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Bahnhofsareal aus der Hand gegeben?

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Eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste städtebauliche Projekt des Landes — das auf dem ehemaligen Bahnhofsareal in Bozen umgesetzt werden soll und mehrere Dutzend Hektar umfasst — wird nun maßgeblich einem zentralstaatlichen Akteur wie Rete Ferroviaria Italiana (RFI) überlassen. Genauer gesagt: Einer von RFI zu ernennenden Sonderkommissarin. Was sagt das über die Autonomie aus? Und was sagt es über die Autonomie, dass diese Vorgehensweise von der Landespolitik selbst angestrebt wurde?

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge haben sich LR Daniel Alfreider und Senator Meinhard Durnwalder (beide SVP) dafür eingesetzt, dass es zu dieser Wendung kommt. Man überzeugte Verkehrs- und Infrastrukturminister Matteo Salvini (Lega) sowie den Schienennetzbetreiber RFI; darüber hinaus genehmigte der römische Senat einen einschlägigen Änderungsantrag, der die Umwandlung in ein »Sonderprojekt« und somit die Ernennung einer Sonderkommissarin ermöglicht.

Nun also wird RFI — nicht die Gemeinde Bozen, nicht das Land Südtirol — eine Person ernennen, die nach italienischer Unart über weitreichende Befugnisse verfügen und somit in vielerlei hinsicht nach Belieben schalten und walten können wird.

Ein neues Stadtviertel in der Landeshauptstadt, dessen städtebauliche und gesellschaftliche Auswirkungen jene des umstrittenen Waltherparks um ein Vielfaches übertreffen dürften, wird damit einem auswärtigen Akteur übertragen, für den Südtirol kein primäres Anliegen ist. Das ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern ein massiver Eingriff in die langfristige Stadtentwicklung.

Dabei beweist RFI regelmäßig, dass sie die hiesigen Besonderheiten — etwa in sprachlich-kultureller Hinsicht, einschließlich der damit zusammenhängenden Vorschriften —, nicht im Geringsten interessieren.

Es ist zu befürchten, dass sowohl Gemeinde und Land als auch die Bevölkerung wenig Mitsprache bei der Umsetzung dieses öffentlichen Jahrhundertprojekts haben werden. Neben Wohnraum sind auf dem Areal auch öffentliche Einrichtungen vorgesehen — für deren Realisierung dann vor allem ein externer Akteur mit weitreichenden Befugnissen zuständig ist. Nicht auszuschließen ist zudem, dass sich die Sonderkommissarin auch über einschlägige raumplanerische Bestimmungen auf Landes- und Gemeindeebene hinwegsetzen kann.

Auch die wirtschaftliche Dimension ist nicht zu unterschätzen, da RFI kein Interesse haben dürfte, heimische Firmen zu beauftragen.

Dabei hatte 2006/2007 noch alles ziemlich vielversprechend — und mit vielen Versprechungen garniert — begonnen, als Land und Gemeinde die Gesellschaft Areal Bozen gegründet hatten. Anschließend wurde ein Ideenwettbewerb organisiert, den 2011 Arch. Boris Podrecca gemeinsam mit Studio ABDR und Arch. Theo Hotz († 2018) für sich entscheiden konnte.

Cëla enghe: 01 02



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