen.

die antifaschstischen Separatisten bezeichnen Kiew ebenfalls als Faschisten

wobei dieser vorwurf nicht einer gewissen grundlage entbehrt, da man “swoboda”, die einen stellvertreter des neuen regierungschefs stellen, durchaus als rechtsextrem mit faschistischen zügen bezeichnen kann.

generell ist das phänomen stf komplexer, als du es hier darstellst. während bei den freiheitlichen die einordnung relativ einfach ist, fällt sie bei der stf doch etwas schwerer, wenngleich viele sympathisanten von f und stf “austauschbar” wären. die stf ist eine single-issue-partei die in manchen sozialen fragen alles andere als konservativ oder rechts ist. ich hab das mal in einem artikel versucht zu beschreiben:

Das Begriffspaar “deutsch” und “rechts” ist historisch schwer belastet. Eine Betitelung von Freiheitlichen und Süd-Tiroler Freiheit mit “destra tedesca” verfehlt daher ihre Wirkung nicht; wenngleich die Freiheitlichen nach gängigen Kriterien tatsächlich eine rechtspopulistische Partei ähnlich der FPÖ sind. Bei der Süd-Tiroler Freiheit fällt die Zuordnung schon schwerer. Programmatisch ist sie bis auf den konservativen Heimatbegriff nicht notwendigerweise rechts. Ihre Exponenten äußern sich jedoch oft in rechtspopulistischer Manier, ihre Wahlwerbung ist alles andere als gemeinschaftsfördernd und ihre “Freundschaften” sind zweifelhafter Natur. Wenn sich Rechtsaußen wie H.C. Strache laut stol explizit über den Erfolg der Süd-Tiroler Freiheit freuen, muss die Frage erlaubt sein, ob sich die Bewegung mit den richtigen Leuten ins Boot gesetzt hat. Andererseits findet sich die Süd-Tiroler Freiheit auf europäischer Ebene im Verbund mit den Grünen in der EFA (European Free Alliance) wieder. Diese besteht vor allem aus Linksparteien und bekennt sich in der Brüsseler Deklaration und der Bilbao Deklaration unter anderem zur erleichterten Einbürgerung von Migranten und zum Wahlrecht für Ausländer. Positionen, die die Süd-Tiroler Freiheit offenbar mittragen muss, denn sonst wären sie – wie die Union für Südtirol – wohl ausgeschlossen worden. Diese hat nämlich ihre Zustimmung zur Bilbao Deklaration verweigert. Zudem ist die Süd-Tiroler Freiheit laut wahllokal.it – im Gegensatz zu den Freiheitlichen und allen italienischen Rechtsparteien – für die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und dass Sozialleistungen nicht nur Einheimischen vorbehalten bleiben. Nicht gerade typisch rechte Positionen.

Wo bitte ist da die Mitte?

Die Erinnerung an den Mauerbau und das Gedenken an die Opfer der Teilung unseres Landes und unserer Stadt sind eine Zukunftsaufgabe

Wer erinnert sich denn bitte an den “Antifaschistischen Schutzwall” und die Toten und Verwundeten? Um ehrlich zu sein, fast niemand. Und wenn es der Fall ist, wird gleich eingewendet, dass die Nazis weit mehr Opfer zu verantworten haben. Nach dieser Logik dürfte es heute weltweit kein Strafgesetzbuch mehr geben.

Durch die Nürnberger Prozesse wurden die Deutschen gezwungen den Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Das ist ihnen von den Amerikanern aufgezwungen worden. Ich denke nicht, dass die Deutschen ohne diesen Anstoss von Aussen, ihre Vergangenheit so aufgearbeitet hätten, wie sie es getan haben und immer noch tun. Diese in der Geschichte beispielhafte Aufarbeitung ist nicht zuletzt durch die deutsche Gründlichkeit so Erfolgreich. Österreich ist nur indirekt durch die Nürnberger Prozesse betroffen und deshalb hat die Aufarbeitung nur in geschwächter Form stattgefunden. In Italien aber, hat es leider keinen Druck von aussen gegeben den Faschismus aufzuarbeiten, da dürfen faschistische “Denkmäler” stehen bleiben. Gibt es überhaupt dezidierte Denkmäler gegen den Faschismus in I?
Angesichts dieser Tatsache bräuchte es mehrere Parteien wie die FTS, die den Finger in die Wunde der italienischen Vergangenheit legen. Die FTS ist leider zu klein, um italienweit einen Anstoss auszulösen und die Italiener sind wohl auch zu bequem um sich mit ihrer dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Möchte noch hinzufügen, die Italiener meiden eine solche öffentliche Aufarbeitung da die Gefahr besteht:
– als Mittäter der Nationalsozialisten dazustehen
– Unrecht das bis zum heutigen Tag besteht einzugestehen
– Reparationen (nicht nur Materieller Art) leisten zu müssen
Das macht man natürlich nicht freiwillig.

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