Die großteils öffentlich finanzierte Tirol Werbung hat auf ihrem Instagram-Kanal ein Posting veröffentlicht, in dem sich die Urlaubsdestination Tirol von Südtirol abzugrenzen versucht.
Instagram visittirol – Querbalken von mir
Das Posting wurde mittlerweile offenbar wieder gelöscht. Dennoch schlägt es Wellen. Von FPÖ und STF kommt Protest und Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) sah sich zu einer Distanzierung veranlasst.
Und in der Tat ist das Posting auch für touristische Standards sagenhaft dumm und unsensibel. Natürlich muss Werbung zu- oder überspitzen und auch einmal “tongue-in-cheek” sein. Aber als Tourismusmarketing-Organisation innerhalb der Euregio so einen herablassenden (nationalistischen) Schwachsinn zu posten, den italienische Nationalisten freilich feierlich auskosten, ist bemerkenswert.
Erbsenzählerei liegt mir für gewöhnlich fern, aber für das Social-Media-Team der Tirol Werbung mache ich eine Ausnahme und liefere ein paar ganz basale Informationen:
- Südtirol ist einer der Teile Tirols. Selbst der Name “Tirol” wie auch der Wappenadler und die Landesfarben weiß-rot (die die Tirol Werbung im Logo trägt) haben ihren Ursprung in Südtirol im heutigen Dorf Tirol (evtl. einmal “Grafen von Tirol” und “Schloss Tirol” googlen).
- Südtirol gehört zwar zu Italien, verfügt aber aufgrund der turbulenten Geschichte über einen autonomen Sonderstatus, der die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Landes garantieren soll. Für diesen Sonderstatus haben vornehmlich auch österreichische Politiker gekämpft und mit der Errichtung der Euregio wurde weiter versucht, die nationale Logik, die in Südtirol noch weniger als anderswo funktioniert, abzuschwächen und die durch den Ersten Weltkrieg getrennten Landesteile wieder anzunähern.
- Rein geografisch betrachtet dürfte Südtirol “alpiner” sein, als das Bundesland Tirol. Während Teile des Bundeslandes Tirol zum Alpenvorland zählen, liegt Südtirol zur Gänze in den Alpen und hat somit wohl auch “alpine vibes” – was immer damit gemeint ist. Gleichzeitig war das historische Tirol nie ein rein deutschsprachiges Land. Ladinisch ist die älteste Landessprache und als Region, die den deutschen und italienischen Kulturraum verbindet, waren Teile Tirols immer schon italienischsprachig (evtl. “Welschtirol” googlen).
- Die erste bildliche Darstellung von Tiroler Knödeln (ca. 12./13. Jahrhundert) findet sich in der Burgkapelle Hocheppan (Südtirol). Das weiß sogar das österreichische Landwirtschaftsministerium. Knödel gehören allgemein zur alpenländischen Kulinarik, ungeachtet auch noch anderer Vereinnahmungsversuche. Der Kaiserschmarrn hingegen stammt aus dem Wien des 19. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der die Grafschaft Tirol Teil des Habsburgerreiches war.
- Es gibt keinen Südtiroler Dialekt. Die hoch- bzw. oberdeutschen Mundarten, die in Südtirol gesprochen werden, sind – gleich wie im Bundesland Tirol mit Ausnahme des Außerferns – südbairische Dialekte. Diese zeigen große lokale Varietät und halten sich nicht an Staatsgrenzen. Dementsprechend ist die Mundart, die im obersten Vinschgau (Südtirol) gesprochen wird jener des Oberen Gerichts (Nordtirol) ähnlicher als der des Hochpustertales (Südtirol) oder des Unterlandes (Südtirol). Umgekehrt ähnelt die Mundart im Osttiroler Pustertal jener des Südtiroler Hochpustertales mehr als beispielsweise der des allemannischen Außerferns oder des südmittelbairischen Unterinntales.
P.S.: suedtirol.official (Südtirol Werbung) hat übrigens ein “Like” und einen Kommentar (“Hey, Knödel haben wir auch, aber beim Dialekt kann es schon mal schwierig werden”) dagelassen.
P.P.S.: Der Tiroler Tageszeitung liegt mittlerweile eine Stellungnahme der Tirol Werbung vor:
Wir wollten mit unserem Posting zum Vergleich zwischen Tirol und Südtirol einem aktuellen Trend auf Instagram folgen, in dem sich Destinationen vorstellen und auch humorvoll vergleichen. Das ist in diesem Fall nicht gelungen und wurde der besonderen Beziehung zwischen Südtirol und Tirol leider in keinster Weise gerecht. Da dieses Posting in dieser Form ein Fehler war, haben wir es unverzüglich gelöscht.


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