Categories
BBD

Die perfekte Familie… am Arsch.
Die finanzielle Situation einer Jungfamilie in Nord- und Südtirol. Ein Vergleich.

Wir wollen heute das Bild der perfekten Durchschnittsfamilie zeichnen. Einer mittelständischen Familie in Südtirol, die alles richtig gemacht hat. Zumindest wenn es nach immer noch recht gängigen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen geht.

Wir haben ein junges Paar. Verheiratet. Er als auch sie hat Matura, vielleicht sogar studiert. Im Anschluss konnten beide eine Vollzeitanstellung in der Südtiroler Privatwirtschaft finden. Im Abstand von exakt drei Jahren wurden zwei Kinder geboren. Die Familie nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel wann immer es geht, besitzt aber auch einen Gebrauchtwagen, einen kleinen Family-Van. Was Lebensmittel betrifft lautet das Motto Qualität vor Quantität. Man isst frisch, ausgewogen und gesund. Kauft Brot beim Bäcker, Obst beim Obsthändler, Fleisch beim Metzger. Einkäufe werden bei M-Preis statt Lidl und oft auch im nahen Gemischtwarengeschäft getätigt, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Genau so, wie es die Politik propagiert.

Das Paar bemüht sich, aktiv zu sein und mit den Kindern die Vorzüge der Südtiroler Heimat auszukosten. Im Sommer hin und wieder ein Abstecher ins Schwimmbad. Im Winter auf die Piste oder die Rodelbahn. Beim Wandern in den Bergen oder beim Radfahren im Tal kehrt man ab und an im Gasthaus ein oder schleckt ein Eis. Wiederum zum Wohle der heimischen Betriebe. Genau so, wie es die Politik propagiert.

Die 110-Quadratmeter-Wohnung (Miete oder Eigentum ist einerlei) ist Klimahaus B. Es gibt einen Breitbandinternetanschluss, Vater und Mutter haben ein Handy und einen Laptop. Luxus gönnt man sich kaum. Urlaub geht sich nicht jedes Jahr aus, aber alle zwei Jahre fährt das Paar mit den Kleinen für ein paar Tage ans Meer. Solange die Kinder zur Schule gehen, arbeitet nur ein Elternteil Vollzeit, das andere Teilzeit. Die jeweils ersten drei Jahre nach der Geburt widmet die Mutter voll und ganz ihren Kindern.

Soweit sogut.

Jetzt wollen wir mal schauen, wie sich dieser “perfekte” Lebensstil auf die Geldtasche auswirkt.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Südtirol beträgt ungefähr 2000 Euro. Ohne Kinder würde unser Paar also monatlich 4000 Euro nach Hause bringen und ein finanziell einigermaßen sorgloses Leben führen. Doch wenn man die Rechnung als Familie macht, sieht es düster aus. Sehr düster.

Durchschnittliche Monatsrechnung in den ersten sechs Jahren mit Kindern
Durchschnittliche Monatsrechnung in Südtirol in den ersten sechs Jahren mit Kindern

In den ersten sechs Jahren mit Kindern hat die Familie einen monatlichen Abgang von über 400 Euro. Das sind 5000 Euro pro Jahr, die an Schulden angehäuft werden. Der Start ins Familienglück wird einer mittelständischen Familie in Südtirol in den ersten sechs Jahren also mit über 30.000 Euro Defizit versüßt. Wenn dann noch das Auto kaputt geht oder eine größere Reparatur ansteht, kommen noch einmal ein paar Tausender drauf. Notgroschen? Fehlanzeige! Ohne Kinder hingegen könnte sich das Paar über 1000 Euro monatlich auf die Seite legen.

Erschwerend hinzu kommt noch, dass Mütter in der Privatwirtschaft in Südtirol nur elf Monate Anspruch auf Mutterschaft haben (fünf Monate bei 80 % oder bisweilen auch vollem Gehalt und sechs Monate bei 30 %). Wenn beide Elternteile Karenzzeit in Anspruch nehmen, erhöht sich diese Zeit um vier oder fünf Monate – je nach Modell. Für öffentlich Bedienstete ist die Lage etwas besser. Ginge ein Elternteil – wie oben angenommen – bei jedem Kind drei Jahre in Karenz (was in Südtirol im Gegensatz zu Nordtirol gar nicht geht – außer man kündigt), fielen 50 nicht pensionsversicherte Monate an. Monetär beziffert wäre das ein weiterer Verlust von rund 43.000 Euro. In Summe verliert das Paar in sechs Jahren 73.000 Euro.

Machen wir die Rechnung weiter, bis das erste der beiden Kinder 18 Jahre alt ist. In dieser Zeit würde eine durchschnittliche Monatsrechnung in etwa so aussehen – wobei die Spesen für zwei heranwachsende Schulkinder mit 300 Euro extrem niedrig bemessen sind.

Durchschnittliche Monatsrechnung bis das erste Kind volljährig wird
Durchschnittliche Monatsrechnung in Südtirol bis das erste Kind volljährig wird

In den nächsten 12 Jahren ergibt sich also ein monatlicher “Profit” von 47 Euro. Die Rechnung ist aber — wie gesagt — sehr wohlwollend. Der jährliche Notgroschen beläuft sich demnach auf 564 Euro. Im gesamten Berechnungszeitraum (zwischen 6. und 18. Lebensjahr des älteren Kindes) sind dies 6768 Euro. Zieht man dieses Plus nun von den 73.000 Euro ab, die in den ersten sechs Jahren an Defizit entstanden sind, häuft unsere junge Familie bis zum 18. Lebensjahr des ältesten Kindes über 66.000 Euro Schulden an. Verzichtet man auf die 50 Monate Pensionszeit sind es immer noch 23.000 Euro, die in der Endabrechnung fehlen. Wir können also feststellen, dass sich eine junge mittelständische Familie in Südtirol keine Existenz aufbauen und das Leben schlicht nicht leisten kann, wenn sie nicht geerbt hat. Was die Politik propagiert, geht sich rechnerisch nicht aus.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass obige Rechnung mit Durchschnittsgehältern gemacht wurde, dann ist die Situation wirklich dramatisch. Wohl mehr als die Hälfte der Zwei-Erwachsene-zwei-Kinder-Familien (der Einkommensmedian liegt ein paar hundert Euro unter dem Durchschnitt) ist schlechter dran als unsere “perfekte Familie”. Von Alleinerziehern ganz zu schweigen.

Wir lenken den Blick nach Norden und machen die gleiche Rechnung nochmal. Wir nehmen die gleichen Zahlen was Gehälter und Ausgaben betrifft, denn Durchschnittseinkommen, Kaufkraft und Lebenshaltungskosten liegen in den beiden Landesteilen sehr nahe beieinander, wenngleich der Wohnungsmarkt im Norden doch etwas entspannter sein dürfte.

Durchschnitt
Durchschnittliche Monatsrechnung in Nordtirol in den ersten sechs Jahren

Hier sieht die Lage auf den ersten Blick noch schlechter aus. Der monatliche Abgang beträgt fast 500 Euro (jährlich rund 5700 Euro und in sechs Jahren 34.000 Euro). Der Unterschied zu Südtirol jedoch ist, dass die Kinderbetreuungszeit bis zu 48 Monate pro Kind für die Pensionszeit angerechnet wird. Mütter können zudem zwischen vier Modellen mit 12 bis 30 Monaten Karenzzeit wählen. Auch im Bundesland Tirol gibt es Modelle für Vater und Mutter. Wenn beide Elternteile Kinderbetreuungszeit in Anspruch nehmen, verlängert sich diese je nach Variante zwischen zwei und sechs Monate.

Führen wir nun die Rechnung wieder bis zum 18. Lebensjahr des älteren Kindes fort.

Dio
Durchschnittliche Monatsrechnung in Nordtirol bis das erste Kind volljährig wird

Man sieht, dass die staatliche Unterstützung für junge Familien in Österreich viel länger greift. Die Familienbeihilfe wird bis zum 24. Lebensjahr ausbezahlt und steigert sich von 119 auf 169 Euro monatlich pro Kind. Leben in einer Familie mehrere Kinder, erhöhen sich diese Beträge noch um ein paar Euro. Somit bleibt der Nordtiroler Durchschnittsfamilie im Monat ein Notgroschen von 286 Euro. Das sind 3400 Euro im Jahr und 41.000 Euro bis zum 18. Lebensjahr des ältesten Kindes. Zieht man den Verlust aus den ersten sechs Jahren ab, hat die Familie am Ende 7.000 Euro Überschuss. In Südtirol waren es 23.000 bzw. 66.000 Euro (rechnet man die Versicherungszeiten ein) Verlust.

Wir stellen fest, dass das Familienleben der Durchschnittsbürger auch im Bundesland Tirol kein Honiglecken ist, aber zumindest ist ein Überleben ohne Schulden möglich.

Es lohnt sich auch, einen Blick auf die Struktur und das Vergabeprozedere der Unterstützung zu werfen. Während es in Südtirol vier verschiedene “Familiengelder” gibt, um die alle separat angesucht werden muss, ist in Österreich sämtliche Unterstützung in der Familienbeihilfe kumuliert. Der Kinderabsetzbetrag geht automatisch mit der Familienbeihilfe einher. Das Prozedere, um an Familienbeihilfe zu gelangen, ist denkbar einfach und unbürokratisch. Man braucht als Familie nämlich gar nichts zu tun.

Familienbeihilfe
Bei der Geburt eines Kindes muss die Familienbeihilfe nicht mehr beantragt werden (antraglose Familienbeihilfe). Die Finanzverwaltung prüft alle Voraussetzungen automatisch und überweist die Familienbeihilfe auf ein Konto der Eltern.

Kinderabsetzbetrag
Anspruch auf den Kinderabsetzbetrag hat jeder Steuerpflichtige oder jede Steuerpflichtige, der oder die Familienbeihilfe bezieht. Der Absetzbetrag wird gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausgezahlt und ist nicht gesondert zu beantragen.

In Südtirol bekommt man zwar weniger Geld, dafür ist die Sache dann aber auch etwas komplizierter.

Familiengeld des Landes
Der Antrag kann erst ab dem Zeitpunkt gestellt werden, ab dem die antragstellende Person sämtliche Voraussetzungen erfüllt. Innerhalb eines Jahres nach der Geburt oder der Adoption/Anvertrauung (Datum der Verfügung) werden die Monatsraten rückwirkend ab Folgemonat der Geburt/Adoption oder der Erlangung der Zugangsvoraussetzungen ausbezahlt. Nach Überschreitung der Frist steht das Familiengeld erst ab dem Folgemonat nach der Antragstellung zu.

Die Anträge für das Familiengeld des Landes haben 3 Jahre Gültigkeit.

Für jede neue Geburt, Adoption oder Anvertrauung muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Antragstellung
Der Antrag kann ausschließlich bei allen Patronaten des Landes eingereicht werden, die diesen dann an die Agentur ASWE übermitteln.

Notwendige Dokumente
Bewertung von Einkommen und Vermögen:

Die wirtschaftliche Lage Ihrer Familiengemeinschaft wird durch die einheitliche Einkommens- und Vermögenserklärung (EEVE) bewertet.

Wenn Sie das Familiengeld des Landes beanspruchen wollen, benötigen Sie die neue EEVE-Erklärung. Dafür wenden Sie sich an die Steuerbeistandzentren (CAAF) und/oder an jene Patronate welche diesen Dienst anbieten.

 

Regionales Familiengeld
Der Antrag kann ab dem Zeitpunkt gestellt werden, an dem die antragstellende Person sämtliche Voraussetzungen erfüllt. Der Beitrag steht dann ab dem Folgemonat nach der Antragstellung zu. So steht z.B. bei einer Antragstellung im März das Familiengeld ab dem Monat April zu.

Wenn der Antrag binnen 90 Tagen nach der Geburt, Adoption oder Anvertrauung des Kindes eingereicht wird, steht das Familiengeld ab dem Folgemonat nach der Geburt, Adoption oder Anvertrauung zu.

Um den Zuschuss ohne Unterbrechung beziehen zu können, muss der Antrag jährlich zwischen 1. September und 31. Dezember erneuert werden.

Antragstellung
Der Antrag kann ausschließlich bei allen Patronaten des Landes eingereicht werden, die diesen dann an die Agentur ASWE übermitteln.

Notwendige Dokumente
Bewertung von Einkommen und Vermögen:

Die wirtschaftliche Lage Ihrer Familiengemeinschaft für das Familiengeld der Region wird durch die einheitliche Einkommens- und Vermögenserklärung (EEVE) bewertet.

Wenn Sie das Familiengeld der Region beanspruchen wollen, benötigen Sie die neue EEVE-Erklärung. Dafür wenden Sie sich an die Steuerbeistandzentren (CAAF) und/oder an jene Patronate welche diesen Dienst anbieten.

 

INPS Familiengeld
Das Ansuchen muss jedes Jahr erneuert werden. Die Auszahlung bezieht sich immer auf den Zeitraum Juli – Juni des darauf folgenden Jahres. Es erscheint jedes Jahr ein Rundschreiben. Die Gesuche können laufend eingereicht werden, der Anspruch auf Familiengeld verjährt erst nach 5 Jahren.

Notwendige Unterlagen
A) die Steuererklärung über das Einkommen des entsprechendesn Jahres, der Nachweis des Arbeitgebers über Entlohnungen, CU genannt, eventuelle Belege über Rentenzahlungen, Katasterauszüge und eventuelle andere Unterlagen, mit denen das Jahreseinkommen nachgewiesen werden kann.
B) die Steuernummerkärtchen bzw. Gesundheitskarte aller Familienmitglieder

 

Staatliches Familiengeld
Zugangsvoraussetzungen
Das Familiengeld steht allen EU-Bürgern und Nicht EU-Bürgern (die in Besitz der langfristige Aufenthaltsgenehmigung EU sind) zu, welche in einer Gemeinde Südtirols ansässig sind und folgende Voraussetzungen erfüllen:

Sie müssen mindestens drei Kinder unter 18 Jahren haben

die Familiengemeinschaft darf nicht  die im Verhältnis zu der Anzahl der Familienmitglieder vorgesehene Schwelle übersteigen. Für das Jahr 2016 beträgt diese Schwelle höchstens 8.555,99 Euro.

Termine
Das Ansuchen muss jedes Jahr und innerhalb 31. Jänner des darauffolgenden Jahres (z.B. Gesuch für das Jahr 2016 innerhalb 31. Jänner 2017) eingereicht werden.

Notwendige Dokumente
Der Antrag kann ausschließlich bei allen Patronaten des Landes eingereicht werden, die diesen dann an die Agentur ASWE übermitteln.

Hervorhebungen von mir.

Da bedarf es eigentlich keiner Worte. Während in Nordtirol also die Verwaltung alle Voraussetzungen automatisch prüft und im Anspruchsfall automatisch auszahlt, darf eine Familie in Südtirol bisweilen jährlich zu unterschiedlichen Zeiten mit einer Mappe voller (Papier)-Unterlagen zu zwei bis drei unterschiedlichen Ämtern rennen, um der Verwaltung Dinge zu belegen, die sie ohnehin wissen müsste.

Mitnichten geht es in diesem Artikel um eine Neiddebatte. Wenn ich ankreide, dass eine mittelständische Südtiroler Familie mit einem in unseren Breiten üblichen Lebensstil in 18 Jahren 66.000 Euro Schulden anhäuft, haben wir es nicht mit Neid, sondern mit einem kolossalen Systemfehler zu tun. Ob es angesichts dieser erschreckenden Zahlen dann von Seiten der Politik das richtige Signal hinsichtlich Prioritäten ist, wenn beispielsweise die Verwaltungs- und Pflegedirektoren im Sanitätsbetrieb dieses Jahr eine Gehaltsaufstockung von 40.000 bis 60.000 Euro (+30% auf 180.000 bis 200.000 Euro) erhalten, lass ich jetzt dahingestellt.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/

Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

110 replies on “Die perfekte Familie… am Arsch.
Die finanzielle Situation einer Jungfamilie in Nord- und Südtirol. Ein Vergleich.

Vielleicht sollte man dann Einsparungen treffen? Es gibt kein Recht auf frische Lebensmittel. Oder vielleicht keine zwei Kinder haben? Es ist nicht der Staat dafür verantwortlich dass man über die Runden kommt mit seinem Lebensstil, dies wäre ein Hohn gegenüber all jenen die tatsächlich unter Armut leiden.

ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

1. es gibt ein menschenrecht auf angemessenen lebensstandard und auf ausreichende ernährung, wie auch auf ein höchstmaß an körperlicher und geistiger gesundheit. festgeschrieben im internationalen pakt der vereinten nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle rechte. angemessenheit ist natürlich interpretationssache und wohl auch von region zu region verschieden.
2. es ist sehr wohl aufgabe des staates – auch im sinne des un-sozialpaktes – für rahmenbedingungen zu sorgen, die einer größtmöglichen anzahl von menschen die obigen ziele erreichen lassen.
3. es geht in meinem beispiel nicht darum, dass diese durchschnittsfamilie natürlich im vergleich zu anderen viel ärmeren auf hohem niveau jammert und ja tatsächlich sparen könnte. du hast die essenz der botschaft offenbar nicht verstanden. es geht um verteilungsgerechtigkeit und das manko eines systems, das die mehrheit der menschen, die genau das tun, was das system verlangt, benachteiligt.
4. wie succus richtigerweise geschrieben hat, leisten die familie eine wichtige arbeit für die allgemeinheit. deine geliebte freie marktwirtschaft würde nicht ohne die konsumenten funktionieren, die die familien produzieren. eltern entscheiden sich bewusst für einen wirtschaftlichen nachteil (entgegen der marktlogik), der dann aber wiederum dem markt zugute kommt, vielmehr sogar seine existenzgrundlage ist.
5. das einsparungspotential ist in obiger rechnung zwar gegeben, aber bisweilen führen solche einsparungen auch zu einem teufelskreis. womit wir wieder bei “angemessen” wären. ich kann im amazonasdschungel sehr wohl einen angemessenen lebensstil ohne computer, handy, auto usw. führen, solange ich genung zum essen, ein dach über den kopf habe und in den stammesverband eingebunden bin. würde bei uns jemand – weil er es sich nicht leisten kann – auf handy, computer oder auto verzichten, erfährt er daraus langfristig mit ziemlicher sicherheit auch weitere wirtschaftliche nachteile, weil diese dinge in unserer gesellschaft voraussetzung für teilhabe und somit für wirtschaftliches vorankommen sind. du siehst, es ist alles doch auch ein bisschen komplexer als du denkst.
6. ähnliches gilt für freizeitbeschäftigung. wir arbeiten großteils sitzend in bürojobs. wir machen nicht mehr die erforderliche bewegung, die uns biologisch gesund halten würde. daher sind wir auf bewusste freizeitgestaltung mit bewegung angewiesen, die wiederum unsere gesundheit erhält, damit wir wirtschaftlich mithalten können. wenn ich also ein mountainbike, eine jahreskarte fürs schwimmbad, teure laufschuhe oder ein liftticket kaufe, ist das nicht notwendigerweise verzichtbarer luxuus. ein weglassen desselben würde wahrscheinlich auch zu einer weiteren wirtschaftlichen verschlechterung führen, da meine psychische und physische gesundheit schaden nehmen würde. ähnliches gilt für soziale aktivitäten.

Bizarrerweise ist die Erhöhung (!) der Managergehälter im Sanitätsbetrieb um 60.000 Euro brutto genau jener Betrag, der einer Südtiroler Familie das Überleben sichern würde.
Angenommen, besagte Manager würden exakt den gleichen Lebensstil, wie den oben beschriebenen, führen, könnten sie monatlich – wenn ich richtig gerechnet habe – rund 6000 Euro auf die Seite legen. Das wären 72.000 Euro pro Jahr und 1,3 Millionen Euro in jenem Beobachtungszeitraum von 18 Jahren, in dem die Durchschnittsfamilie 66.000 Euro Schulden anhäuft.

Danke für den Artikel, das Thema liegt mir auch am Herzen. Italien ist sicherlich innerhalb der EU eines der kinder- und familienunfreundlichsten Länder innerhalb der EU. Wenn davon ausgegangen wird, dass die Investition in Kinder für einen Staat langfristig Vorteile bringt, dann wird hier sehr schlecht und wenig nachhaltig investiert. Das heißt für mich nicht, dass wir eine Rundumversorgung für Familien aufbauen müssen, aber wenn rational Familien schlechter gestellt werden, obwohl Sie einen sehr wichtigen gesamtgesellschaftlichen Beitrag leisten, dann müsste hier bewußt gegengesteuert werden. Ich habe vier Kinder, die Förderung ist ein Witz, für mich wäre es zumindest gerecht, wenn ein Art Familiensplitting eingeführt wird. Das würde bedeuten, dass das Famileineinkommen auf die Mitglieder der Familie aufgeteilt wird, mit dementsprechend niedrigen Steuersätzen für die Familie. Leider läuft es in Italien in die komplett andere Richtung, die niedrigen Geburtenraten sind sicherlich ein Indiz dafür, subjektiv habe ich das Gefühl, die Italiener haben mittlerweile mehr Hunde als Kinder, der Papst hat dies auch schon beklagt.

Schmarrn. Es ist nicht die Frage, ob ich sie leisten will, sondern kann. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sie mir leisten kann. Trotzdem darf ich falsche Politik kritisieren.

Es geht um Steuerpolitik und Prioritäten.

Es geht also darum dass die Allgemeinheit Privatvergnügen finanziert?
Oder um die Unfähigkeit Prioritäten im eigenen Leben zu setzen und sich dann beim Staat zu beschweren?

Wenn Sie sich nicht vier Kinder leisten wollen, dann sollten Sie halt vielleicht nicht vier haben?

Es ist leider unsere Gesellschaft, die es – u. a. auch aus den von Harald weiter oben aufgelisteten Gründen – sich nicht länger leisten kann, auf Kinder zu verzichten.

Noch ein kleines vereinfachtes Rechenbeispiel zum Familiensplitting. Eine vierköpfige Familie wird von einem Vollzeitbeschäftigten erhalten. Bruttoeinkommen 40.000 Euro. Werden diese 40.000 auf vier Mitglieder aufgeteilt, ergibt das ein zu versteuerndes Einkommen von 10.000 je Mitglied. Bei einem Steuerfreibetrag von 5.000 Euro je Mitglied und einen Steuersatz von sagen wir mal 10% bis 10.000 Euro ergäbe dies 4×500=2.000 Euro Steuerschuld für die gesamte Familie. Bei einer klassischen Besteuerung des Vollzeitbeschäftigten und 40% Steuersatz ergibt dies eine Steuerschuld von 14.000 Euro mitsamt einen Steuerfreibetrag. Wie man sieht, ergeben sich hier enorme Unterschiede.

Überbevölkerung ist ein Problem. In Europa ist jedoch das natürliche Bevölkerungswachstum negativ und somit das Gegenteil der Fall. Ich sehe da also keine “Bedrohung”. Obschon unser Wirtschaftssystem grundsätzlich zu hinterfragen ist, braucht dieses Konsumenten, die das exponentielle Wachstum schaffen.
Ich denke, dass ein gesunder Mittelweg das Richtige wäre. Wirtschaft nicht auf exponentielles Wachstum auslegen und Bevölkerung stabil halten. Und dafür braucht es nun einmal Kinder.

@pervasion
ich glaube nicht, dass es auf dauer zielführend ist, andere weltgegenden als “gebärmaschinen” für unser wachstum und unser pensionssystem zu missbrauchen. zuwanderung soll meiner meinung nach dem austausch und der vielfalt dienen, nicht jedoch systemfehler kaschieren und kompensieren. siehe

“Wir brauchen Zuwanderung”

ist ein satz, den ich nicht mag. ich habe nichts gegen zuwanderung. aber “wir brauchen zuwanderung” sieht das phänomen aus der reinen nehmerperspektive ohne die folgen für die gebiete in betracht zu ziehen, aus denen abgewandert wird. ob sie dem zuwanderer zum vorteil gereicht, ist auch wurscht. hauptsache, wir bekommen, was wir brauchen. so in etwa wie “wir brauchen öl”. und das was WIR brauchen, haben wir uns immer schon geholt. auch gern einmal auf kosten anderer.

Ein freier Markt benötigt freie Menschen. Gäbe es keinen, realen oder mittelbaren, Mindestlohn in Europa hätten wir halt auch keine Arbeitslosigkeit.

Natürlich Harald, so wie du es beschreibst ist (wäre) es abzulehnen. Es geht mir vielmehr um eine Gesamtsicht der Dinge… wir sollten nicht so tun, als wären die Länder dieser Welt Gefäße, die nicht miteinander kommunizieren. Also brauchen wir globale Lösungen, nicht nur solche, die auf einzelne Länder fokussiert sind. Natürlich bin ich trotzdem dafür, dass Staaten im hier und jetzt innenpolitisch agieren.

Ein freier Markt benötigt freie Menschen. Gäbe es keinen, realen oder mittelbaren, Mindestlohn in Europa hätten wir halt auch keine Arbeitslosigkeit.

Mal wieder am eigentlichen Thema vorbei. Der Text fordert nicht, dass die Familien oder sonst wer für lau durchgefüttert werden (was du ja gerne mal irgendwo reininterpretierst), sondern nichts anderes als:
– wenn ich dem Staat schon muss diese immensen Steuern abdrücken, dann erwarte ich auch eine Gegenleistung dafür. Ansonsten müssen für Verwaltung, Regierung, Militär,… 20% Steuerlast reichen.
– wenn das schon nicht möglich ist, dann darf mich der Staat nicht noch durch eine schier unüberwindbare Bürokratie einbremsen (welche noch dazu absolut sinnlos ist).

Bei einer Steuerlast von über 60% und gleichzeitiger miserabler Gegenleistung sowie zusätzlichen Bremsklötzen in Form von unsinnigen Gesetzen, Bürokratie,… den Ausdruck “Freier Markt” überhaupt in den Mund zu nehmen, ist blanker Hohn.
Einverstanden, auch ich plädiere für mehr Eigenverantwortung des Bürgers. Aber dann soll mir der Staat auch nicht über alle Maßen in den Sack steigen und nicht jeden Furz meines Lebens regulieren (zumindest nicht, wenn dabei eine Verstopfung rauskommt).

Davon abgesehen macht eine Förderung von Familien mit Kindern durchaus Sinn. Oder willst du mit 90 noch deinen faltigen Hintern ins Büro schieben, weil die Rentenbeitragszahler fehlen? (Wir erinnern uns: wir legen durch unsere Beiträge keine Sparposition an, sondern erwerben Rentenansprüche). Die zugewanderten “Facharbeiter” aus Afrika werden kaum in nennenswerter Weise an unserer hochspezialisierten Arbeitswelt teilhaben.
Und im Kreis deiner Familie alt werden und dich pflegen lassen kannst du ohne Kinder auch nicht. Das übernehmen dann die Kinder von…ja, von wem eigentlich, wenn man die Kinder zwecks liberaler Marktwirtschaft eingespart hat?

Das ist doch genau von der Politik gewollt. Zuerst durch Maßnahmen, oder in diesem Fall Nicht-Maßnahmen, verhindern, dass sich unsere Leute für Kinder entscheiden und dann einen ‘Demografischen Wandel’, ‘Fachkräftemangel’, usw. propagieren, um massenhaft Ausländer anzusiedeln, für die dann komischerweise genug Geld vorhanden ist.

Danke für diesen sehr lesenswerten Artikel, bin selbst in einer ähnlichen Situation wie die “perfekte Familie” (es sind aber drei Kinder), spare aber wohl ein wenig mehr ein bei sogar etwas weniger Verdienst ;-), da ich auch mit Familie ein begeisterter Anhänger des Minimalismus bin.
In der Kleinstadt in der ich lebe, wo sich Sissi öfters kurierte, sind 900 Euro Miete für 110 qm (und das gilt noch mehr für Bozen, Brixen oder Bruneck) wohl eher Utopie, da muss man fast immer über 1000 Euro Kaltmiete hinblättern und für rund 70-80 qm netto (3 Zi.) kann man die Wohnung meistens um die 900 Euro haben.
Man muss in Südtirol halt große Abstriche machen wenn man nicht gerade im Familienhaus der Eltern leben will bzw. etwas dazubauen will (was bei mir der Fall war) und eben selbst etwas aufbauen will.
Wenn man in so einer Situation ist und noch kein Erbe bekommen hat, muss man sich halt eine kleine Wohnung kaufen (Wohnbaudarlehen) und die Kinder dementsprechend darauf einstellen, sie sind oft glücklicher und zufriedener wenn sie nicht zuviel haben, auch wenn es dafür keine Garantie gibt. Es geht vieles wenn man unbedingt will und v.a. mit seinem Ehepartner auskommt, denn das ist und bleibt das Um und Auf um nicht bankrott zu gehen ;).
Außerdem bietet eine kleine Wohnung in der Stadt erhebliche Vorteile. Erstens ist dies noch eine gute Investition für die Pension wenn die Kinder ausgeflogen sind und zweitens hat sie weniger Nebenkosten (drittens könnte man sie leicht vermieten/verkaufen, was auf dem Land nicht so ist). Ein Haus in der Pampa war schon nie eine sonderlich gute Idee, m.E. nach auch nicht mal in Südtirol, wo es noch ein Dorf-Landleben gibt.
Wie gesagt, man muss halt anfangen spartanisch zu leben, dann geht es auch irgendwie mit Familie, Eigentumswohnung und kein Erbe. Aber das kann halt auch nur jemand machen, dem das nichts ausmacht und dem es liegt Minimalist zu sein. Von daher hat die Politik in Südtirol und ganz Italien in Sachen Familienpolitik wohl deutlich versagt.
In Südtirol kommt erschwerend hinzu, dass die Immobilienpreise wahnsinnig überteuert sind. Wenn ich für 65 qm (3 Zi.) netto in der Stadt heute in Südtirol überall um die 300000 Bananen hinblättern muss, dann stimmt das Verhältnis einfach nicht mehr.
Da müssten wohl die Löhne mit den Immobilienpreisen mitgehen, damit man wieder ein Gleichgewicht herstellen kann.

Vielen Dank, Harald, für diese hervorragende Darstellung. Man allerhand daraus schließen und es steht zu hoffen, dass einige der tüchtigen Familienpolitikerinnen der Mehrheitspartei sich das zu Herzen nehmen.
Ein Element in der ganzen Betrachtung und Diskussion ist dann zu kurz gekommen. In Südtirol ist, im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten, das Lohnniveau zu gering. Es müsste sich weit stärker in Richtung österreichisches Lohnniveau bewegen, tut es nicht, weil auch hier die Nationalen Kollektivverträge gelten, die nur zum Teil mit den Betriebsverträgen und manchmal Landeszusatzabkommen aufgestockt werden. Auch dann unzureichend. Ein hoher Anteil der Arbeitnehmer bezieht nur den tarfilichen Mindestlohn, der fürs ganze Staatsgebiet gleich liegt. Mein, auch autonomiepolitischer, Schluss ist folgender: Südtirol braucht die rechtliche Zuständigkeit, autonom einen auf die hiesigen Lebenshaltungskosten zugeschnittenen, gesetzlichen Mindestlohn festzulegen. Ab dieser Mindestgrenze können die Sozialpartner nur nach oben anpassen. Der fehlende Mindestlohn ist eine gravierende sozialpolitische Lücke im heutigen Statut.

Die Brutto Lohnkosten sind in Suedtirol hoeher als in Oestereich und BRD ,das mus malgesagt sein. Die Inneffizienz des Staates und der Politik die nur darauf schaut gewisse Priviligien wie goldene Pensionen usw. zu verteidigen , buerokratismus , und Schmarotzertum geben dem System den Rest! Ich kann es nicht mehr hoeren wenn ueber niedrige Loehne geredet wird und man die Schuld den Unternehmern gibt anstatt endlich mal den Faktor Arbeit zu entsteuern! 1000 € netto im Monat bedeuten 2.800€ Brutto Lohnkosten – sollte das noch nicht angekommen sein! Das ist der Wahnsinn!!

p.s. ich hab nichts gegen steuern. im gegenteil. ich glaube, dass hohe steuersätze in einem funktionierenden staat viel bewirken können. aber die lohnsteuern gehören dennoch massiv runter – während andere steuern erhöht gehören.

Der grenzsteuersatz in österreich beträgt 50%. Ungefähr 18% gehen für pension und sozialversicherung drauf. Verdienen sie 100 000 euro im jahr bleiben am ende 60 000 euro übrig. Für 40 000 euro kann man lange familienbeihilfe auszahlen.

Wieviele Bürger verdienen 100.000 Euro?
Wer hat heute noch starke Schultern?
Wie können die Nationalstaaten den Standortwettbewerb, der dazu zwingt den Sozialstaat abzubauen, durchbrechen?
Klar. Kleine und mittlere Unternehmen zählen vor allem in Italien nicht mehr zu den starken Schultern. Das sind heute internationale Konzerne….

Möchte noch hinzufügen, dass sich das Mutterschaftsgeld, das an den Lohn gekoppelt ist, beim zweiten (dritten, etc.) Kind sogar noch verringert, weil die Mutter nach dem ersten Kind wahrscheinlich nur mehr in Teilzeit arbeitet und somit beim nächsten Kind nur 100%, 80% bzw. 30% von ihrem Teilzeitgehalt erhält.

Konjunkturprogramm oder einfach ein “Zuckerle” fürs Wahlvolk, mehr nicht.
aber keine Sorge, nicht mehr lange und sie kommen mit “Helicopter-Money”, dieses System liegt in seinen letzten Zügen…

mir gefällt es im hier und jetzt besser.

Dieser Ego-Zentrismus kotzt mich an! Es gibt Menschen die verdursten, verhungern oder Eiskalt zerbombt werden, aber ihr fordert hier Luxusgeschenke, welche man sich nicht leisten kann, und auf dem Rücken zukünftiger Generationen bezahlt werden.
Tut mir sehr leid aber das ist die Definition von bescheuert und dumm. Zu behaupten die UN Menschenrechtscharta würde derartige Dinge fordern, in erster Linie sollte man einmal den ärmsten helfen überhaupt zu überleben! Und dazu gehört:
– Freihandel, ohne staatliche Manipulation (aka Subventionen)
– Kein Mindestlohn
– Keine Arbeitseinschränkungen außer Schutz von Leib und Leben
– Freie Personenfreizügigkeit unter ökonomisch gleich aufgestellten Ländern

Der sog. “Bonus bebè” macht monatlich 80 Euro aus. Unser letztes Kind kam im Sommer 2016 zur Welt, also ist mit dem einmaligen 800 Euro Bonus auch nix mehr. Das sind alles Zuckerlen, die nicht nachhaltig sind und wenig durchdacht. Und was halt auffällt. Für die ersten drei Jahre bekommt man den sog. “Baby Voucher” (monatl. 600 Euro für 6 Monate) vom Staat wenn man die Kinder in die Krippe oder zur Tagesmutter/Babysitter gibt.
Hier auch wieder, man fördert die Fremdbetreuung und macht die “Selbstbetreuung” (die ja von der Natur vorgesehen ist, oder wer hat schon mal Lebewesen beobachtet, die die eigenen Kinder weggeben?) madig. Da stimmt doch was nicht mehr zusammen.

Roland Düringer behandelt das Thema in seiner Sendung “Gültige Stimme” auf Puls4. Schade dass ich kein österr. Staatsbürger sein darf, ich würde Düringer und seine Partei “G!lt” wählen!

Hier auch wieder, man fördert die Fremdbetreuung und macht die “Selbstbetreuung” (die ja von der Natur vorgesehen ist, oder wer hat schon mal Lebewesen beobachtet, die die eigenen Kinder weggeben?) madig.

Das Thema hatten wir schon mal. Aber gerne nochmals: Diese Schwarz-Weiß-Malerei geht an der Realität vorbei. Wer sind denn diejenigen, die ihre “eigenen Kinder weggeben”? Jene Väter und Mütter, die sie für ein paar Stunden am Tag/in der Woche von einer Tagesmutter oder in einer Kindertagesstätte betreuen lassen und sich die ganze restliche Zeit selbst um sie kümmern?

Es lassen sich übrigens durchaus Lebewesen beobachtet, die ihre Jungen in größeren Verbänden und arbeitsteiligen Systemen groß ziehen. Auch solche, die sie weggeben. Kuckucke zum Beispiel.

Was ich damit sagen will: Diese Bezugnahme auf das, was angeblich “natürlich” ist, ist gänzlich irreführend. Menschliche Elternschaft ist auf einen (mehr oder weniger) natürlichen Prozess begründet, in ihrer jeweiligen Gestaltung aber seit jeher sozial konstruiert.

Last but not least: Um eine Komikerpartei mit populistisch-reaktionärer Schlagseite wählen zu können, musst du nicht österreichischer Staatsbürger sein.

@ sabina
jedoch bedeutet die maßnahme eine bevorzugung eines gewissen modells.
mir ist – wie ich bereits geschrieben habe – egal, wie die leute ihre kinder aufziehen (wenngleich ich manches nicht nachvollziehen kann). es ist deren entscheidung.
doch wenn ich mich dafür entscheide, zumindest in den ersten drei jahren mich voll und ganz meinen kindern zu widmen, sollte ich nicht bestraft bzw. benachteiligt werden. die öffentliche bezuschussung bzw. die öffentlichen kosten für einen kitaplatz sind wesentlich höher als die zuwendung, die jene bekommen, die keine kitas in anspruch nehmen.

@hunter

Wobei weder Gleichberechtigung noch Wahlfreiheit eine gleich hohe Bezuschussung voraussetzen. Um nicht zu sagen, dass in den meisten Fällen das Gegenteil zutrifft.

ich verstehe nicht, was du meinst.
und warum sollte kindererziehung zu hause nicht mit dem gleichen betrag abgegolten werden, den die öffentliche hand für öffentliche betreuung pro kind ausgibt?

ich verstehe nicht, was du meinst.

Wenn die Voraussetzungen ungleich sind, muss ich, um Gleichberechtigung zu schaffen, asymmetrisch agieren.

und warum sollte kindererziehung zu hause nicht mit dem gleichen betrag abgegolten werden, den die öffentliche hand für öffentliche betreuung pro kind ausgibt?

Ich sage nur, dass das nicht der Maßstab sein kann. Nicht auf die Gleichbehandlung kommt es an, sondern auf die Gleichstellung (s. Bild hier).

ja. schon verstanden. nur gibt es hier keine asymmetrie.

es ist immer “ich und meine familie”. und je nachdem für welches betreuungsmodell ich mich entscheide (selber oder fremd) habe ich einmal mehr geld (fremd) und einmal weniger geld (selber) zur verfügung. bleibt ein elternteil (in den ersten drei lebensjahren bei den kindern (mehr als ein full-time-job) macht man nach obiger rechnung massiv defizit. gehen beide zum ehestmöglichen zeitpunkt vollzeit arbeiten, geht es sich finanziell einigermaßen leicht aus. und renzis aktion befeuert dieses ungleichgewicht weiter. muss ich dir das nochmal vorrechnen oder hast du es verstanden?

@hunter
Solange so gut wie ausschließlich Frauen Elternzeit beanspruchen, wird sich an der Tatsache, dass Mutterschaft in unserer Gesellschaft in aller Regel mit wesentlichen Einbußen in der Gestaltung des Berufslebens einhergeht, nichts ändern. Außerfamiliäre Betreuungsangebote können diese Form der Diskriminierung abfedern und sollten aus diesem Grund auch gefördert werden (was übrigens erst seit relativ kurzer Zeit und in beschränktem Ausmaß erfolgt).
Im Sinne der Chancengleichheit und der Entwicklung einer neuen Kultur, die Familie und Beruf als gleichberechtigte Elemente im Leben von Männern und Frauen versteht, wären meiner Meinung nach Modelle ideal, die, nach einer obligatorischen Mutterschaftszeit von höchstens einem Jahr, Elternzeit für beide Elternteile getrennt vorsehen und diese mit einer gestaffelten Teilzeitregelung und Betreuungsangeboten verbinden. Vätern und Müttern sollte es so gleichermaßen ermöglicht/nahegelegt werden, Berufstätigkeit und Familie zu vereinbaren. Auf diese Art sind auch positive Auswirkungen auf eine zum Teil völlig entgrenzte Arbeitskultur zu erwarten.
Das wäre meiner Meinung nach einer dreijährigen vollzeitigen Elternzeit, die de facto fast immer eine Mutterzeit ist und so weder Arbeitgeber noch Väter in puncto Vereinbarung wirklich fordert, vorzuziehen.

Nicht auf die Gleichbehandlung kommt es an, sondern auf die Gleichstellung (s. Bild hier).

Aber solange es keine Wahlfreiheit gibt und das System nur in eine Richtung weist, sind die Bilder von Gleichbehandlung und Gleichstellung nicht zielführend. Denn dann sind diejenigen, die die Kinder gezwungenermaßen (meist aus finanziellen und organisatorischen Gründen) in die Kita geben, immer in der Mehrzahl, obwohl dies viele gar nicht machen würden wenn es eben richtige Wahlfreiheit gäbe.
Und @Sabina
Deine Argumente mit der sozialen Konstruktion sind zwar schlüssig, aber auf die heutige Zeit bezogen doch etwas anders als etwa die Erziehung bei den Indianern im Indianerdorf oder früher in unseren Dorfgemeinschaften. In der Kita können sich die jeweiligen ErzieherInnen sicher nicht immer um die einzelnen Kinder kümmern, wie das etwa bei der eigenen Mutter oder auch von mir aus der Oma der Fall ist. Und die ersten drei Jahre sind in meinen Augen nun mal immens wichtig, was das Urvertrauen und die Bindung betrifft. Da kann man aber gern geteilter Meinung sein.
Aber: wer sein Kind in die Kita oder zur Tagesmutter geben will oder muss (wie es ja immer häufiger der Fall ist, das wäre auch in meiner Situation so hätte man andere Arbeitszeiten), kann das gerne machen wenn es sich beide Elternteile beruflich nicht anders organisieren können (oder wollen). Es sollte aber die Wahlfreiheit gegeben sein, dass Normalverdiener die ersten drei Jahre das Kind selbst betreuen können wenn sie es wollen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass gerade diktatorische Regime in der Vergangenheit etwa Kleinkindbetreuung in der Gruppe genutzt haben, um alle Kinder in eine bestimmte Richtung zu erziehen. Es gibt also in der Geschichte nicht nur Positivbeispiele für die Fremdbetreuung von Kindern von klein auf.
Aber wie gesagt, es geht im Prinzip um die Wahlfreiheit und um nix anderes. Eigentlich müsste das in Demokratien doch machbar sein.

@hunter
Du musst mir gar nix vorrechnen. Ich hab mich mit Renzis Maßnahme gar nicht befasst, meins war eine grundsätzliche Feststellung. Klar kostet es die Allgemeinheit mehr, Kindergärten (oder Krankenhäuser) zu errichten, als Kinder (und Kranke) zuhause zu behalten. Das heißt ja noch nicht, dass man Menschen, die bei ihren Kindern bleiben, nicht entlasten soll und darf… aber die Höhe der Ausgaben, die dafür getätigt werden, sollten kein Maßstab sein.

Die Asymmetrie existiert, wenn man berücksichtigt, dass Frauen unverhältnismäßig öfter die »Familienarbeit« (so hattet ihr es glaub ich genannt) machen, als Männer. Deshalb sind die Ausgaben für Kitas vielleicht nicht eine Maßnahme zugunsten der Wahlfreiheit, aber sie verbessern die Gleichstellung zwischen Mann und Frau.

P.S. (für Steffl): Hast du eigentlich jemals Lebewesen (außer Menschen) gesehen, die »ihre« Kranken in ein Krankenhaus bringen? Ich nicht.

(Und wo wir schon dabei sind: Diktaturen haben die Kleinkindbetreuung genauso missbraucht, wie sie zum Beispiel Medien oder Gewerkschaften missbraucht haben. Deswegen sind Medien und Gewerkschaften an sich noch lang nix Anrüchiges.)

Wenn aktuell dieses System in dem wir leben so gut ist, dann frag ich mich schon warum es unzählige Einrichtungen voll von psychisch Kranken Burn-Out-Patienten gibt, v.a. aus dem Bereich Bildung und Medizin. Ich glaube die Quote von HausärztInnen und LehrerInnen bzw. KindergärtnerInnen, die auch in Südtirol in Einrichtungen wie Bad Bachgart behandelt werden, sprechen eine eindeutige Sprache. Wenn dieses System noch gesund ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Und die Kleinkindbetreuung wie wir sie heute haben, ist nun mal Folge dieses Systems. Wir sprechen hier vom Turbokapitalismus in seiner reinsten Ausprägung und es wird noch schlimmer kommen, wenn die Finanzkrise noch stärker wird und noch mehr gespart werden muss. Dann muss man bald 4 Jobs zu Zweit nachgehen, um die Familie über die Runden zu bringen. Es gibt in diesem System eine völlige Entkoppelung von der Natur, wer das nicht sehen will wird früher oder später fühlen (müssen).

@ pervasion
ad “aber sie verbessern die gleichstellung von mann und frau:”
mag sein, aber irgendwie kommt mir da jetzt einer unserer leitsprüche in zusammenhang mit der autonomie in den sinn: es ist die richtige antwort auf das falsche system

@hunter

ad “aber sie verbessern die gleichstellung von mann und frau:”
mag sein, aber irgendwie kommt mir da jetzt einer unserer leitsprüche in zusammenhang mit der autonomie in den sinn: es ist die richtige antwort auf das falsche system

Was wäre denn mit Blick auf die Gleichstellung von Mann und Frau das richtige System?

@sabina
falsch verstanden. der blickwinkel bezüglich “falsches system” ist meines erachtens die gesellschaftliche entwicklung bezüglich kinderbetreuung, nicht jene bezüglich gleichberechtigung und -stellung von mann und frau.

Und ich möchte noch eines klarstellen. Soviel Vaterschaftsurlaub wie ich als Mann nehme und schon genommen habe, ist in einem Land wie Südtirol wohl eine Seltenheit. Trotzdem sag ich das System ist falsch und die Wahlfreiheit sollte gegeben sein und die Gleichstellung von Mann und Frau ist eine Nebensache im System. Es geht darum, dass zwei Menschen Vollzeit arbeiten und konsumieren. Das System wird so am Leben erhalten.

@ sabina
wir schaffen nämlich möglichkeiten für frauen in einem “männlichen system” (kapitalistische leistungsgesellschaft, in der nur entlohnte arbeit als arbeit verstanden wird). ich wäre sehr dafür, dass es umgekehrt ist.
(sorry, für die etwas plakative und verallgemeinernde definition)

@hunter
Nachdem wir aber in einer Leistungsgesellschaft leben (die ich bereits im weiter oben zitierten Thread kritisiert hatte), sollten wir bis zur Realisierung der besten aller Welten einen Weg finden, um Männern und Frauen gleichberechtigten Zugang zur Arbeitswelt und zu Betreuungsaufgaben zu ermöglichen und sie mit außerfamiliären Angeboten unterstützen.
Was mich in diesem Diskurs stört ist diese völlig unangemessene Schwarz-Weiß-Malerei. Wie ich mit den entsprechenden Daten belegt habe, ist außerfamiliäre Betreuung in den allermeisten Fällen ein Baustein im Großziehen von Kindern. Und er ist für die Gleichstellung von Männern und Frauen solange von Bedeutung, bis sich auch Männer gleichberechtigt um ihre KInder kümmern. Und hier spreche ich von statistisch relevanten Größen, nicht von Steffl oder meinem Mann.
Wenn du so willst, ist die dreijährige Elternzeit zum jetzigen Zeitpunkt die falsche Antwort auf ein falsches System.

Lösungen bietet auch hier der Minimalismus, das ist ein neues Konzept das den übertriebenen Kapitalismus ablösen könnte. Zur Einfachheit zurückkehren und Ballast abwerfen kann befreiend sein. Auf einmal braucht man keine rießengroße Wohnung, die besten neuen Möbel, kein nigelnagelneues Riesenauto, jeden Tag Fleisch/Wurst oder bestimmte Markenkleidung mehr. Man kann mehr Zeit mit der Familie verbringen (nimmt natürlich finanzielle Einbußen in Kauf) und man kann wieder man selbst sein, und ihr werdet sehen, das mit der Kindererziehung gibt sich von selbst und die ganzen Burn-Outs und Bore-Outs werden drastisch zurückgehen. Jeder hat es selbst in der Hand, dem System das er nicht gut findet die Energie zu entziehen indem er auf etwas verzichtet. Nur ist man dazu bereit?

http://www.faz.net/aktuell/stil/leib-seele/ein-neuer-lebensstil-erwaechst-der-minimalismus-13994513.html

@sabina
genau so ist es. und daher habe ich geschrieben “richtige antwort auf das falsche system”

Wenn also asymetrisch agiert würde und nach und nach eine Gleichstellung, (flächendeckend Kitaeinrichtungen) erreicht würde, dann erst würde die völlige Wahlfreiheit (in jeder Hinsicht ) erreicht sein? Warum sollten wir das annehmen. Würde es dann nicht erst recht heißen, für Betreuung in der Familie gibt es keine finanzielle Unterstützung, es gäbe ja die Möglichkeit zur Kitabetreuung. Oder gibt es etwa die Gleichstellung von Eltern im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft? Während erstere mehrjährige Elternzeiten bei eingezahlten Rentenbeiträgen und Erhalt des Arbeitsplatzes genießen, schauen zweitere bei diesen Privilegien durch die Finger. Wie man sieht ist es oft ein Ding der Unmöglichkeit die richtige Antwort auf falsche Systeme zu finden. Das kann unter Umständen ewig dauern. Inzwischen schaffen junge Eltern einfach Fakten. Habe mit mehreren über dieses Thema gesprochen und habe vielfach in etwa folgende Stellungnahme gehört: Warum sollen wir ständig arbeiten bis wir 70 sind? Die Arbeit und das Geld sind nicht alles. Wir wollen die kostbare Zeit mit unseren Kindern nutzen, egal ob wir finanzielle Einbußen haben. Wir werden eh nur vom System ausgenutzt. Wenn wir 70 sind gibt es eh nur mehr wenig Pension. Mit 70 braucht man nicht mehr so viel Geld, dass man ununterbrochen einzahlen muss. Wir denken an das Jetzt mit unseren Kindern und nicht so weit voraus, wer weiß was kommt. Angesichts der Aufgabe kleinen Kindern das möglichst Beste zu geben, denken die wenigsten an die ideale Welt der Gleichstellung von Mann und Frau, sondern eher auch mal an sich selber indem sie eben nicht ununterbrochen bis ins Alter arbeiten wollen.
Bis die richtige Antwort auf ein falsches System oder besser noch das System an sich berichtigt wird, da fließt unter Umständen noch mehr Wasser die Etsch hinunter.

@Waltraud Astner
Besser könnte man es nicht ausdrücken. Dass dieser Kommentar negativ bewertet wird zeigt mir, dass wohl leider auch viele BBD-Leser eingefleischte Kapitalisten im System sind.

wir haben uns auch entschieden, nach dem grundsatz “geld ist nicht alles” zu leben. meine frau wollte um alles in der welt die erste zeit bei den kindern bleiben und auch ich wollte so viel zeit wie möglich mit ihnen verbringen. als akademikerehepaar, wobei meine frau als öffentlich bedienstete gegenüber privatangestellten noch privilegiert ist, hat uns diese bewusste entscheidung im vergangenen jahr ein defizit in der familienkasse von 5.500 euro beschert. wir finanzieren die zeit mit unseren kindern also auf pump und hoffen, das geld zu einem späteren zeitpunkt irgendwie wieder hereinzubekommen. (hätten wir die kinder abgegeben und für die fremdbetreuung bezahlt, wären wir 6.500 euro im plus gewesen. der unterschied zwischen eigen- und fremdbetreuung beträgt für einen durchschnittliche familie wie die unsrige also rund 12.000 euro pro jahr). bereuen tun wir die entscheidung keine sekunde. die schönste und prägendste zeit des lebens kann man sich nicht zurückkaufen.

mag sein, aber irgendwie kommt mir da jetzt einer unserer leitsprüche in zusammenhang mit der autonomie in den sinn: es ist die richtige antwort auf das falsche system

Kann schon sein, aber solange wir nicht das falsche System (kapitalistische Leistungsgesellschaft) überwunden haben, brauchen wir eben auch die »richtige Antwort«. Genauso, wie wir uns doch einig sind, dass wir bis zur Überwindung des Nationalstaats (Unabhängigkeit) die Autonomie nicht aufgeben dürfen.

@pervasion
schon. aber die “richtige antwort” auf das falsche system ist so richtig auch noch nicht, wenn du dir mein obiges rechenbeispiel zu gemüte führst.
die entscheidung, sich in den ersten drei jahren (nicht mehr, nur die ersten drei jahre) um die eigenen kinder selbst zu kümmern ist für eine mittelständische familie finanzieller selbstmord. das kann es nicht sein. gibt man die kinder in fremdbetreuung und geht stattdessen einer bezahlten arbeit nach (es ist ja nicht so, dass ein elternteil, das bei den kindern zuhause bleibt nichts tut – das ist nämlich ein knochenjob, wenn auch ein emotional sehr lohnender), hat finanziell keine probleme. wenn das nicht kapitalismus im endstadium ist, dann weiß ich nicht mehr. und dann wird immer noch weiter geschriehen (auch von linken), dass die vereinbarkeit von familie und beruf weiter verbessert werden muss und oberste priorität hat.
wie gesagt – wären wir beide schnellstmöglich wieder arbeiten gegangen, hätten wir keine probleme. die probleme hat man, wenn man sich entscheidet, in den ersten drei lebensjahren zeit mit seinen eigenen kindern zu verbringen. das ist so krank.

hätten wir die kinder abgegeben und für die fremdbetreuung bezahlt, wären wir 6.500 euro im plus gewesen. der unterschied zwischen eigen- und fremdbetreuung beträgt für einen durchschnittliche familie wie die unsrige also rund 12.000 euro pro jahr

Das ist allerdings krank. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Man kümmert sich selbst um seine eigenen Kinder und macht ein dickes “Minus” gegenüber der Fremdbetreuung. Das sagt uns natürlich, dass der Staat, das Land und das “System” so einen Gewinn machen, sonst würden sies ja nicht so handhaben. Es bedeutet im Umkehrschluss, das System ist krank, hedonistisch und dekadent. Bisher dauerte es in der Geschichte bei solchen Systemen und in diesem Status nicht mehr lange, bis sie untergegangen sind.

Übrigens, immer mehr bekannte Künstler stellen sich gegen “das System”. Eine Kostprobe vom neuen Lied von Moby, wie ich finde sehr gelungen:

Ganz einfach, wer sich keine Familie leisten kann kann es sich halt nicht leisten.
Es gibt kein Recht auf Familie.

@liberte
ich hoffe, pervasion lässt diesen kommentar durch, aber du bist ein sagenhaft bedauernswerter tropf.
trotzdem mach ich mir die mühe, es auch den blitzgneissern zu erklären:

1. es geht nicht darum, ob ich mir persönlich eine familie leisten kann oder nicht. es geht um eine gesellschaftliche forderung. denn wenn man als jemand, der monatlich etwas mehr als einen durchschnittslohn einfährt, probleme hat, eine vierköpfige familie zu unterhalten, dann haben wir meines erachtens ein größeres problem. spätestens wenn deiner hure – dem freien markt – die kunden ausgehen, wirst du angekrochen kommen.
2. dass das keine verquere idee meinerseits, sondern ein recht breiter konsens ist, zeigt ein dokument aus 1948:

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:

Artikel 16
Heiratsfähige Frauen und Männer haben ohne Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte. […] Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Artikel 23
Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

Artikel 25
Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen gewährleistet sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.
Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz.

ok. wir können aber auch die solidarität und das gemeinwesen komplett abschaffen und das recht auf familie, kinder, bildung, gesundheit, unversehrtheit, ein dach über dem kopf, nahrung usw. abschaffen. jeder kämpft wieder für sich. der stärkere setzt sich durch. ich hab zwar nie in der steinzeit gelebt, aber ich denke, mir gefällt es im hier und jetzt besser.

Mit Kapitalismuskritik bekommt man auf einer linksgerichteten Seite wie BBD negative Bewertungen und jene die das System verteidigen bekommen lauter Plus. Ja, es läuft heutzutage einiges schief…

Mal davon abgesehen, dass hier jedeR mitlesen und auch bewerten kann, egal wie sehr sie/er sich mit den BBD-Idealen identifiziert: Kapitalismuskritik ist nicht automatisch links. Und das zeigt die Diskussion hier ziemlich eindeutig.

Mit Herdprämienkritik bekommt man auf einer linksgerichteten Seite wie BBD ablehnende Kommentare und jene, die das patriarchale System verteidigen, werden immer lauter. Ja, es läuft heutzutage einiges schief…

Wozu dieses Genöle? Und was soll der undifferenzierte Vorwurf, dass diejenigen, die sich für außerfamiliäre Betreuungsangebote aussprechen, nichts als verblendete SystemerhalterInnen seien? Außerdem wird hier eine scharfe Trennlinie gezogen, zwischen selbstlosen Elterntieren und egomanen Rabenmüttern und -vätern, die an der Realität vorbeigeht und ziemlich anmaßend ist.

@sabina
noch einmal: mir ist verdammt noch einmal wurscht, für welche art der betreuung ihrer kinder sich die leute entscheiden. ich kann manches persönlich nicht verstehen, würde mir aber niemals anmaßen, jemandem etwas vorzuschreiben. das nennt man glaub ich toleranz.
was mir aber schon gewaltig stinkt ist, dass – wie ich oben vorgerechnet habe – die entscheidung, die meine frau und ich getroffen haben, finanzieller selbstmord ist und wir ein defizit einfahren, während wenn wir die kinder in fremdbetreuung gegeben hätten, wir zumindest finanziell ein einigermaßen süßes leben leben könnten.
ergo: das system schreibt mir quasi vor bzw. legt mir zumindest schwer nahe, dass ich meine kinder abzugeben habe. und das halte ich für intolerant.

@sabina
ist es nicht so, dass gerade jenes system der bezahlten erwerbstätigkeit, zu dem wir frauen mit besagten maßnahmen einen besseren zugang ermöglichen möchten, ein extrem patriarchalisches ist und sich frauen patriarchalen zwängen unterwerfen müssen, um in diesem system reüssieren zu können? und wäre es nicht besser, die von profitdenken gesteuerte form der erwerbstätigkeit, die den wert von arbeit nach – sagen wir mal – nicht gerade nachhaltigen kriterien bemisst, zu überdenken und maßnahmen zu setzen, die hier einen umschwung einleiten – anstatt die ungerechtigkeit weiter zu befeuern?

@hunter
Noch einmal: es geht mir um ein differenziertes Hinschauen auf diese Frage sowohl was die Betreuungskonstellationen, als auch was die Frage der Chancengleichheit betrifft. Was du und andere hier hingegen vertreten, ist ein krasses Entweder-Oder-Modell auf dem auch deine Berechnungen basieren (soweit ich sie nachvollziehen kann): entweder vollzeitige außerfamiliäre Betreuung nach Ende der obligatorischen Mutterschaftszeit und entsprechende Berufstätigkeit beider Eltern oder vollzeitige innerfamiliäre Betreuung durch einen Elternteil (bei deiner perfekten Familie durch die Mutter) für die ersten drei Lebensjahre des Kindes, während der andere vollzeitig arbeitet. Dazwischen gibt es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, die nicht annähernd den finanziellen Gap bewirken, den du beschrieben hast.
Jenseits dessen, was jedeR einzelne für richtig und wünschenswert hält, finde ich es angemessen, dass familienpolitische Schwerpunkte gesetzt werden und dass diese nicht ausschließlich der Wahlfreiheit Rechnung tragen, sondern einer Reihe weiterer Faktoren, die ich bereits beschrieben habe (geteilte Betreuungsverantwortung zwischen Vätern und Müttern, gleichberechtigte Zugangs-, Lohn- und Aufstiegschancen im Berufsleben für Männer und Frauen, eine Kultur der “Normalisierung” von Elternschaft, die nicht völlig getrennt von der Berufswelt ist, sondern im Gegenteil eine Kontamination letzterer ermöglicht , gerade damit Entgrenzungsphänomene eingedämmt werden etc.).
Eine dreijährige vollzeitige Mutterschaft bestärkt die entgegengesetzte Richtung, hab ich auch schon geschrieben: Arbeits- und Familienwelt sind fein säuberlich getrennt, Frauen steigen für lange Zeit völlig aus dem Beruf aus und haben bei ihrer Rückkehr mit erheblichen Einbußen zu rechnen, Führungsaufgaben können nur von denjenigen übernommen werden, die vollzeitig arbeiten (weil mann’s so gewohnt ist) etc. – kennen wir alles seit Jahrzehnten aus Forschung und echtem Leben.
Vereinbarkeit meint hingegen ganz etwas anderes: Schau dir die skandinavischen Länder an, wo (zumindest an die 40%) Männer und Frauen Elternzeit nehmen, wo es außerfamiliäre Betreuungsangebote gibt und (!) wo sich auch die Arbeitswelt auf Familienbedürfnisse abstimmt. Das ist Vereinbarkeit. Und das ist Links.
Aus diesem Grund bin ich nicht der Ansicht, dass es politisch wünschenswert ist, eine dreijährige Elternzeit zu finanzieren (hab ich auch schon geschrieben). Aber ich bin sehr wohl der Ansicht, dass es in puncto Familienförderung noch sehr viel Luft nach oben gibt und damit meine ich nicht ausschließlich die Finanzierung von Betreuungsplätzen, sondern eine Reihe von steuerlichen und kulturverändernden Maßnahmen, die allen Beteiligten (Vätern, Müttern, Kindern) zugutekommen sollten und welche die Überwindung tradierter Rollenbilder zugunsten einer gleichberechtigten Verantwortungsübernahme für das Private und das Öffentliche von Männern und Frauen ermöglichen.

die ungerechtigkeit

Könnten Sie bitte logisch herleiten wie Kapitalismus zu einer unterschiedlichen Entlohnung von Mann und Frau führt?

mir aber schon gewaltig stinkt ist, dass – wie ich oben vorgerechnet habe – die entscheidung,

Merkst, aber schon? Deine Entscheidung -> deine Verantwortung.
Staatliche Förderung von Bildung (aka Kindergarten) ist absolut zu begrüßen, dein Privatvergnügen nicht.

Hunter deine Haltung in dieser Sache ist eine Arschkonservative, und geradezu anti-feministisch!

es tut mir leid, aber an diesem punkt muss ich zum schutz meiner frau und meiner kinder aus der diskussion aussteigen.
ich bitte auch darum, nicht mehr auf meine stellungnahmen bezug zu nehmen.
vielen dank.

aber an diesem punkt muss ich zum schutz meiner frau und meiner kinder aus der diskussion aussteigen

Wo wurden deine Frau bzw deine Kinder irgendwie geschädigt?

Es gibt heutzutage in hochkapitalistischen Gesellschaften praktisch keine Linken mehr, sie sind Teil des Systems und auf “Karriere” ausgelegt. Das hat nix mehr mit einer Vertretung der Arbeiter/Angestellten aus der meist unteren Mittelschicht zu tun oder mit den Alternativen der 70er, wir haben es mit Karrieristen zu tun. Das ist alles weit von links entfernt. Es gibt dazu einen schönen aktuellen Artikel über dieses Phänomen im Bezug auf Populisten wie Trump und warum sie heute Erfolg haben können. Eben weil die Linke gestorben ist.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-wahl-warum-donald-trump-wie-der-sieger-aussieht-a-1119975.html

Zwar sind traditionelle sozialdemokratische Parteien nach rechts »gerutscht«, aber Parteien wie die Linke, Syriza oder »Phänomene« wie Corbyn und Sanders sind sehr wohl links.

Was die Kindererziehung und die politische Linke betrifft, forderten sogar schon Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei, dass diese in öffentliche Hände gegeben wird. Ob gut oder schlecht sei mal dahingestellt, aber dass Marx und Engels »rechts« (oder kapitalistisch) sind, wäre mir neu.

Was die Kindererziehung und die politische Linke betrifft, forderten sogar schon Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei, dass diese in öffentliche Hände gegeben wird

Zustimmung. Meine Aussagen hier wollen v.a. ausdrücken, dass es heute halt nur mehr den extremen Kapitalismus gibt, sonst praktisch nichts mehr. Es gibt keine soziale Marktwirtschaft mehr oder eben Parteien wie die SPD oder SPÖ die ein klares Profil zeigen können. Es hat sich viel verändert, was ja nicht immer nur schlecht sein muss, aber ich sehe die Entwicklung hin zur vollständigen “Verkapitalisierung” der Gesellschaft kritisch. Ich denke jeder hat sein eigenes Weltbild, und in einer liberalen Gesellschaft sollte es allen möglich sein, seine Kinder so zu erziehen wie man es gerne hätte. Auf unsere Diskussion hier umgemünzt also die Möglichkeit zwischen Fremd-und Selbstbetreuung (und natürlich auch Graustufen wie Sabina meint) zu wählen ohne dass es so große finanzielle Unterschiede zwischen den Modellen gibt.
Und was im Einzelnen besser ist oder nicht, also Fremd- oder Selbstbetreuung oder eine Mischung aus Beidem weiß ich nicht und kann ich auch nicht beurteilen, das ist wohl von Fall zu Fall verschieden wie alles andere auf der Welt. Und “perfekt” soll m.A. nach die Kinderbetreuung und die Kindheit und Jugend von Kindern überhaupt nicht sein, wie im Schweizer Artikel weiter unten korrekt beschrieben, denn sonst gibt es keine negativen Erfahrungswerte (also “Probleme”), die sogar wichtiger sein können als die Positiven.

Lustig für Steffl leben wir im “extremen Kapitalismus”, kenne genügend für die es der “schlimmste Sozialismus” ist.
#checkyourpov

Es erstaunt, dass Kinderkrippen bei jungen Erwachsenen verpönt sind. In Ihrer Studie bezeichneten Teilnehmende (sic) Vollzeit arbeitende Eltern, die ihre Kinder in die Krippe bringen, als «daneben», «ganz extrem» oder «krass». Wie erklären Sie sich das?

Karin Schwiter: Ich denke, das hängt damit zusammen, wie wichtig Kinder heutzutage genommen werden. Kinder sind nicht länger etwas, was einfach passiert, sondern eine ganz bewusste Lebensentscheidung geworden. Die jungen Erwachsenen sagen, wenn man sich für Kinder entscheide, dann solle man sich auch um sie kümmern und sie ins Zentrum stellen. Ausserdem stellt die heutige Gesellschaft hohe Anforderungen an die Eltern. Sie fordert von ihnen, dass sie ihrem Kind sehr viel Aufmerksamkeit und Förderung geben. Aus meiner Sicht sollte man sich aber die Frage stellen: Können Kinder nicht auch in der Kinderkrippe optimal gefördert werden? Es ist bereits ein Wandel zu erkennen. Forschungen zeigen, dass Kinder von der Betreuung in einer Gruppe stark profitieren können. Aber bei den jungen Erwachsenen steht diese Argumentation nicht im Vordergrund.

Das hat auch damit zu tun, dass das Kind zu einem Lebensprojekt geworden ist.

Man macht Eltern einen Vorwurf, wenn sie Kinder kriegen, obwohl sie nur wenig Zeit für sie haben oder ihnen in irgendeiner anderen Hinsicht nicht optimalste Bedingungen bieten können. Es ist eine gesellschaftliche Diskussion nötig, die fragt, ob Kinder wirklich all diese Dinge benötigen. Muss zum Kinderhaben wirklich alles perfekt passen? Kann ein Kind nicht ebenso glücklich werden, wenn es «nur» mit einem Elternteil aufwächst? Sind Kinder, die fünf Tage in der Woche in der Krippe betreut werden, schlechtere Kinder?

Quelle: Hohe Hürden für ein Kind.

Was bei dieser Diskussion auffällt ist dies, dass es überhaupt nicht um die wirklichen Bedürfnisse der Eltern und schon gar nicht um die der Kinder geht. Es geht um etwas Abstraktes um die sog. Vereinbarkeit von Familie und Beruf um Rentenabsicherung um Gleichheit zwischen den Elternteilen usw. Dabei sollte man sich einmal fragen was Eltern und vor allem Kinder überhaupt wollen. Kinder im Kleinkindalter sind eindeutig am liebsten bei ihren Eltern, Eltern wünschen sich vor allem viel Zeit mit ihren kleinen Kindern verbringen zu können. Das ergaben zumindest Umfragen die in Südtirol kürzlich durchgeführt wurden. Da stelle man sich konkret ein Elternpaar in den Dreißigern vor, die 2 Kinder haben. Diese haben die Aussicht bis 70 Jahre zu arbeiten. Warum sollten sie nicht, sagen wir mal GEMEINSAM bzw. abwechselnd ihre (eh nur mehr zwei) Kinder selbst betreuen können, ohne dass ihnen finanzielle Nachteile erwachsen. Für Arbeit und evtl. Karriere haben sie noch mehrere Jahrzehnte vor sich. Da wird sich doch eine, so gesehen, relativ kurze Auszeit ausgehen. Wenn es bei öffentlich Angestellten finanzierbar ist, wird es doch auch bei allen anderen auch möglich sein, die es wünschen. Wieso eine dreijährige Elternzeit nicht wünschenswert ist, versteht wohl niemand, am allerwenigste die Betroffenen selbst, die vielfach ja nur aus finanziellen Gründen auch mit Kleinkindern arbeiten gehen. Aber man drängt ja Eltern in eine bestimmte Richtung. Die Arbeit soll möglichst ununterbrochen bis zum 70 Lebensjahr ausgeführt werden. Dabei übersieht man dass das die wenigsten wollen, nicht nur jene die Kleinkinder haben. Früher hat man geschaut die erforderlichen Jahre für die Pension zusammenzubringen, heute mit dem beitragsbezogenen System zählt nur mehr das Lebensalter. Ja glaubt man denn wirklich die Menschen egal ob Männer oder Frauen wollen bis ins Alter immer nur arbeiten? Die Auszeiten, nicht nur wegen der Kinder, werden zunehmen. Die eingezahlten Rentenbeiträge sind relativ, mit 70 kann kann man eh nicht mehr so viel Geld ausgeben. Die Menschen werden Auszeiten zukünftig einfordern einfach um das Leben zu genießen. Darauf wird man sich einstellen müssen, linke Politik hin oder her.

Gegen Auszeiten ist doch nichts einzuwenden. Ich frage mich aber, ob wir diese wirklich finanziell födern sollten… und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger bin ich davon überzeugt. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ließe sich das (wenn es denn finanzierbar ist) alles ziemlich pragmatisch lösen — aber auch dann wird es einen Einkommensunterschied geben zwischen den Auszeiten und der Zeit, in der einer Erwerbsarbeit nachgegangen wird.

Für jene die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe vollbringen wie es Kindererziehung ist, wäre eine finanzielle Abgeltung der dafür erbrachten Leistungen wohl mehr als gerechtfertigt (anders als eine Auszeit für Tätigkeiten die der Freizeit dienen). Kindererziehung eben von anderen erbracht als von den Eltern wird auch vergütet. Warum wohl? Um eben die Eltern lebenslang und ununterbrochen im Arbeitsprozess zu behalten. Kommt immer noch billiger. Auch bei einem bedingungslosen Grundeinkommen stünden erziehenden Eltern noch zusätzliche Bezüge zu weil sie eben Arbeit für die Gesellschaft übernehmen. Weil wir aber von einem Grundeinkommen weit entfernt sind, fragen sich inzwischen aber sehr viele Eltern warum sie eigentlich bis ins Alter ununterbrochen im Arbeitsprozess stehen sollen und nicht einmal eine dreijährige Auszeit (gemeinsam bzw. abwechselnd ausgeübt) bei den ohnehin nur mehr 2 Kindern die Paare heute haben, finanziell abgegolten bekommen. Aber abgegolten oder nicht, viele Eltern nehmen sich einfach die Zeit für ihre eigenen Kinder und lassen sich nicht fremdbestimmen und in eine bestimmte Richtung drängen. Wie gesagt für die Arbeit bleiben ihnen noch Jahrzehnte. Machen können das aber halt nur jene die es sich leisten können. “Linke” Politik eben :-).

Für jene die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe vollbringen wie es Kindererziehung ist, wäre eine finanzielle Abgeltung der dafür erbrachten Leistungen wohl mehr als gerechtfertigt

Das Kindergeld existiert bereits und könnte auch aufgestockt werden, wobei Konzepte des bedingungslosen Grundeinkommens vorsehen, dass die meisten anderen Sozialleistungen entfallen.

Wenn wir aber für die »finanzielle Abgeltung« die Kosten der öffentlichen Kinderbetreuung heranziehen, müssen wir uns m.E. fragen, ob wir wirklich eine 1:1- bzw. 1:2-Kinderbetreuung zuhause in diesem Ausmaß fördern können und wollen.

wobei Konzepte des bedingungslosen Grundeinkommens vorsehen, dass die meisten anderen Sozialleistungen entfallen.

Andererseits würden aber auch die Kinder eine Art Grundeinkommen erhalten.

Fragt sich nur wer das”wir” ist, das wie du sagst, überlegt ob man die 1:1 oder die 1:2 Kinderbetreuung zuhause in diesem Ausmaß fördern solle oder nicht. Das “wir” sind doch wohl in erster Linie die Eltern und ihre Kinder selbst die etwas, was sie selbst betrifft, fordern oder nicht, es wird ihnen nicht von Außenstehenden quasi gnädig gewährt. Es geht wie gesagt nicht nur um die finanzielle Abgeltung sondern um die Abgeltung in Form von Lebenszeit. Diese Lebenszeit genutzt für Kinderbetreuung sollte freilich gleichmäßig und gerecht auf alle, die es wünschen, aufgeteilt werden : Väter UND Mütter, öffentlich Angestellte UND privat Angestellte. Diese Lebenszeit wird, davon bin ich überzeugt, zukünftig eine immer größere Rolle spielen, denn Menschen wollen nicht bis ins Alter ununterbrochen und in Vollzeit arbeiten und sich in diese Richtung drängen lassen. Da steckt System dahinter. Oder hat man sich schon einmal gefragt, warum es nicht umgekehrt läuft, dass nämlich alles unternommen wird um der Allgemeinheit eben NICHT die Kinderbetreuung aufzubürden. Staat und Wirtschaft profitieren von den ununterbrochen arbeitenden Menschen. Um DAS geht es und die Menschen beginnen dies zunehmend zu begreifen.

die richtung, in die es geht ist fatal. eine umkehrung dieses trends müsste eigentlich oberste politische priorität sein. viele andere probleme würde sich dadurch von selbst lösen bzw. entschärfen.

Ein drastisches Bild von der Entwicklung der Einkommen zeichnet ein neuer Bericht des Rechnungshofs (RH). Vor allem die Bestverdiener konnten ihr Gehalt in den vergangenen Jahren deutlich steigern, Wenigverdiener mussten große Reallohnverluste hinnehmen. Die zehn Prozent der Bevölkerung, die die niedrigsten Einkommen beziehen, müssen inflationsbereinigt mit 65 Prozent von dem auskommen, was ihnen 1998 zur Verfügung stand. Auch die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen klafft nach wie vor weit auseinander.

Quelle: http://orf.at/stories/2371868/

Arbeiter mussten seit 1998 gar einen Reallohnverlust von 13 Prozent hinnehmen.

1998 betrug der Wert, unter dem die niedrigsten zehn Prozent der Bruttojahreseinkommen lagen, 2.761 Euro. Bis 2015 sank er auf 2.472 Euro.

Im Gegensatz dazu kletterte der Wert, über dem die zehn Prozent der Bezieher der höchsten Einkommen liegen, nominal um 44 Prozent von 42.590 auf 61.309 Euro, was auch real ein Plus von vier Prozent bedeutet.

2015 betrug das mittlere Einkommen der Frauen 62 Prozent des mittleren Männereinkommens.[…] Ein Teil der Einkommensdifferenz lasse sich auf Teilzeitarbeit der Frauen zurückführen, so der Rechnungshof. Aber auch wenn nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte verglichen werden, liegt das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen in der Privatwirtschaft bei weniger als 70 Prozent des mittleren Männereinkommens.

Bei der letzten Steuerreform habe die obere Hälfte der Einkommen 80 Prozent des Entlastungsvolumens erhalten.

Verrückt!

Arme Länder, am Arsch!
Der Mythos der “Ausbeuterischen” reichen Elite, wird ja ansonsten gerne von Rechtspopulisten verbreitet, wird aber auch wenn es von linker Seite vorgebracht nicht wahrer. Dank der Eliten hat sich die Zahl der in Armut lebenden Bevölkerungen von 2 Mrd auf 1 Mrd in drei Jahrzehnten halbiert, obwohl die Weltbevölkerung enorm angestiegen ist. Aber die Luxusproblemchen der Europäischen Bürger sind bestimmt als wichtiger dazu einzustufen…

1. “die ausbeuterische reiche elite” ist der grund, warum linke bewegungen entstanden sind, die zwischen industrieller revolution und den letzten jahrzehnten des 20. jahrhunderts eine gerechtere verteilung des wohlstandes geschafft haben.
2. kannst du schlüssig begründen, warum es allein die eliten waren, die die armut auf der welt reduziert haben.
3. erklär mir mal, inwiefern es illegitim ist, innerhalb einer gesellschaft mehr gerechtigkeit zu fordern, nur weil es irgendwo menschen gibt, die noch größere probleme haben?
4. die sorgen von menschen, die bei uns am existenzminimum nagen, als “luxusproblemchen” zu bezeichnen, ist ein tatsächlicher zynismus, der an rechtspopulisten erinnert.

Kein Scherz, die haben das jetzt wie es scheint noch einmal komplexer gemacht anstatt zu vereinfachen:

Unterstützung für Familien in Österreich
– Familiengeld (antragsfrei)

Unterstützung für Familien in Südtirol (lt. http://www.provinz.bz.it/aswe/themen/familienfoerderung.asp)
– Familiengeld des Landes
– Landesfamiliengeld +
– Familiengeld der Region
– Landeskindergeld
– Staatliches Familiengeld
– Staatliches Mutterschaftsgeld

Alles ist gesondert zu unterschiedlichen Fristen bei unterschiedlichen Stellen anzusuchen.

Leave a Reply to G.P. Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *