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Wenn Träume wahr werden.
"Utopische" grüne Forderungen sind mittlerweile Mainstream

Umweltschützerinnen, Wissenschaftlerinnen und Grünpolitikerinnen haben seit spätestens Ende der 1980er-Jahre gefordert, aus fossiler Energie auszusteigen, das Klima und die Meere zu schützen, Mobilitätskonzepte zu überdenken und die Städte zu begrünen anstatt sie zuzubetonieren und zuzuparken.

Von den Entscheidungsträgern und Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft wurden sie daraufhin als “unrealistische Träumer” abgekanzelt: “Was das alles kostet.” “Utopisch.” “Grüne Spinner.” “Völlig unwirtschaftlich.” “Die haben von der Realität keine Ahnung.” “Panikmacher.” “Fußgängerzonen sind der Tod des Einzelhandels.” usw.

Große Umbrüche und Zäsuren wie Fukushima, Naturkatastrophen mit Milliardenschäden, tödliche Hitzewellen oder aktuell auch die russische Invasion der Ukraine bringen dann bei den ach so vernünftigen “Wirtschaftsexperten”, “Realisten” und “Etablierten” ein – leider meist nur halbherziges – Umdenken in Form von Lippenbekenntnissen. Denn zur Erkenntnis, dass nur eine Sache langfristig mehr kostet als konsequenter Umweltschutz; nämlich kein bzw. zu wenig Umweltschutz, wollen sie nach wir vor nicht gelangen. Und so kann man dann auch mal Gas und Nuklearenergie als nachhaltig einstufen.

Dabei ist seit jeher klar, dass Prävention günstiger kommt als Therapie. Doch die “Wirtschaftsexperten” warten lieber, bis es richtig teuer wird oder gar zu spät ist. Hätten wir mit eingangs erwähnten Maßnahmen (deren Notwendigkeit heute lustigerweise kaum jemand mehr anzweifelt und deren Umsetzung sich nahezu alle Parteien und Wirtschaftstreibenden auf die Fahnen geheftet haben) viel früher – sprich damals, als es die “unrealistischen Träumer” gefordert hatten – begonnen, hätte es uns einen Bruchteil gekostet, wären wir nicht in der Abhängigkeit von Despoten und zudem technologisch der restlichen Welt wieder einen Schritt voraus – und wir würden daran sogar noch großartig verdienen.

Aber nein – es war alles unwirtschaftlich und unrealistisch. Einwand: “Das konnte man ja so nicht vorhersehen.” Doch, konnte man. Die Realität hat gezeigt, dass die “Träumer” die Realisten waren und die wahren Träumer jene sind, die dies nicht wahrhaben woll(t)en.

P.S.: Die langjährigen Forderungen der Umweltschützerinnen, Pazifistinnen und Wissenschaftlerinnen einzig auf die wirtschaftliche Dimension zu reduzieren ist zynisch und falsch. Der Artikel soll lediglich untermauern, dass radikaler Umweltschutz selbst in der rein marktwirtschaftlichen/kapitalistischen Logik der “Wirtschaftsexperten” sinnvoller ist, als deren eigene Strategie.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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17 replies on “Wenn Träume wahr werden.
"Utopische" grüne Forderungen sind mittlerweile Mainstream

Grüne, die sich schönreden, sind schlimmer als Grüne.
Der Atomausstieg in Deutschland wurde von einer CDU-geführten Regierung durchgesetzt, den Preis hierfür zahlen in Europa alle. Aktuell wäre es für die Preissituation das beste wieder zur Kernkraft zurückzukehren. In Zukunft kommt ein Großteil der Energie eben aus AKWs aus Frankreich, klassisches Greenwashing.
Die Tatsache, Schiefergas aus USA zu kaufen und damit hunderte von Schiffen über den Ozean kreisen zu lassen und dadurch Fracking in den USA zu unterstützen, ist mit klassisch grüner Politik eigentlich unvereinbar. Aber da schweigen sie, die Fundis.
Der altbewährte Grundsatz, keine Waffen aus D in Krisengebiete zu liefern, wurde bereits in der Vergangenheit mehrmals gebrochen. Jetzt aber, mit einer Beteiligung der Grünen an der Regierung, erreichen diese Lieferungen Höchstniveau. Was würde wohl Petra Kelly dazu sagen?
Nur einer Regierung mit Baerbock und Habeck kann es einfallen, 100 Mrd. Euro in die eigene Rüstungsindustrie zu stecken. Da sind die Grünen, wenn sie mal an der Macht sind, dann auch nicht so kleinlich. Ist das mit den Prinzipien, die einst von Gert Bastian eingebracht wurden, kompatibel?
All diese Fehlentscheidungen vermengen sich mit anderem katastrophalem Fehlverhalten, das die Grünen in Deutschland seit Jahrzehnten auszeichnet (Stichwort Pädophiliedebatte). Baerbock hat gezeigt, dass sie – der Macht willen – weder vor einer Fälschung des Lebenslaufs noch vor mangelnder Transparenz im Bereich Sonderzahlung zurückschreckt. Ihre Deutsch- und Englischkenntnisse müssten eigentlich zeigen, welch Geistes Kind sie ist.
Aber es wird immer Menschen geben, die voll grüner Verblendung dies alles schönreden.

Den Bericht des Club of Rome hat es ja lange schon vor der Gründung der politischen Grünen in Europa, in den 80erJahren in Niedersachsen, die vor allem aber den Ausstieg aus der Atomkraft wollten.
Dass die Grenzen des Wachstums https://www.zeit.de/2022/10/club-of-rome-bericht-klimawandel-umweltschutz-wachstum?
damals und auch heute, auch bei politischen Grünen, noch nicht angekommen ist, darauf hat auch Welzer hingewiesen: https://www.srf.ch/play/tv/redirect/detail/a49f449d-6272-4298-856b-2cefe0f81368
Und nicht nur Greta Thunberg:

Wir können eine Krise nicht mit Methoden lösen, die uns hineingebracht haben.

@starfighter @artim
daher steht in meinem Artikel auch:

Umweltschützerinnen, Wissenschaftlerinnen und Grünpolitikerinnen haben seit spätestens Ende der 1980er-Jahre gefordert

Da ist weder ein alleiniger Bezug auf die deutschen Grünen, noch eine Einengung auf die Grüne Partei(en) als solche, noch dass diese die einzigen waren oder dass das bei heutigen Vertretern noch immer so sein muss.

Der Artikel gleicht schon sehr einer Lobeshymne der grünen Politik und vielleicht mag nur ich das so herauslesen, bezogen in erster Linie auf jene in der BRD.
Gerade diesbezüglich müsste jeder objektiv geschriebene Artikel die Partei der Grünen doch unter einem differenzierten Licht betrachten. Sicher wäre der Ausstieg aus der Atomkraft heute ohne die Politik der Grünen in den letzten 40 Jahren nicht ein Teil des Alltags. Er ist aber ein zweischneidiges Schwert, die ersten Folgen spürt man heute und was die Zukunft bringt, vermag man im Moment, auch durch den Krieg, nicht zu sagen.
Aber gerade in einem Moment, wo die grüne Regierung in Deutschland aktiv das Kriegstreiben fördert, erscheint mir ein pro-Grünen-Artikel mehr als kritikwürdig. Was ich hiermit zu machen versuche.

Kann verstehen, was du meinst. Wobei ich nicht den Anspruch habe, objektive Artikel zu schreiben. Wir machen hier ja Großteils nicht Berichterstattung, sondern verfolgen eine Agenda.

Klare Ansage. Wenn dies hier jedoch ein Lobhudelei-Blog für die Grünen ist, die in Südtirol durch vollkommene Inkompetenz, in Österreich durch fragwürdige Moralvorstellungen (Glawischnig) und sexuelle Übergriffe (Pilz) und in Deutschland durch geheim gehaltene Pädophilie-Politik zu charakterisieren sind, bin ich definitiv raus.
Umso mehr wird diese offensichtliche Nähe durch die Tatsache deutlich, welch absurde Gesetzesvorschläge von den Grünen in Deutschland eingebracht wurden, z.B. die Duz-Pflicht (Knoflach?), Gender-Pflicht (Constantini?), Abschaffung der Bundeswehr (von GJ und nicht von Baerbock/Habeck vorgebracht). Ähnlichkeiten mit erwähnten Personen sind somit durchaus gewollt.
Viel Erfolg bei der Agenda – Ironie ebenfalls gewollt.

Wenn die Grundaussage dieses Artikels die ist, dass man nicht voreilig und aus politischer Bequemlichkeit irgentwas (z.B. die Selbstbestimmung /Unabhängigkeit) als “unrealistisch” bezeichnen sollte, dann bin ich damit einverstanden. Man darf aber auch nicht ins andere Extrem verfallen, sich von Realpolitik verabschieden und jeder noch so schrillen Idee irgenwelcher politisch-gesellschaftlicher Ränder Raum geben. Zudem muss man sagen, dass gerade in letzter Zeit (wieder) Ideen Mainstream geworden sind, die Grünen und Pazifisten gegen den Strich gehen dürften. Auf Friedensdemonstrationen sieht man jetzt Forderungen, Waffen an die Ukraine zu liefern. Mit dem Spruch “Macht Schwerter zu Pflugscharen” mögen sich Alttestamentler beschäftigen, “Frieden schaffen ohne Waffen” scheint nur mehr ein Spruch für Alt-Hippies zu sein. Die Grünen in Deutschland mussten einer 100 Milliarden Euro Aufrüstung der Bundeswehr zustimmen, sehr zum Missfallen der Parteijugend. Und niemand geringerer als Robert Habeck verkündete vor wenigen Tagen, dass Versorgungssicherheit wichtiger sei als Klimaschutz. Und auch der Wiedereinstieg in Kernenergie scheint eine Renaissance zu erleben. Nicht nur Typen a la Mr. Burns, sondern niemand geringeres als die EU-Kommission sieht Atomenergie unter bestimmten Voraussetzungen als hilfreich im Kampf gegen den Klimawandel. In Deutschland ist laut ZEIT rund die Hälfte der Bevölkerung der Kernenergie gegenüber aufgeschlossen, in Italien ist die Zustimmung auch etwas gestiegen.
Fazit: Auch Dinge, die Grünen und Pazifisten missfallen dürften, scheinen zumindest im Augenblick Mainstream zu werden und einige heilige Kühe werden vielleicht noch geschlachtet werden müssen.

jeder noch so schrillen Idee

ich halte die Idee, bei der Energiegewinnung nicht auf das schmutzige Verbrennen begrenzt verfügbarer Rohstoffe zu setzen, Plastik nicht tonnenweise ins Meer zu kippen, umweltschonende Mobilität zu ermöglichen und Städte zu lebenswerten Orten mit (halbwegs) gesunder Luft und erträglicher Temperatur zu machen nicht wirklich für schrill. Dennoch wurde über Jahrzehnte das Gegenteil gemacht.

Und eine der Aussagen meines Artikels ist es ja, dass es nicht so weit kommen hätte und jetzt unbequeme Maßnahmen ergriffen werden müssen, wenn die Vernunft und die Weitsicht vor einigen Jahrzehnten über die “Wirtschaftsexperten” und die Profitgier gesiegt hätte.

Ich glaube, du verstehst mich schon richtig. Wenn ich von schrillen Ideen spreche, dann meine ich sicher nicht die recht vernünftigen Dinge, die du in deiner Antwort auf meinen Kommentar genannt hast. Aber du wirst zugeben müssen, dass es in dieser Diskussion nicht nur realistische und vernünftige Argumente gibt. Wenn beispielsweise der Gletscherforscher Kaser sagt, man müsse so schnell wie möglich die freie Marktwirtschaft aufgeben, dann ist das für mich definitiv eine schrille Idee – und das ist noch eher diplomatisch formuliert…

Ja. Aber in meinem Artikel war genau von diesen Kernideen die Rede.
Ich bin für soziale Marktwirtschaft (die leider immer mehr unter Druck gerät). Freie Marktwirtschaft wieder mehr hin zur sozialen zu regulieren, halte ich für eine ausgesprochen gute Idee.

Aber du wirst zugeben müssen, dass es in dieser Diskussion nicht nur realistische und vernünftige Argumente gibt. Wenn beispielsweise der Gletscherforscher Kaser sagt, man müsse so schnell wie möglich die freie Marktwirtschaft aufgeben, dann ist das für mich definitiv eine schrille Idee – und das ist noch eher diplomatisch formuliert…

Die freie Marktwirtschaft ist kein Naturgesetz. Im Gegenteil: Sie begeht täglichen Raubbau an allem, was wir nicht ausdrücklich ihrem Zugriff entziehen. Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass wir uns in gar nicht so ferner Zukunft zwischen ihr und dem Fortbestand des Planeten entscheiden müssen. Da jetzt einfach wieder pauschal von unrealistisch und unvernünftig zu reden, anstatt das Thema ergebnisoffen zu diskutieren, könnte sich wieder als ein Fehler erweisen, wie sie Harald in seinem Beitrag aufgezählt hat.

@Simon
Nein, natürlich ist die freie Marktwirtschaft kein Naturgesetz und man kann -theoretisch – natürlich ergebnisoffen darüber reden. Aber das würde auch für die Demokratie gelten. Demokratie und freie/soziale Marktwirtschaft sind für mich zwei Grundprinzipien unserer Gesellschaft, über die ich ganz bestimmt nicht diskutieren will und werde. Ihr könnt das natürlich gerne tun. Aber ohne mich. Du weisst, dass ich diesen Blog oft gegen ungerechtfertigte Kritik verteidigt habe, aber wenn ihr mit solchen Ideen liebäugelt, dann tut ihr euch wirklich keinen Gefallen und da ich euer Manifest unterstütze und mich daher zur BBD-Community zähle möchte ich mich von solchen Idden klar distanzieren und möchte andere Leserinnen und Leser auch bitten, dasselbe zu tun. Wenn aber andere Kommentatoren ebenfalls für die Aufgabe der freien Marktwirtschaft plädieren oder darüber ergebnisoffen diskutieren möchten, dann weiss ich, dass BBD nicht länger der richtige Ort für mich sind. Wieder einer weniger….

Ich denke, dass alleine die freie Marktwirtschaft die Technologien für den Kampf gegen den Klimawandel schaffen kann. Ausserdem sind selbst sehr weitgehende Forderungen mit der freien Marktwirtschaft umzusetzen, dazu braucht es keine… – ja, was eigentlich? Was wäre überhaupt die Alternative?

Die freie Marktwirtschaft schafft die Technologien, um Probleme zu lösen, die sie selbst durch Überproduktion, Konsumismus, Ressourcenverbrauch, falsche (nämlich rein ökonomische) Anreize etc. verursacht. Oder auch nicht, so wie auch die Covid-Impfstoffe weitgehend außerhalb der Marktlogik entwickelt wurden.

Alternativen gibt es zur freien Marktwirtschaft viele, zum Beispiel die ethische (Gemeinwohlökonomie) oder die kooperative. Da gäbe es jede Menge Stoff für ergebnisoffene Diskussionen.

Ja. Und für den Anfang könnte man auch wieder mehr zu den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft zurückkehren, anstatt Gesundheitsversorgung und Pensionsvorsorge der freien marktwirtschaftlichen Logik zu unterwerfen. Das Geld dafür ist da, wenn es Kostenwahrheit und Steuergerechtigkeit gäbe.

Ich habe mir tatsächlich die Mühe gemacht das Geschwafel von der Gemeinwohlökonomie durchzulesen und bedauere die Zeit, die ich damit vergeudet habe.
Meine Annahme, es handle sich bei BBD um einen seriösen Blog, in welchem über Südtirols Zukunft diskutiert werden kann, hat sich definitiv zerschlagen.
Mit Leuten, die solchen Phantastereien nachlaufen, kann man keine seriöse Diskussion führen und ich bin somit definitiv raus. Allem Anschein nach bin ich nicht der Einzige, der so denkt, denn ältere Threads hatten wesentlich mehr Einträge von Dritten. Seit geraumer Zeit hingegen sind es vermehrt die Gründer selbst, die ihre eigenen Beiträge kommentieren, da kann man gleich Salto lesen, dort ist es nämlich gleich, nur qualitativ noch schlechter.

Meine Annahme, es handle sich bei BBD um einen seriösen Blog, in welchem über Südtirols Zukunft diskutiert werden kann, hat sich definitiv zerschlagen.

Ich finde es eigenartig, seine Analyse über die Qualität eines Blogs an einem einzigen Punkt festzumachen, mit dem man offensichtlich nicht einverstanden ist. Aber ist freilich deine Entscheidung.
Ich denke, Simon ist es in seinem Posting um das grundsätzliche Hinterfragen und Suchen nach Verbesserungen und Alternativen des vorherrschenden (umwelttechnisch schon recht destruktiven) Wirtschaftssystems gegangen. Eine solche Diskussion als Phantasterei abzutun halte ich persönlich für realitätsfern, da wir früher oder später gezwungen sein werden, sie zu führen.
Und diese Diskussion wird geführt:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/friedenspreis-fuer-amartya-sen-vernunft-ist-mehr-als-100.html
https://www.deutschlandfunk.de/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-amartya-sen-100.html

Ob man da unbedingt Felber dazu braucht, ist freilich eine andere Geschichte.

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