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Ladinerinnen bestraft?

In einer Landtagsanfrage haben die grünen Landtagsabgeordneten Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba darauf hingewiesen, dass das Land der ladinischen Wochenzeitung Usc di Ladins und der Ladinervereinigung Union Generela die finanzielle Unterstützung im letzten Jahr radikal (um über 20 respektive 80%) zusammengestrichen habe. Sie wollten von der Landesregierung den Grund für diese ungewöhnlichen Kürzungen erfahren.

Gerade die Usc (welche der Generela gehört) wurde von Durnwalder schon mehrmals angegriffen und zurechtgewiesen, weil sie Politik betreibe, obwohl sie mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Gestört hat den Landeshauptmann freilich, dass Entscheidungen seiner Regierung (bezüglich ladinischer Dachsprache etwa) kritisiert wurden oder die Ladins in der Berichterstattung oft besser wegkommen, als die SVP Ladina. Wenn ein Medium aber ebenfalls vom öffentlichen Geldtopf abhängt, aber — wie das Tagblatt der Südtiroler — eine der Landesregierung genehmere politische Meinungsmache betreibt, stößt sich offensichtlich niemand daran.

Im Auftrag der Landesregierung wies der zuständige Landesrat Mussner darauf hin, dass die Förderung des Landes zurückgeschraubt wurde, weil zeitgleich beschlossen wurde, jene der Region hochzufahren. Insgesamt sei damit die Unterstützung für Usc und Generela lediglich um 9% gefallen, was dem allgemeinen Spartrend entspreche.

Selbst wenn diese Zahlen stimmen sollten, bleiben jedoch zwei Einwände aufrecht:

Erstens: Warum wird die Minderheitenförderung vom Land zur Region verschoben, wo doch mittlerweile Konsens ist, dass die Region abzuschaffen wäre? Sollen neue Zuständigkeiten verhindern, dass es dazu kommt?

Zweitens und viel wichtiger: Selbst wenn man bei 9% nicht mehr von einer Strafmaßnahme gegen unliebsame Medien sprechen könnte, ist es völlig unverständlich, dass eine so kleine Minderheit wie die ladinische anteilsmäßig gleich stark am Sparzwang beteiligt wird, wie die größeren Sprachgemeinschaften. Das widerspricht dem Prinzip der positiven Diskriminierung. Grundsätzlich wären die Förderungen für die Ladinerinnen im zweifelsfall sogar anzuheben: Dass es — anders als in Graubünden — in Südtirol keine ladinische Tageszeitung gibt, zeugt davon, dass die derzeitigen finanziellen Mittel keine Gleichberechtigung der Sprachen gewährleisten.

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7 replies on “Ladinerinnen bestraft?”

Mochte betonen, dass ich keine Ahnung habe, wieviel die Usc di Ladins bzw die Union generela an beiträgen bekommen und bekamen.

Aber es fällt immer wieder deutlich auf, wie stark und oft von seiten der UdL gegen die SVP gewettert wird, während die Arbeit de Partei der Ladins hochgelobt wird. Dabei möge man nicht vergessen, dass der Grossteil der Ladiner SVP wählt, nicht die Ladins…

Was die Verschiebung der Beiträge von Provinz zu Region anbelangt, so liesse sich dies wohl dadurch rechtfertigen, dass die UdL und die UG nicht nur die Belange der Südtiroler Ladiner vertreten , sondern auch die Ladiner aus der Nachbarprovinz Trient (und sogar jene im Belluno). Es wäre zu erörtern, ob es von seiten der Provinzen Trient und Belluno auch Beiträge gab, und ob diese gekürzt wurden… Ich habe da keine Ahnung – aber man sollte schon das gesamte Bild sehen.

@ senoner

Dabei möge man nicht vergessen, dass der Grossteil der Ladiner SVP wählt, nicht die Ladins.

im sinne der pressefreiheit halte ich es für sehr gewagt, einen zusammenhang zwischen wählerpräferenz und zeitungsgunst herbeizuwünschen.

vielmehr werden medien in demokratischen gesellschaften sogar als “vierte gewalt” gesehen, der eine wichtige kontrollfunktion zukommt.

Senoner hat wohl recht. Seit in der Ugdl ein Mitbegründer von Ladins dolomites sitzt, der übrigens das Fiasko dieser Liste zu verantworten hat, scheint der ladinische Verein in Ungnade gefallen zu sein. Da nützt auch nicht mehr den tiroler Adler auf die ladinische Fahne zu setzen und diese auch noch über die Usc zum Kauf anzubieten. Da nützt nur mehr die Abdankung, im Interesse aller Ladiner.

@hunter: da hast mich falsch verstanden. Natürlich soll nicht die Zeitung die Wählerpreferenzen wiederspiegeln. Sondern es sind die Wähler/Leser (ein Grossteil zumindest), die sich nicht mit dieser Zeitung identifizieren können, und sie daher gern abwertend beurteilen.
Noch schlimmer (krankhaft anti-SVP) ist wohl das online-Portal noeles.info – aber das wird eh kaum gelesen. :-)

Es wurden die Beiträge für die Union di Ladins de Gherdeina und nicht die der Generela um mehr als 80% gestrichen.
Jede Tageszeitung hat ihre eigene politische Linie und jede Tageszeitung wird zum Großteil mit öffentlichen Geldern finanziert.
Im Manifesto wird man kaum einen Lob an die Regierung zum Lesen bekommen und im Giornale beinahe ausschließlich Lobeshymnen.
Mir scheint di Usc sogar sehr unkritisch,in letzter Zeit besteht ja die Hälfte der Zeitung beinahe ausschließlich aus Artikeln des Landespressedientes,der Rest ist Sport. .Da ist ja sogar die Dolomiten manchmal kritischer.
Wenn der Präsident eines Vereines nicht einer anderen Partei zugehören darf als der SVP und dem Verein deshalb die Beiträge gekürzt werden, so ist dies wohl eine eklatante politische Diskriminierung.

das ist der typische politische sumpf in südtirol. um dieses System von politischer diskriminierung und parteibuchlogik zu beenden muss die macht der svp beendet werden. dies gelingt nur durch die selbstbestimmung südtirols. wenn südtirol nicht mehr zu italien gehört dann ist der machtanspruch der svp obsolet!
freiessuedtirol.wordpress.com/2011/11/16/entlarvt-warum-die-svp-die-selbstbestimmung-verhindert/

Ich wollte heute in der Stadtbibliothek Brixen die Usc die Ladins lesen, doch — Überraschung — sie ist verschwunden. Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass sie abbestellt wurde. Grund: Das Abonnement wurde nicht erneuert. Aha!? Das soll ein Grund sein?

In der Stadtbibliothek gibt es mit Berlusconis Giornale und dem Kampfblatt Libero gleich zwei Tageszeitungen aus dem italienischen rechten Spektrum, aber kein ladinisches Printmedium mehr. Find ich ehrlich gesagt skandalös!

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