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Hauptunterrichtssprache Ladinisch.
Quotation 237

59,0% der Ladiner stehen der Immersion sehr positiv gegenüber. Sie bewerten diesen Punkt aus eigener Erfahrung, da in den Schulen der ladinischen Täler neben Ladinisch als Hauptunterrichtssprache einige Fächer auf Italienisch und einige auf Deutsch unterrichtet werden.

— Astat Sprachbarometer 2014, S. 66

Da ist das Landesstatistikinstitut aber falsch informiert: Es gibt in den Schulen der ladinischen Täler kein »Ladinisch als Hauptunterrichtssprache«. In der Regel werden 1-2 Wochenstunden im jeweiligen Talidiom unterrichtet, alles andere findet — statistisch belegbar — auf Deutsch, Italienisch und Englisch statt. Hoffentlich ist der hier zitierte Passus nicht repräsentativ für die Sorgfalt bei der Erstellung des Sprachbarometers.

Ein Seitenhieb noch sei mir gestattet: Vielleicht will man uns aber auch nur auf die flächendeckende Einführung der Immersion vorbereiten, mit ähnlichen Ergebnissen wie an der Uni Bozen. Dann wird es möglicherweise auch eine Hauptunterrichtssprache Deutsch (mit ebenfalls 1-2 Wochenstunden) geben.

Siehe: 1/

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23 replies on “Hauptunterrichtssprache Ladinisch.
Quotation 237

Hier ein Update zur Situation an der FUB: http://unibz.it/de/prospective/prog/default.html
Alle Bachelorstudiengänge an der FUB sind dreisprachig.
Dieser Grundsatz gilt auch für die meisten der regulären Masterstudiengänge. Eine Ausnahme bildet, aus den bekannten Gründen, die jeweils einsprachige Ausbildung für KindergärtnerInnen und GrundschullehrerInnen auf Ladinisch, Italienisch und Deutsch. Wenn Masterstudiengänge einsprachig sind, dann Englisch.
Die Unterrichtssprache der Doktoratsstudiengänge ist Englisch, mit Ausnahme eines Doktoratsstudiengangs, der dreisprachig ist.
Aktuell wird an der FUB nur ein weiterbildender Masterstudiengang ausschließlich auf Englisch und Italienisch angeboten, der ein Kooperationsprojekt mit einem lokalen Akteur im entsprechenden Fachgebiet ist. Ich gehe davon aus, dass eine Marktrecherche, wie bei solchen Angeboten üblich, ergeben hat, dass der Bedarf für dieses Weiterbildungsangebot (das nicht Teil des Regelbetriebs der Universität ist) vorwiegend im italienischsprachigen Raum zu finden ist.
Vor kurzem wurde übrigens ein Masterstudiengang der Grundstufe abgeschlossen, der ausschließlich auf Deutsch angeboten wurde (http://unibz.it/de/education/progs/masterfirstlevel/masterpsychosocialhealth/default.html).

Ich denke, das tut dem Anspruch, sich im Spannungsfeld zwischen lokaler Verankerung und internationaler Ausrichtung zu bewegen, durchaus Genüge.

Alle Bachelorstudiengänge an der FUB sind dreisprachig.
Dieser Grundsatz gilt auch für die meisten der regulären Masterstudiengänge.

Das ist mir schon klar. Aber dreisprachig an der Uni Bozen könnte auch heißen: 2 Veranstaltungen auf Deutsch, 10 auf Italienisch und 4 auf Englisch. Über den Missstand, dass das Deutsche stark unterrepräsentiert sei, haben ja nicht nur wir uns beschwert, sondern vor allem die Studenten an der Uni Bozen selbst.

Diese Frage lässt sich beantworten, einfach die curricula der Studiengänge anschauen und die Sprache der LV ist dann immer angegeben. Bei den für mich interessanten Studiengängen wirkte es sehr ausgewogen.

Ich habe jetzt keine Erhebung zur Prüfungssprache (denn diese wird bindend festgelegt) aller Veranstaltungen aller Studiengänge der FUB gemacht.
Exemplarisch sei aus dem Studienmanifest für Sozialarbeit zitiert:

Unterrichtssprachen
Die Unterrichtssprachen sind Deutsch, Italienisch und Englisch. Die Lehrveranstaltungen werden jeweils in einer der drei offiziellen Sprachen abgehalten, wobei der Dozent die Möglichkeit hat, Teile davon in den beiden anderen Sprachen abzuhalten. Die Prüfung wird jedoch in der offiziellen Sprache der Lehrveranstaltung abgehalten.

Das ist gängige Praxis und macht es nochmals schwieriger zu sagen, ob eine Veranstaltung “deutsch”, “italienisch” oder “englisch” ist. Und selbst die von dir zitierten Studierenden differenzieren zwischen unterschiedlichen Studiengängen. Abgesehen davon, dass es bei Klagen dieser Art nicht selten um subjektive Wahrnehmungen oder eben Verallgemeinerungen geht.
Außerdem stellt sich die Frage, was “unterrepräsentiert” im Kontext eines Universitätsstudiums bedeutet. Was wäre denn in diesem Fall, wo es nicht um die Pflichtschule geht, eine sinnvolle Bezugsgröße?

@libertè
Dann hättest du jetzt ja einen Grund weniger, dieses Land zu verlassen, richtig ;-)?

Man kann freilich alles zerreden… alles könnte fast immer »subjektiv« und »verallgemeinernd« sein, natürlich. Aber alle Indizien (!), die mir vorliegen, deuten in dieselbe Richtung. Zum Beispiel:

  • Die oben zitierte Einschätzung der Studierenden.
  • Die sprachliche Verteilung und Verfügbarkeit universitärer Publikationen (insgesamt, wiewohl auch hier je nach Fakultät mehr oder minder ausgewogen).
  • Berichte von Bekannten darüber, dass »englische« Veranstaltungen häufig von italienischen Professoren abgehalten werden, die dann ziemlich regelmäßig auf Wunsch italienischer Studierender — und aufgrund der von dir weiter oben zitierten Regelung — einfach auf Italienisch stattfinden.
  • Die Schilderungen einer Tourismusmanagement-Studentin am Sitz in Bruneck (gegenüber Wolfgang), die aufgrund einer eigenen Berechnung festgestellt hat, dass sie während ihres Studiums im Durchschnitt zwei Veranstaltungen hatte, die tatsächlich auf Deutsch stattfanden.
  • Schilderungen von Bekannten (PflegehelferInnen), die von ähnlichen Zuständen an der Claudiana berichten.

Und wahrscheinlich noch mehr, wenn ich ein bisschen länger nachdenken würde. Mir/uns fehlen freilich die zeitlichen und personellen Ressourcen, um diesen Indizien nachzugehen, weshalb ich mich mit Aussagen hierzu sehr zurückhalte (der Kerninhalt des obigen Artikels war ja nicht das Sprachenverhältnis an der Uni: das war nur ein Nebensatz in einem — als solchem gekennzeichneten — »Seitenhieb«).

Meines Wissens hatte aber die Uni Bozen den damaligen Beschwerden der Studierenden nicht wirklich viel Objektives und nicht Verallgemeinerndes entgegenzusetzen… oder?

Über die »sinnvolle Bezugsgröße« ließe sich freilich streiten, für mich persönlich wäre ein Mindestmaß an 25% der Vorlesungen pro Sprache sinnvoll… wobei dann die übrigen 25% im besten Fall nicht von einer Sprache allein (egal welche) »aufgefressen« werden sollten.

Was heißt hier zerreden? Du kannst gern “Indizien” anführen, ich frag mich allerdings, ob deine Indizien gewichtiger sind, als jene, die ich angeführt habe?

Die geschilderten Innenperspektiven der euch bekannten Studierenden haben ihre Legitimität. Genauso viel oder wenig, wie die Innenperspektive anderer. Die ich nicht genannt habe, weil sie wenig zur Klärung beitragen. Sie haben nämlich nur dann einen Sinn, wenn sie in einen Diskurs eingebunden werden.

Es war vielmehr der Versuch, anhand der auf die Schnelle verfügbaren nachprüfbaren Daten, das Bild zu ergänzen und darzulegen, dass ich an der FUB keine schleichende “Italianisierung” ausmachen kann.

Und wenn Seitenhiebe einfach hingenommen werden müssen und ein Eingehen darauf hingegen bedeutet, alles zu zerreden, dann sag’s bitte gleich.

Seitenhiebe müssen gar nicht hingenommen werden. Was ich damit sagen wollte: Sieh, wir können den Indizien (derzeit) aufgrund mangelnder Ressourcen nicht nachgehen, weshalb wir darauf verzichten, dieses Problem breiter — breiter als im Nebensatz eines Seitenhiebs — zu thematisieren. Wir haben es nur für jene Teilbereiche thematisiert, wo uns etwas Konkretes vorlag… und das waren einmal die ohne großen Aufwand nachzählbaren Publikationen und die Aussagen der Studierenden (denen die Uni meines Wissens nichts Objektives, nicht Verallgemeinerndes entgegengesetzt hatte).

(…) und das waren einmal die ohne großen Aufwand nachzählbaren Publikationen (…)

Dieses Indiz ist noch schwerwiegender, als du gedacht hattest. Die von bupress herausgegebenen Publikationen machen einen verschwindend kleinen Anteil aller Veröffentlichungen FUBscher WissenschaftlerInnen aus. Und ein Großteil der Publikationen die wirklich zählen, sind im Web of Science zu finden. Fast ausschließlich auf Englisch.

(…) und die Aussagen der Studierenden (denen die Uni meines Wissens nichts Objektives, nicht Verallgemeinerndes entgegengesetzt hatte).

Richtig. Wenn du googelst, dann wirst du nichts dazu finden.

Fast ausschließlich auf Englisch.

Naja Englisch ist nunmal die lingua franca der Wissenschaft… obwohl man auch das hinterfragen darf*, ist es hier nicht wirklich Thema; denn in unserer Erhebung der Gleichberechtigung der Landessprachen ist Englisch gewissermaßen neutral.

Richtig. Wenn du googelst, dann wirst du nichts dazu finden.

Wenn das ironisch gemeint hast… was finde ich, wenn ich google? Kann ja sein,dass ich das nicht so gut kann, wie du.

*) die Generalitat fördert die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten auf Katalanisch mit Zuschüssen

Nachtrag: die Regelung zur sprachlichen Aufteilung der Vorlesungen ist übrigens jene, dass diese über die drei bzw. zwei Studienjahre insgesamt jeweils zu einem Drittel auf Deutsch/Italienisch/Englisch gehalten werden müssen. Spielräume gibt es lediglich, wenn Vertragsdozenten beschäftigt werden müssen, Ausschreibungen leer ausgehen und ein Fach in der vorgesehenen Sprache nicht zugewiesen werden kann.

Naja Englisch ist nunmal die lingua franca der Wissenschaft… obwohl man auch das hinterfragen darf, ist es hier nicht wirklich Thema; denn in unserer Erhebung der Gleichberechtigung der Landessprachen ist Englisch gewissermaßen neutral.

Wenn die Sprache der Publikationen nicht Thema ist, dann brauchst du sie auch nicht als Indiz anführen.

Du findest nichts, wenn du googelst. Schreib ich ja. Allerdings heißt das nicht, dass damit allein die Realität abgebildet wäre.

(…) *) die Generalitat fördert die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten auf Katalanisch mit Zuschüssen

Schön! Auch FUBsche WissenschaftlerInnen publizieren auf Deutsch. Ganz ohne Förderung.

Auch FUBsche WissenschaftlerInnen publizieren… Ganz ohne Förderung.

Machen katalanische WissenschaftlerInnen wahrscheinlich auch. Das mit der Förderung habe ich bzgl. »Hinterfragung« des Englischen als lingua franca geschrieben — denn die Förderung hat ja das Ziel, aktiv gegenzulenken. Gibt es auch FUBsche WissenschaftlerInnen, die auf Ladinisch publizieren?

Das habe ich aber nicht wirklich gesagt.

Stimmt, da hab’ ich nicht gründlich genug gelesen.

Gibt es auch FUBsche WissenschaftlerInnen, die auf Ladinisch publizieren?

Ja, solltest du wissen, wenn du dir di bupress so genau angesehen hast. Scripta Ladina Brixinensia heißt die Reihe, in der auch auf Ladinisch publiziert wird.
Es gibt übrigens auch Professoren, die ihr CV dreisprachig ins Netz gestellt haben. LAD/DT/IT.

Die Sinnhaftigkeit nur auf Ladinisch zu publizieren darf doch hinterfragt werden, oder geht es beim publizieren nicht darum gelesen zu werden?

Stimmt. Deshalb wird richtigerweise auch nicht grad exzessiv auf Ladinisch publiziert. Vor allem wenn es um wissenschaftliche Literatur geht. Aber es wird im Sinne des Erhalts dieser Sprache publiziert. Und das ist gut so.

Bei solch sensiblen Sachen bedarf es unbedingt einer Volksabstimmung. Denn solche Sprachexperimente dienen nur dazu, die Muttersprache nach und nach zu verdrängen. So wie in Aosta, wo ein sprachlicher Völkermord durchgeführt wurde. Aber natürlich ist das ganz im Sinne der SVPGRÜNEPDusw.

Mir ist kein besserer Ausdruck für »sprachlichen Völkermord« eingefallen. Mir ist klar, dass das ziemlich provokant ist, aber auch die Wahrheit.

Auch ich habe in mehreren persönlichen Gesprächen gehört, dass bei den Unterrichtssprachen an der Uni Bozen, die italienische und englische Sprache vielleicht nicht auf dem Papier, aber de facto überwiegt.
Aber schauen wir einmal die Situation an den Grundschulen an. Vor einigen Jahren fand an den Südtiroler Grund- und Mittelschulen eine Schulreform statt, anscheinend als Umsetzung des sog. Moratti Gesetzes. Im Zuge dessen wurde gegen den Willen der gesamten Lehrerschaft an den (deutschen!) Grund- und Mittelschulen einige Unterrichtsstunden aus dem Kernunterricht herausgenommen und als sog. Wahlpflichtfach (Pflichtquote) eingeführt. In diesen Stunden müssen Kinder verpflichtend an verschiedenen Angeboten teilnehmen, die die Schule festlegt, die aber beliebig und nicht curriucular sind und auch extra bewertet werden. Diese Stunden wurden aber vom Deutsch- und Sachunterricht (Geschichte Geographie , Naturkunde) abgezweigt. Nahezu gleichzeitig wurde auch der Englischunterricht in der Oberstufe der Grundschule eingeführt, wobei da aber eine Wochenstunde dazukam. Nun haben wir die Situation, dass es laut dem Stundenplan der Rahmenrichtlinien in der Oberstufe (4. und 5. Kl.) der Grundschule MEHR verpflichtende Italienischstunden als verpflichtende Deutschstunden (Deutsch als Fach) gibt. Auf Proteste der Lehrpersonen antworteten Vertreter des Schulamtes, dass die Schüler ja in anderen Fächern mit der deutschen Sprache in Kontakt kämen, was darüber Auskunft gibt, dass man im Schulamt nicht einmal den Unterschied zwischen Deutsch als Sprache und Deutsch als Fach versteht. Auch der Hinweis, dass in der Unterstufe ja mehr Deutschstunden vorhanden wären wirkt naiv, da jeder weiß dass dort die Deutschstunden zum Großteil zur Erlernung der Grundfertigkeiten wie Lesen und Schreiben, die allen Fächern zugute kommen, verwendet werden. Insgesamt ist zu sagen, dass die Deutschstunden in der DEUTSCHEN Grundschule abgenommen, die der Italienischstunden (1.Kl.) zugenommen haben. Da ein Teil der Stunden der sog. außercurricularen Pflichtquote durch Schulratsbeschluss zukünftig auch den außerschulischen Vereinen und der Musikschule zukommen können, kann man verkürzt sagen: Die Deutschstunden wandern von der Schule in die Vereine. Das ist die Politik, die in Südtirol gemacht wird.

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