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Finger weg!

Italia.

Dass sich Südtirol selbständig vermarktet, hat nicht nur politische Gründe, sondern ab sofort auch handfeste Vorteile in Punkto Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Während uns zentralistisch organisierte Parteien ein Tourismuslogo aufzwingen wollen, das marketingpolitisch keinen Sinn macht — und dabei gleichzeitig einen Rückschritt im Zusammenleben darstellt (A. Adige statt endlich Sudtirolo) — zeigen sie uns aus Rom wie man es »besser« macht. Und setzen für ein neues staatliches Tourismusportal eine Summe in den Sand, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Sage und schreibe 45 Mio. Euro! Fünfundvierzig Millionen. Das ist ein Betrag, den die beste Webseite der Welt nicht rechtfertigen könnte – doch hier wurden zudem Nägel gemacht, die in ihrer Form nicht einmal als solche zu erkennen sind. Wahrlich das Land der Superlative.

Nach der Vorstellung von italia.it mit seinem neuen, potthässlichen Tourismuslogo (vulgo »die Gurke«) durch Minister Rutelli, haben italienische Bürger den sehr aufschlussreichen Blog »Scandaloitaliano« in Betrieb genommen. Dort wird u.a. in mühevoller Kleinarbeit eine Auflistung der zahllosen technischen und inhaltlichen Fehler versucht, die sich das überbezahlte Portal erlaubt. Einer davon: Die SMG existiert auch Wochen nach Inbetriebnahme von italia.it nicht. Mit der Region »Trentino Alto Adige« (großteils auch im Deutschen, Frau Gnecchi) ist lediglich die Seite www.trentino.to verlinkt. Irgendwie besser, denn so sehen die spärlichen und unübersichtlichen Informationen zu »unserer« Region aus:

Wo liegt das
Es handelt sich um die nördlichste Region Italiens an den Grenzen von Schweiz und Österreich.

Das Gebiet
Die Landschaft ist ein Wechselspiel von Bergen und Tälern. Hier entspringt der Adige, der zweite Hauptfluss Italiens.

Achso, immer wieder dieser Adige.

Im Archäologischen Museum Südtirols in Bozen können Sie unter einer Myriade von Statuen, Fundstücken, Waffen und Schmuckstücken, welche die lokale Geschichte vom Paläolithikum und Mesolithikum bis zur Karolingerzeit belegen, vor allem die “Bekanntschaft” von Ötzi machen.

Was ist das für ein Satz? Und was bitte ist eine Myriade?

Was gibt es zu sehen
Wer keine typischen Klischees mag, für den ist Südtirol das ideale Reiseziel.

[…]

Natürlich dürfen in den Dolomiten die Bergseen (es gibt 297 eingetragene Seen) nicht fehlen: diese reichen vom Gardasee bis zum Molveno See und den Seen von Caldonazzo, Levico, Ledro und Prags.

Ja, der Gardasee liegt bekanntlich in den Dolomiten. Und was unterscheidet eingetragene von nicht eingetragenen Seen?

In Bezug auf Orangenblüten (normalerweise jeden zweiten Sonntag im Januar) findet in Kastelruth alljährlich eine Bauernhochzeit statt, eine Erinnerungszeremonie, welche das auf der Hochebene übliche Brauchtum seit den 70er Jahren aufleben lässt.

Was bitte bedeutet dieser Satz? Kann Brauchtum unüblich sein? Und blühen die berühmten Kastelruther Orangen nur jeden zweiten Sonntag, dafür aber schon im Jänner?

Für besonders Neugierige gibt es im August in Longariù (Bozen) das Mühlenfest mit ladinischen Spezialitäten und der Besichtigung der noch aktiven Mühlen, während die Feinschmecker am Speckfest in Bozen (im Mai) teilnehmen können. Dann werden noch die Tage des Sterzinger Joghurts (im Juli) veranstaltet.

Die Chronologie stimmt da wohl nicht ganz. Und Longariù (ladinisch Lungiarü, italienisch Longiarù, deutsch Campill) gibt es gar nicht.

Werbeträger
Der Extremsportler und Bergsteiger Reinhold Messner und der Olympiasieger im Alpenski Gustav Thöni wurden in dieser Region geboren. Doch auch andere historische Persönlichkeiten hielten sich hier auf. Zu diesen zählen die Söldnerführer Maximilian I von Österreich, Napoleon Bonaparte und Vittorio Emanuele III.

Alpenski? Werbeträger Napoleon? Wo hat der sich denn aufgehalten? Naja.

Zimmer mit Ausblick
Es gibt unterschiedliche Arten, den Urlaub in Trentino- Südtirol zu genießen. Doch die originellste Art besteht in einem Urlaub auf dem Bauernhof: Typische Holzhäuser mit stark abfallenden Dächern, die einen an den Hof von Heidis Großvater erinnern. Hier können Sie herrlich entspannen und sich von der ehrlichen Gastlichkeit der Hausbesitzer verwöhnen oder einer alpinen Wellnessbehandlung “verzaubern” lassen. Zudem kommen Sie hier in den Genuss von traditionellen Gerichten, die Sie in keinem Restaurant der Stadt finden würden.

Heidis Großvater? A propos keine Klischees. Und Gerichte die man in keinem Restaurant der Stadt (welche? die Stadt Trentino-Südtirol?) finden würde? Hä?

Scandaloitaliano deckt aber auch noch weitere lustige, vom Steuerzahler teuer bezahlte Fehler auf. Ein echter Skandal. O-Ton:

Questo blog, aperto al contributo di tutti i professionisti del multimedia italiano, nasce per motivare meticolosamente, analiticamente, punto per punto perchè www.italia.it – il sito da 45 (quarantacinque) milioni (milioni) di euro (di soldi pubblici) – è un portale mal progettato, mal realizzato, mal scritto, e che grida vendetta nel suo essere scandaloso spreco di denaro pubblico, nonché un’offesa alla competenza e alla professionalità  dei lavoratori del web italiano.

Kein Wunder, dass die Region Venetien im Interesse des eigenen Tourismus’ beantragt hat, gänzlich aus italia.it gelöscht zu werden.

Herr Landeshauptmann, Herr Engl: Finger weg von diesem Portal! Südtirol muss auch im Marketing unabhängig bleiben. Jetzt erst recht.
Außendarstellung Politik Tourismus Transparenz Wirtschaft+Finanzen | | Reinhold Messner | | | | Deutsch Italiano

21 replies on “Finger weg!”

Oh mein Gott… oh mein Gott…
Ich bin echt sprachlos.

Und wir in CH haben uns hier schon aufgeregt über http://www.ch.ch das so ca. 15 Mio Franken (~ 9 Mio EUR) gekostet hatte, allerdings hat jede Gemeinde ein Login und kann Daten hochladen etc. Zudem hat es dort Tonnen von nützlichen Informationen und es geht nicht nur um Tourismus und Propaganda.

Aber italia.it schockiert mich… Das Flash voller Fehler und total unüberlegt (Nach einem Mouseover kann ich die rechten Punkte nicht mehr anwählen etc…) Die Mehrsprachigkeit ist nur teilweise gegeben, einige Sachen in IT und wiederum andere in EN… Mir dreht sich der Magen, wie bei so gut wie jeder Sache die „öffentlich“ ausgeschrieben wird in IT, korrupter S**haufen. Das war sicher mal wieder so eine „Freunderl-Gschicht“.

Ich als Web-Programmierer bin der Meinung dass schon 2 Millionen übertrieben gewesen wären.

Grüsse

Einige Infos. Die Website wurde vor mehr als vier Jahren vom damaligen Minister für Innovation Stanca in Auftrag gegeben, undzwar an ein Konsortium aus IBM (dessen Vorstandsmitglied Stanca war!!) und der österreichischen Firma TISCOVER. Realisierungszeit laut Aufrag: 1 Jahr. Als nach vier Jahren die Website immer noch „im Bau“ war, platze dem neuen Minister Rutelli der Kragen und er setzte eine Frist, dass die Website um jeden Preis zur Eröffnung der BIT online geht, damit nicht noch einmal vier Jahre vergehen. Mit Hochdruck wurde die Site irgendwie online gestellt, am Tag danach begann es, Proteste wegen der vielen Fehler von Tiscover und IBM zu geben. Zahlreiche Blogs und die Empörung der Touristiker vom Brenner bis Lampedusa veranlassten Rutelli, die Bezahlung der Raten erstmals auf Eis zu legen, bis das Portal einigermaßen einen Qualitätsstand erreicht, der irgendwie tragbar ist. Designer Carlo Bassetti http://www.carlobassetti.net/?p=354 postet hier beispielweise, dass wochenlang italia.it als erstes Ergebnis der Suche nach „Merda“ in Google erschien – der effekt eines sogenannten Bombings (funktioniert mittlerweile nicht mehr). Die Frage, ob Rutelli gut tat, mit der Online-Stellung die Flucht nach vorne anzutreten, oder ob es besser gewesen wäre, noch ein paar Jahre (!!!) zu warten und das Geld zu zahlen, bleibt offen. Jedenfalls fällt dieses Relikt aus der Berlusconi-Periode unter den Bereich „Scandali italiani“.

Richtigstellung http://www.ch.ch:
Die Seite kostete nicht 15 Mio. CHF sondern 1 Mio. CHF.
Jährliche Erhaltungs-, Wartungs- und Personalkosten ca. 350.000 Fr.

Jetzt würde mich noch interessieren wie hoch die jährlichen Erhaltungs-, Wartungs- und Personalkosten von http://www.italia.it sind. Ich schätze 1,5 Mio Euro.

+ würde mich noch interessieren WO die „Software“ programmiert wurde.
Ich bin mir überzeugt, dass sie im Osten Europas oder Indien programmiert wurde – Zu einem Preis von ca. 20.000 – 30.000 Euro…
Am Ende noch ein tolles URL-Rewriting eingebaut und tada – es sieht nach ner tollen teuren „Software“ aus…

OMG

Das haut einen doch glatt aus den Socken.
Bis jetzt hat jeder den ich gefragt habe er solle raten (auch mit dem Hinweis er solle die traditionsreiche Korruption Italiens berücksichtigen) wie teuer denn das „Portal“ italia.it gewesen ist den maximalen Wucher auf MAXIMAL 2 Mio Euro geraten. Ich selber wäre auch nicht drüber hinausgekommen – falls mich jemand gefragt hätte.

Doch 45 Mio. hauen auch den abgehärtetsten italienischen Staatsbürger um – und erst meinen CH-Bekanntenkreis, wenn ihr wüsstet wie die hier reagiert haben… [„Wie kann man nur in so einem Land leben?“]

Grüsse!

Oh je.

„A mezzogiorno del 4 Ottobre 1839, Ferdinando II di Borbone, Re delle due Sicilie, inaugura il primo binario ferroviario di tutta l’Europa: la tratta Napoli-Portici. Quasi 170 anni dopo l’Italia è ancora all’avanguardia nel campo del trasporto ferroviario, grazie alle migliaia di chilometri che arrivano in tutti gli angoli più dello stivale ed un sistema ferroviario di binari, treni, locomotive e stazioni all’avanguardia.“

Quelle: besagtes Portal.

Correttezza vorrebbe che si riportasse l’intero brano da criticare e poi lo si sottoponesse a autopsia attenta e motivata. La dizione di Trostburg al posto di Castelforte non è quella ufficiale in italiano e viene utilizzata per entrambe le lingue… al di là  del giudizio politico che vuoi dare, dovresti dire anche questo, prendere ogni nome, ogni virgola e analizzarla da entrambi se non da tutti e tre i punti di vista.

Wo liegt das
Es handelt sich um die nördlichste Region Italiens an den Grenzen von Schweiz und Österreich.

Das Gebiet
Die Landschaft ist ein Wechselspiel von Bergen und Tälern. Hier entspringt der Adige, der zweite Hauptfluss Italiens.

Es war einmal
Im Archäologischen Museum Südtirols in Bozen können Sie unter einer Myriade von Statuen, Fundstücken, Waffen und Schmuckstücken, welche die lokale Geschichte vom Paläolithikum und Mesolithikum bis zur Karolingerzeit belegen, vor allem die “Bekanntschaft” von Ötzi machen: Der Mann, der aus dem Eis kam, der vor 5.000 Jahren gelebt hat und durch das Eis mumifiziert im Jahr 1991 im Schnalstal gefunden wurde. An seiner Seite liegen die Dinge, die ihn auf seiner letzten Reise durch die Gletscherlandschaft des Simulaun begleitet haben (Überbleibsel seiner Strümpfe, Schuhe, seines Mantels und seines Köchers). Die Ausstellung wird durch Fotos, Filme und erläuternde Tafeln hinsichtlich der Entdeckung und Bergung des alten Ötzi illustriert.

Was gibt es zu sehen
Wer keine typischen Klischees mag, für den ist Südtirol das ideale Reiseziel. Es ist eine Region, in der es zwischen Schnee und Geschichtszeugnissen vieles zu entdecken gibt. Mit der atemberaubenden Landschaft im Hintergrund, ist es ein beliebtes Ziel für Liebhaber des Wintersports und für Romantiker jeden Alters. Hervorragend für den Skisport geeignet sind die Abfahrten der Dolomiten, wo sich auch für Snowboards und Schlitten hervorragende Pisten finden. Natürlich dürfen in den Dolomiten die Bergseen (es gibt 297 eingetragene Seen) nicht fehlen: diese reichen vom Gardasee bis zum Molveno See und den Seen von Caldonazzo, Levico, Ledro und Prags. Die Höhenfestung Doss in Fai della Paganella ist eine der berühmtesten archäologischen Fundstellen im Trentino. Hier wurden Spuren einer prähistorischen Siedlung gefunden. In Bezug auf Orangenblüten (normalerweise jeden zweiten Sonntag im Januar) findet in Kastelruth alljährlich eine Bauernhochzeit statt, eine Erinnerungszeremonie, welche das auf der Hochebene übliche Brauchtum seit den 70er Jahren aufleben lässt. Wer Geheimnisse liebt, der muss eins der vielen Schlösser der Region Trient-Südtirol aufsuchen, wie etwa die Trostburg (bei Waidbruck), Tirol (in Meran), Taufers (Sand in Taufers), Beseno (Besenello) und Rovereto. Die Stammgäste der Wellnessfarmen können sich neuen Thermalbehandlungen unterziehen, dies besonders in Meran, wo man das radioaktive Mineralwasser vom Vigiljoch zu therapeutischen Zwecken verwendet. Für besonders Neugierige gibt es im August in Longariù (Bozen) das Mühlenfest mit ladinischen Spezialitäten und der Besichtigung der noch aktiven Mühlen, während die Feinschmecker am Speckfest in Bozen (im Mai) teilnehmen können. Dann werden noch die Tage des Sterzinger Joghurts (im Juli) veranstaltet.

Werbeträger
Der Extremsportler und Bergsteiger Reinhold Messner und der Olympiasieger im Alpenski Gustav Thöni wurden in dieser Region geboren. Doch auch andere historische Persönlichkeiten hielten sich hier auf. Zu diesen zählen die Söldnerführer Maximilian I von Österreich, Napoleon Bonaparte und Vittorio Emanuele III.

Zu Tisch
Nehmen Sie einen Schweineschinken, runden Sie ihn etwas ab, legen Sie ihn für zwei Wochen in ein (trockenes) mit Salz gefülltes Becken, und geben Sie Pfeffer, Wacholder und andere Bergkräuter dazu. Räuchern Sie schließlich das Ganze und schon haben Sie den ”Speck”, das gastronomische Aushängeschild der Region Trentino- Südtirol. Am besten genießt man ihn in mehr oder minder dicke Stücke geschnitten und mit einer Scheibe knusprigem Roggenbrot. Genauso schmackhaft sind unter den Wurstsorten die Kaminwurz, wobei man dem Namen schon entnimmt, dass es sich hier um eine im “Rauch des Kamins” geräucherte Wurst handelt. Der Grana Trentino, der Nostrano, der Tomo di Montagna und der Casolèt sind die wichtigsten hiesigen Käsesorten, die mit Brotsorten genossen werden, deren Namen manchmal kaum nachzusprechen ist: Kaisersemmel, Breatl (Brötlein), Brotklee und Palabirabrot (auch Kletzenbrot). Und was gibt es zu den beiden ”Königinnen” der lokalen Gastronomie noch zu sagen: Zur Polenta (Maisbrei) und zu den Äpfeln? Sie sind naturrein und unverfälscht, genau wie die Süßspeisen: Vom Strudel (ein mit Äpfeln gefüllter Blätterteig) zum Krapfen (mit Marmelade gefüllte Berliner) bis zum Zelten ( eine Art Früchtebrot mit Nüssen und Gewürzen). Unter den Rezepten finden wir das Gulasch (mit Zwiebeln und Paprika gewürzt), in Weißwein geschmorten Fasan, in Fett ausgebackenen Käse (Asiago), die Semmelknödel (Klöße mit Speck und altbackenem Brot), Meraner Schneckensuppe und Teigtaschen mit Pfifferlingen und Steinpilzen (Fagottini). Ausgezeichnet sind auch die Weine: Der Merlot, der Cabernet, der Pinot, der Chardonnay, der Riesling und die köstlichen Schaumweine der Gegend.

Zimmer mit Ausblick
Es gibt unterschiedliche Arten, den Urlaub in Trentino- Südtirol zu genießen. Doch die originellste Art besteht in einem Urlaub auf dem Bauernhof: Typische Holzhäuser mit stark abfallenden Dächern, die einen an den Hof von Heidis Großvater erinnern. Hier können Sie herrlich entspannen und sich von der ehrlichen Gastlichkeit der Hausbesitzer verwöhnen oder einer alpinen Wellnessbehandlung “verzaubern” lassen. Zudem kommen Sie hier in den Genuss von traditionellen Gerichten, die Sie in keinem Restaurant der Stadt finden würden.

Für weitere Informationen

http://www.trentino.to

Kontakt
Azienda di Promozione Turistica
Via Alfieri, 4
38100 Trento TN

Tel +39 0461 983880
Fax: +39 0461 984508
E-Mail: informazioni@apt.trento.it

Weitere Informationen
WWW: suedtirol.info

[…] Nicht zu vergessen ist, dass der Staat dieses Land für viele Jahrzehnte der höchst einträglichen Stromproduktion de facto beraubt hat. Es wurden Gewässer konfisziert, Dörfer überschwemmt, Kraftwerke gebaut – und unser Land hat dafür keinen Cent bekommen, dass hier rund 1/8 der staatlichen Stromproduktion stattgefunden hat und nach wie vor stattfindet. Unfreiwillig und ungerecht hat Südtirol also gezahlt. Südtirol trägt also wenn überhaupt nur marginal zur regionalen Umverteilung bei. Ein schlechtes Gewissen braucht man dabei jedoch wohl keines zu haben, wenn man sieht, wie in Italien mit Steuergeldern umgegangen wird: Zum Beispiel wurde kürzlich eine schöne Webseite finanziert, um den Tourismus anzutreiben. In einer Metropole wurde mit sehr viel Geld und Sonderbefugnissen ein funktionierendes Abfallwirtschaftssystem errichtet. Und ein römischer Minister geht sogar so weit, dass er EU-Fördergelder nach Brüssel zurückschicken möchte, weil die Regionen des Südens außerstande sind, sie sinnvoll einzusetzen. Italien hat kein Geldproblem. […]

Laut offiziellen Angaben wurden für das soeben geschlossene Portal insgesamt 7 Mio. Euro gezahlt. Aufgrund des Vertrags-Rücktrittes wurden es also nicht 45.

Schadensbegrenzung? In jedem Fall haben sich einige Firmen und Personen an diesem Projekt bereichert, welches für die Öffentlichkeit NULL Nutzen hat. Auch wenn es nur 7 statt 45 Millionen sind: öffentliches Geld beim Fenster hinaus zu schmeissen, sollte sich ein Land wie Italien nicht leisten. Undifferenziert über die Verursacher und Schadensbegrenzer zu urteilen halte ich jedoch nicht für angebracht. So viel sind wir dem Kulturminister Rutelli (so lange es ihn als solchen noch gibt) der Korrektheit halber schuldig.

Nachtrag: Italia.it hat einen Südtiroler Vorfahren. Das Portal hieß „Best of Südtirol“ und wurde schon vor einigen Jahren gelöscht. Die FF hat darüber berichtet. http://www.ff-online.com/php/article.phtml?issue_id=4234&bgcolor=1

Man kann natürlich sagen, „damals“ (also in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends) wussten die Tourismus-Manager des Landes noch zu wenig über das Medium Internet, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Allerdings verdienen sie ja auch nicht so wenig (immerhin mehr als der italienische Kulturminister), dass man ein bisschen mehr Kompetenz erwarten hätte können. Doch egal, die Südtiroler haben dafür schon längst bezahlt und die Sache vergessen. Nur in Hessen spricht man noch über diese Geschichten, vor ein paar Tagen stand im Wiesbadner Kurier:

„Einer ihrer Geschäftsführer war Europaminister Volker Hoff (CDU), der andere Reinhard Zoffel. Und beide zusammen haben für die Hessen-CDU sowie für das CDU-Pendant in Südtirol, die dort regierende SVP, Wahlkämpfe gemanagt. Zufall oder nicht: Mit den Vorzeichen „Projekt Südtirol“ wurden etliche der 38 Geldtransaktionen begründet. Längst schon ermittelt deshalb die Finanzwache in Bozen. Sie hat festgestellt, dass im Jahr 2003 Gelder der ZHP in den Südtiroler Landtagswahlkampf geflossen sind. Was deshalb pikant ist, weil ZHP danach zahlreiche Aufträge der landeseigenen Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) erhielt. Die Finanzwache in Bozen hat jetzt ein Rechtshilfeersuchen nach Wiesbaden geschickt, um auch in Deutschland ermitteln zu können. Mit ins Visier gerät einmal mehr die Bestof My World AG, die an der Adresse von Volker Hoff in Mühlheim am Main firmiert (siehe nebenstehender Artikel), und die ebenfalls SMG-Gelder bekam.“

Tiscover – die IT-Bude die das Portal verbrochen hat wird jetzt verkauft. Wie man hört an HRS. Das haben die eh verdient, denn sowas in den Sand zu setzen ist echt eine Schande. HRS wird dort alles abdrehen, denen ihr BUchungssystem aufs Auge drücken und das was. Schade halt für die Tiroler Hotelbetreiber, denn bald haben die keine eigene Internet-Plattform mehr. Eigentlich ein Armutszeugnis. Oder eine Chance für einen findigen Unternehmer … vielleicht sollte ich mich selbständig machen!!

@Gegen den Strom
„Sie hat festgestellt, dass im Jahr 2003 Gelder der ZHP in den Südtiroler Landtagswahlkampf geflossen sind. “

weiß man an wen?

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