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Regional Competitiveness Index 2019.
Südtirol in der Unterliga

Die Europäische Kommission hat den Regional Competitiveness Index (RCI) 2019 veröffentlicht, mit dem anhand von 70 vergleichbaren Indikatoren die Fähigkeit der Regionen gemessen werden soll, Bewohnerinnen und Firmen ein attraktives und nachhaltiges Lebens- und Arbeitsumfeld zu bieten.

Um es gleich vorwegzunehmen: Wie schon in den vorhergehenden Ausgaben erzielt Südtirol leider kein gutes Ergebnis.

Nicht einmal im Vergleich mit italienischen Regionen kann unser Land glänzen, liegt abgeschlagen an zehnter Stelle (von 21). Vor Südtirol positionieren sich der Reihe nach die Lombardei, das benachbarte Trentino, die Emilia Romagna, Latium, Piemont, Venetien, Friaul-JV, Ligurien und die Toskana.

Alle direkt an Südtirol und auch alle an die Euregio Tirol grenzenden Gebiete (außer den bereits genannten sind das Vorarlberg, Salzburg, Kärnten, Oberbayern und Schwaben) erzielen ein besseres Ergebnis, als Südtirol.

Und im gesamten zur EU gehörenden Teil des deutschen Sprachraums gibt es — einschließlich Ostdeutschland — auch keine Region, die schlechter abschneidet.

Im internen Vergleich der Euregio zeigen sich auch im zeitlichen Verlauf deutliche Abstände, wobei Südtirol zu den beiden anderen Landesteilen nun deutlich weiter abgeschlagen ist, als noch 2016:

Eine ernsthafte Ursachenforschung wäre wohl überfällig. Stattdessen scheint die Watsch’n hierzulande gar nicht wahrgenommen worden zu sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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One reply on “Regional Competitiveness Index 2019.
Südtirol in der Unterliga

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Methodik etwas im Detail angeschaut. Im wesentlichen gibt es meiner Meinung nach 2 Kritikpunkte die den RCI in der Form eigentlich unbrauchbar machen. Zumindest nicht verwendbar um Regionen zu vergleichen im Bezug auf “ein attraktives und nachhaltiges Lebens- und Arbeitsumfeld für Bewohner und Firmen”.

Nr 1 die Kriterien; diese sind nahezu rein wirtschaftlich ausgelegt (Institutions / Macroeconomic Stability / Infrastructure / Health / Basic Education / Higher Education and lifelong learning / Labour Market Efficiency / Market Size / Technological Readiness / Business Sophistication / Innovation). Deshalb befinden sich auch unter den Top platzierten viele Ballungszentren der nördlichen Gebiete. Während die südlichen und vielfach Urlaubsgebiete weit hinten liegen. Viele soziale Kriterien fehlen und auch weitere wichtige Themen wie Ökologie, Umwelt, Nachhaltigkeit und Kultur werden nicht abgedeckt. Dazu kommt noch, dass regionale Besonderheiten wie z.B. bei uns die Stärke des Traditionellen Handwerkes sich mit Kriterien wie z.B. der Technological Readiness wiedersprechen.

Nr 2 ist die Aktualität der Messmethoden. z.B. wird die Innovation (unter anderem) basierend auf einer Studie aus dem Jahr 1993 bewertet. Somit bleiben hier fast 30 Jahre Entwicklung unberücksichtigt und das genau in einem Bereich wo durch den technologischen Fortschritt jährlich Meilensteine gesetzt werden. Im sogenannten “Kommunikations-Zeitalter” und der flächendeckenden Vernetzung, hier die Innovation anhand von angemeldeten Patenten zu messen und dem Prozentsatz an Personen eines bestimmten Alters in einem definierten Umkreis ist mehr als fragwürdig.

Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass die angeblich schlauesten Köpfe die wir in Europa haben, qualitativ nichts besser zu Stande bringen…

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