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Ein missglücktes Werbeposting und seine Folgen.

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ai

Was ein eigentlich harmloses — wenn auch dämliches — Posting wie jenes der Tirol Werbung für eine minorisierte Gemeinschaft bedeuten kann, wird uns bereits eindrücklich vor Augen geführt. Während der ursprüngliche Instagram-Eintrag rasch zurückgenommen, Entschuldigungen ausgesprochen und sogar personelle Konsequenzen in den Raum gestellt wurden, ist es hierzulande unter anderen Christian Bianchi, der die nicht nur respektlose, sondern vor allem auch inhaltlich falsche Botschaft in den sozialen Medien genüsslich für seine nationalistischen Zwecke ausschlachtet.

Nicht ein x-beliebiger Vollkoffer also, sondern ausgerechnet der Südtiroler FI-Chef und Landesrat einer SVP-geführten Landesregierung macht sich das Posting zueigen, um die Identität der Südtirolerinnen in Frage zu stellen:

Facebook-Eintrag Christian Bianchi – Querbalken von mir

Als ob eine einzelne — zudem umgehend zurückgezogene — Werbung auch nur im Ansatz darüber Auskunft geben könnte, was Nord- und Osttirolerinnen tatsächlich über die Südtirolerinnen denken.

Während Mehrheiten aus Zufälligkeiten »Wahrheiten« ableiten, müssen Minderheiten jede noch so bescheuerte Fremdzuschreibung rechtfertigen oder mühsam zurückweisen.

Dass sich Bianchi für diesen seinen Missbrauch entschuldigen — geschweige denn zurücktreten — müsste, ist freilich so gut wie ausgeschlossen.

Gestern war es bereits der Corriere, der sich mit einem absurden Artikel von Marco Angelucci die Gelegenheit nicht entgehen ließ, auf Seite eins (!) seiner Südtirolausgabe zu behaupten, das missglückte Werbeposting begrabe die Sezession. Klar — denn wie wir wissen, entscheidet sich die Zukunft Südtirols letztlich nicht in demokratischen Prozessen oder durch politische Mehrheiten, sondern im Büro eines Marketingfritzen in Innsbruck.

So viel zum Niveau einiger maßgeblicher Medien und Politiker in unserem Lande.



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Comentârs

One response to “Ein missglücktes Werbeposting und seine Folgen.”

  1. Steffl avatar
    Steffl

    Ich kann mir vorstellen, dass nationalistische italienische Kreise genau wissen, was mit Psychologie alles zu erreichen ist. Wie hier beim Ausnutzen dieses Postings der Agentur in Innsbruck, wobei die Abneigung gegenüber Südtirolern gefühlt hauptsächlich innerhalb des Bundeslandes Tirols bzw. im Raum Innsbruck besteht. Nachdem die meisten Menschen, mich inklusive, so mit ihrem Alltag beschäftigt sind, haben sie nur mehr bedingt Zeit, bestimmte Mechanismen bzw. Tendenzen zu erkennen oder sich um sie zu kümmern. Kürzlich musste ich familiär bedingt ins Krankenhaus und hatte es mit einer Abteilung zu tun, wo es praktisch keine muttersprachlich deutschsprachigen Ärzte mehr gibt. Wenn dann jemand konnte und gefühlt dazu Lust hatte, sprach er mit uns auf deutsch, wenn nicht dann nicht. Und sich jedesmal um die verbrieften Rechte zu streiten, kostet wirklich viel Energie, neben den anderen Dingen die man so zu erledigen hat. Und hier geht es nicht um Kompetenz, weil mir ist es völlig wurscht welcher Mensch Angehörige meiner Familie (oder mich selbst) behandelt oder wer vor mir steht, welche Sprache er spricht oder welcher Kultur er sich zugehörig fühlt. Hier geht es aber um Verständnis und Erklärungen komplexer Sachverhalte, die man nur in seiner jeweiligen Muttersprache korrekt erläutern bzw. verstehen kann. Meiner Ansicht nach sieht man jetzt langsam, v.a. im städtischen und institutionellen Bereich, dass eine Minderheit sogar mit guter nationaler und internationaler Absicherung sogar innerhalb demokratischer Gebiete wie der EU, auf Dauer hauptsächlich von Regierungen oder Stimmungen innerhalb eines Staats (und bestimmter natürlicher Prozesse innerhalb des Landesgebietes wie Zu- oder Abwanderung) abhängig ist. Denn steter Tropfen höhlt eben den Stein. Und m.A. nach sind etwa Knödel, die nun offiziell ital. Kulturgut sind, kein Zufall sondern Teil der längerfristigen Strategie, alles was Südtirols Eigenständigkeit betrifft, auszuhöhlen. Das ist der Spielraum, den ein Staat innerhalb seines Staatsgebietes in der EU, selbst mit international verankerten Schutzklauseln für Minderheiten und in Demokratien, hat. Und machen wir uns nichts vor, die gut abgesicherte Südtiroler Autonomie ist nur ein Hinausziehen der Mechanismen, wie sie in Aosta, Elsass usw. greifen. Die doppelte Staatsbürgerschaft wäre wohl das einzige Instrument, den Status Südtirols noch aufzuwerten bzw. ein Band zu Österreich (es gibt ja mittlerweile nicht mal die Lieferung österr. Tageszeitungen nach Südtirol) zu erhalten.

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