Kürzlich hatte ich darüber berichtet, dass Schottland mit dem Scottish Languages Act 2025 Gälisch und Scots in den Rang von Amtssprachen erhoben hat. Im schottischen Parlament selbst können beide Sprachformen schon seit Jahren verwendet werden.
In Südtirol ist die Lage bekanntlich eine ganz andere: Im Landtag ist Ladinisch bis heute nicht vorgesehen. Zudem wurde erst kürzlich beschlossen, dass dort auch keine Dialekte gesprochen werden dürfen.
Schottische Abgeordnete sprechen hingegen nicht nur im Parlament in Edinburgh (Holyrood), sondern regelmäßig auch in Westminster eine ausgeprägt schottische Sprachvarietät. Dies beschränkt sich keineswegs auf den Akzent. Häufig werden auch typisch schottische Wörter (wie aye, wee, bairn, ken, outwith oder nae) und Wendungen verwendet, die südlich des Hadrianswalls ungebräuchlich bis unverständlich sind.
Dabei handelt es sich zwar meist nicht um »reines« Scots, doch zwischen Englisch und Scots besteht ein sprachliches Kontinuum, die Übergänge sind fließend. Sprachliche Authentizität wird jedenfalls nicht als Problem betrachtet, sondern als selbstverständlicher Bestandteil politischer Kommunikation und demokratischer Repräsentation.
Hier etwa eine Rede der ehemaligen SNP-Abgeordneten Mhairi Black im britischen Unterhaus:
Und hier ein ziemlich erstaunliches Beispiel:
Ich habe mich nicht näher mit der Materie in dem Sinne befasst, dass ich sagen könnte, welches die Abgeordneten mit dem stärksten schottischen »Einschlag« sind.
Wer mit schottischen Sprachformen nicht vertraut ist, wird vermutlich Mühe haben, jedes Wort auf Anhieb zu verstehen. Das geht so weit, dass der Protokollierungsdienst des Hauses manchmal Schwierigkeiten mit der Verschriftlichung hat und bei den Abgeordneten nachträglich nachfragen muss, was sie gesagt haben. Dennoch käme wohl kaum jemand auf die Idee, daraus ein parlamentarisches Problem zu machen oder gar ein Dialektverbot abzuleiten.
Im Gegenteil: Von Abgeordneten wird erwartet, dass sie so sprechen (dürfen), wie sie selbst und die Menschen in ihrer Herkunftsregion sprechen. Die sprachliche Vielfalt wird als Teil der demokratischen Realität verstanden und nicht als Makel, der aus dem Parlament beseitigt werden müsste. Eher wird — so wie es bereits möglich ist, in bestimmten Situationen Walisisch zu sprechen — über die Zulassung weiterer Sprachen auch im Londoner Parlament diskutiert als über eine Einschränkung der akzeptierten Varietäten.
Ob es analog zu Südtirol auch in Schottland Menschen — etwa Zugewanderte aus London oder Oxford — gibt, die den Leuten auf sprachimperialistische Weise erklären wollen, wie sie zu reden hätten, weiß ich nicht. Wenn ja, lassen sie sich davon mit Sicherheit nicht beeindrucken.
Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09

Scrì na resposta