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Der große Graben bzw. Schaden.

In Zeiten wie diesen ist man gezwungen, Dinge zu tun, von denen man nie geglaubt hätte, dass man sie tun muss. Zunächst hätte ich nie gedacht, dass ich einmal einen Artikel mit der mir verhassten Phrase “In Zeiten wie diesen” beginnen würde. Das klingt so nach “früher war alles besser, früher war alles gut”. Ich hätte des Weiteren nie geglaubt, dass ich mich auf bemüßigt fühle, die SVP und die Freiheitlichen zu verteidigen. So unpopulär das in Zeiten wie diesen auch erscheinen mag – ich werde es jetzt einfach tun. Nicht, weil sie die armen Unschuldslämmer sind, die sich nicht selbst verteidigen können, sondern weil ein verstörendes Ungleichgewicht entstanden ist. Weil einiges aus den Fugen geraten ist. Weil die Kirche mittlerweile nicht bloß nur nicht mehr im Dorf ist, sondern weit über alle (Hoch-)Häuser.

Seit ein paar Tagen komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sämtliche Medien sind voll von Absurditäten, wogegen sich manche Ergüsse der Bild-Zeitung wie T.S. Eliots “The Waste Land” lesen. Diskussionskultur? Fehlanzeige! Verhältnismäßigkeit? Fehlanzeige! Sachinformation? Fehlanzeige! Auf meine Fragen hab ich nach wie vor keine zufriedenstellende Antwort bekommen. Mehr noch, das eingangs kritisierte Niveau der Diskussion ist noch tiefer gesunken, als man es für möglich hielt.

Verhältnismäßigkeit verloren?
Noch einmal zum Mitschreiben: Ich möchte die Zahlungen an die Politiker nicht bagatellisieren und es ist – übrigens seit Jahrzehnten – Handlungsbedarf gegeben, aber was jetzt passiert steht in überhaupt keinem Verhältnis. Der Einmalbetrag (!!!) von 90 Millionen Euro, um den es hier geht, ist ungefähr so hoch wie jener, den die Südtiroler in diesen ach so schweren Zeiten alle 45 Tage (!!!) jahraus jahrein für Glücksspiel, das in Österreich pikanterweise als “Trottelrente” bezeichnet wird, ausgeben. Die gleiche Summe an Südtiroler Steuergeld versickert derzeit alle 15 Tage (!!!) irgendwo in nicht nachvollziehbaren Kanälen im Zentralstaat.

Fast noch lustiger – um nicht zu sagen trauriger – ist die Tatsache, dass uns die jetzt verabschiedete Regelung trotz der enormen Zahlungen nach derzeitigem dürftigen Wissenstand (man spricht sogar von Einsparungen von mehreren Millionen Euro) ja nicht mehr kostet, als die seit Jahrzehnten bestehende. Und fest steht auch, dass in einigen Jahren jene, die von nun an neu in die 2800-Euro-Regelung fallen, dem Steuerzahler einen Bruchteil von dem kosten, was für Magnago und Co. ausgegeben wurde, der bekanntlich rund € 7000 Rente erhielt.

Beim ominösen “Dildoskandal” der Freiheitlichen geht es gar um 65 Euro. Natürlich, jeder missbräuchlich verwendete Steuereuro gehört beanstandet. Wobei in diesem Fall noch kein rechtswidriges Verhalten festgestellt wurde, sondern lediglich eine Vermutung im Raum steht. Und ich unterstelle jetzt einfach auch mal, dass wenn statt des Sexspielzeugs ein Blumenstrauß verschenkt worden wäre, kein Hahn danach gekräht hätte. Selbst bei “Beraterhonoraren” und “Repräsentationsspesen” in Höhe mehrerer Tausend Euro war es in den vergangenen Jahren ja komischerweise immer recht ruhig.

Moralische Überlegenheit?
Der Organisator der Demonstration vor dem Landhaus, Hansjörg Kofler, meinte laut stol.it in Richtung Ulli Mair: “Die größte Schande ist es, wenn ein Politiker den Bürger angreift.” Leider wird nicht zitiert, was Mair gesagt hat. Aber es ist schwer vorstellbar, dass es beleidigender und verleumderischer war, als das, was auf einigen der Plakate stand, mit denen sie sich konfrontiert sah. Alle Politiker werden pauschal als Räuber dargestellt, man drohte ihnen sogar körperliche Gewalt an und bewarf sie – ebenfalls laut Medienberichten – mit Papierkugeln und dergleichen. In einer solchen Situation seinem Gegenüber jenes Verhalten vorzuwerfen, das man selbst in weitaus schwerwiegenderem Maße an den Tag legt und sich dabei offensichtlich auch noch in moralischer Überlegenheit zu glauben, ist bizarr. Zudem wurde im Gegensatz zu anderen Skandalen beim “Dildo- und Pensionsskandal” noch nicht einmal eine Gesetzwidrigkeit festgestellt.

Spiel mit dem Feuer?
Wenn man, so wie das seit Jahren versucht, sachlich und auf demokratischem Wege über Zukunftsszenarien für Südtirol diskutieren möchte, wird einem nicht selten ein “Spiel mit dem Feuer” vorgeworfen. Wenngleich ich den Weg und das Ziel von STF und Schützen nicht teile, so muss man dennoch anerkennen, dass sie es geschafft haben, über 60.000 Menschen zur Teilnahme an ihrer Umfrage zu bewegen bzw. mehrere Tausend Leute bei Demonstrationen auf die Straße zu bringen. 5000 Schützen haben bereits auf dem Magnago-Platz protestiert. All das ging unaufgeregt und friedlich vonstatten. Dennoch wurden die Aktionen und somit die Willensbekundung zehntausender Menschen von den Medien weitestgehend ignoriert. Nun “unterschreiben” 18.000 Leute eine Avaaz-Petition und rund 600 Bürger am Landhausplatz artikulieren sich in bisweilen niveauloser und unangebrachter Weise und die Medien sind voll davon. Von wegen “Spiel mit dem Feuer”. Das Feuer wird sogar noch geschürt. Selten wurde eine Aktion so massiv medial begleitet wie diese. Und selten wurde der Demokratie sowie der Informations- und Diskussionskultur in Südtirol so geschadet, wie jetzt.

Beweis für den Verfall?
Das einzige, was die derzeitige Situation beweist, ist, dass die Bevölkerung sensibler geworden ist, was Missstände betrifft. Anders lässt es sich nicht erklären, dass eine Regelung, die nicht teurer ist als die seit Jahrzehnten bekannte und bestehende, für derartiges Aufsehen sorgt.

Der “Dildo- und Pensionsskandal” ist aber bei Gott kein Beweis dafür, dass Südtirol und die gesamte Autonomie gescheitert sind, die Korruption ein unlösbares Problem darstellt und die Qualität der Verwaltung hierzulande sich mittlerweile von jener Siziliens nicht mehr unterscheidet – wie einige Kommentatoren suggerieren. Dagegen spricht nicht nur jede statistische Erhebung in diesem Bereich, sondern auch die Tatsache, dass es die perfekte Verwaltung nicht gibt. “Südtirol ist Italien” schreibt beispielsweise Gerhard Mumelter auf salto.bz in Anlehnung an den STF-Spruch. Abgesehen davon, dass man Italien nicht als Schimpfwort gebrauchen sollte, indem man impliziert, dass man nun ebenso tief gesunken sei, könnte man auch genauso gut schreiben “Österreich ist Italien” (Buwog-Affäre um Karl-Heinz Grasser) oder “Deutschland ist Italien” (CDU-Spendenaffäre).

Wir haben uns unsere Politiker speziell in der Vergangenheit einiges kosten lassen. Aber wir haben auch einiges dafür bekommen – und zwar nicht bloß Skandale. Südtirol wurde – und das zeigt beinahe jeder Vergleich – nicht schlechter verwaltet als andere Regionen. Im Gegenteil, das Land steht verhältnismäßig gut da. Und das ist auch ein Verdienst der Politik. Von einem Haufen Taugenichtse und Nichtstuern, die sich nur bereichern, wie es jetzt den Anschein hat, kann keine Rede sein.

Exkurs: Ein Plädoyer für die Politik oder Mach’s dir doch selbst!
Seit jeher reißen Politiker einen Spagat, den ich nicht machen möchte. Dabei ist Politiker einer der wenige Berufe, für die es keine Zugangsvoraussetzung braucht. Jeder kann Politiker werden (und es besser machen). Es müsste also jedermanns Traumberuf sein: man muss nix können und bekommt noch dazu hervorragend bezahlt. Dafür darf man sich lediglich vorhalten lassen, dass man sich bei jeder Gelegenheit – speziell auch an den Wochenenden, die andere im Kreise der Familie verbringen – anlässlich von Feiern und Eröffnungen den Wanst voll schlägt. Lässt man sich hingegen nicht blicken und spendet man beim obligatorischen Begrüßungsschnapserl nicht gleich ein Scheinchen in grün, gilt man als bürgerfern, abgehoben und knausrig. Überspitzt formuliert wünschen wir uns Politiker, die möglichst wenig verdienen und dennoch sehr großzügig sind. Politiker, die sich nicht in den Mittelpunkt drängen aber bei jeder Konservenbüchseneröffnung präsent sind. Ob wir die je bekommen – sprich wählen – werden?

Siehe auch:

Engagement Medien Mitbestimmung Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | STF-Befragung | Ulli Mair | Salto Stol | Südtirol/o | Freiheitliche Schützen STF SVP | Deutsch

33 replies on “Der große Graben bzw. Schaden.”

Diese Frage stelle ich mir auch. Mehr denn je sogar. Jetzt ist nämlich ein Mann namens Hansjörg Kofler ins Spiel gekommen. Kofler ist niemand geringeres als der ehemalige Sekretär von Christian Waldner. Der Journalist Artur Oberhofer hat über diesen Mordfall bekanntlich mehrere Bücher geschrieben. Im ersten Buch zeichnet Oberhofer ein alles andere als schmeichelhaftes Bild von Kofler. So soll der damalige Sekretär ein Spitzel des italienischen Geheimdienstes gewesen sein -was Kofler laut Oberhofer sogar selbst zugegeben hat. Mehr noch: im Buch wird jemand zitiert, der Kofler sogar Versicherungsbetrug vorwirft.
Was auch interessant ist: Kofler soll wenige Tage nach der Beerdigung Waldners mit dem Gedanken gespielt haben, für die Lega Nord zu kandidieren und ein Gesetz im Regionalrat einzubringen, das die finazielle Entschädigung von Sekretären von toten Abgeordneten vorsieht.

Ich möchte betonen, daß ich Kofler nichts Kriminelles vorwerfen möchte. Ich kann und will nicht beurteilen, ob die Behauptungen Oberhofers wahr sind oder nicht. Auch möchte ich keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen.
Mir geht es um etwas anderes. Eine Person wie Kofler wird in unseren Medien als Saubermann präsentiert, obwohl jeder halbwegs kritische Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt diesen Mann kritisch unter die Lupe nehmen sollte.
Das wird aber nicht getan, was einmal mehr ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise wirft, wie hierzulande Journalismus betrieben wird.
Die Frage nach dem Cui bono wird für mich immer wichtiger. Von unseren Journalisten dürfen wir uns jedenfalls keine (objektive) Antwort erwarten.

die Figur kofler spielt meines erachtens keine wichtige rolle hier –
das machen wir in Südtirol ja gerne: der hat ja…, hat er nicht damals…., war der nicht…., er soll ja dies und jenes… ,angeblich…..verwandt mit …., ein Verhältnis mit …..uswusw.
die sachliche Auseinandersetzung oben finde ich gut, jene um eine einzige Person (von angeblich über 600 auf dem landhausplatz, von über xx landesweit..) finde ich nicht seriös

Da bin ich anderer Meinung. Kofler ist immerhin der Organisator der Protestkundgebung. Von den Medien wird Herr Kofler als Saubermann präsentiert. Bei seiner Vergangenheit darf schon die Frage gestellt werden, ob er das wirklich ist und ob seine Empörung über die Politikerkosten ehrlich gemeint ist. Der Bürger sollte sich in so einem Fall mit einer kritischen Berichterstattung seine eigene Meinung bilden können. Leider versagen unsere Median da aber, was mein Kritikpunkt war.

Ich wil Dir meine ganz persönliche Meinung sagen: hätte ich an der Demo teilgenommen,wäre ich wahrscheinlich das Gefühl nicht losgeworden, mich zum Werkzeug von irgendjemanden zu machen.
Ich glaube einfach, daß irgendjemand mit dem völlig gerechtfertigtem Zorn der Bürger seine eigenen Spielchen spielt. Wer ist dieser Jemand ? Ich wüßte das auch allzugern – womit wir wieder bei der Frage nach dem Cui bono wären……

(Würde mich übrigens interessieren, wie die anderen dazu stehen)

Ich weiss ja nicht, wem es wirklich nützt, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, von wem all dieses Agitation, und Aufwieglerei ausgegangen ist. Und ich bin mir sicher, die zwei heiligen Brüder haben sich etwas geacht dabei! Ob es nun so kommt, wie von ihnen erhofft, wer weiss das schon, aber inzwischen ist so gut wie sicher, dass die Altmandatare der Svp von der Partei abgewählt werden, was wiederum zu Stärkung und Konsolidierung der “neuen, jungen” Garde um Kompatscher beiträgt. War das der Plan??

ich tippe auf die Vorbereitung eines gigantischen Sparpakets, bei dem viele soziale Maßnahmen gestrichen werden.

Ich empfinde seit etlichen Tagen aufgrund des irrationalen medialen Kesseltreibens großes Unbehagen. Wenn dann Teilnehmer des gestrigen 500 Personen Auflaufs mit den Worten zitiert werden, wir sind das neue Sigmundskron, dann scheint wohl jedes Maß verloren gegangen zu sein. Die Unprofessionalität unserer Medien und das möglicherweise knallharte Kalkül einiger Akteure, die an der systematischen Demontage einiger Politiker Gefallen finden, schaden unserer Demokratie um ein Vielfaches, als es jede Pensionsregelung jemals auch nur annähernd vermocht hätte.

Gestern schrieb die Tageszeitung Online:

Über 600 Personen befinden sich auf dem Magnago-Platz: Das ist eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die Kundgebung an einem Werktag und am Vormittag abgehalten wird.

Man kann nur noch darüber staunen, mit welcher Nonchalance (und Widersprüchlichkeit) unsere »Leitmedien« letzthin entscheiden, was hohe und geringe Zahlen sind.

Wenn sie aber andererseits Marokko und Pakistan für europäische Länder halten, braucht man sich über gar nichts mehr zu wundern.

Die Sachen die hier Manni aufwirft sind sehr interessant, v.a. weil man davon nix wusste und die Medien davon auch nichts berichten. Unabhängig von diesem offenbar neuen Aspekt des “Politikerskandals” stellt sich mir hier schon auch die Frage, ob es reiner Zufall ist, dass diese Sachen in einer Zeit geschehen, wo sich immer mehr Menschen offen zur Unabhängigkeit Südtirols bekennen und es dieses Jahr einige “heiße” Eisen in Europa (z.B. Schottland) zu diesem Thema gibt. Auch das “Cui Bono” ist m.E. zufolge immer essentiell, bevor man eine Sache vorschnell beurteilt. Man hat als Normalsterblicher, der keinen wirklichen Einblick hinter die Kulissen werfen kann bisweilen schon das Gefühl, dass in Südtirol nicht alles mit rechten demokratipolitischen Dingen zugeht. Falls dem in irgendeiner Form so ist, sollte es heute in der vielseits gelobten EU doch hoffentlich auch die Möglichkeit geben, dass diese Dinge eine neutrale Instanz außerhalb des Staates kontrolliert und beurteilt.

Dieser Artikel spiegelt exakt meine Meinung über die derzeitige Hetzkampagne wider. Ich möchte die Privilegien unserer Politiker auch in keinster Weise verteidigen, aber was derzeit abgeht grenzt schon sehr an Heuchelei.
Vor der Neuregelung der Politrenten wurden die Politiker noch großzügiger entschädigt und da hat sich niemand darüber beklagt bzw. wurde nie ein so großer Aufriss veranstaltet.

Seitenweise wird von Fachleuten, gerätselt und darüber geschrieben wieso sich der Volkszorn gerade gegen die Politikerrenten richtet, wo doch viel größere Skandale in der Vergangenheit geschahen.
SEL-Skandal, Flughafen, Mieten von Gebäuden die nie benutzt werden, Brennerbasistunnel, usw.
Ist es wirklich so schwierig darauf eine einfache Antwort zu finden?
Intelligenten Leuten wird nachgesagt, dass sie auf Grund ihrer hohen Intelligenz nicht mehr im Stande sind, einfache Dinge zu erklären.
Dann probiere ich mal, mit meinen einfachen Worten dies für viele einfache, arme Leute zu erklären:
Die Mindestpension beträgt nicht einmal 500€. Miete, Strom, Wasser, Heizung, Müll, Lebensmittel, Medikamente, … Wie kommt man damit über die Runden?
Die armen Leute hören dann von Renten in Höhe von 7.200€, gekürzt auf 5.400€, vielleicht noch auf 2.800€.
Wenn ich vom niedrigsten Betrag 500€ abziehe, bleiben immer noch 2.300€ Differenz.
2.300€ ist der Betrag, mit dem ein einfacher Arbeiter oder eine Hausfrau viereinhalb Monate leben. Mit 5.400€ müssen sie fast 11 Monate lang auskommen – andere erhalten dies in einem Monat.
Den Leuten interessiert es nicht, ob mit der verabschiedeten Regelung Geld gespart wurde. Sie wollen das auch nicht mehr hören.
Viele sagen, die Leute seien neidisch. Sicher, ist meines Erachtens aber leicht zu verstehen.
Mit den Renten haben die einfachen Leute einen realen Vergleich (diesen Vergleich haben sie beispielsweise beim SEL Skandal nicht).
Die Leute denken: was bekomme ich, was bekommen die Politiker?
Dieser Vergleich wird spätestens dann zum Verhängnis, wenn man mit dem Geld nicht mehr ans Monatsende kommt und nicht weiß von was man leben soll.
Gute Frage die Sie gestellt haben, Harald Knoflach: Verhältnismäßigkeit verloren?

Natürlich haben Sie recht, aber: Die Mindestrente von €500 gibt es wahrscheinlich schon ebenso lange wie es die Politiker-Pensionen von €7000 gibt, aber bisher hat sich niemand aufgeregt. Warum? Hat es keiner gewusst? Hat es keiner wissen wollen? Oder hat es einfach keinen interessiert?
Jetzt ist der grosse Unterschied, dass diesen abstrakten Zahlen Gesichtern zugeordnet werden können, und das macht das “Sich empören” viel einfacher, und für viele überhaupt erst sinnvoll. Es ist doch so viel schöner Frau Klotz, Frau Kasslatter-Mur, Herrn Leitner, usw. persönlich zu beleidigen, als mit Einsatz gegen das System zu kämpfen, wie es viel engagierte Menschen hier in Südtirol seit Jahren versuchen, und leider meist dafür von der Mehrheit belächelt werden.

Tatsächlich empfiehlt es sich die Dinge nicht nur nach dem ersten Eindruck zu beurteilen, oder sagen wir nach dem, was die tatsächlich oder vermeintlich darstellen. Es empfiehlt sich nicht minder, nach Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken. Dafür gibt es bedingt Anhaltspunkte, die eine Richtung weisen. Im Fall des kuriosen und überzogenen Protetes am Landhausplatz ist dieser Anhaltspunkt tatsählich, wie hier schon erkannt, der Organisator HJK.

Erinnert sei an das geniale Meisterstück der Stasi im November 1989, die den Zornestaumel der Menschen nach dem Mauerfall noch entflammte und gezielt zur Erstürmung des Stasi-Zentralarchivs lenkte. Die Stasi organisierte in ihrem Zusammenbruch die Zerstörung ihres eigenen Archivs und damit der Beweise gegen sich durch den aufgebrachten “Volkszorn”.

anders betrachtet: lieber eine hetzkampagne, als dass gar nichts passiert. anders wird man heutzutage ja nicht mehr wahrgenommen. wer nicht pöbelt und sich auffällig verhält geht unter. der, der mit der mistgabel auf die straße geht erreicht was unabhängig davon, ob er seine meinung begründen, oder artikulieren kann. ein “mag ich nicht” reicht.

und schon verschreien vernunftgeplagte mitbürger, das was da gerade passiert anstatt anzuerkennen und darüber nachzudenken, was mit 500! leuten vor dem landtag sonst noch alles möglich wäre. ganz ohne hintergrundinformation und offensichtlich ohne nachzudenken haben die das geschafft. protest ist auch nur eine form von marketing … und die leutz sind verdammt gut darin. denen ist im übrigen auch dieser artikel, so treffend die kritik auch sein mag, herzlich wurscht.

damit muss man sich im schlimmsten fall abfinden, im besten fall lernt man daraus.

heiligt der zweck die mittel? oder anders gesagt: ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in vielen situationen in meinem leben weiter gekommen wäre, wenn ich – wie man so schön sagt – ein “arschloch” gewesen wäre. ich bin froh, dass ich es nicht war.

umgelegt auf deine obige feststellung lerne ich daraus, dass ich mein ziel auf diese art vielleicht leichter erreichen würde, das aber nicht tun werde, da ich mir keine gesellschaft wünsche, die so funktioniert – bzw. möchte ich diesen aspekt unserer gesellschaft nicht durch meinen beitrag noch befeuern. auch wenn das auf den ersten blick der erreichung meines zieles hinderlich ist. damit finde ich mich ab.

Lieber Herren,

es ist klar dass es leicht ist sich mit einer Mindestrente gegen Politikerrenten aufzuregen. Seien wir aber ehrlich… vieviele der Aufhetzer bekommen nur 500 Euro in Monat? Vieviele Ç–berhaupt in Südtirol? Ich sehe immer wieder ganz viele Audi, BMW und VW herum wenn ich mit meine alte Corsa 1.0 unterwegs bin, doch kaufen sie sich solche Autos nicht von alleine… Südtirol ist noch nicht Teil der dritten Welt, kommt mir vor… somit ist die Polemik doch ein wenig künstlich…
Wo sind jetzt diejenige die vor ein Paar Jahre noch das Mär des “inz geaht es sou guat!” bei jeder Angelegenheit gesungen haben?
Wenn aber die Südtiroler komplett ihr vertrauen in der Politik verlieren, dann ist es verspielt und brauchen wir nicht mehr von Autonomie oder gar Selbstbestimmmung; ja die einzigen die von der ganzen Sache etwas gewinnen sind eben Unionisten, die bald sagen werden, da unsere Politiker so “korrupt” sind
(obwohl hier gar nicht un korruption oder gar schlechte Verwaltung geht), es sei viel besser wenn es alles von Rom gesteuert wird oder jedenfalls dass wir Rom als Kontrolleur brauchen, als die Grünen immer wieder jubelnd zu sagen pflegen.
Cui bono? Romae.

Audi BMW VW wer kann sagen wie die finanziert sind , junge und möchtegern Große … Nur wenn jemand einen Corsa 1 fährt ist der noch lange nicht arm . Für die Wirtschaft jedenfalls Störfaktor (WirtschaftsWachstum ). Einen kühlen Kopf bewahren ist immer gut, man verrechnet sich weniger auch in der Politik !

Wer hat damals eigentlich für die neue Rentenregelung gestimmt? Die Freiheitlichen ja angeblich nicht, wie Frau Mair bei »Daum im Stadtcafé« sagte. Welche »Schuld« trifft sie dann!?

Nicht einmal dazu, Befürworter und Gegner der umstrittenen Regelung zu recherchieren, reicht es offenbar bei den Südtiroler Medien… da wird echt auf Stammtischniveau gearbeitet.

Kompliment Herr Knoflach für diesen Artikel! Bin zu 100% Ihrer Meinung.

Zur Verhältnismässigkeit: es wäre m.E. sehr interessant zu wissen, wie hoch ein fiktiver Rentenvorschuss eines Beamten des Landes Südtirol in einer mittelhohen Funkrionsebene mit, sagen wir, 25-30 Beitragsjahren ausmachen würde. Ich gehe hier auch von iener sechsstelligen Zahl aus. Da könnten “einfache Menschen” (Zitat E. Marsoner) wieder ein Verhältnis herstellen. Ich schätze, dass die Zahlen dieser ominösen Liste wieder etwas relativiert werden könnten.

Nichtsdestotrotz empfinde ich eine Rentenvorauszahlung für nur eine bestimmte Kategorie als unmoralisch.

Es kann ihn jeder über den obigen Link aus dem Google Cache lesen und abspeichern. Wir werden ihn hier aber schon nur aus urheberrechtlichen Gründen nicht einstellen.

Soeben hat Franz Kössler, »langjähriger ORF-Korrespondent«, in einer kurzen Sondersendung von Rai Südtirol gesagt (Gedächtnisprotokoll):

Wir regen uns immer über Berlusconi auf. Und jetzt merken wir: In Südtirol ist es noch viel schlimmer.

:obs:

Warum wollen die Linksliberalen/Grün-Sympathisanten jetzt eine eigene Umfrage starten?
Wenn jetzt die Freiheitlich auch noch auf eine ähnliche Idee kommen, nimm uns doch niemand mehr ernst!
Ich fürchte, sollte es jemals zu einer Selbstbestimmung kommen (was ich nicht glaube) dann werden unsere wackeren Demokraten aus dem linken Eck nicht hingehen, weil die Initiative von der STF/F kommt.
Es muss für unsere elitäre Linke schrecklich sein, mit Lederhosen tragenden Freiheitlichen oder STF in eine gemeinsame Wahlurne geschmissen zu werden. Schrecklich!

Ich bin mir sicher: Wenn in ST noch immer über eine gemeinsame Abstimmung diskutiert wird, freuen sich die Katalanen schon lange über einen eigenen Staat.

Und hat man sich endlich entschlossen, unter welchen Titel eine solche Abstimmung auch in ST über die Bühne gehen soll, kommen einige Kämpfer für Demokratie und Freiheit auf die Idee, erstmals alles auf ihre Richtigkeit zu untersuchen.
Das dauert dann wieder 5 Jahre.
Bis dahin kommt dann eine neue deutsche Rechtschreibung, die natürlich bei einer solchen Umfrage berücksichtigt werden muss.
Das dauert dann wieder 5 Jahre.

Und wenn unsere tapferen Demokraten nicht gestorben sind … diskutieren sie noch …

Tut mir leid, du hast wirklich nichts verstanden. Wir streben gemeinsam mit möglichst vielen anderen Akteuren eine amtliche Abstimmung an — keine Umfrage, sondern ein »ganz wirklich richtiges« Referendum. Du verstehen? Und an einem ganz wirklich richtigen Referendum sollen nicht nur Linke teilnehmen, sondern sämtliche BürgerInnen.

@ knickerbocker
es schadet nicht, wenn man lesen kann. es geht nicht um eine umfrage, sondern eine amtliche abstimmung. das ist dann wie bei einer wahl. alle wahlberechtigten dürfen teilnehmen und ankreuzen, was sie für richtig halten.

alle wahlberechtigten dürfen teilnehmen und ankreuzen, was sie für richtig halten.

Durften sie bei der STF Umfrage auch…
Ich glaube das Problem von Knickerbocker ist sowieso, das er in seinem Umfeld (Nordtirol) angeblich nur wegen seiner Herkunft nicht richtig akzeptiert wird. Und er generell etwas gegen alles was weiter Links ist als er (ich bin für ihn sicher auch ein Linker) hat.
Wenn ich mit meinen Nordtirol Kollegen über das Thema spreche kommt nur die Antwort, wenn dann zurück nach Österreich! Etwas später sagen sie dann ein eigener Staat (Südtirol) wäre eig. recht cool…

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