Oft haben wir der Süd-Tiroler Freiheit bereits vorwerfen müssen, dass sie sich zu wenig von neofaschistischen und neonazistischen Bewegungen im deutschen Sprachraum abgrenze, ja bisweilen sogar deren Nähe suche und somit ihr (berechtigter) Kampf gegen faschistische Relikte in Südtirol und hiesige italo-faschistische Tendenzen unglaubwürdig sei. Wir haben von Widersprüchlichkeit, Doppelmoral, Heuchelei und Blindheit auf dem rechten Auge gesprochen. Doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Kein geringerer als CPI-Urgestein Andrea Bonazza ruft in einem Social-Media-Posting seine Anhänger nämlich zur Teilnahme am Landesjugendtreffen der STF in Tramin auf und lobt dabei ausdrücklich den Ehrengast und vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Jean-Pascal Hohm (AfD) als bravissimo ragazzo. Er garniert das Ganze mit einer ägyptischen Flagge, die wohl auf das Rot-Weiß-Schwarz der Reichsflagge anspielen soll. Wächst da also endlich zusammen, was zusammengehört?
roter Balken von mir
Offenbar doch nicht. Die Bewegung möchte ihrer Doppelmoral und Heuchelei treu bleiben, denn die STF und auch Jean-Pascal Hohm haben es nun eilig, sich von CPI zu distanzieren. Den Neofaschisten würde der Zutritt in Tramin verwehrt werden, schreibt Sven Knoll in einer Aussendung. Eine Ankündigung, die nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da sie – wenn es der STF mit der Abgrenzung vom Rechtsextremismus tatsächlich ernst ist – bedeuten würde, dass auch dem Gastredner der Zutritt verweigert werden müsste. Das wird freilich nicht passieren.
Stattdessen holt Knoll in bester Whataboutism-Manier zum Gegenschlag auf Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) aus, der die Veranstaltung in Tramin im Vorfeld kritisiert hatte. “Landeshauptmann Kompatscher ist in seiner Kritik […] völlig unglaubwürdig, denn er koaliert mit Fratelli d’Italia, deren Parteivorsitzende Giorgia Meloni Mussolini als den größten Staatsmann des Jahrhunderts bezeichnete,” schreibt Knoll. Er kanzelt Kompatschers Kritik – kein Scherz – als lächerlich ab. Knoll hat zwar recht, dass Kompatscher angesichts der Koalition mit postfaschistischen Parteien mit seiner Warnung vor Rechtsextremismus nicht gerade glaubwürdig ist, aber die STF macht genau das gleiche unter anderen Vorzeichen. Inhaltlich ist die Kritik daher alles andere als lächerlich. Es ist mir ein Rätsel, wie es sein kann, dass es der SVP und der STF nicht den Kopf zerfetzt, bei dem Hirnspagat, den die andauernd reißen.


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