F100: Es wird gearbeitet.

Am letzten Samstag fand wieder eine Sitzung des Forums der 100 (F100) statt. Begonnen wurde mit einem Bericht des Präsidiums und der acht Vertreter des F100 über die Arbeiten im K33. Übereinstimmend wurde berichtet, dass die Arbeiten gut vorangehen und viel konstruktiver verlaufen, als meist in den Medien berichtet wird.

Leider wurde von einer italienischsprachigen Konventteilnehmerin zum Thema Selbstbestimmung polemisiert. Der Vorwurf, dass wir einen Krieg riskieren, hörten wir nicht zum ersten Mal. Interessant ist für mich dabei die Tatsache, dass diese Leier immer nur von den italienischsprachigen Mitgliedern vorgebracht wird; ich frage mich, in welchem Jahr wir leben und welche Diskussionskultur von bestimmten Seiten an den Tag gelegt wird. Die Frage, ob gewisse Tabuthemen definiert werden sollen, wurde von Seiten des Präsidiums und der Vertreter im K33 verneint. Gerade der Konvent sollte ergebnisoffen über alle Themen sprechen können.

Die eigentlichen Arbeiten begannen im Anschluss und mein Eindruck war, dass sie größtenteils sehr fruchtbar waren. Experten wie Prof. Hilpold, Abgeordneter Palermo, ex-Landesgerichtspräsident Zanon und Karl Tragust stellten ihr Wissen den einzelnen Arbeitsgruppen zur Verfügung.

Die Arbeitsgruppe Selbstbestimmung, Euregio und Südtirolaktivisten, an der ich selbst mitarbeite, hatte keinen Experten geladen. Wir beschäftigten uns in erster Linie mit Begriffsbestimmungen zu Autonomie und Selbstbestimmung, damit wir eine gemeinsame Basis für die zu erarbeitenden Papiere haben. Auch hier verliefen die Arbeiten trotz teilweise unterschiedlicher Meinungen konstruktiv.

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10 replies on “F100: Es wird gearbeitet.”

Der sog. Experte Heinrich Zanon hat in seinem Vortrag zum Thema Proporz und Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung mehrmals gesagt, dass er sich bei diesem Thema nicht so gut auskennt. Wer hat ihn zum Experten ernannt?
Interessant fand ich seinen Vorschlag, dass bei öffentlichen Stellen die Aufnahmeprüfungen zwingend in der Sprache erfolgen sollten, zu der sich der Kandidaten zugehörig erklärt hat. Dann würde es deutlich schwieriger eine falsche Sprachgruppe anzugeben, nur um an eine Stelle zu kommen, die eigentlich einer anderen Sprachgruppe vorbehalten ist.

Interessant fand ich seinen Vorschlag, dass bei öffentlichen Stellen die Aufnahmeprüfungen zwingend in der Sprache erfolgen sollten, zu der sich der Kandidaten zugehörig erklärt hat.

besser wäre doch, wenn die “wettbewerbe” für öffentliche stellen in zwei bzw. drei sprachen bestritten werden müssten. dann wäre garantiert, dass die bewerber die sprachen auch auf dem notwendigen niveau beherrschen und es wäre wurscht ob er/sie deutscher/italienischer/ladinischer muttersprache ist.

besser wäre doch, wenn die “wettbewerbe” für öffentliche stellen in zwei bzw. drei sprachen bestritten werden müssten. dann wäre garantiert, dass die bewerber die sprachen auch auf dem notwendigen niveau beherrschen

Das wäre als Ergänzung zur Zweisprachigkeitsprüfung für mich in Ordnung, aber nicht als Ersatz derselben. Die Sprachkompetenz sollte von Fachleuten geprüft werden und nicht von Gemeindesekretären, Amtsdirektoren oder Oberförstern.

und es wäre wurscht ob er/sie deutscher/italienischer/ladinischer muttersprache ist.

Hier kann ich nicht zustimmen, weil ich vom Proporz als Grundpfeiler der Autonomie nicht abrücken möchte, wenigstens solange Südtirol zu Italien gehört.
Vor Einführung des Proporzes waren deutschsprachige und ladinischsprachige Südtiroler bei der öffentlichen Stellenvergabe sehr stark benachteiligt. Wo der Proporz nicht greift (z.B. Polizei) sind Deutsche und Ladiner auch 2016 noch stark unterrepräsentiert.
Ich halte den Proporz für ein wichtiges und unverzichtbares Friedensinstrument. Er hat viel zu einer gerechten Verteilung der öffentlichen Arbeitsplätze beigetragen und Menschen verschiedener Sprachgruppen an einem Arbeitsplatz vereint.

Nur weil jemand einen Test in deutscher Sprache belegt ist dies noch kein Beleg für seine Sprachgruppenzugehörigkeit.

Klar — es ist besser, den Test in der angeblichen Muttersprache zu belegen, um Missbrauch zu erschweren. Noch besser wäre es aber tatsächlich (nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Zwei-/Dreisprachigkeitsprüfung), die Stellenwettbewerbe gleich zwei-/dreisprachig zu machen, denn schließlich müssen KandidatInnen gleich welcher Sprachgruppe in der Lage sein, KundInnen/BürgerInnen in deren Muttersprache zu bedienen.

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