Zerschlagenes Porzellan.

Eigentlich ist jede Zeile zuviel, die man über die “Goldener Benito”-Aktion der Süd-Tiroler Freiheit schreibt, da man diesem Kasperltheater dadurch Aufmerksamkeit schenkt, welche es nicht verdient.

Foto: Süd-Tiroler Freiheit

Es ist evident, dass die faschistischen Umtriebe – vor allem der Casa Pound – in Bozen erschreckend sind und die Erinnerungskultur Aufholbedarf hat. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren zaghafte Fortschritte gemacht. Und Bürgermeister Renzo Caramaschi (PD) in die Nähe des Faschismus zu rücken ist trotz der Renovierung der Statuen völlig absurd. Ebenso absurd wie der Vorwurf, Caramaschi habe im Zuge der Provokation sein wahres Gesicht – jenes eines faschistischen Podestà – gezeigt. Caramaschi hätte freilich souveräner reagieren können.

Es entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die STF, die in jüngster Zeit immer weniger Berührungsängste mit dem rechtsnationalen Rand Europas zeigt, sich als Speerspitze im Kampf gegen den Faschismus aufspielt.

Jedenfalls scheint der Süd-Tiroler Freiheit wenig daran gelegen zu sein, dass sich – vor allem – bei den italienischsprachigen Bürgern im Lande langsam ein neuer Umgang mit der faschistischen Vergangenheit entwickelt, denn sonst müsste Kollmann und Co. klar sein, dass solche Aktionen absolut kontraproduktiv sind. Im Zuge der unbeholfenen Provokation ging nicht bloß der Mini-Duce kaputt, es wurde unnötigerweise auch reichlich Porzellan zerschlagen.

Dass politischer Aktionismus auch intelligent und humorvoll statt peinlich und geschmacklos sein kann, haben einmal mehr die Schotten bewiesen. Während der Brexit-Abstimmung im Unterhaus pfiffen die SNP-Abgeordneten die Europahymne.

P.S.: Könnte man der STF auf Basis des Mancino-Gesetzes eigentlich nicht “Verherrlichung des Faschismus” vorwerfen, nachdem sie mit einem goldenen Duce durch den Stadtratssaal paradiert sind?

One Pingback/Trackback

  • Franz Simeoni, Neumarkt

    Bravo die Schotten! 👏
    Aber der restliche Kommentar scheint mir doch ein bisschen “forzato” …🙃
    Gerade damit halt etwas gesagt ist.

  • G. P.

    Ich geb’s zu, ich sympathisiere mit der Südtiroler Freiheit. Aber diese Aktion war so was von unprofessionell, so was von niveaulos, so was von lächerlich und albern. Ich habe mich noch nie, wirklich noch nie, so über die STF geärgert. Mit solchen Aktionen gewinnt man keine neuen Anhänger bzw. Freunde.

    • hunter

      @g.p.
      vor allem schaden sie dadurch der sache an sich. sowohl dem kampf gegen die verharmlosung des faschismus als auch jenem für eine demokratische selbstbestimmung.

  • TirolaBua

    Caramaschi bezeichnet den Auftritt als Clownerie und rastest gleichzeit aus. Irgendwie ein Widerspruch. Müsste man da nicht lachen?
    Und hoffentlich bekommen die Vertreter der STF eine Anzeige wegen Verherrlichung des Faschismus. Denn eine solche >Clownerie< ist ganz viel schlimmer als die Wiederaufstellung von faschistischen Relikten durch gewisse höchste Bürger der Hauptstadt des Faschismus. *Ironie aus*

  • Z.

    Kann mir bitte mal jemand erklären wo die STF mit dem “rechtsnationalen Rand” in Europa kooperieren würde.

    Die STF arbeitet hingegen ua. mit den Linksseparatisten in Katalonien, und den Linksliberalen
    Proeuropäischen Schotten der SNP zusammen in der EFA.

    • Tirola Bua

      Mit der FPÖ, weil sich die als einzige österreichische Partei für die Selbstbestimmung Südtirols einsetzt. Ist natürlich absolut verwerflich.

      Die STF sollte lieber mit allen anderen Parteien zusammen arbeiten, die gegen ihre Sache sind, dafür wird man dann nicht an den rechten Rand gedrängt.

    • hunter

      @ Z.
      es ist richtig, dass die stf efa-mitglied ist. gleichzeitig macht sich in der partei seit dem abgang von klotz vermehrt ein gewisses faible für deutschnationalismus und rechtspopulistisches gedankengut breit (siehe links). ich habe nicht von kooperation, sondern von mangelnden berührungsängsten geschrieben.
      laut efa-bilbao-deklaration müsste die stf ja z.b. für ein wahlrecht für ausländer eintreten und einbürgerungen favorisieren. würde mich interessieren wie knoll, kollmann, hofer und co. dazu stehen.

      • Z.

        @hunter,

        Die Frage ist nur mit dem “rechtsnationalen Rand Europas.“ Ich habe
        noch nie gehört das die STF ein “faible“ für zb. Le Pen oder die AFD
        hätte. Dass es hier und da vielleicht ein “faible“ einiger STF Mitglieder, oder
        “Funktionäre“ für die FPÖ gibt ist zwar richtig, das aber denke, ich liegt
        auch mit daran das sich die anderen Parteien in Österreich leider nicht
        für die Selbstbestimmung einsetzen.

  • Tirola Bua

    http://www.tageszeitung.it/2017/02/11/haette-ich-ihn-kuessen-sollen/
    Dass man so viele Beleidigungen in ein Interview einbauen kann…

    • Zu Haralds Bewertung der STF-Aktion habe ich nichts hinzuzufügen, absolut lächerlich, beschämend und vor allem kontraproduktiv. Die ungehaltene Reaktion von Caramaschi zum Zeitpunkt der »Übergabe« (Stichwort Affekt) kann ich menschlich sehr gut nachvollziehen, wenn man auch von einem Bürgermeister verlangen könnte, über solchen Dingen zu stehen.

      Doch dieses Interview ist völlig inakzeptabel, damit begibt sich Caramaschi auf das Niveau der STF-Aktion, wenn nicht darunter. Die Beleidigungen sind zudem wohl strafrechtlich relevant.

      • Sandro R

        Secondo me è stato anche troppo gentile nel descrivere Kollmann…

      • Tirola Bua

        Wohl eher sich selbst

  • Kompatscher

    Kommt mal runter von eurer Empörung, solche Negativ-Pokale werden auch anderweitig vergeben ohne, dass es als lächerlich oder blamabel ecc. eingestuft wird.
    Durch die Reaktion des BM, ist diese Aktion sogar zu begrüssen, da sie ihn tatsächlich entlarvt. Nur Menschen die etwas zu verbergen bzw. sich ertappt fühlen reagieren so energisch. Jemand mit reinem Gewissen in der Sache könnte ja mit Argumenten den “Preis” sofort entwerten, kann er aber nicht und das ist das Verwerfliche an der ganzen Geschichte. Fakt ist und bleibt, die Installation von Fascho- Objekten, ganz gleich aus welchen Gründen, ist verwerflich PUNKT. Alle Aktionen die nicht gewalttätig sind und diesen Misstand aufzeigen sind zu begrüssen. Aber es ist leichter sich der Stimme zu enthalten als etwas dagegen zu unternehmen, siehe SVP.
    Ein Wolf im Schafspelz dieser BM.

    • Sandro R

      Ihr seid wirklich nicht zu retten!😱

  • Waltraud Astner

    Also wenn ich die STF gewesen wäre dann hätte ich ein anderes Symbol als den Mussolini genommen, welches kann ich gerade auch nicht sagen, aber das hätte der Aktion die Schärfe genommen und ein wenig Humor in die Sache gebracht. Um Tatsachen, die nicht wegzuleugnen sind, zu entlarven, ist die feine Klinge immer das bessere ” Argument”.
    Tatsache ist nämlich, dass es in der Stadt Bozen immer noch genügend faschistische Symbole gibt die nicht nur nicht entfernt sondern sogar restauriert und wieder aufgestellt werden, während im ganzen Land Straßen-oder Schulnamen die irgendwie “anrüchig” sind gleich umbenannt werden. DAS ist der eigentliche Skandal, weniger die plumpe Aktion der STF. Die Reaktion Caramaschis im TZ Interview ist allerdings skandalös, sie zeigt dass er nicht über solchen Dingen erhaben ist, sollte er sich wirklich so ausgedrückt haben. Sich links verorten und gegenteilig handeln, oder Wasser predigen und Wein trinken. Vielleicht fühlt er sich doch ein wenig schuldig oder er glaubt dass z.B. faschistische Straßennnamen usw. in Bozen legitim sind. Das hätte er gefragt werden müssen. Der SVP jedenfalls gebührt der “goldene Feigling”.

  • Kompatscher

    Ok, das heisst du bist für den ganzen Faschisten – Krempel in ST? Na bravo dann frage ich mich, wer hier nicht mehr zu retten ist?
    Zerstört den ganzen fascho Kult, dann gibt es auch keine solche Aktionen. So einfach kann es sein auch in Taten und nicht nur in Worten ein anti Faschist zu sein Hr. BM.

  • TirolaBua
    • hunter

      wohltuend nüchterner text des psychiaters

      • TirolaBua

        So wohltuend wie der, auf den er sich bezieht.

    • Sandro R

      Ma sì, perché non lo dici apertamente: la STF è l’ANC del Sudtirolo e Kollmann il suo Mandela!

      • TirolaBua

        Ich glaube nicht, dass die STF Gewalt zur Durchsetzung der politischen Ziele anwendet.

    • Libertè

      Ich fühle mich von den faschistischen Symbolen in Bozen beleidigt.

      Das darf man ja mittlerweile in Südtirol nicht mehr sagen.

  • ProEuregio
    • sorry. hab übersehen, dass der link bereits gepostet wurde.

  • Pingback: Das enge »Wir« der STF. – Brennerbasisdemokratie.()