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Impfquote: Wieder Schlusslicht, wieder falsch.
Covid-19

Die Tagesschau der ARD hat gestern einen Beitrag über die angeblich sehr niedrige Impfquote in unserem Land veröffentlicht. Laut eigenen Angaben ist der Stand von gestern um 20:17 Uhr.

Unter dem effekthascherischen Titel

Südtirol – Hochburg der Impfgegner

heißt es unter anderem:

Während bei anderen Themen Südtirol in regionalen italienischen Statistiken häufig als Klassenbester glänzt, ist die autonome Provinz diesmal Schlusslicht. 45 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler sind noch ohne Corona-Impfung.

Ich habe mir nun das offizielle Impfdashboard der italienischen Regierung angesehen. Hier einige Bildschirmfotos von heute:

Impfquoten für Südtirol und Trentino

Impfquoten für Piemont und Aosta

Impfquoten für Ligurien und Toskana

Impfquoten für Basilikata und Kalabrien

Impfquoten für Sardinien und Sizilien

Die nicht dargestellten Regionen haben derzeit höhere Impfquoten als Südtirol.

Ich muss schon sagen: Die Tagesschau hat eine merkwürdige Auffassung von »Schlusslicht«. Ja, Südtirol glänzt in diesem Fall tatsächlich nicht als »Klassenbester«, rangiert aber im Mittelfeld.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/

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21 replies on “Impfquote: Wieder Schlusslicht, wieder falsch.
Covid-19

Gibt es dafür auch eine (offizielle) Primärquelle?

Davon unabhängig: Kann man Südtirol wirklich als »Hochburg der Impfgegner:innen« und »Schlusslicht« bei den Impfungen bezeichnen, wenn zwar mehr Menschen als andernorts noch keine Dosis erhalten haben, das Land bei den Geimpften aber im Mittelfeld rangiert?

Zudem: Haben Sie auch die unterschiedliche demografische Struktur berücksichtigt? Südtirol hat seit Jahren die höchste (!) Geburtenrate in Italien, somit vermutlich mehr Junge (die sich noch gar nicht impfen lassen können) als andere Regionen.

Ich finde der Kommentator Joerg hat eine mehr als seriöse Quelle zitiert. Beim Öffnen dieser Homepage habe ich deren Quellen sofort gefunden, deshalb finde ich die Frage nach der (offiziellen) Primärquelle unnötig.
Man sollte generell, nicht nur bezogen auf das Thema Impfung, als Südtiroler die “wir-sind-die-Besten”-Etikette endlich ablegen und empfänglich sein für Kritik.
Damit würden wir unsere bereits durch Heine erwähnte hinterwäldlerische Attitüde ablegen und einen großen Schritt nach vorne machen.

@ Domprobst
Laut Tagesschau von gestern auf Rai Südtirol sind 57,8% der Bevölkerung Südtirols vollständig geimpft. Italienweit stehen wir vielleicht nicht so gut da, aber wenn wir mal über den Brenner schauen, sieht es gar nicht so schlecht aus. Wir sind halt hier einmal nicht die besten in Italien, so what!
Und was Deine Bemerkungen zu Heine und die Verweise von anderen auf diversen Plattformen zu der Impfgegnerschaft von Tirol Anno 1809 betrifft:
Ich weiß nicht, welche Motive Heine gehabt hat, die Tiroler derart zu beleidigen, als soziologische Analyse einer ganzen Bevölkerung taugen sie mit Sicherheit nicht. Und schon gar nicht kann man das Ganze auf die heutige Zeit übertragen. Übrigens hat Heine auch die Stadt Aachen und seine Bevölkerung beleidigt. Manche Leute teilen halt gern aus, daher sind solche Beleidigungen nicht besonders dafür geeignet, bestimmte Aspekte und Mentalitäten einer Region kritisch zu hinterfragen.
Auch kann ich nicht verstehen, wie vieler Südtirolerinnen und Südtiroler in dieser Diskussion immer und immer wieder Bezug auf die Haltung der Tiroler (oder einiger davon) bezüglich der Pockenimpfung nehmen und das auf die Impfgegnerschaft von heute übertragen.
Die Impfung hatte damals noch nicht eine über 200jährige Erfolgsgeschichte hinter sich, es wurde mit lebenden Pockenviren geimpft, was bei unerfahrenen Ärzten dazu führen konnte, dass der Schuss nach hinten los ging. Zudem wurde die Impfung von einer brutalen Besatzungsmacht eingeführt, die teilweise auch mordete, brandschatzte und vergewaltigte. Wäre das heute der Fall, hätte ich mich wahrscheinlich auch nicht gegen Covid impfen lassen.
Die Impfgegner begründeten ihre Ablehnung mit konservativ religiösen Motiven, was heutzutage kaum mehr der Fall sein dürfte.

»Kommentator Joerg« ist der Autor des Tagesschau-Beitrags.

Ich habe ein Problem damit, wenn öffentlich-rechtliche Medien keine Quellenangaben machen und auch damit, dass »Kommentator Joerg« auf meine Wiedergabe einer offiziellen Quelle mit einer Sekundärquelle antwortet, die der offiziellen Quelle zu widersprechen scheint. Desweiteren finde ich es hoch problematisch, wenn Ungeimpfte automatisch mit Impfgegnerinnen gleichgesetzt werden und offenbar andere Faktoren außer Acht gelassen werden: zum Beispiel Demographie, im Ausland Geimpfte, Genesene, Datenfehler. Letzteres scheint ein Faktor zu sein, da es ja beim Green Pass das Problem gibt, dass gewisse Geimpfte nicht in der staatlichen Datenbank aufscheinen. Ob und wie es sich auf die Statistik auswirkt, weiß ich nicht, müsste man aber überprüfen. Bevor man als großes öffentlich-rechtliches Medium mit enormer Reichweite die Nachricht von der Hochburg und dem Schlusslicht in die Welt setzt, sollte man all das berücksichtigt haben und nicht nur eine Sekundärquelle konsultiert haben. Dies umso mehr, als die Unterschiede zwischen den Regionen nicht so riesig sind.

Man sollte generell, nicht nur bezogen auf das Thema Impfung, als Südtiroler die “wir-sind-die-Besten”-Etikette endlich ablegen und empfänglich sein für Kritik.

So [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] zum Beispiel?

@Manni: Die kritischen Äußerungen Heines zu Tirol sind vor allem durch seinen (durchaus verständlichen) Antiklerikalismus begründet. Die Tiroler dürfen sich aber nicht einbilden, gewissermaßen das von Heine auserwählte Volk seiner beißenden Kritik gewesen zu sein. Er hat sie überall gleichmäßig dort verstreut, wo er auf Klerikalismus gestoßen ist, und wir können das heute mit Genuss lesen.
Die Aversion der Tiroler gegen die Pockenimpfung beruhte auf mehreren Faktoren. Erstens war die von Bayern 1807 als erstem Staat der Welt eingeführte Pockenimpfung etwas vollkommen Neues und, da es vom Feind kam, natürlich auch Verdächtiges. Erwähnen müsste man auch, dass die Gegnerschaft in Altbaiern gegen die Pockenimpfung nicht geringer war als im damaligen Südbaiern (das y in Baiern wurde ja erst vom hellenophilen König Ludwig 1825 eingeführt, worauf Tyrol als Gegenmaßnahme zu Tirol wurde). Zweitens war damals die Haltung des katholischen Kirche eindeutig gegen die Impfung. Es stehe den Menschen nicht zu, sich in den göttlichen Schöpferwillen einzumischen, sagte der Papst, und der Rotbart Haspinger, der zwar sonst nicht immer gefolgsam war, folgte in diesem Fall der päpstlichen Weisung. Dass auch ein heutige Rotbart Impfgegner ist, dürfte andere Ursachen haben.

@Manni, mein Beitrag soll nicht als Kommentar zum Thema Impfen verstanden werden, in der Tat wurde die Pockenimpfung vor 200 Jahren von mir mit keinem Wort erwähnt.
Mir geht es darum aufzuzeigen wie der Durchschnittssüdtiroler der Attitüde verfällt, seinen Gesprächspartnern (und oft auch der restlichen Südtiroler Bevölkerung) weiszumachen der Beste zu sein. Abgesehen der Tatsache, dass man immer und überall Daten und Informationen kritisch hinterfragen soll, zeigt jedoch die Gesprächskultur eines Südtiroler Bloggers gegenüber den “großen” ARD und IlSole24ore, wie präpotent Südtiroler agieren können, wenn ihnen nicht nach ihrem Mund gesprochen wird. Ich erinnere hierbei auch gerne an das verbale Scharmützel Constantini/Dierstein, das kürzlich stattfand und in welchem Constantini, aufgrund der geäußerten Kritik an Südtiroler Charaktereigenschaften – objektiv betrachtet – wenig fundierte Elemente bringen konnte. Aber beim “Feuern”, da war er stark!
Auch in deinen Äußerungen ist eine gewisse Präpotenz zu erkennen (“…aber wenn wir mal über den Brenner schauen, sieht es gar nicht so schlecht aus. Wir sind halt hier einmal nicht die besten in Italien…”). Dass wir einmal nicht die Besten in Italien sein sollen, drückt genau diese Überheblichkeit aus, die ich beanstande. Sind die Südtiroler sonst auch immer die “Besten in Italien”? Wobei bitte, das würde ich gerne erfahren? Dabei geht es mir nicht um einen Vergleich mit Italien, es ist dieses “Wir sind die Besten” und wenn einmal nicht, dann wird gleich “geschossen”, das ich echt zum K… finde und mich manchmal, als einer Eurer Landsleute, echt dafür schäme.
Mir sind Ich-bezogene Personen generell ein Gräuel und solche, die sich unverblümt als die Besten-Schönsten-Schnellsten geben, umso mehr.
Ich denke, man sollte gerade als Südtiroler beim Selbstmarketing auch durchaus die Kirche im Dorf lassen und vor der eigenen Tür kehren. Wir haben genug Gründe um in unserem Auftreten nicht das Nonplusultra schlechthin zu erkennen, gerade das differenzierte Denken vermisse ich beim Durchschnittsüdtiroler mehr denn je.

@Manni, Zusatz. Gerade die von Staffler wunderbar aufgezeigte Kirchenhörigkeit, damals wie heute, finde ich erbärmlich und eines weltoffenen toleranten Bewohners dieser Erde, absolut nicht mehr zeitgemäß.

@Domprobst
Ich bin ein heimatliebender Mensch, aber beileibe kein Hurra-Patriot, der alles gut findet. Daher ist sachliche Kritik auch immer willkommen. Es mag Anno Tobak hierzulande eine Art Miar-sein-miar-Mentalität gegeben haben, im realen Leben ist mir diese noch nie begegnet, schon gar nicht im Netz. Sieh Dich mal im Kommentarbereich von Südtirolnews oder der Neuen Südtiroler Tageszeitung um. Dort wirst du Kommentare wie “stures hinterwäldlerisches, wissenschaftsfeindliches Bergvolk” und so weiter finden. Von bestimmten Vielkommentierern auf FB oder gar der Salto-Community ganz zu schweigen. Der Satz, dass wir hier mal nicht die Besten sind, war übrigens ironisch gemeint, obwohl wir natürlich auch wirklich in manchen -positiv besetzten- Bereichen Spitzenreiter sind z.B. Lebensqualität.
Was das “verbale Scharmützel Dierstein/Constantini” anbelangt, hat es dieses de facto gar nicht gegeben. Dierstein hat wie so oft einen Aufhänger -in diesem Fall die Südtiroler tifosi – zum Anlass genommen, um seine Lieblingswörter “Vaccaland” und “Grattlersprech” loszuwerden. Nach der zugegebenermaßen gesalzenen Antwort Simon Constantinis hat er sich aus der Diskussion verabschiedet. Dieses Verhalten Diersteins zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch die meisten seiner Beiträge. Es muss jedem klar sein, dass seitens dieses Herrn eine sachliche, geschweige denn eine konstruktive Diskussion gar nicht beabsichtigt ist. Daher nochmals: sachliche Kritik ja, aber nicht Land und Leute beschimpfen. Und was die Meldungen in den Medien betrifft, wünsche ich mir aussagekräftigere Zahlen. Ich habe wenig Lust, selber herausfinden zu müssen, ob hier von der impffähigen Bevölkerung oder von der Gesamtbevölkerung ausgegangen wird. Auch will ich nicht immer das Kleingedruckte lesen.
Eines noch zum Thema “Kirchenhörigkeit”. Wir sind bei diesem Thema weltanschaulich wahrscheinlich weit auseinander, weshalb ich die Rolle der Kirche heute auch nicht so negativ sehe wie Du, wobei ich Deine Meinung selbstverständlich respektiere. Man kann aber schon objektiv sagen, dass die Autorität der Kirche in Südtirol so gut wie ganz verschwunden ist. Leere Seminare und Kirchenbänke, sowie die Tatsache, dass die meisten Ehen standesamtlich geschlossen werden und dass man selbst alte Leute in Bergdörfern über die Kirche schimpfen hört wie die Rohrspatzen legen davon Zeugnis ab.

@Manni, ich hatte den ironischen Unterton in Deinem Kommentar nicht erkannt und möchte mich hierfür höflich bei Dir entschuldigen.
Umso mehr freut es mich auf einen sachlich denkenden und agierenden Gesprächspartner getroffen zu sein, mit welchem es – auch bei etwaigen gegenteiligen Ansichten – eine große Freude darstellt, sich austauschen zu dürfen.
Bezüglich Kirche wirst Du vielleicht gar nicht mal so falsch liegen, denn wenn man bedenkt, welche (Bau)Gründe in den letzten Jahrzehnten mobil gemacht wurden, könnte man theoretisch ein Liquiditätsproblem erkennen. Trotzdem sind diese die Letzten, die mein Beileid erhaschen, es gibt noch viel zu viel Potential. Und viel zu viele alte Leute, die im Lebensabend noch im Zweifelsfall der Kurie ein Scherflein beisteuern.
Worauf ich jedoch gespannt bin, ist die Ausländerhetze in kirchentreuen Medien einerseits (Stop der Gewalt! und andere Parolen) und die Tatsache andererseits, dass in 20 Jahren mind. jeder 2. Pfarrer in Südtirol aus Tansania (nur als überspitztes Beispiel, ohne jede Wertigkeit) stammen wird.
Wie immer wird die Kirche einen “Mittelweg” finden, nur wer’s glaubt, gehört dann wirklich zu jenen “Hinterwäldlern” aus den Kommentarbereichen der Trottoirblätter.

@ Ola: Papst Leo XII. ist 1823 gewählt worden. Es ist daher klar, dass die päpstlichen Aussagen gegen die 1807 von Bayern als erstem Staat der Welt eingeführte Pocken-Impfpflicht nicht von ihm stammen können. Ob sein Vorgänger Pius VII. die entsprechenden Aussagen getätigt hat, lässt sich heute kaum mehr feststellen. Jedenfalls zirkulierten sie in kirchlichen Kreisen.

@Staffler, klar, vielen Dank – mir ginge es dabei hauptsächlich um “der Rotbart Haspinger, der zwar sonst nicht immer gefolgsam war, folgte in diesem Fall der päpstlichen Weisung.”

@Staffler

Ob sein Vorgänger Pius VII. die entsprechenden Aussagen getätigt hat, lässt sich heute kaum mehr feststellen.

Dürfte nicht sein, da unter Pius VII. sogar Impfpflicht herrschte, vgl. dazu:

  1. https://blog.psiram.com/2012/03/die-pockenimpfung-und-die-anfange-der-impfgegner/
  2. https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2021-05/vatikan-tornielli-editorial-impfstoff-pius-papst-geschichte.html

Jedenfalls zirkulierten sie in kirchlichen Kreisen.

“Fake News” ante litteram? :)

@ Ola: Ich will nicht kleinlich sein, aber Papst Pius VII. hat die Pockenimpfpflicht im Juni 1822, auf Betreiben seines Beraters Ettore Consalvi, eingeführt, und sein Nachfolger Leo XII. hat sie kurz danach wieder aufgehoben. Erst ab 1856 hat sich der Vatikan eindeutig zur Impfung bekannt. Im Jahr 1807, als Bayern die Impfpflicht auch in Tirol einführte und P. Haspinger dagegen aufbegehrte, war der Vatikan jedenfalls noch eindeutig gegen die Impfung eingestellt. Das war zwar nicht unbedingt ausschlaggebend, hat aber die damaligen Impfgegner in Tirol sicher stark beeinflusst.

Im Jahr 1807, als Bayern die Impfpflicht auch in Tirol einführte und P. Haspinger dagegen aufbegehrte, war der Vatikan jedenfalls noch eindeutig gegen die Impfung eingestellt.

Gibt es Quellen dazu, vor allem für das “eindeutig”?
Leo XII. hat nur die Impfpflicht aufgehoben, wer wollte konnte sich aber weiterhin sogar kostenlos impfen lassen.
Oder bezieht sich “der Vatikan” nicht auf den Papst sondern z.B. auf die damaligen Kurienkardinäle?
Jedenfalls ist es absolut möglich, dass die damaligen Impfgegner die Position des Papstes falsch verstanden oder sich sogar zurechtgelegt hätten, das will ich gar nicht bestreiten.

@ ola: Es ist klar, dass die damaligen Impfgegner jede kritische Äußerung aus dem Vatikan, die es genügend gab, sofort zu einer Verdammung der Impfung aufgebauscht haben. Fake News gab es damals schon.

Beim Blick über den Brenner muss berücksichtigt werden, dass dort das %-Verhältnis der vollständig geimpften Personen auf die Gesamtbevölkerung berechnet wird und nicht nur auf die Anzahl der Personen die über 12 Jahre alt sind.

Das stimmt nicht ganz. Es gibt hier wie dort Daten in Bezug auf die impfbare Bevölkerung und auf die Gesamtbevölkerung. Man muss nur darauf achten, dass man die richtigen Daten miteinander vergleicht.

Da stimme ich Dir zu.
Dass man vergleichbare Zahlen verwenden muss, darauf wollte ich eigentlich hinweisen.
Anderenfalls kann sich leicht eine Fehlerquote von rund 5-6%-Punkten ergeben, je nach Altersstruktur des jeweiligen Landes. Bei den insgesamt verabreichten Impfungen muss auch der Anteil von Janssen berücksichtigt werden; usw.

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