(Gleichstellungs-)Analogien.
Quotation 240

Chefredakteurin Alexandra Aschbacher schreibt in Ihrem dieswöchigen ff-Leitartikel über die Gleichstellung von Mann und Frau — den ich vollinhaltlich teile — unter anderem folgendes:

Man erklärt uns gerne die Gleichheit auf dem Papier, aber diese reicht nicht mehr aus. Ein bisschen gleich ist nicht genug.

und

Liebe Frauen, bitte stillgestanden. Seid nicht so unvernünftig, euch in einen sinnlosen Aufstand zu stürzen.
Aber: Brav und perfekt zu sein, hilft uns auch nicht weiter. Es ist Zeit, uns zu entscheiden, ob wir uns ändern, um in die Geschichte zu passen, oder ob wir die Geschichte ändern. Wir müssen uns dafür auch ein bisschen weigern, die Welt zu akzeptieren, wie sie ist. Dazu müssen wir provozierende Fragen stellen zu Politik, Arbeit und Familie.

Aus -Sicht fallen mir bei derart wohltuenden Argumenten jedoch auch Analogien ein, die herauszustreichen ich mir nicht verkneifen kann. Spricht man in Südtirol über die Unabhängigkeit, aber auch über die Gleichstellung (der deutschen mit der italienischen Sprache), wird man oft mit Kopfschütteln konfrontiert. »Was redet ihr von Freiheit? Sind wir denn nicht frei?« wird dann häufig argumentiert. Oder: »Uns geht es doch besser, als je zuvor!«

Auch den Frauen geht es in unserer heutigen Gesellschaft vermutlich besser, als je zuvor. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir (ja wir, auch die Männer) uns damit zufrieden geben sollten, denn wie Frau Aschbacher schreibt, ist ein bisschen gleich nicht genug.

Ein bisschen Gleichstellung zwischen den Landessprachen und ein bisschen Freiheit könnte aber je nach Ermessen der Bevölkerung ebenfalls nicht genug sein. Und wenn dem so ist, dann ist daran nichts lächerlich, nichts übertrieben.

Liebe Südtirolerinnen, bitte stillgestanden. Seid nicht so unvernünftig, euch in einen sinnlosen Aufstand [um die Gleichstellung oder um die »Freiheit«] zu stürzen. Aber: Brav und perfekt zu sein, hilft uns auch nicht weiter. Es ist Zeit, uns zu entscheiden, ob wir uns ändern, um in die Geschichte zu passen, oder ob wir die Geschichte ändern. Wir müssen uns dafür auch ein bisschen weigern, die Welt zu akzeptieren, wie sie ist. Dazu müssen wir provozierende Fragen stellen…

Nichts für ungut. Aber es bringt eben niemandem etwas, wenn man wichtige Themen mit oberflächlichen Argumenten abschmettert.

Siehe auch:

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