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Bozner Stadtviertelräte: Deutsch inexistent.

Bei einer beruflichen Recherche auf der Homepage der Gemeinde Bozen bin ich neulich auf die Unterseite der Stadtviertelräte gelangt, wo — wohl pandemiebedingt — auch die Videos sämtlicher Sitzungen online abrufbar sind.

Video Stadtviertelratssitzung Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (Ausschnitt)

Ich habe dann in meiner Freizeit die Videos »quergeschaut« und erstaunt festgestellt, dass die Sitzungen ausschließlich in italienischer Sprache ablaufen.

Mit offiziellen Bevölkerungszahlen zwischen 14.705 (Oberau-Haslach) und 32.354 (Gries-Quirein) entsprechen die Stadtviertel einwohnermäßig Südtiroler Großgemeinden. Insgesamt vertreten sie mit 107.983 Bewohnerinnen rund ein Fünftel der Südtiroler Bevölkerung.

Die Bozner Stadtverwaltung betont ja ab und an mit Recht, dass in der Landeshauptstadt nicht nur die meisten Italienischsprachigen lebten, sondern dass es auch die größte deutschsprachige Gemeinde des Landes sei.

Dennoch ist in den fünf Stadtviertelräten ein Wort in der Südtiroler Mehrheitssprache — und in der Sprache von über einem Viertel der Boznerinnen — so gut wie nie zu vernehmen. Selbst in Stadtvierteln mit erheblichem deutschsprachigen Bevökerungsanteil sprechen auch die Vertreterinnen der »Minderheitenpartei« SVP in den Versammlungen Italienisch. So wie es auch alle anderen Mitglieder tun, die ich aufgrund des Namens und des Akzents der deutschen Sprachgruppe zuordnen würde.

Es ist also davon auszugehen, dass bei den anderen Gewählten nicht einmal passive Deutschkenntnisse so weit vorhanden sind, dass alle in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen könnten.

Umgekehrt ist mir übrigens keine noch so kleine und entlegene »deutschsprachige« Gemeinde bekannt, in der italienischsprachige Ratsmitglieder gezwungen wären, auf Deutsch zu reden, weil man sie sonst nicht verstehen würde. Vermutlich wäre das ein Skandal.

In den Bozner Stadtviertelräten finden höchstens informelle Zweiergespräche (»bisch du do?« »hearsch ins?«) auf Deutsch statt. Auch Gäste deutscher Muttersprache, die vom Rat zu irgendeinem Thema eingeladen werden, sprechen auf Italienisch. Und es geht so weit, dass etwa die Vorsitzende des Stadtviertelrats Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Sylvia Hofer (SVP) einen deutschsprachigen Gast aktiv dazu auffordert, Italienisch zu sprechen, weil: »dann verstehen es alle«.

Von den insgesamt 55 Mitgliedern aller Bozner Stadtviertelräte ließ es sich nur ein einziger nicht nehmen, seine Wortmeldungen auf Deutsch zu machen: Robert Auer von der SVP in der Versammlung von Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Dieser löblichen, wenn auch nur symbolischen Anstrengung entspricht aber keine Anstrengung der Gegenseite, denn Vorsitzende Hofer muss jede einzelne Wortmeldung ihres Parteikollegen übersetzen. Ein Armutszeugnis sondergleichen.

Und wenn es in diesem Stadtviertel so ist, ist es in den anderen nicht besser. Schon gar nicht in denen, wo die deutschsprachige Vertretung nach den letzten Wahlen weitgehend — oder ganz? — aus dem Stadtviertelrat verschwunden ist. Das macht es den anderen nicht nur sprachlich, sondern wohl auch inhaltlich einfacher. Anders als noch vor zwei Jahren wird sich etwa in Don Bosco niemand mehr für Zweisprachigkeit in der Öffentlichkeit starkmachen.

Insgesamt hat es den Anschein, dass die Volkspartei die Landeshauptstadt sprachlich schon weitgehend aufgegeben hat. Die institutionelle — und institutionalisierte — Ausgrenzung der Minderheitensprache (und größten Landessprache) in der Hauptstadt scheint gegessen. Wenn wir uns die Vorbildfunktion von Institutionen vor Augen führen, kann einem da nur bange werden.

Mir jedenfalls war diese Realität, in diesem Ausmaß, nicht bewusst.

Im Unterschied zu vielen anderen Minderheitengebieten existiert in Südtirol auch keine Sprachpolitik, die diese Situation (auch nur in kleinen Schritten) verbessern möchte. Was schon einmal so ist, wird hierzulande — wenn kein Wunder geschieht — wohl auch so bleiben, umso mehr wenn wir die allgemeine Tendenz in Richtung lingua franca nazionale bedenken. Zudem nimmt in Bozen auch der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung tendenziell ab.

Liste der Stadtviertelratssitzungen von Oberau-Haslach (Youtube)

Dass man sich schließlich nicht einmal die kleine Mühe macht, wenigstens die Titel der Videos zweisprachig anzuführen, zeugt vom totalen Desinteresse für das Thema Sprache.

Siehe auch:

Democrazia Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recherche | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | | SVP | Deutsch

25 replies on “Bozner Stadtviertelräte: Deutsch inexistent.”

… einzigartig aufgezeigt wie immer auf bbd, aufregen wird sich jedoch niemand! – Solche Tatsachen passen ja trefflich zum offiziellen “Doppelnamen” unseres Landes: “AltoAdige” für erfolgreich erfolgte italienische Kolonisierung des Kernlandes Tirol, – “Südtirol” zur für notwendig befundenen Marketingstrategie …

Jeder darf im Stadtviertelrat die Sprache sprechen die er/sie möchte. Die Präsidentin Sylvia Hofer macht in diesem Sinne eine super Arbeit und übersetzt alles falls etwas nicht verständlich ist. Da es Stadtviertelräte gibt die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben und es für uns zweisprachige Stadtviertelrät*innen kein Problem ist auf italienisch zu reden haben wir es so vereinbart um besser miteinander arbeiten zu können. Man sollte sich entgegenkommen und langsam aufhören Sprache immer nur als Mittel für den politischen Identitätskampf zu nutzen. Überdies stimmt der Artikel nicht ganz weil es auch Stadtviertelräte gibt die stets auf Deutsch sprechen..

Mit freundlichen Grüßen,
Zeno Oberkofler, Stadtviertelrat Zentrum-Bozner Boden-Rentsch

Im Artikel steht doch, dass Herr Auer im Stadtviertelrat Deutsch spricht, dann aber seine Parteikollegin Hofer alles übersetzen muss. Kein anderes Mitglied eines Stadtviertelrates spricht in den verfügbaren Videos Deutsch. Ich glaube also nicht, die Lage falsch dargestellt zu haben. Sollte ich aber irgendetwas übersehen haben, korrigiere ich mich gerne.

Es geht hier nicht um einen politischen Identitätskampf, sondern um Gleichberechtigung und Würde einer Minderheit. Unter Entgegenkommen verstehe ich nicht diese Einseitigkeit (sondern eben Gegenseitigkeit), und Mehrsprachigkeit bedeutet nicht, dass eine Partei oder ein Mitglied nur dann in seiner Sprache sprechen kann und darf, wenn ein anderes Mitglied alles übersetzt.

Die Stadtviertelräte haben genauso wie die Gemeinderäte oder der Landtag auch eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft. Wie soll man Private oder gar Unternehmen dazu animieren, Zweisprachigkeit im Alltag zu praktizieren, wenn Institutionen ihnen vormachen, dass sie erstens zu kompliziert und zweitens gar nicht nötig ist?

Mir persönlich ist keine selbstbewusste Minderheitenregion in Europa bekannt, in der dieses Thema so stiefmütterlich behandelt wird und wo man dafür, dass man die faktische Einsprachigkeit aufzeigt, quasi gemobbt wird.

Dass Gäste, die einen Vortrag in deutscher Sprache (bzw. zweisprachig) halten möchten, von einer Vertreterin der Minderheitenpartei davon aufgefordert werden, davon abzusehen, schlägt meiner Meinung nach dem Fass den Boden aus.

Deutsch verstehen nicht alle darum wird jeder deutsche Beitrag auf italienisch übersetzt. Wenn jemand kein Italienisch verstehen würde wäre das natürlich genau so. Normalerweise finden die Treffen in Presenz statt und wer möchte kann dabei sein. Dort kann jeder auf Deutsch, Ladinisch oder Italienisch sprechen und bei bedarf wird übersetzt. Im Landtag gibt es dafür eine simultane Übersetzung, im Stadtviertelrat logischerweise nicht. Darum muss die Präsidentin übersetzen. Ich glaube jeder hätte unter diesen Voraussetzungen gleich gehandelt.
Ihre Polemik ist natürlich berechtigt ich persönlich finde solche Debatten allerdings wirklich wenig Zielführend.

Ich glaube nicht das dies ein ausschlaggebender Faktor ist um das Zusammenleben zu stärken und die Minderheiten zu schützen. Es täte uns alles gut nicht immer nur in diesen hier zu wenig dort zu sehr deutsch/italienisch Raster zu denken und überall den etnischen Konflikt zu suchen. Das bringt uns glaube ich nicht besonders weiter.

Zeno Oberkofler

Normalerweise finden die Treffen in Presenz [sic] statt und wer möchte kann dabei sein. Dort kann jeder auf Deutsch, Ladinisch oder Italienisch sprechen und bei bedarf [sic] wird übersetzt.

Was unterscheidet dann Präsenz von Nichtpräsenz?

Im Landtag gibt es dafür eine simultane Übersetzung, im Stadtviertelrat logischerweise nicht. Darum muss die Präsidentin übersetzen.

Im Landtag ja. Sollte man nach meinem Dafürhalten auch abschaffen. Darüberhinaus meines Wissens nur im Bozner (und vielleicht im Leiferer?) Gemeinderat. In 115 (bzw. 114) Gemeinden braucht es soweit ich informiert bin keine Übersetzung (weder simultan noch konsekutiv) — aber in der Landeshauptstadt, die sich gerne ihrer Mehrsprachigkeit und somit Überlegenheit gegenüber dem ach so einsprachigen und hinterwäldlerischen Land (»Peripherie«!) rühmt, gibt es keine Stadtviertelversammlung, in der Deutsch auch nur passiv von allen beherrscht wird.

Selbst im Landtag und im Bozner Gemeinderat benötigen wohl — das ist eine Vermutung von mir — nur die italienischsprachigen Abgeordneten und Räte eine Übersetzung.

Wenn jemand kein Italienisch verstehen würde wäre das natürlich genau so.

Ist das angesichts der Tatsachen nicht Schönfärberei? Was wäre los, wenn zum Beispiel im Brixner Gemeinderat Italienerinnen die Stellungnahmen anderer Italienerinnen langwierig ins Deutsche übersetzen müssten, weil Deutschsprachige nicht ausreichend Italienisch verstehen? Die »nicht zielführende« Häme kann ich mir bildlich vorstellen. Und sie wäre in einer Stadt mit diesem Anteil an Italienerinnen absolut verständlich.

Es täte uns alles [sic] gut nicht immer nur in diesen [sic] hier zu wenig dort zu sehr deutsch/italienisch Raster zu denken und überall den etnischen [sic] Konflikt zu suchen.

Es geht hier nicht um »zu sehr« oder »zu wenig«. Hier geht es um »gar nicht«, um absolut abwesende Gleichberechtigung und fehlenden guten Willen.

In der letzten Legislaturperiode hat Brigitte Foppa von den Grünen im Landtag immer wieder Reden auf Italienisch gehalten, weil die Sprache ihrer Meinung nach unterrepräsentiert war. Wohlgemerkt hat sie damit die Minderheitensprache zugunsten der Mehrheitssprache vernachlässigt.

— Meiner persönlichen Meinung nach wäre es (im Sinne der affirmative action) viel sinnvoller gewesen, wenn sie versucht hätte, ihre Stellungnahmen zumindest teilweise auf Ladinisch zu halten. Sie hätte damit auch der SVP (insbesondere den Ladinerinnen der Partei) den Spiegel vorgehalten. —

Ich warte nun aber schon gespannt auf die erste italienischsprachige Grüne, die in einem Bozner Stadtviertelrat ihre Stellungnahmen auf Deutsch macht, weil Deutsch unterrepräsentiert ist.

Wenn ich Ladinisch könnte (würde ich gerne können), täte ich das. Mein Opa kam ja aus Livinallongo und ich würde damit auch ihm und seiner Migrationsgeschichte eine Ehre erweisen. Abgeordnete sein und Sprachenlernen, soviel weiss ich inzwischen, geht sich leider nicht aus. Meine ladinischen Wurzeln werde ich in der Zeit nach der Politik rückerobern.
Heutzutage spreche ich im Landtag immer dann Italienisch, wenn ich mich an eine:n italienische:n Abgeordnete:n wende. Sprache ist ein Beziehungselement, und ich liebe die italienische Sprache, und es gibt Situationen, in denen ich mich besser in Italienisch ausdrücke als in meiner Großmuttersprache mütterlicherseits Deutsch.
Ich bin, wie du bestens weißt, eine glühende Verfechterin der Mehrsprachigkeit und der Verständigung – letztere ist auch im Land von Proporz und Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungswortmonstern immer noch für viele Menschen wichtiger als (natürlich autonomiepolitisch absolut berechtigtes) Beharren auf Übersetzung. Ich habe es im Bozner Gemeinderat immer ziemlich kollegial empfunden, dass man sich sprachlich entgegenkommt, wie Zeno beschreibt. Im Montaner Gemeinderat sitzt 1 (zugewanderter) Italiener, leider müht er sich seit vielen Jahren ohne großen Erfolg am Deutschlernen ab, und im Gemeinderat wird immer Mataner Dialekt gesprochen. Der Italienische Vertreter versteht halt nicht alles, was die anderen sagen, und spricht seinerseits Italienisch. Er würde natürlich nie verlangen, dass die anderen alle Italienisch sprechen. Hochdeutsch wäre ein Entgegenkommen.
Es ist alles sehr viel komplizierter und weniger eindeutig als in unserer mehrsprachigen und kompetenten Idealwelt.
Sprache, eigentlich dazu da, dass man sich verständigt, kann man auch dazu einsetzen, um zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Und dafür gibt es in Südtirol immer noch jede Menge Gelegenheit.

Liebe Brigitte, mir ist durchaus bewusst, dass alles komplizierter ist als in einer idealen Welt, trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass man eine Sprache, insbesondere die Minderheitensprache in einem öffentlichen bzw. institutionellen Kontext, de facto auslöschen sollte. In fortschrittlichen und erfolgreichen Minderheitenregionen versucht man vielmehr, sie zu bevorzugen (Stichwort affirmative action). Daher auch mein Vorschlag mit Ladinisch. Dazu müsste man die Sprache ja auch gar nicht perfekt beherrschen, sondern könnte sich die Reden (oder Teile davon) vorbereiten und dann — gegebenenfalls zweisprachig — vorlesen.

Bezüglich Italienisch hatte ich in Erinnerung, dass du es zumindest in der vergangenen Legislatur bewusst im Landtag benutzt hast, weil es deiner Meinung nach unterrepräsentiert war. Am 16. April 2015 hast du laut offiziellem Wortprotokoll folgendes gesagt:

Ho deciso di fare questo intervento in lingua italiana, e anche in futuro ne farò di più in lingua italiana, perché mi sono resa conto, dopo un anno e mezzo in quest’aula, che la mia seconda lingua risuona troppo poco, quindi voglio dare man forte a chi la parla sempre. Anche se i colleghi Urzì e Dello Sbarba si impegnano a far risuonare più italiano possibile in quest’aula. Mi sembra un gesto che voglio dare a questa terra e a questo consesso.

Gut, umso mehr hätte ich mir erhofft, in den Bozner Stadtviertelräten Grüne zu hören, die — wenn schon nicht konsequent — zumindest zwischendurch auch einmal Deutsch sprechen. Bemühungen und guter Wille sind sonst eine Einbahnstraße und das ist meiner Meinung nach nicht nur unfair, sondern geradezu verantwortungslos.

Den konkreten Fall aus Montan kann ich nicht bewerten. Klar ist, dass sich die anderen im Gemeinderat anstrengen könnten und sollten, keinen zu starken Dialekt zu sprechen, damit sie besser verstanden werden.

Andererseits würde die Umlegung des Systems der Bozner Stadtviertelräte auf Montan ja bedeuten, dass auch das italienische Mitglied Deutsch sprechen (oder selbst für eine Übersetzung seiner Wortmeldungen ins Deutsche sorgen) müsste. Wenigstens so weit scheint man dann ja nicht zu gehen.

Interessant dieser Artikel und bitte nicht alles wieder in die Ecke abrutschen lassen, dass was “politisiert” wird und nur Unruhe gestiftet wird. Ich finde das Argument interessant, da es ja eigentlich darum geht, dass von Seiten der italienischen Muttersprachler in den Städten der Wille die andere Sprache zu lernen, auch nach Jahrzehnten, nicht da ist. Meine Frau ist Italienerin aus Mantua und das erste das sie tat, als sie nach Südtirol kam, war 3 Monate Deutsch lernen und regt sich jetzt auf Südtirolerisch auf, dass ihre Sprachkollegen/innen sich immer wieder hinter dem “siamo in Italia” verstecken. Es geht um Gleichstellung, Respekt und Miteinander. Wir alle Deutschsprachigen kennen dieses Problem, 10 Deutsch, 1 Italiener, es wird Italienisch gesprochen. Und wir “Tedeschi” schießen oft über das Ziel hinaus, weil wir Italienern nicht die Möglichkeit geben, Deutsch zu sprechen, auch wenn sie es wollen!

Das jemand in Südtirol aufwächst ohne die Zweitsprache zu lernen ist natürlich bedauernswert. Hängt aber leider auch damit zusammen, dass wir seit Jahrzehnten diskutieren wer jetzt mehr Benachteiligt ist, die deutschsprachigen Südtiroler im italienischem Italien oder die italienischsprachigen Südtiroler im mehrheitlich deutschsprachigem Südtirol ohne zu versuchen das Potential unserer Sprachenvielfalt zu nutzen. Das bringt dazu, dass die Menschen oft die andere Sprache gar nicht lernen wollen. Das ist Traurig. Solche Debatten führen meiner Meinung nach eben nur dazu, dass wir in diesem Status Quo beharren. Reden wir doch verdammt noch mal über Projekte um die Menschen aller Sprachgruppen zusammenzubringen!

Das bringt [sic] dazu, dass die Menschen oft die andere Sprache gar nicht lernen wollen. Das ist Traurig. [sic]

Ja, das ist taurig. Aber warum führt das dann im Ergebnis zu dieser Einseitigkeit?

Reden wir doch verdammt noch mal über Projekte um die Menschen aller Sprachgruppen zusammenzubringen!

Ich finde wir tun das hier auf BBD.

Gerade wo es darum geht, Argumente korrekt, detailliert und präzise vorzubringen und richtig verstanden zu werden, wie in der Politik, bei Behörden, bei Gericht, usw. wird das Aushebeln des Rechtes auf Muttersprache wieder immer häufiger dazu verwendet, den anderen zu schwächen oder dessen Anliegen zu ignorieren oder zu manipulieren. Man muss also nicht nur Acht geben, was man vorbringen will, sondern oft überhaupt erst einen Weg finden, sich Gehör zu verschaffen, ohne gleich nach ein paar Worten demonstrativ ignoriert oder abgewürgt zu werden. Und ich denke einige personaggi, vor allem im Provinzhauptort, leben ganz gut mit diesen Spielchen und profitieren sogar davon.

Endlich wird das Thema angegangen!
Zu unserer Kultur gehört auch unsere Muttersprache. “Questi tedeschi” Wir sind keine Deutschen, auch keine Schweizer. Wir sind Südtiroler.

Sie waren ja — wenn Sie es sind — auch in einem Stadtviertelrat, für Projekt Bozen wenn ich nicht irre. Wie war Ihre Erfahrung? War es früher besser/anders?

Come al solito si dirà “ci sono problemi più importanti del bilinguismo”… sono decenni che si sente sempre la stessa giustificazione alla pigrizia ed indolenza nei confronti di questa tematica.

Signor Oberkofler: la situazione da lei descritta, ovvero quella in cui ognuno possa esprimersi nella propria lingua ed essere capito, di modo e maniera che alla fine la lingua in sé smetta di diventare un fattore di divisione è certamente auspicabile… però non confondiamo le mele con le pere!
La mancata comprensione del tedesco da parte di alcuni ed il “venire in soccorso” degli consiglieri, forse anche al fine di evitare il noioso lavoro di tradizione, non è minimamente paragonabile all’utopia descritta.

Nella fase in cui siamo occorre rimboccarsi le maniche ed insistere perché tutti imparino: non sapere una lingua non equivale ad un handicap fisico permanente in cui occorre sforzarsi per rendere fisicamente accessibili alcuni contesti ai meno fortunati. La persona che non sa l’italiano o il tedesco a sufficienza per partecipare ad una riunione, non ha bisogno della carrozzella o del cane di accompagnamento: ha bisogno di capire che le serve un buon corso di tedesco o di italiano. E’ una mancanza nella preparazione che può e deve essere corretta e non c’è alcuna vergogna nel farlo notare.

Sehr geehrte Frau Foppa, als glühende Verfechterin der Mehrsprachigkeit und der Verständigung und in Ihrer Eigenschaft als Oppositionspolitikerin, könnten Sie einen Antrag stellen, der die Eruierung aller Bediensteten im öffentlichen Sektor, sprich klassische Landes- und Gemeindeämter u.ä. und jenen in den zahlreichen Landesgesellschaften des Landes zum Inhalt hat, die über keinen Zweisprachigkeitsnachweis verfügen, trotzdem festangestellt sind bzw. solche, die nachweislich der jeweils zweiten Sprache nicht mächtig sind.
Das Ergebnis würde etliche Dinge zum Vorschein bringen, die nicht nur die gegenständliche Diskussion unterstützen mit Fakten untermalen würde, vielmehr wäre durch diese Erkenntnis dem friedlichen Zusammenleben der Sprachgruppen ein Bärendienst erwiesen.
Viel zu viele Bedienstete sind zu diesen Ehren nämlich nur durch das altbekannte Vitamin B gelangt, auf der Strecke geblieben sind jene Werte, die wir Eltern unseren Schulkindern einzutrichtern versuchen, nämlich beide Landessprachen sorgfältig zu erlernen. Als i-Tüpfelchen könnten die Grünen als Ansprechpartner für Verletzungen der Zweisprachigkeitsanforderungen bei der Anstellung der Vitamin-B-Günstlinge fungieren. Überspitzt formuliert, hätte die grüne Ratsfraktion damit Arbeit für wahrscheinlich 2 Legislaturperioden und vielleicht könnten Sie dadurch auch mehr Wähler auf Ihre Seite bringen.

Am Namen kann man nicht immer die Sprache ablesen. In Haslach Oberau haben wir mehrere Räte mit Migrationshintergrund (ich gehöre auch dazu) diese sprechen bei uns teilweise nur die eine (Muhammad Umar Naz) oder die andere Sprache (Jarral Pervez). Es ist also sehr schwierig allen Räten gerecht zu werden. Das ist allerdings ein Südtiroler Problem und nicht nur eines der Stadtviertelräte. Aber alle bemühen sich sehr und so ist die Arbeit über Sprachbarrieren dennoch möglich und das ist die positive message.

Mir ist klar, dass man am Namen nicht notwendigerweise die Sprache ablesen kann, deshalb liegt es mir auch fern, im Einzelfall Zuordnungen vorzunehmen. Der Output allen guten Willens, den ich nicht in Abrede stelle, ist einer, der meiner Meinung nach nicht zufriedenstellend sein kann… wenn das im Ergebnis bedeutet, dass eine Sprache so gut wie unsichtbar gemacht wird.

Wir reden hier von Bozen mit einem Sprachgruppenverhältnis, das (mit umgekehrten Vorzeichen) mit Brixen vergleichbar ist und nicht mit irgendwelchen Kleinstgemeinden auf dem Lande.

Möchten Sie uns erläutern, worin das »alle bemühen sich sehr« besteht? Auch in den Videos des Stadtviertelrats Oberau-Haslach reden nämlich alle, einschließlich Judith Kofler Peintner von der SVP, immer Italienisch. Wenn es tatsächlich ein Mitglied gibt, das kein Italienisch kann, ist das ja noch schlimmer.

Gerade in den ersten Präsenz-Sitzungen haben wir versucht, die wichtigsten Inhalte zu übersetzen. Online ist das eine noch größere Herausforderung. Judith Peintner Kofler bittet zum Beispiel externe Gäste, die wichtigsten Inhalte in beiden Sprachen vorzutragen und es wird immer wieder betont und wiederholt, dass Beiträge der Stadtviertelräte auch auf deutsch gewünscht sind. Es gibt ein Mitglied, dass wenig italienisch kann, allerdings scheint es dem italienischen weitgehend folgen zu können. Wir sind insgesamt als Rat und als einzelne Mitglieder, die fast alle keine politische Erfahrung haben, noch in einer Eingewöhnungsphase und tasten uns momentan an die Abläufe, die Kollegen und die Inhalte erst heran. Die Schwierigkeiten gehen über die Sprache weit hinaus. Ich finde den Input dennoch gut, sich trotz der großen italienischsprachigen Mehrheit zu trauen mehr Deutsch zu reden und noch mehr auf Zweisprachigkeit zu achten. Insgesamt braucht es dabei einfach sehr viel Fingerspitzengefühl und da sehe ich von allen Seiten bisher jedenfalls recht viel Offenheit und Bemühen.

Es gibt ein Mitglied, dass [sic] wenig italienisch kann, allerdings scheint es dem italienischen weitgehend folgen zu können.

Ich sehe da ehrlich gesagt Diskriminierung, wenn auf die deutsche Sprache ganz verzichtet wird, damit die italienischen Mitglieder alles verstehen, während man sich begnügt, dass ein Mitglied, das wenig Italienisch kann, dem Italienischen weitgehend folgen zu können »scheint«.

Wenn sogar die Vorsitzende von der SVP (!!) nur Italienisch spricht, kann das für dieses Mitglied gar nicht eine andere Message sein, als dass Deutsch keine gleichwertige (Amts-)Sprache ist. Während diejenigen, die kein Deutsch können, gleichzeitig darin bestärkt werden, dass sie Deutsch nicht brauchen.

Das Mitglied, das wenig Italienisch kann, hat sich denn auch kein einziges Mal zu Wort gemeldet, wenn ich das richtig sehe. Es wird also — wiederum einseitig (!) — um sein Recht auf Teilhabe/Mitwirkung gebracht.

Ich finde den Input dennoch gut, sich trotz der großen italienischsprachigen Mehrheit zu trauen mehr Deutsch zu reden und noch mehr auf Zweisprachigkeit zu achten.

Das stimmt mich hoffnungsvoll, dass diese unsägliche Praxis überdacht wird.

Insgesamt braucht es dabei einfach sehr viel Fingerspitzengefühl und da sehe ich von allen Seiten bisher jedenfalls recht viel Offenheit und Bemühen.

Worin diese Offenheit und vor allem das Bemühen bestehen, außer im vorauseilenden totalen Verzicht auf die Minderheitensprache, habe ich leider noch immer nicht verstanden.

Das Fingerspitzengefühl gegenüber einem nicht gut Italienisch sprechenden Mitglied scheint ein ganz anderes zu sein als das gegenüber nicht gut Deutsch sprechenden Mitgliedern.

Das Problem in Bozen ist laut meiner Erfahrung folgendes: Die Italiener ghettoisieren sich selbst. Sie leben in ihrer Blase Bozen-Leifers , wo man das Deutsche laut ihnen ja nicht braucht. “Siamo in Italia si parla italiano” ist aber nur eine der Ausreden. Ich habe aber zum Thema Deutsch lernen oft folgendes gehört: E’ troppo difficile. Ho paura di sbagliare e poi mi deridono. E poi parlano dialetto…
Das Problem ist hier dass die Italiener, die es wirklich lernen wollen,sich bestimmt schwer tun, da Deutsch wirklich eine schwerere Sprache ist als zb Spanisch.
Sprachkurse allein nützen aber nichts, wenn sie nicht den Dialekt erlernen und wenn sie nicht den Mut aufbringen Deutsch zu sprechen..
Nein, lieber leben die in ihrer Blase weiter unter sich.. alles außerhalb ist für sie eh nur voller baccani.

Ich bin nicht der Meinung, dass man das so verallgemeinern soll und darf. Was du schreibst, wird auf einige Italienerinnen sicher zutreffen, auf sehr viele andere aber zum Glück eben auch nicht.

Und ich glaube auch nicht, dass Deutsch für Italienerinnen viel schwerer ist als umgekehrt. (Klar, Spanisch ist für Menschen, die schon Italienisch sprechen, recht leicht zu erlernen.)

Ich meinte in meinen Ausführungen hauptsächlich die Bozner Italiener. Die in den Tälern zb in Bruneck oder in Lana sind da ganz anders. Klar gibt es auch in Bozen Ausnahmen, aber die meisten ticken halt leider so.

… als aufmerksamer, sprachlich interessierter und älterer Zeitgenosse möchte ich etwas nennen was immer zu kurz kommt:
Als Südtiroler (bitte nicht mit Altoatesino übersetzen, danke) leben wir sprachlich in einer Art Komfortzone, – unsere italienischen MitbürgerInnen sprechen ein allgemein verständliches, einheitliches Schrift-italienisch (man weiß warum).
Umgekehrt sollten wir Tiroler uns diesbezüglich etwas mehr Mühe geben, ein ebenso ordentliches Schriftdeutsch anzuwenden und nicht “der Bequemlichkeit halber”, es vorziehen italienisch zu reden …
Mit Komfortzone meine ich auch die Gelegenheit mit zwei (drei) Sprachen aufzuwachsen und im Alltag zu stehen, umso leichter damit weitere Sprachfertigkeit zu erlangen!
Damit darf man sich als bewußt lebender Europäer fühlen, vor allem dann, wenn man sich um die Sprache(n) der Nachregion(en) bemüht!

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