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Minniti will Schule nach RSI-Kämpfer benennen.

Aufgrund der einschlägigen Reformen sollen in Meran mehrere italienische Schulen zusammengelegt werden. Um einen Namen für das neue Schulzentrum ausfindig zu machen, haben sich die Verantwortlichen vor Ort ein partizipatives Modell ausgedacht: Schülerinnen und Eltern sollen Voschläge einbringen und darüber abstimmen, ein eigenes Komitee würde die Wahl dann begutachten und gegebenenfalls absegnen. Überraschenderweise zeichnet sich der Sieg eines »deutschen Namens« ab, jener des interethnischen Vordenkers Alexander Langer.

Wie die Tageszeitung A. Adige in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, war dies für den — angeblich geläuterten — Postfaschisten Mauro Minniti Anlass genug, offiziell (und gegen die Prinzipien der Schulautonomie) bei der italienischen Schulamtsleiterin Minnei zu intervenieren, um diesen Namen abzuwenden. Vorwand: Es sei an der Zeit, Namen aus der lokalen (Meraner) Geschichte den Vorzug zu geben, anstatt sich auf Landesebene umzusehen. Merkwürdig, dass Minniti weder der alte Schulname (Giosuè Carducci, nachweislich kein Meraner), noch Straßenbezeichnungen nach irgendwelchen Militäreinheiten zu stören scheinen (die einige Splitter seiner Partei propagieren).

Hochgradig skandalös und zeitgleich entlarvend ist jedoch einer der beiden Vorschläge, die der Landtagspräsident aus SVPs Gnaden selbst ins Spiel bringt: Die Schule solle entweder der jungen Meraner Jüdin Elena Stern gewidmet werden, die im Alter von sechs Jahren von den Nazis deportiert und ermordet wurde oder — man lasse sich die »angemessene« Kombination auf der Zunge zergehen — Erminio Barbieri, einem freiwilligen Kämpfer der faschistischen Sozialrepublik RSI, der von den Partisaninnen getötet wurde.

Für Minniti wird es wohl wieder Zeit für eine Distanzierung. In einer funktionierenden Demokratie würde ihn die Landtagsmehrheit aus dem Präsidentenamt entlassen.

Siehe auch:
Faschismen Militär Politik Scola | Geschichtsaufarbeitung | Alexander Langer Mauro Minniti | AA | Südtirol/o | PDL&Co. Südtiroler Landtag SVP Vërc | Deutsch

53 replies on “Minniti will Schule nach RSI-Kämpfer benennen.”

Non può essere, mi rifiuto di credere a una tale spudoratezza: mettere sullo stesso piano una bambina ebrea perseguitata dai nazisti e un volontario di quella repubblica di Salò che collaborò attivamente con gli stessi nazisti nella caccia agli ebrei!

Starker Tobak. Stellt euch mal vor, irgendein deutschsprachiger Südtiroler Politiker würde etwas ähnliches vorschlagen. „Oltranzista“ und „estrema destra xenophobica“ wären wohl noch die nettesten Attribute, die man dafür in einer einschlägigen ital. Zeitung finden würde, übrigens nicht ganz zu unrecht (ich beziehe mich natürlich immer auf den Namen der Reppublica di Salò)…Da es aber von ital. Seite kommt ist es ok, es kommt es ja schließlich von „brava gente“ und nicht von den bösen Anderen.

Vabbè, dai… non facciamo sempre i pignoli: povero Sig. Erminio della RSI… sarà  stato anche fascista, sarà  anche andato a combattere per Hitler e Mussolini, sarà  anche morto in una guerra civile stando dalla parte dell’oppressore… ma dai, cavoli, almeno non è tedesco… Minniti c’ha visto giusto: alla fine tanto cattivo non poteva essere!
E poi, pensiamo alla convivenza: mica vogliamo metterla in pericolo con argomenti farlocchi tipo: lui è fascista, lui è razzista, lui ammazzava gli ebrei… sempre la solita lagna! :engel:

@Simon:

E‘ altamente velleitario scusarsi per la scarsa qualità  nella riproduzione di un articolo tratto da un giornale che pochi giorni fa titolava in prima pagina „La direzione *DISDETTA* gli accordi sindacali“… semplicemente non vale la carta di cui è fatto!

Die Meraner Jugendorganisation des PDL hat in diesem Pressecommuniqué Argumente für eine Benennung der Schule nach Elena Stern und Erminio Barbieri zusammengetragen. Dass Erminio nur 15 Jahre alt war, als er „barbaramente trucidato dai partigiani“ wurde, war mir nicht bekannt. Tragisch ist sein Fall jedenfalls, da sich dieses Kind von der faschistischen Propaganda hat blenden lassen. Verharmlosend und äußerst bedenklich aber die Tatsache, dass hier weiter emsig und Stück für Stück der sog. „Resistenza-Mythos“ (diejenige Meistererzählung, die das Republikanische Italien auf ein antifaschistisches Fundament einschwört) abgetragen wird, um — wie es weiter heißt — den Mut aufzubringen „di affrontare realtà  al di là  degli steccati ideologici, culturali e religiosi“ (!). Der Gipfel der relativierenden Gleichsetzung von „Opfer“ und „Täter“ aber ist folgende Passage:

Accomunare i due nomi di Stern e Barbieri in esperienze tanto diverse quanto ugualmente tragiche, potrebbe essere un richiamo importante al rispetto dei sentimenti in questa terra di culture diverse ma conviventi. Stern e Barbieri da fronti tanto dissimili possono rappresentare una volta di più la volontà  della nostra città  di riunirsi attorno a vittime dell’odio […]

Ich hoffe sehr, dass der PDL nur für sich selber und seine Anhänger spricht, wenn er einerseits der „italienischen Kultur“ in Südtirol Sympathien für die ultrafaschistische Repubblica Sociale Italiana von Salò unterstellt, andererseits aber das Zusammenleben verschiedener Kulturen am „Respekt vor den jeweiligen Gefühlen in diesem Land“ festmacht. Als ob ich mich für die „convivenza“ zwingen ließe, Wiederbetätigung zu respektieren.

Minniti hat am gestrigen 4. November einen Kranz vor dem Beinhaus in Burgeis niedergelegt. Angesichts der Debatte um die faschistischen Relikte und deren Historisierung (Mahnmal) ist das eine echte Watsch’n. Der Landtagspräsident scheint seine Wurzeln nicht vergessen zu haben.

@Beppi
Der PDL verliert in der Wählergunst der Italiener Südtirols kontinuierlich an Stimmen und man kann davon ausgehen, daß der vielstimmige und diffuse Südtiroler PDL-Ableger nicht für die Italiener sprechen kann. Andererseits ist die Geschichte der Italiener Südtirols untrennbar mit dem Faschismus verbunden. Das macht es für sie zu einer Gratwanderung die Geschichte aufzuarbeiten.

Für die Moderation, die Umfragen gegenüber sehr aufgeschlossen ist:
http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2011/09/02/umfrage-wer-wird-gewaehlt.html ;)

MfG

@ Martin G.

Andererseits ist die Geschichte der Italiener Südtirols untrennbar mit dem Faschismus verbunden. Das macht es für sie zu einer Gratwanderung die Geschichte aufzuarbeiten.

Ja, gut erkannt. Mir ist dieser Umstand auch bewusst. Ein paar Mal habe ich darauf hingewiesen, dass der Faschismus für die allermeisten Italiener eigentlich der Wesensgrund ist, warum sie nun hier in Südtirol leben. Jedoch wurden in der Vergangenheit schon so viele Diskussionen geführt, woher der verharmlosende Umgang mit der eigenen Vergangenheit kommen könnte (andere „Mentalität“; andere „Aufarbeitungspraxis“; andere Prioritäten; die Angst, den eigenen „Geburtsfehler“ zu benenen), dass es ziemlich müßg wäre, jetzt erneut darüber Zeit zu verwenden.
Eines weiß ich aber für mich selbst ganz sicher: Verstehen könnte ich ja vielleicht, warum sich dies alles so verhält, aber tolerieren will ich es einfach nicht. Ebenfalls will ich den Fehler nicht begehen, die konstruierte Gesellschaftsgruppe der „Italiener“ a priori allesamt als einen Haufen irrational-suszeptibler, verkappter Sympathisanten des Faschismus zu deklassieren, die man etwa zu schonen hätte, und denen man nichts zumuten könne. Eine despektierlichere Unterstellung — einem Individuum gegenüber — als die der Unmündigkeit fiele mir nicht ein.

Minnitis Kranzniederlegung am faschistischen Beinhaus wurde von der SVP scharf kritisiert. Die Tageszeitung Alto Adige — welche kein Problem damit hat, dass der Landtagspräsident eine Schule einem RSI-Kämpfer widmen möchte, gleichzeitig aber den deutschsprachigen Südtirolern unterstellt, sie hätten ihre Geschichte nicht aufgearbeitet — versteht die Welt nicht mehr. Heute im Tagblatt erschienen:

La Klotz ringhia, la Svp si accoda. Il vicepresidente del consiglio provinciale Mauro Minniti non è nemmeno più libero di mettere una corona dove gli pare. L’altro giorno, in occasione del 4 novembre, è andato all’ossario di Burgusio, a rendere omaggio ai caduti della prima guerra mondiale. Apriti cielo. La pasionaria attacca ad alzo zero: «Ma come fa la Svp a permettere che chi ha una carica istituzionale vada impunemente ad omaggiare un relitto fascista?».
Immediata, la „rampognata“ Svp, sempre molto attenta alla pancia del partito. La strigliata a Minniti — ulteriore sgarbo — non è arrivata dall’Obmann Theiner. È stata affidata al giovane segretario organizzativo, Philipp Achammer, uno con la metà  degli anni di Minniti: «Caro Mauro — il tenore —, ci hai deluso».
Il ritornello è sempre lo stesso: guai ad avvicinarsi alle „vestigia“ del Ventennio. «È assolutamente deludente — si legge nella nota di Achammer — che chi riveste incarichi istituzionali non sia consapevole delle proprie responsabilità  per una convivenza pacifica». Anchammer non lesina una „lezioncina“ al rodato esponente pidiellino. «Da un presidente del consiglio provinciale di tutti e tre i gruppi linguistici — prosegue Achammer — ci saremmo aspettati maggiore sensibilità  e rispetto della storia. Minniti sa fin troppo bene come sono nati gli ossari, costruiti come provocazione e glorificazione degli ideali fascisti. Che egli dichiari di essere consapevole di alienarsi una parte della popolazione, dimostra poco fiuto e scarsa comprensione del proprio ruolo», conclude Achammer. Insomma, Minniti è stato avvertito.
Sempre a proposito di monumenti del Ventennio, oggi una delegazione del Pdl guidata dal deputato Giorgio Holzmann si recherà  al monumento alla Vittoria per deporre una corona. Alle 11 un corteo muoverà  da piazza Mazzini verso piazza Vittoria. Nonostante il monumento sia ancora occupato dal cantiere, è stato concesso l’ingresso.

[Unterstreichungen von mir.]

Armer Minniti — ist nicht mal mehr frei, Kränze niederzulegen, wo es ihm beliebt. Unverständlich, wirklich.

@Beppi

Eines weiß ich aber für mich selbst ganz sicher: Verstehen könnte ich ja vielleicht, warum sich dies alles so verhält, aber tolerieren will ich es einfach nicht.

Interessanter Aspekt. Eines weiß ich aber für mich selbst ganz sicher: Etwas was ich geschichtlich verstehen kann, das kann ich zur Not auch tolerieren. Versetzen wir uns einmal in deren Lage, die sich hier in ein paar Stichworten zusammenfassen lässt: kleinere Volksgruppe, behaftet mit dem Manko einer teilweise faschistischen Geschichte, nicht autochton, zusammengewürfelt aus allen Regionen Italiens und in sich noch in Süd- und Norditaliener(die sich selbst in Südtirol oftmals nicht besonders gerne mögen) gespalten. Zusammen mit dem Druck der Opposition rechts der SVP ergibt dies eine Abwehrhaltung, die leider manchmal auch sehr schlechte Blüten wie ein problematisches Naheverhältnis zur Vergangenheit treibt. Will man als unabdingbare Grundbedingung zum Modell eines Postethnischen Südtirols ein Wir schaffen, werden beide Seiten aufeinander zugehen müssen. Das wird auf den diversen, ethnisch heißen, Gebieten geschehen müssen.
Die Frage ist daher eigentlich:
Welchen Preis sind beide Seiten bereit zu bezahlen?

MfG

@pérvasion
Minniti hat einen schweren und leicht vermeidbaren Fehler begangen.
Was den AA anbelangt, so bin ich davon überzeugt, daß er in dieser Hinsicht immer weniger die Italiener Südtirols repräsentiert. Diesen Job macht die Dolomiten auf ihrer Seite weit besser und vor allem intelligenter.

Was können Zeitungen, die den Namen „Alto Adige“ in ihren Namen führen, auch anderes schreiben? :-) Zu diesem Zweck sind sie ja auch da.

Eines weiß ich aber für mich selbst ganz sicher: Etwas was ich geschichtlich verstehen kann, das kann ich zur Not auch tolerieren.

aalglatter boden, wenn du das allgemeine behauptung – und als solche versteh ich sie – so in den raum stellst. zwischen erklärung (verständnis) und rechtfertigung (toleranz) ist ein riesiger unterschied. ich verstehe zum beispiel auch, warum viele palästinenser dem terror nicht abgeneigt sind. tolerieren kann ich das aber niemals. es lässt sich also erklären, aber nicht rechtfertigen. ich verstehe auch, dass im lichte von 1929 der nährboden für extremismen geschaffen und menschen für sündenbocktheorien anfällig waren. tolerieren kann man das aber nicht. ich verstehe auch, dass manche menschen in unserem land eine nahezu sentimentale beziehung zum ventennio und vielen seiner manifestazionen pflegen. tolerieren kann ich das aber nicht. oder wie es beppi treffend formuliert hat:

Ich hoffe sehr, dass der PDL nur für sich selber und seine Anhänger spricht, wenn er einerseits der ”italienischen Kultur” in Südtirol Sympathien für die ultrafaschistische Repubblica Sociale Italiana von Salò unterstellt, andererseits aber das Zusammenleben verschiedener Kulturen am ”Respekt vor den jeweiligen Gefühlen in diesem Land” festmacht. Als ob ich mich für die ”convivenza” zwingen ließe, Wiederbetätigung zu respektieren.

Martin G.:

Welchen Preis sind beide Seiten bereit zu bezahlen?

Es mag dir borniert erscheinen, aber sollte das so genannte post-ethnische Südtirol auf einem Fundament von Unwahrheiten und ideologischen Lügen errichtet werden, dann kann ich gerne auf so eine Zukunftsvision verzichten.

Etwas was ich geschichtlich verstehen kann, das kann ich zur Not auch tolerieren.

Ich kann auch die neonazistische Bewegung in den neuen Bundesländern Deutschlands „geschichtlich verstehen“, aber tolerieren muss ich sie deshalb noch lange nicht.

Versetzen wir uns einmal in deren Lage

Tue ich ständig, bringt aber nichts. Im luftleeren Raum konstruierten Bolzaniniklischees nachzujagen ist Zeitverschwendung. Ich habe den Fehler zu oft gemacht, und du begehst ihn auch gerade: Nämlich den italienischsprachigen Bewohnern in Südtirol etwas grundsätzlich zu unterstellen (sei’s im Guten wie im Bösen). Mit den Grünen und anderen Gutmenschen könnten wir uns in der Hinsicht in guter Gesellschaft wähnen. Das Hineinversetzen birgt denn auch die Gefahr (siehe Grüne), berechtigte Ansprüche wie die des Antifaschismus aus blödsinniger Schonung und vorauseilendem Gehorsam gegenüber präjudizierten Befindlichkeiten der Gegenseite komplett zu reduzieren. Ich hingegen denke, dass man zuerst einmal seine eigenen Ansprüche selbstbewusst kommunizieren sollte (in etwa mit dem Grundsatz zu beschreiben: „ich bin mit der Verherrlichung faschistischer Symbole im öffentlichen Raum nicht einverstanden, da dies gegen mein demokratisches Selbst-, und Werteverständnis verstößt“), dann aber die Sache, wenn nötig auch takt- und konsensvoll, zu verhandeln.

Martin G., ich möchte noch etwas von dir wissen (da ich fast sicher bin, dass du mit meiner Sicht der Dinge nicht einverstanden bist): Wie würdest du vorgehen, um ein post-ethnisches Südtirol — deine Prämissen etc. stets miteinbeziehend — zu verwirklichen, ohne dass ein antifaschistischer Grundkonsens außen vorbleibt?

hunter, was Du daraus machen willst.

aalglatter boden, wenn du das allgemeine behauptung – und als solche versteh ich sie – so in den raum stellst. zwischen erklärung (verständnis) und rechtfertigung (toleranz) ist ein riesiger unterschied.

:nope:
Ich habe mich mit Beppi über Toponomastik unterhalten und über nichts anderem. Es ist wohlgemerkt keine allgemeine Aussage! ich verwehre mich gegen Deine Interprätation und weise sie weit von mir. Es gibt einen Unterschied zwischen Ortsnamen und Terrorismus.
Ich kann auch verstehen, daß in den 60er Jahren Südtiroler zum Mittel der Gewalt gegriffen haben, tolerieren kann ich es Niemals. Nimm Dir ein Beispiel an Beppi. Ich habe kein Problem mit einer sachlichen Auseinandersetzung. Gegen Unterstellungen Deinerseits verwehre ich mich aber.

@Beppi

Martin G., ich möchte noch etwas von dir wissen (da ich fast sicher bin, dass du mit meiner Sicht der Dinge nicht einverstanden bist): Wie würdest du vorgehen, um ein post-ethnisches Südtirol — deine Prämissen etc. stets miteinbeziehend — zu verwirklichen, ohne dass ein antifaschistischer Grundkonsens außen vorbleibt?

Beppi, jede Gesellschaft und jede Gemeinschaft braucht einen Grundkonsens, der auf einer demokratischen Verfassung wie die Grundrechte der UNO-Charta gründet. Dir wird es jetzt vielleicht zu tolerant erscheinen, aber wir müssen genau zwischen Antifaschismus und der Möglichkeit und dem Recht der freien kulturellen/sprachlichen Entfaltung eines jeden Bewohners in unserem Land unterscheiden. Eine Gesellschaft mit unserer Geschichte braucht einen antifaschistischen und antitotalitären Grundkonsens. Der Antifaschismus soll aber nicht mißbraucht werden ihn gegen eine Gruppe auszuspielen. Ich halte nichts von der falschen Toleranz wie man sie im Grünen oder Altlinken Lager findet. Genausowenig halte ich etwas von Tendenzen, die den Antifaschismus dazu mißbrauchen wollen um zum status quo ante vor 1918 zurückzukehren oder irgendeiner Ethnie in unserem Land eine höhere moralische Geltung zu verleihen. Wir können ewig versuchen uns zu reinigen. Das 20. Jahrhundert hat unser Land für immer verändert und der ventennio hat wesentlich dazu beigetragen. Die Geschichte der Italiener lässt sich nicht von der des Faschismus trennen, genausowenig wie die unsere(der Deutschsüdtiroler). Wir werden um einen postethnischen Grundkonsens(und um den geht es hier) aufbauen zu wollen, die Geschichte akzeptieren müssen, genauso wie die Vergangenheit von 1/3 der Bevölkerung. Abtragen, Abreißen, ganz gleich ob baulich oder kulturell verursacht weit tiefere Wunden als die Historisierung. Wir werden einen Teil der (Historisierten) Bauten, einen Teil der Namen und einen kleinen Teil des kulturellen Erbes für den Aufbau einer postethnischen Gesellschaft akzeptieren müssen. Meine Ansicht, ohne Gewähr.
Die Geschichte zurückspulen wird nicht gehen und unter den Italienern Südtirols ist es meiner Ansicht Grundkonsens den geläuterten Teil ihrer Geschichte, auch des ventennios, zu erhalten. Wir sind in Südtirol soweit, daß beide Seiten ihre Ansprüche selbstbewusst kommunizieren, treffen werden wir uns dann irgendwo und der Ort wird der Landtag sein und die Verfassung ist das Autonomiestatut. Im hier und heute ist das der Kompass.
Blicke in die Geschichte Südtirols.
Alle Fortschritte wurden allesamt von Pragmatikern erzielt. Menschen wie Magnago, Gruber, Ludwig, Kreisky. Manche sind in einigen Kreisen heute höchst unbeliebt.
Das Beharren auf einer Position ist zutiefst ehrenhaft, aber fruchtbringend?
Beppi, schätze Deine sehr intelligenten und lesenswerten Beiträge. :top:

MfG

Lieber Martin G.

Ich habe mich mit Beppi über Toponomastik unterhalten und über nichts anderem.

Meinst du hier oder woanders? Ich dachte jetzt nämlich auch (bezugnehmend auf den Diskussionsverlauf in diesem „Thread“, wo es hauptsächlich um die Schulbenennung nach einem RSI-Kämpfer ging, um Kranzniederlegungen, und so ungefähr um die grundsätzliche Problematik der Sympathien für den Faschismus in Südtirol), dass wir „globaler“ diskutieren würden als über das Spezifikum Toponomastik. Hoffentlich habe ich deine Beiträge jetzt nicht falsch verstanden?

Sei’s drum. Interessieren würden mich deine Antworten auf unsere Einwände und Fragen aber schon…
;-)

Nimm Dir ein Beispiel an Beppi.

beppi:

Ich kann auch die neonazistische Bewegung in den neuen Bundesländern Deutschlands ”geschichtlich verstehen”, aber tolerieren muss ich sie deshalb noch lange nicht.

ich fühle mich mit beppi denkverwandt und kann beim besten willen keinen unterschied zwischen seiner und meiner reaktion auf deine aussage erkennen. ich habe in diesem forum auch noch keinen einzigen beitrag von ihm gefunden, den ich nicht 100%ig unterschreiben könnte. und ich glaube, ihm geht es umgekehrt ähnlich (er möge widersprechen, wenn dem nicht so ist). ohne dass ich seinen post gelesen habe, denn pervasion hat sie offensichtlich zeitgleich freigeschalten, argumentieren wir also auf deine äußerung hin genau gleich.

du setzt erklärung und rechtfertigung gleich. ob es sich dabei um ortsnamen oder terrorismus dreht, ist einerlei. wie ich schon hundertmal geschrieben habe: natürlich gibt es einen qualitativen unterschied zwischen faschismus und nazismus. natürlich gibt es einen qualitativen unterschied zwischen terrorimus und von faschisten zum zwecke der italianisierung erfundenen ortsnamen. aber die trennlinie verläuft nun einmal nicht zwischen schlimmem totalitarismus und noch schlimmerem totalitarismus sondern zwischen demokratisch und totalitär.

ein heimlicher faschist, der nur innerlich der überzeugung ist, rassisch überlegen zu sein, ist eine andere qualität als ein rassistischer schläger, der menschen angreift und seinen rassismus offen propagiert. dennoch kann ich beides nicht tolerieren.

sollte das so genannte post-ethnische Südtirol auf einem Fundament von Unwahrheiten und ideologischen Lügen errichtet werden, dann kann ich gerne auf so eine Zukunftsvision verzichten.

Du sprichst mir aus dem Herzen! :top:
Das meine ich auch mit keine nachhaltige Lösung, wenn man mit Apeacement Politik Lösungen finden will und zwar bei allen Themen die vom Faschismus berührt sind.

Der Antifaschismus soll aber nicht mißbraucht werden ihn gegen eine Gruppe auszuspielen.

Genausowenig halte ich etwas von Tendenzen, die den Antifaschismus dazu mißbrauchen wollen um zum status quo ante vor 1918 zurückzukehren oder irgendeiner Ethnie in unserem Land eine höhere moralische Geltung zu verleihen

Einverstanden. Ich könnte mir schon vorstellen, dass gar einige der deutschen Rechten den Antifaschismus als Kampfmittel gegen „Italiener“ verwenden. Sollte dem nicht so sein (schließlich will ich niemanden etwas unterstellen), dann könnte ein zu forsch vorgetragener, aber v. a. unbedacht ethnisch konnotierter (!) Antifaschismus Abwehrmechanismen zeitigen. Deswegen ist es mir auch so wichtig, grundsätzlich keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass es einem einfach nur um jeden Totalitarismus geht.
Oft wurde u. wird ja der Reflex* moniert, „Italiener“ zögen sich in einen defensiven „Krypto-Faschismus“ zurück (Verteidigung der Monumente, der Ortsnamen, vlt. auch des Ventennio — aber nicht aus ideologischen, sondern aus „existenziellen“ Gründen), sobald die „deutschen“ Südtiroler brav nach bundesrepublikanischem Vorbild historische Aufarbeitung betreiben wollten.**

Wenn du jetzt sagst:

Die Geschichte der Italiener lässt sich nicht von der des Faschismus trennen, genausowenig wie die unsere(der Deutschsüdtiroler). Wir werden um einen postethnischen Grundkonsens(und um den geht es hier) aufbauen zu wollen, die Geschichte akzeptieren müssen, genauso wie die Vergangenheit von 1/3 der Bevölkerung. Abtragen, Abreißen, ganz gleich ob baulich oder kulturell verursacht weit tiefere Wunden als die Historisierung.

Dann würde ich dir antworten, dass du einem Missverständnis aufgesessen bist. Hier zumindest will vorerst niemand Schleifungen vornehmen, Kulturbestände tilgen usw., sondern semantisch einordnen, musealisieren, ja eben: historisieren (vergleiche die Threads von Januar / Februar 2011). Und soweit ich das einschätze, haben wir hier auf diesem Blog eine gewisse Entwicklung durchgemacht, ähnlich zur Politik, die jetzt auch vom Schleifen weggekommen ist (SVP, Durnwalder & Co.).
Die Sache ist nur die: selbst diese Historisierung geht vielen Exponenten der italienischen Rechten zu weit! Wie das „übrige Volk“ darüber denkt, darüber maße ich mir bekanntlich neuerdings kein Urteil mehr an (spekulieren könnte man, ob der obig beschriebene Reflex* nicht etwa damit zusammenhängt). Widerstand könnte es aber möglicherweise deswegen geben, da immer noch ärgerliche Missverständnisse vorherrschen: z.B. dass man sich an der Kultur u. Geschichte der Italiener vergreifen möchte, dass sich unter dem Deckmantel des Antifaschismus ein Antiitalianismus befände, dass die SVP nur auf Stimmenfang aus ist, wenn sie „italienische Symbole“ zertrümmern möchte usw. (kann man alles im „Alto Adige“ nachlesen, und wird auch andernorts bzw. von anderen Personen, Parteien und Eliten ähnlich kolportiert). Dass hier nicht einmal im entferntesten daran gedacht wird, es könnte sich auch um das Ärgernis handeln, das gute Demokraten gegenüber gefeierten Relikten der Mussolini-Zeit verspüren, sondern um Revanchismus, ist ein scheinbar unüberwindbares Missverständnis für unsere Ziele. Spätestens hier sollte auch jeder nachvollziehen können, warum es äußerst töricht wäre, sich solchen „Befindlichkeiten“ unterzuordnen!

Was also tun? Einige unausgereifte Überlegungen: Zunächst müssen wir hier ein grundsätzliches Kommunikationsproblem feststellen. Wie schaffen wir es nun aber, durch das undurchdringliche Dickicht von sich stets selbsterneuernden Vorurteilen, Phobien und Befürchtungen unsere Botschaft des „aufrichtigen Antifaschismus“ zu propagieren? Hätten wir mutige Politiker, dann würde ich — was die Monumente und die problematische Geschichte des Landes anbelangt — wirklich den Einsatz einer (interethnisch, internationalen, auf jeden Fall aber kompetenten) Historikerkommission empfehlen, und dieser eine gleichsam besetzte Didaktiker-, Designer- und Museologentruppe an die Seite stellen. Es muss jedenfalls der Eindruck entstehen, dass hier nicht nur die „Deutschen“ am Werke sind, sondern alle drei Sprachgruppen gleichsam und paritätisch Gestaltungswillen anmelden können, und dass die problematische Vergangenheit aller im historischen Kontext verhandelt werden soll. Um das abzurunden könnte man durch öffentliche Diskussionen, Infoveranstaltungen, Workshops, Filmvorführungen usw. die Bevölkerung mit einbinden — und dadurch der Gefahr der Abgehobenheit und des Desinteresses vorbeugen.
Um dies zu bewerkstelligen müsste sich die SVP erstens einen gleichwertigen (d.h. repräsentativen) und ähnlich denkenden italienischen Partner suchen, mit dem sie dieses Programm durchziehen könnte. Sollte sie ihn gefunden haben, dann darf sie zweitens nicht vor den Rechten einknicken und drittens auf keinen Fall an die nächsten Wahlen denken. Peinlich genug war schon das chaotische „Krisenmanagement“, als die Mehrheitspartei beim Wettbewerb um die Ausgestaltung des Mussolini-Frieses einen ungeordneten Rückzug veranstaltet hat.

Ich spinne hier natürlich so vor mich hin, und vieles an meinem „Szenario“ ist ziemlich fragwürdig oder leicht zu widerlegen. Aber hoffentlich hast du verstanden, was ich grob meine, und warum mir (eingedenk der unzähligen Schwierigkeiten und Missverständnisse) so viel am strikten Festhalten an einer unerschütterlichen, eben aufrichtigen antifaschistischen Grundeinstellung liegt — bzw. warum diese Grundeinstellung keinesfalls hinderlich für einen gesamtgesellschaftlichen Konsens ist, ja eher dessen sine qua non darstellt.

_______________________________
** Und bitte: Dass sich die „Deutschen“ in dieser Hinsicht auch selbst an die eigene Nase zu fassen haben — VKS, die Zeit 1943-45, Verfolgung der jüdischen Gemeinden, Südtiroler in der SS, Durchgangslager in BZ usw. — ist klar. Zwar wurde all dies und noch viel mehr sehr gut aufgearbeitet (etwa in der Zeitschrift „Geschichte und Region“), das öffentliche „deutsche“ Bewusstsein allerdings nimmt davon kaum Notiz, sondern richtet sein Sinnen immer noch gegen den italienischen Faschismus. Warum wohl? Weil dieser tatsächlich am präsentesten in der Öffentlichkeit ist.

:clap:

»Postethnisch« heißt schließlich nicht »para-ethnisch«, sondern eben — postethnisch. Das heißt, das wir Themen wie Monument oder Ortsnamen nicht »unter Berücksichtigung der Befindlichkeiten aller Ethnien« sondern »un-ethnisch«, nach anderen Grundsätzen als den ethnischen angehen sollten. Freilich dürfen wir auch nicht den Fehler begehen, die Existenz des »Ethnischen« zu leugnen oder außer Acht zu lassen; unsere Aufgabe muss es aber sein, den »un-ethnischen« (aber nicht »un-ethischen«) Grundsatz zu propagieren, zu erklären und mit der Realität in Einklang zu bringen.

O-Ton Beppi:

[Es herrschen] immer noch ärgerliche Missverständnisse [vor]: z.B. dass man sich an der Kultur u. Geschichte der Italiener vergreifen möchte, dass sich unter dem Deckmantel des Antifaschismus ein Antiitalianismus befände, dass die SVP nur auf Stimmenfang aus ist, wenn sie ”italienische Symbole” zertrümmern möchte usw. (kann man alles im ”Alto Adige” nachlesen, und wird auch andernorts bzw. von anderen Personen, Parteien und Eliten ähnlich kolportiert). Dass hier nicht einmal im entferntesten daran gedacht wird, es könnte sich auch um das Ärgernis handeln, das gute Demokraten gegenüber gefeierten Relikten der Mussolini-Zeit verspüren, sondern um Revanchismus, ist ein scheinbar unüberwindbares Missverständnis für unsere Ziele. Spätestens hier sollte auch jeder nachvollziehen können, warum es äußerst töricht wäre, sich solchen ”Befindlichkeiten” unterzuordnen!

[…] das öffentliche ”deutsche” Bewusstsein allerdings nimmt davon kaum Notiz, sondern richtet sein Sinnen immer noch gegen den italienischen Faschismus. Warum wohl? Weil dieser tatsächlich am präsentesten in der Öffentlichkeit ist.

Nicht nur ist er in der Öffentlichkeit am präsentesten, er wird öffentlich häufig geleugnet, unterschlagen oder sogar gefeiert [1][2][3][4] usw. Das fordert eine Reaktion geradezu heraus.

pérvasion, das verzwickte dabei ist: je mehr „wir“ uns (mit allem Recht) über skandalöse Aussagen aufregen, desto mehr fühlt sich die Speerspitze der italienischen Rechten bestätigt, und zieht ihre Kreise. „Wir“ ärgern uns noch mehr (mit noch mehr Recht), die anderen wiederum…ad finitum geht dieses Spiel.

Gadilu hat diesen Mechanismus glasklar erkannt.
Die Kunst ist es, unsere Ansprüche mit Erfolg zu vermitteln, von ihnen aber — bei der Vermittlung — dennoch nicht abweichen. Wie soll man das bewerkstelligen?

Wir müssen wohl in unserer Kommunikation noch deutlicher hervorheben, dass »wir« nicht »die Deutschen« sind und »sie« nicht »die Italiener«. Und vor allem müssen wir stets glaubwürdig die Haare in der gesamten Suppe suchen, auf- und anzeigen, und nicht nur in der »jeweils ethnisch anderen«. Ob uns das gelingt und ob das ausreicht? — Ich weiß es nicht. Aber es ist der einzige Ausweg: Mühevollste Kleinarbeit.

Einfacher hätten wir es sicher, wenn die Dolomiten die gleichen Fehler begehen würden, wie der Alto Adige (usf.).

»Postethnisch« heißt schließlich nicht »para-ethnisch«, sondern eben — postethnisch. Das heißt, das wir Themen wie Monument oder Ortsnamen nicht »unter Berücksichtigung der Befindlichkeiten aller Ethnien« sondern »un-ethnisch«, nach anderen Grundsätzen als den ethnischen angehen sollten. Freilich dürfen wir auch nicht den Fehler begehen, die Existenz des »Ethnischen« zu leugnen oder außer Acht zu lassen; unsere Aufgabe muss es aber sein, den »un-ethnischen« (aber nicht »un-ethischen«) Grundsatz zu propagieren, zu erklären und mit der Realität in Einklang zu bringen.

Wir haben hier ein Problem: Wir formulieren unsere Kritik am „italienischen Neo-Faschismus“ unweigerlich von „deutscher Warte“ aus. Wir (oder vielmehr du, der du den Blog managest) können dieses „Deutsche“ nicht loswerden – so sehr wir uns auch bemühen, zukünftige Artikel nur auf Italienisch zu verfassen oder „auch“ die andere (fast wollte ich sagen: „unsere“) Seite zu tadeln usw., da die Rollen der Kritik (siehe STF, F etc.) zu klar verteilt wirken in der Südtiroler Gesellschaft!

Anders gefragt: Wie wollen wir post-ethnisch agieren, wenn wir nur eine Ethnie ansprechen, nämlich die „tirolische“? Du hast mehr als recht mit deinen unzähligen mühsamen Hinweisen auf den unsäglichen Neofaschismus unter den Italienern. Aber wahrgenommen werden wir – wenn überhaupt, und dann aber ungerechtfertigt – als Anhängsel der deutschen Rechten, die für den ungeübten, unreflektierten Beobachter eine um’s Verwechseln ähnliche Kritik wie die unsere an den Tag legt.
Wie wollen wir unter solchen Umständen schließlich die „Anderen“ mit unserer Botschaft eines post-ethnischen, unabhängigen Südtirols erfolgreich (!)erreichen? Ich zweifle auch so langsam, ob „Post-Ethnizität“ Südtirols Verhältnissen überhaupt guttut? Vielleicht reicht einfach nur die grobe, im Laufe der Zeit zu verfeinernde Vision eines besseren Zusammenlebens, und der Rest gibt sich mit der Zeit? Oder heißt „post-ethnisch“ für dich nur, dass Ethnie nicht mehr jene bedeutende Rolle spielen soll wie heute (also entgegen der Langer’schen Lesart)?

Ein erster Vorschlag: Was wäre, wenn wir uns bemühen würden, auch die versteckten Mechanismen hinter beiden festgefahrenen Identitäten zu erkunden? Die tagespolitischen Skandale sind doch bloß Symptome dieses Zustandes, oder nicht?

@ hunter, exzellent erkannt! Wir maßten uns ja auch nicht an, das Denken hinter der Fassade zu erkennen. Wir schauen uns ja bloß die dünne Firnis der Repräsentation und Herstellung dieser Identitäten in den Medien an, und erlauben uns ab und an spekulative Rückschlüsse auf die große, uns unbekannte Masse der jeweiligen Volksgruppen!

Laut Tageszeitung Alto Adige sind zum 4. November auch die gemäßigsten PDL-Vertreter (Sigismondi, Pontecorvo, Bianchi…) zum Siegesdenkmal gepilgert. Dabei wurden unter anderem Parolen wie »Bolzano italiana, Bolzano città  sana« skandiert, was selbst das Tagblatt zu einer milden Kritik veranlasst hat.

:vogel:

Bolzano italiana, Bolzano città  sana

Die Schieflage und „Intoleranz-Toleranz“ auf ital. Seite in Form des Tagblattes „AA“ (man müsste wissen ob die Artikel der“AA“ in etwa der Meinung des ital. Staates entsprechen um hier best. Ämter der EU informieren zu können) können wohl nur noch von Blinden übersehen werden. Dass diese Worte von Vertretern der amtierenden Regierungspartei in Rom kommen, ist mehr als bedenklich. Aber wie aus den Nachrichten zu entnehmen ist, wird Italien jetzt wohl von Europa überwacht, weil es bankrott ist und seine Schulden aufgrund der hohen Zinsaufschläge nicht mehr bezahlen kann. Dieser Staat wird wohl bald andere Sorgen haben als Bolzano italiana und sana zu erhalten (Stichwort Siegesdenkmal restaurieren um 2 Millionen und einen matialistischen Aufmarsch des ital. Heeres 2012).

Wir sollten mehr als bisher darauf achten aufzuzeigen, dass die Be- und Verurteilung solcher Vorkommnisse nicht an ethnischen Grenzen haltmacht. Es ist zwar besorgniserregend, dass angeblich moderate Vertreter der Regierungspartei nicht die Finger vom Siegesdenkmal lassen können, doch das ist keine ethnische, sondern eine ideologische Frage: BM Spagnolli etwa hat den Aufmarsch auf’s Schärfste verurteilt.

Ieri sera qualcuno mi ha detto che prossimamente il quotidiano Alto Adige verra‘ acquistato dall’Athesia. Non era uno scherzo. Ne sapete qualcosa voi?

BM Spagnolli etwa hat den Aufmarsch auf’s Schärfste verurteilt.

Das stimmt, mir ging es auch nicht um die ethnische Komponente bei dem Thema, sondern darum was moralisch vertretbar ist und was nicht. Ob das dann deutsche, italienische oder ladinische Südtiroler machen, darf hierbei keine Rolle spielen. Mir fällt nur auf, dass mit starkem Nationalismus auf ital. Seite, besonders durch best. Medien, anders umgegangen wird wie auf deutscher.

@ gadilu: Mir sind unlängst auch Gerüchte zu Ohren gekommen, dass es wohl Schulterschlüsse zwischen der „Dolomiten“ und dem „Alto Adige“ geben könnte, so etwa in Bezug auf eine Abstimmung der jeweiligen Berichterstattung. Aber von einem Kauf habe ich natürlich erstens gar nichts gehört und kann mir dieses zweitens auch schwer vorstellen: Warum sollten die Anteilseigner (allen voran die Espresso-Gruppe und Tosolini) erlauben, dass die Athesia mit ins Boot steigen darf, wo — von „ideologischen Vorbehalten“ einmal abgesehen — doch anzunehmen ist, dass so eine Entwicklung den traditionellen italienischen Stammleser vergraulen dürfte, mit absehbaren Folgen für die Auflage? Die Signalwirkung wäre außerdem immens für den Ruf der Südtiroler Medienvielfalt in Italien.

Ist sich dein Bekannter nur in dieser Andeutung ergangen, oder gibt es da noch mehr zu berichten?

Ieri sera qualcuno mi ha detto che prossimamente il quotidiano Alto Adige verra’ acquistato dall’Athesia. Non era uno scherzo. Ne sapete qualcosa voi?

Falls das stimmt dann will Athesia also auch die italienischsprachigen Medien Südtirols dominieren („QuiBolzano“, „QuiMerano“ gehört ja schon zur Athesia-Gruppe).
Auffallend sind dabei die weiten Verstrickungen, die es scheinbar auch bei den Rundfunk- (Südtirol1 usw.) bzw. Fernsehanstalten (SDF) herrschen. Auch hier scheint Athesia irgendwie vorne mit dabei zu sein (konnte man unlängst in mehreren Artikeln der TAZ lesen).
Übrigens ist die letzte Meinungsumfrage zu den Zukunftswünschen der Menschen in Südtirol genau von diesen Sendern sponsoriert worden. Auffallend ist dabei, dass beim Zusammenzählen aller möglichen Optionen 127% rauskommen.

http://www.suedtirol1.it/

Auffallend ist auch die niedrige Quote der Befürworter für eine Unabhängigkeit unseres Landes. Falls die Umfragen stimmen, würde mich das sehr verwundern, gerade im Hinblick auf die Lage Italiens…

Falls das stimmt dann will Athesia also auch die italienischsprachigen Medien Südtirols dominieren (”QuiBolzano”, ”QuiMerano” gehört ja schon zur Athesia-Gruppe).
Auffallend sind dabei die weiten Verstrickungen, die es scheinbar auch bei den Rundfunk- (Südtirol1 usw.) bzw. Fernsehanstalten (SDF) herrschen. Auch hier scheint Athesia irgendwie vorne mit dabei zu sein (konnte man unlängst in mehreren Artikeln der TAZ lesen).

Steffl hast du die Artikel noch oder gibts die online?
Zu SDF gehört auch VideoBolzano33 (italienischsprachiger lokaler TV), beide Rosengarten AG, Athesia nahe Unternehmergruppe.

Die letzte Umfrage wurde wieder von der Firma Gruber & Partner erstellt, die auch unmittelbar neben der Athesia ihren Sitz hat und ganz nebenbei die Wahlwerbung für die SVP gemacht hat.
Gefragt wurden ca. 700 Personen, wieder viel zu wenig um wirklich aussagekräftig und genau zu sein.

Der Hammer ist aber schon wenn der (Junior?)Chef der Firma beim SDF allen Ernstes behauptet, dass der geringe Zuspruch für Freistaat und Selbstbestimmung bedeute, dass nicht einmal alle Anhänger der Parteien F und STF für diese Ideen sind. Die 127% kann man sich nur durch Mehrfachnennung erklären, aber wie soll das möglich sein, z.B. Autonomie und Freistaat nennen war möglich? Einfach nur peinlich.

Steffl hast du die Artikel noch oder gibts die online?

Nein anonym, leider hab ich die Artikel nicht. Aber zum Aufkauf des „Alto Adige“ durch die „Athesia“ gibt es jetzt scheinbar Indizien.

@ gadilu: So kann man sich irren. Deine Quelle scheint recht behalten zu haben und meine Zweifel waren fehl am Platz. Umso schlimmer für die Wirklichkeit. ;)

Wir müssen uns alle bewusst sein, was das alles für Südtirol bedeutet. Uns geht es zwar Gott sei Dank in finanzieller Hinsicht noch einigermaßen gut – obwohl die Schere zwischen Arm (immer öfter „Otto-Normal-Familien“) und Reich auch bei uns immer größer wird und prekäre Verhältnisse so langsam beängstigende Ausmaße annehmen.
Doch was sich jetzt mit Athesia anbahnt, ist zumindest in Punkto Machtkonzentration undemokratischen Systemen ziemlich nahe. Wieviele Südtiroler hören täglich Südtirol1, sehen Online-News auf stol.it, schauen nebenbei noch ein bissl SDF und sehen im nächsten Straßencafe die Dolomitenausgabe? Und wer sitzt am Schalthebel, um die Wirtschaft Südtirols und das Land zu kontrollieren (Handelskammer)? Wenn die „Alto Adige“ noch dazukommt, dann kann man die Medienvielfalt in Südtirol begraben. Auch wenn dann die nationalistischen Ergüsse wahrscheinlich weniger werden, geht es doch in Richtung weitläufiger Monopolisierung und es können z.B. politische Wahlen und Weltanschaungen noch massiver beeinflusst werden.

@ Steffl, gadilu & alle:
SDF (wie auch Video33) wird doch von der Rosengarten AG betrieben. Diese gehört wiederum der Finanzgesellschaft Euregio Finance, an der „Gesamttiroler“ Unternehmergruppen (Süd-Nordtirol, Trentino: Senfter, Aspiag, Würth, Marmsoler…) beteiligt sind. Bis jetzt dachte ich, dass Senfter hierbei federführend auftritt. Oder ist die Athesia hier neuerdings überproportional (bzw. überhaupt) vertreten?

Ansonsten volle Zustimmung, steffl: mir graut — trotz aller bisherigen nationalistischen Töne des AA — vor so einem Medienimperium. Die Radiosender habe ich bis jetzt auch immer übesehen, da ich fast nie dieses Medium benutze. Gut vorstellen kann man sich aber, wie viele Menschen im unseren Land davon Gebrauch machen.

Da ich absolut nicht vom Fach bin (vielleicht kann uns gadilu hier mehr sagen): Soweit man von den spärlichen Informationen ersehen kann, möchte Athesia „nur“ die Mehrheit übernehmen, das heißt, die Espresso-Gruppe, Tosolini etc. sind immer noch mit dabei. Haben diese dann nicht eine Handhabe, um eine „unabhängige“, zumindest aber von Ebner’schem Übergewicht weitgehend freie Berichterstattung der einzelnen Redakteure u. Journalisten zu gewährleisten, vielleicht durch gewisse, in Vorverhandlungen oder Verträgen austarierte Satzungen?

Ich wollte eigentlich einen Artikel über diese Nachricht schreiben, doch inzwischen habe ich — im Zuge der Recherche — rausgefunden, dass AA-Chefredakteur Alberto Faustini die Übernahme als Zeitungsente bezeichnet. Selbst, dass (wie von der TAZ behauptet) sein Vertrag auf ein Jahr befristet ist, sei unwahr. Kommt mir alles etwas merkwürdig vor, da ich

· einerseits denke, Faustini müsste vom Deal ja wissen. Wenn er davon weiß, könnte er ja ablehnen, sich dazu zu äußern; ihn kategorisch abzustreiten fände ich hingegen in seiner Position unklug, wo doch gerade er sich in letzter Zeit für möglichst viel Transparenz, gegen Treuhandgesellschaften etc. eingesetzt hat.

· andererseits nicht glaube, dass die TAZ eine solche Nachricht, mit so vielen Details gespickt, einfach aus der Luft greift.

Die einzige Variante, die für mich beide Feststellungen in Einklang bringen könnte, ist, dass ein Deal zwar geplant war, dann aber geplatzt ist. Was glaubt ihr? Wir werden aber wohl abwarten müssen, was die Zukunft bringt.

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