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Pressekonferenz des Bozner Stadtrats: Italienisch.

Am Ende der Stadtratssitzungen wird in der Landeshauptstadt stets eine Pressekonferenz abgehalten, bei der in der Regel Bürgermeister (Renzo Caramaschi) und Vizebürgermeister (Luis Walcher, SVP) die gefassten Beschlüsse erläutern.

Ausschnitt aus Video der PK vom 22. November 2021

Ich habe mir die letzten sechs davon auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde Bozen angeschaut (1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/) und festgestellt, dass — bis auf ein Guten Nachmittag oder ein Pfiat enk von Herrn Walcher — alles ausschließlich auf Italienisch abläuft.

Dabei sind wir doch im ach so mehrsprachigen Südtirol, Brücke aller Sprachen und Kulturen. Und der Vizebürgermeister sitzt nur deshalb auf seinem Posten, weil er dort laut Autonomiestatut die deutsche Sprachgruppe zu vertreten hat. Das tut er im Namen einer Partei, die sich als autonomistische Vertretung der deutschen und ladinischen Minderheiten sieht. Doch nix, er redet ausschließlich auf Italienisch. Journalistinnen deutschsprachiger Medien (deren Anwesenheit bei den Pressekonferenzen man aufgrund der unprofessionellen Technik übrigens sehen kann – siehe Bild) müssen dann schon selbst für eine Übersetzung sorgen. Von deutschsprachigen Bürgerinnen, die sich die Youtube-Videos anschauen möchten, ganz zu schweigen.

Selbst die Moderation (Begrüßung, Anweisungen…) ist einsprachig in der Mehrheitssprache.

Vor rund einem Jahr hatte ich bereits bemerkt und darauf hingewiesen, dass die deutsche Sprache auch in den Stadtviertelräten der Landeshauptstadt so gut wie inexistent ist.

Während dort, wo die deutsche Sprache majoritär ist, alles übersetzt werden muss, ist dies umgekehrt nicht der Fall, weil nur eine Sprache niemals fehlen darf: Italienisch.

Pressekonferenzen der Landesregierung sind entsprechend schwerfällig, weil nicht nur beide großen Landessprachen verwendet werden, sondern alles doppelt gesagt werden muss.

Und könnte sich jemand vorstellen, dass eine italienische Vizebürgermeisterin in einer mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinde bei Pressekonferenzen nur Deutsch spricht, obschon sie aufgrund des Proporzes die italienische Sprachgruppe zu vertreten hat? Wohl kaum.

◊ ◊

In anderen vergleichbaren Gebieten wird es sowieso umgekehrt gehandhabt: Im Vordergrund steht die Minderheitensprache. So spricht Ada Colau, Bürgermeisterin einer Metropole wie Barcelona, bei offiziellen Anlässen — im Sinne der affirmative action — fast ausschließlich Katalanisch, obschon ihre Muttersprache Kastilisch (Spanisch) ist. Etwas anderes kommt gar nicht in Frage. Und A Coruña hat 2021 als letzte Gemeinde Galiciens beschlossen, Galicisch zur bevorzugten Sprache zu machen.

Im Vorzeigeland Südtirol, von dem angeblich alle lernen sollen, spricht nicht einmal jemand, der ausdrücklich als Vertretung der Minderheit in der Regierung der Landeshauptstadt sitzt, bei einer öffentlichen Pressekonferenz die Minderheitensprache.

Siehe auch 1/ 2/ // 1/ 2/

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6 replies on “Pressekonferenz des Bozner Stadtrats: Italienisch.”

Kann mich noch erinnern. Zu meiner Zeit bei diesen Pressekonferenzen herrschte viel mehr das Muttersprachenprinzip, wenn auch nicht konsequent. Spagnolli hat meist Italienisch gesprochen – wenngleich er nahezu immer auch einige Informationen auf Deutsch gesagt hat – und wenn man ihn auf Deutsch gefragt hat, hat es ausnahmslos eine deutschsprachige Antwort gegeben.
Der damalige SVP-Vizebürgermeister Ladinser hat es ähnlich gehandhabt. Wenngleich es vorgekommen ist, dass auch er mehrheitlich Italienisch gesprochen hat und dass deutschsprachige Journalistinnen ihre Fragen auf Italienisch gestellt haben. Das ist für mich dann schon ein bissi masochistisch. Ich mache mir absichtlich mehr Arbeit, weil ich die Antwort dann für mein Medium auch noch übersetzen muss. Zudem ist eine Übersetzung nie gleichwertig zu einem Originalzitat. Somit auch eine Art journalistischer “Qualitätsverlust”. Die sind schon irgendwo angrennt, nehm ich an.

Das Problem ist ja, dass das von praktisch allen Seiten (ausgenommen BBD) stillschweigend hingenommen und toleriert wird, um das Zusammenleben zu fördern und die Italiener ja nicht vor den Kopf zu stoßen. Und übt jemand Kritik, wir er gleich in die patriotische Ecke gedrängt und als italienfeindlich “beschimpft”.

Ein weiteres Beispiel: Fehlt irgendwo ein italienischsprachiges Schild bzw. eine Übersetzung, gibt’s einen kurzen Aufschrei von Urzì … und Kompatscher & Konsorten “hüpfen” gleich. Umgekehrt läuft gar nix. Oder wie ist das nochmal z. B. mit dem Schutzhaus Rittner Horn?

Ich wurde schon sehr lange nicht mehr als italienfeindlich beschimpft. Vielleicht hintenrum? Oder vielleicht weil es sich mit ruiniertem Ruf sowieso ungenierter lebt…? Aber möglicherweise fehlt vielen Südtirolerinnen im Alltag einfach nur der Mut (oder das Interesse).

Andere Minderheiten drängen darauf, auch in den nationalen Parlamenten und im EU-Parlament ihre Sprache sprechen zu dürfen. Und erreichen das teilweise auch. Bei unseren Vorzeigeautonomist:innen reicht es hingegen nicht einmal gscheid für die eigene Landeshauptstadt.

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