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Europa der Regionen im Netz — ohne uns.

Seit Jahren macht darauf aufmerksam, dass Südtirol eine europa- und weltweite Entwicklung verschläft, wenn es darum geht, ein eigenes territoriales Internetsuffix zu erlangen. Den Anfang hatte — wie so oft — Katalonien (.cat) gemacht, als es offiziell noch gar nicht möglich war, die Zuweisung eines territorialen Suffixes unterhalb der staatlichen Ebene zu erreichen.

In der Folge änderte sich diese Praxis der internationalen Zulassungsstelle ICANN, weshalb inzwischen eine Fülle regionaler Endungen entstanden ist. Naturgemäß waren es vor allem autonome Regionen, die aufgrund ihres Eigenständigkeitsanspruchs als erste ein eigenes Suffix beantragten. Wenn schon (noch) nicht in der realen Welt, so sind sie nun wenigstens im virtuellen Raum als eigenständige Territorien wahrnehmbar.

Ein Blick ins Internet bestätigt, dass auch die offiziellen Institutionen der betreffenden Länder von den regionalen Endungen Gebrauch machen:

Einige autonome Regionen und Gebiete haben sogar Top-Level-Domains (ccTLD), die nur aus zwei Buchstaben bestehen — obschon solche in der Regel souveränen Staaten vorbehalten sind, so etwa:

Demnächst werden sich in unserer Nähe auch das Bundesland Tirol (über die .tirol-Endung) und Bayern (.bayern) mit eigenen TLDs präsentieren. Während das Europa der Regionen also wenigstens im Internet immer mehr zur Wirklichkeit wird, schläft Südtirol weiterhin seinen Dornröschenschlaf. Die zuständige Landesrätin hat vor wenigen Monaten gar behauptet, dass Südtirol nicht für die Änderung seiner eigenen Webdomain zuständig sei — an der kryptischen Adresse provinz.bz.it kommt ihrer Meinung nach also zumindest das Land nicht vorbei. Na dann: Prost Vorzeigeautonomie.

Siehe auch:

Außendarstellung Comparatio Föderal+Regional Tech&Com Vorzeigeautonomie Zuständigkeiten | | | | Åland Baskenland-Euskadi Bayern Breizh-Bretagne Catalunya Galiza Scotland-Alba Südtirol/o | | Deutsch

43 replies on “Europa der Regionen im Netz — ohne uns.”

Historische Ortsnamen aufzugeben, weil dies angeblich (!) der Vermarktung dient, ist in Südtirol kein Problem. Sich auf die Hinterbeine zu stellen, um eine eigene Endung zu erhalten, die einer eigenständigen und wahrnehmbaren Außendarstellung als eigene »Marke« dienlich wäre, ist hingegen schon zuviel konzeptionelle Arbeit… das kriegt das offizielle Südtirol offenbar nicht hin.

… wie wär´s mit tirol.o.s ? … damit ist auch Tirol der Italienischsprachigen T, sowie der hinweis auf Süd/sud gegeben. – Und Tirol an erster Stelle deutet „nebenbei“ hin, dass die Wiege des Landes -Schloss/(Dorf)Tirol und Meran sind!

Unter dem verlinkten Thread wurde von anonym schon jener Grund genannt, der auch mir am wahrscheinlichsten erscheint:

Ich glaube nicht, dass der Staat diese Adressen vorschreibt. Ich glaube viel eher das Land versteckt sich hinter solchen Aussagen um nicht selbst tätig werden zu müssen und um keine Provokationen auszulösen.
Der vorauseilende Gehorsam lässt grüssen.

Was soll man auch machen?

.st
kränkt die Italiener (zumindest würde die Zeitung AA liebend gerne mithelfen sie gekränkt zu machen).
.aa
wäre natürlich der Favorit von Alberto Faustini. Da kann man aber auch gleich .it nehmen, wo ist der Unterschied…
.bz Der Karibik zu ehren und natürlich der Haupstadt. Würde jedoch in Zukunft eher als Benko Zentrum aufgefasst werden. Außerdem teurer als andere Endungen.
.eu
Hat sich die SVP auch schon gedacht und von svpartei.org auf svp.eu umgesattelt. Auch bbd ist dabei. Endung kostet aktuell 1€. Nur: Wer versteht etwas unter provinz.eu? Wäre dann vielleicht provinzbozen.eu oder so etwas.
.stirol
Als Anhängsel der .tirol Endung. Kann bei belieben auch als „Schönes Tirol“ oder eben, ganz banal als „Südtirol“ gesehen werden. Da wir uns aber seit Jahrzehnten lieber als Anhängsel des italienischen Staates sehen als einer österreichischen Provinz, würde auch diese Lösung wenige zufrieden stellen. Siehe: „Wos a Tiroulr? I bina Sittiroulr! Hel isch gontz wos ondrs!“
.staa
Kombination aus Südtirol und Alto Adige. Den Tiroler Altlandeshauptmann würd’s freuen.

Langer Rede kurzer Sinn, bezüglich authentischer und nicht im vorauseilenden Gehorsam prostituierender Außendarstellung, bringt das offizielle Südtirol ziemlich wenig auf die Reihe.

Nicht zu vergessen, die autonome Verwaltung von Cymru/Wales, die es erst seit 1999 gibt: http://www.assembly.wales

Die Kenntnis der dt. Sprache sollte genügen, um diesen flämischen Artikel zu verstehen: http://www.hln.be/hln/nl/4125/Internet/article/detail/1681547/2013/08/05/Nieuwe-extensie-vlaanderen-krijgt-groen-licht.dhtml

Dass es auch kleinere Gebietseinheiten mit vergleichsweise wenigen Einwohnern schaffen können, beweisen
Ellan Vannin/Isle of Man: http://www.gov.im
à…land: http://www.aland.ax

Ich wusste gar nicht, dass es .cymru als Domäne gibt. Danke für die Ergänzung meinerseits!

Beschlussantrag Nr. 194/14-XV der SÜD-TIROLER FREIHEIT zur Änderung der Internet-Domains des Landes wurde am 5.11.14 mit 7 ja und 20 Gegenstimmen leider abgelehnt. Siehe auch den Werdegang des Aktes auf der HP des Landtages.

Non l’ho capita bene… chiedevate di cambiare solo l’url del sito ufficiale della provincia o di regstrare un suffisso provinciale?
Son due cose diverse e non necessariamente legate. Per assurdo se proprio ci tengono, si potrebbe mantenere „provinz.bz.it“ a fianco di siti come „info.stirol“ o „vog.stirol“…
Se sia meglio .st o .stirol è una domanda legittima: .stirol sarebbe più simile a .tirol e darebbe un senso di affinità , che piacerebbe a molti. E‘ anche più chiaro e gradevole.
D’altra parte .st è più corto ed immediato (cosa che su internet ha una certa importanza) ed è più facile leggerci dentro anche „sudtirolo“ oltre a „südtirol“, che nel caso di .stirol pare più difficile.
Quanto all’aa di mister Faustini e dei suoi amici disagiati… se per loro siamo in Italia, non vedo perchè debbano curarsi del suffisso provinciale: immagino che .it sia la scelta migliore per loro.

Perchè non provate a proporre una legge per registrare un suffisso provinciale, indipendentemente dal nome del dominio del sito della provincia? Sarà  poi la gente a scegliere se usarlo o meno sui siti privati o commerciali…

I suffissi a due lettere sono riservati, in principio, agli stati… anche se à…land, Groenlandia et al. ci insegnano che non è proprio così. Ad ogni modo penso che un suffisso debba poter essere interpretato come «South Tyrol» per poter tagliare la testa al Fau toro.

Hier ging es nur darum, die URL der Landesregierung von .it auf .eu bzw. .tirol ändern zu lassen. Der Ursprungspost forderte aber die Schaffung eines neuen, südtirolspezifischen Suffixes. Was mich persönlich freuen würde, da ja, wie fabivS schon erwähnte, jeder jenes Suffix wählen könnte, welches ihm gefällt. .staa würde mir persönlich schon mal nicht schlecht gefallen, unabhängig vom Herwig ;)
Andererseits würde die Existenz eines südtirolspezifischen Suffixes dazu zwingen, Farbe zu bekennen, weswegen wir wohl auch in Zukunft nicht mit der Einführung eines solchen zu rechnen brauchen werden…ist doch viel angenehmer, wenn nur ein alternativloses .it existiert.

Eigentlich bin ich gegen die Zweckentfremdung von cc-TLDs (country-code-top-level-domains)… aber es gibt bereits Präzedenzfälle:

Es gib Kleinstaaten (Inselstaaten), die vom Untergang bedroht sind und kaum Nutzen für die eigene TLD haben und sie daher „verkauft“ haben.
So hat Tuvalu (ca. 11.000 Einwohner) die Endung .tv an eine Tochterfirma von Verisign übergeben, die diese TLD der breiten Masse anbietet. Tuvalu bekam dafür 50 Mio US$ aufgeteilt auf 12 Jahre.
Auch .cc (eigentlich für die Cocos-Inseln vorgesehen – nur 600 Einwohner) wird von Verisign verwaltet und unter anderem von Nord-Cypern genutzt.

Ähnlich könnte man sich informieren, ob Sà£o Tomé und Prà­ncipe bereit wäre ihre ccTLD .st zu verkaufen. .st wäre die ideale ccTLD, gleichermaßen für SüdTirol, SudTirolo oder SouthTyrol. ST&P besteht nur aus zwei Inseln, hat nur 106.000 Einwohner und deren BIP ist nur ein hundertstel von dem von Südtirol. Einen Versuch wärs Wert!

… unterirdisch.

ST&P besteht nur aus zwei Inseln, hat nur 106.000 Einwohner und deren BIP ist nur ein hundertstel von dem von Südtirol. Einen Versuch wärs Wert!

ja genau, leisten wir ein wenig Entwicklungshilfe und kaufen den Negern ihre Internet-Identität ab. Dann haben die zwar unser Problem, aber hey, selbst schuld. /rant

Ich ersuche darum, rassistische Äußerungen wie die von m.gruber („Neger“) nicht zu veröffentlichen.

Meine ich auch, aber ich fürchte, Herr Staffler hat die Ironie schon begriffen und wollte trotzdem den Kommentar verschwinden lassen. :(

ja genau, leisten wir ein wenig Entwicklungshilfe und kaufen den Negern ihre Internet-Identität ab. Dann haben die zwar unser Problem, aber hey, selbst schuld.

Ein solches Vorgehen wäre selbstverständlich äußerst problematisch und ich bin auch gar nicht der Meinung, dass dies nötig wäre, wenn sich unsere Landesregierung auf die Hinterbeine stellen würde.

Trotzdem gibt es zumindest die theoretische Möglichkeit, dass sich der Verkauf bzw. die Zweckentfremdung einer cc-TLD positiv auswirkt. Ich zitiere aus Wikipedia:

Eine […] fremdgenutzte ccTLD ist .tv des Staates Tuvalu, die als Television vermarktet wird. Dazu wurde ein eigenes Unternehmen DotTV gegründet, das die Domain vermarktet und an dem der Staat Tuvalu Miteigentümer ist. Dieser Coup brachte dem Zwergstaat 50 Mio. US-Dollar ein, die in jährlichen Raten von 5 Mio. Dollar bezahlt werden. Tuvalu würdigt den Domainverkauf sogar mit einer eigenen Briefmarke. Tuvalus Regierung beschaffte von dem Geld IT-Infrastruktur für die wichtigsten staatlichen Einrichtungen und entrichtete die Aufnahmegebühr für die Vereinten Nationen.

Jetzt mal ein gänzlich anderer Gedanke: wer ist eigentlich berechtigt, eine TLD zu beantragen? Und wie muss ein Bezug zum Antragsteller aussehen?
Jetzt mal vor sich hingedacht: könnte auch eine Gemeinde das beantragen? Und z.B. St.Christina die Schaffung von .staa beantragen?
Ich geh mal davon aus, dass Firmen oder Vereine die Schaffung nicht beantragen können…

Any established public or private organization that meets eligibility requirements anywhere in the world can apply to create and operate a new gTLD Registry. Applicants will need to demonstrate the operational, technical and financial capability to run a registry and comply with additional specific requirements.

so wie ich die papiere der icann verstehe kann das grundsätzlich jeder … für gtlds (3buchstaben). jeder kann einen Antrag stellen. allerdings gibt es dafür fristen. die letzte frist war 2012 und 2015 wurden 500+ neue tlds abgesegnet. siehe homepage der icann. die haben dort ein papier/faq, das den prozess und die anforderungen beschreibt. wann die nächste registrirungsmöglichkeit besteht konnte ich auf die schnelle nicht rausfinden.

Ui, dann kann ja BBD auch so eine gTLD registrieren lassen ;) Jetzt bräuchte es noch technisches Know-How und vor allem Kohle. Wie wärs mit einem Crowdfunding-Aufruf? Oder vllt. findet sich ja ein patriotischer Unternehmer/Gönner? Und man müsste sich darauf einigen, welche Endung man registrieren lassen möchte.

Mander und Manderinen, es isch Zeit…

What? Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars.

Andere Regionen haben da offensichtlich geringere Berührungsängste als die Vorzeigeautonomie… Andreas Pöder wurde hierzulande für seinen Rückgriff auf .st sogar medial verarscht. Es war gar von einem Fettnäpfchen die Rede.

Bayern vermarktet sich (zumindest bis .bayern verfügbar ist) touristisch auch mit http://www.bayern.by, obwohl .by strenggenommen für Weißrussland steht. Eine öffentliche Institution in Südtirol würde es wohl nicht wagen, eine .st-Adresse zu benutzen (obwohl wir ja die ach so autonomen sind).

Ich habe in Errinnerung, dass diese Verarsche durchaus zurecht erfolgte, da Pöder versuchte die Endung .st „patiotrisch-ideologisch“ zu Vereinnahmen und damit lieferte er natürlich eine Steilvorlage. Es wurde zurecht darauf verwiesen, dass .st einem afrikanischen Inselstaat gehört und deshalb eine Identifikation auf dieser Ebene durchaus kritisiert werden darf.

Die Domain .st hätte auch für mich nur oberflächlichen Wert.

Ist aber, wie gesagt, nur eine Erinnerung.

The dotScot domain name will be a great boost in promoting Scotland around the globe.

— Alex Salmond

It is entirely right that Scotland should have its own distinctive and recognisable Internet domain, in particular one that will resonate internationally, helping to promote Scottish business and culture throughout the world.

— Nicola Sturgeon (Scottish First Minister)

Südtirol kann wohl auf »promoting business and culture« verzichten. Stattdessen widmen wir uns der Suchmaschinenoptimierung mit Tolomei

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