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Antwort an den Landesbeirat der Schülerinnen.

In der dieswöchigen ff (Nr. 18/2017) ist ein — von Jasmine Rouimi und Max Ebensberger unterschriebener — Gastkommentar des Landesbeirats der Schülerinnen und Schüler zum Thema Mehrsprachigkeit erschienen, den ich hier auszugsweise kommentieren will:

Dürfen Politiker, Parteien, Vereine und Verbände mit ihren oft persönlichen und populistischen Meinungen Einfluss auf die schulische Ausbildung nehmen und damit mögliche Erfolgswege der Südtiroler Jugendlichen lang- und kurzfristig verbauen?

Ich glaube, das ist es, was wir »Demokratie« und »Mitbestimmung« nennen. Das Schulsystem betrifft zwar die SchülerInnen am unmittelbarsten, doch es hat kaum zu überschätzende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Was gelernt wird und was nicht gelernt wird beeinflusst, wie wir uns und die anderen sehen oder welches Wissen und welche Fähigkeiten wir als Gesellschaft für so wichtig halten, dass sie von allen beherrscht werden sollten.

Wir haben ein öffentlich finanziertes, allen offenstehendes Bildungssystem, an dessen Ausrichtung die Allgemeinheit ebenso mitwirken soll und kann, wie Verteidigungspolitik nicht nur vom Militär, Wirtschaftspolitik nicht nur von Wirtschaftstreibenden und Gesundheitspolitik nicht nur von Ärzten gemacht wird. Wer sich am Einfluss von Politikern, Parteien, Vereinen und Verbänden stört, hat die Möglichkeit, eine private Schule zu besuchen.

Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auswärtiger Sprachwissenschaftler (wo sind unsere eigenen?) deuten in eine klare Richtung: Mehrsprachigkeit fördert kognitive sowie soziale Fähigkeiten und vereinfacht Austausch und Toleranz. Die Freie Universität Bozen wartet hierzu bereits mit einem Forschungsbereich auf: “Sprachen und Ausdrucksformen in der multikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaft”. Wen meinen die? Uns? Multikulturell und mehrsprachlich [sic]?

  • Es stimmt nicht, dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auswärtiger Sprachwissenschaftlerinnen in eine Richtung weisen.
  • Wo unsere eigenen Sprachwissenschaftlerinnen sind?
    • Sie, die die Situation in Südtirol kennen, klagen zum Beispiel darüber, dass es hierzulande meist um »möglichst früh, möglichst alles, möglichst schnell« gehe. Sie differenzieren und bringen Verständnis für die speziellen Probleme einer Minderheit im Nationalstaat auf.
    • Außerdem warten sie mit einem Forschungsbereich auf, der den SchülervertreterInnen offenbar gut gefällt. Und natürlich meinen sie (auch) uns: Wer behauptet, Südtirol sei nicht multikulturell und mehrsprachig, sieht die Realität vermutlich durch eine dunkle Brille.

Wir beherrschen nur eine Sprache wirklich gut: unsere Muttersprache, also den jeweiligen Dialekt. Bei unserem “Hochdeutsch” wird es meist peinlich, beim Italienischen sind wir oft beim Lächerlichen.

Unser Hochdeutsch (Stichwort Diglossie — ganz ähnlich wie in der deutschsprachigen Schweiz) mag holprig sein, einschlägige Studien (Eurac, Pisa-Test) konnten aber bislang keine gröberen Mängel feststellen. Doch selbstverständlich ist es deshalb auch umso wichtiger, die Standardsprache in der Schule gut zu erlernen und zu üben.

Dass die Italienischkenntnisse der deutschsprachigen Südtirolerinnen »lächerlich« wären — ich weiß ehrlich gesagt nicht, auf welchen objektiven Befunden diese Feststellung fußt. Auch hier spricht das, was uns vorliegt, dagegen: Die Zweitsprachkenntnisse der Deutschsprachigen sind besser, als jene der Italienischsprachigen — und in beiden Sprachgruppen nehmen sie zu.

Ein Armutszeugnis, da Südtirol zu Italien gehört und es somit unser Recht als Bürgerinnen und Bürger ist, die Landessprache Italienisch durch die Schulbildung in ausreichender Menge und Qualität vermittelt zu bekommen. Italienisch ist keine Fremdsprache, sondern eine Zweitsprache.

Hier unterwerfen sich Rouimi und Ebensberger dem nationalstaatlichen Prinzip, das in seinem Selbstverständnis nicht einer Logik von Mehr-, sondern einer von Einsprachigkeit gehorcht, wiewohl es den Autoren vielleicht nicht bewusst ist. Italienisch sollten — und das ist glaube ich ziemlich unstrittig — in Südtirol alle in ausreichender Menge und Qualität vermittelt bekommen; aber nicht, weil wir Teil des Nationalstaats Italien sind, sondern weil es sich um eine wichtige Landessprache handelt. Das ist auch der Grund, warum wir Italienisch gerne als »Zweitsprache« bezeichnen können, auch wenn es sich bei »Fremdsprache« eher um einen (manchmal missbrauchten) didaktischen Begriff handelt: Mitunter hört man in Südtirol, Schülerinnen hätten mit Englisch weniger Schwierigkeiten, als mit Italienisch, weil die englische Sprache mit einer moderneren Didaktik unterrichtet werde. In diesem Zusammenhang wird manchmal die Forderung laut, von einer Zweitsprachendidaktik zu einer Fremdsprachendidaktik überzugehen.

Wem der Zweit- oder Fremdsprachunterricht in der deutschsprachigen Schule nicht mehr ausreicht, der hat hierzulande die Möglichkeit für eines oder mehrere Jahre an eine italienischsprachige Schule zu wechseln. Meinetwegen auch, um seinen Durst nach Nationalstaat zu stillen.

Der Weg von der Ein- hin zur Mehrsprachigkeit liegt in unserem Nationalstaat Italien offen, das damit verbundene Umdenken wollen wir auch an den Schulen Südtirols verbreitet wissen.

Italien ist — obschon die Südtirolerinnen dazu nie befragt wurden — unser Staat, aber mit Sicherheit nicht unser Nationalstaat. Unser Land genießt genau deshalb eine Autonomie, weil es sich aus »nationaler« Sicht vom Nationalstaat unterscheidet. Wenn uns das nicht mehr wichtig ist, öffnen wir nicht der Mehrsprachigkeit, sondern der nach unten nivellierenden, einsprachigen Logik des Nationalstaats Tür und Tor — die Italien übrigens mit allen anderen Nationalstaaten gemein hat.

Ein Stillstand im Bildungsapparat, bei der Weiterentwicklung und Änderung des Unterrichts wird die Zukunftschancen der Südtiroler Jugendlichen zerstören.

Vieles kann man dem Südtiroler Bildungswesen vorwerfen, nur keinen Stillstand. Vielmehr wird — auch und gerade bei der Sprachvermittlung — ständig herumexperimentiert und angepasst, mitunter ziemlich leichtfertig und ohne die wünschenswerte Sorgfalt.

Um ein guter Südtiroler zu sein, braucht man niemanden zu verachten.

Diesem Satz ist zuzustimmen — doch ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass das derzeitige Schulsystem irgendetwas mit der Verachtung anderer zu tun hat.

Wir setzen uns klar für einen mehrsprachigen Unterricht an Südtiroler Schulen ein. Die geeigneten Methoden dafür, die optimale Didaktik, die Qualifizierung des Lehrpersonals müssen von Politikern und Schulämtern gemeinsam mit Forschungsinstitutionen erarbeitet und eingeführt werden. Das sind ihre Aufgaben in der neuen, modernen Schulpolitik, die wir einfordern.

Wenn ich das — im Kontext mit dem ersten Absatz — richtig verstehe, sollen Politiker und Schulämter »Befehlsempfänger« von Forschungsinstitutionen sein. Forderungen (zum Beispiel die nach mehrsprachigem Unterricht) kann man in einer Demokratie natürlich jederzeit erheben, wer die Politik jedoch der Wissenschaft unterordnen will, ist auf dem Weg in die Technokratie.

Spätestens dann stellt sich außerdem die Frage: Welche Wissenschaft? Kaum eine Meinung — auch nicht jene zur Sprachvermittlung — ist in der Wissenschaft unumstritten.

Es gibt Kinder auch aus Nicht-EU-Ländern, diese lernen ihre Muttersprache familienintern, in der Schule lernen sie Deutsch, Italienisch und Englisch, und auf dem Schulhof oder im Umgang mit uns Einheimischen auch noch den Dialekt.

Interessant: Die Südtiroler Schülerinnen werden angeblich nicht in die Lage versetzt, eine zweite Sprache ausreichend zu lernen, während Zuwandererkinder neben ihrer Muttersprache — an denselben Schulen — drei Sprachen und (mindestens) einen Dialekt lernen? Wenn das bloß kein Widerspruch ist, in den sich Rouimi und Ebensberger verstrickt haben, um das nächste Argument einzuführen:

Bis heute ist kein Fall bekannt, bei dem ein Jugendlicher durch diesen Sprachenmix und -austausch Schaden genommen hätte. Doch die Botschaft des Austausches ist in den Köpfen vieler Südtirolerinnen und Südtiroler noch nicht zur Gänze angekommen. So zum Beispiel in der deutschen Schule. Sie will deutsch bleiben. Ist dies zukunftsweisend?

Meines Wissens kann etwa CLIL sehr wohl negativen Einfluss auf den Erwerb von Fachwissen haben, wenn gewisse Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Auch nach den »modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen«. Dies auszublenden bringt weder BefürworterInnen noch Gegnerinnen etwas.

Doch noch grundsätzlicher: Hier wird so getan, als wäre die deutschsprachige Schule monolingual und als widersetze sie sich der Vermittlung anderer Sprachen. Wahr ist hingegen, dass wir es in Südtirol mit einem funktionierenden, leistungsfähigen, inklusiven und anderen Sprachen gegenüber offenen Schulsystem zu tun haben und dass es in (fast) allen einschlägigen Diskussionen um das wie und nicht um das ob des Spracherwerbs geht.

Wer sich nicht anpasst, wer nicht im Fluss der Entwicklungen bleibt und stattdessen auf unveränderbaren Traditionen beharrt, stirbt.

Ziemlich apokalyptisch, was uns da aufgetischt wird.

Unsere Vision ist es, dass Südtirol im internationalen Vergleich der Mehrsprachigkeit nicht zurückbleibt, sondern seine idealen Grundvoraussetzungen für das Erlernen einer Zweit- und Drittsprache erkennt und damit Vorteile für Südtiroler Schülerinnen und Schüler ausschöpft, denn ohne gut ausgebildete Jugend hat das Land keine Zukunft.

Das sind edle Gründe, doch man sollte im Anpassungsdrang — wie eingangs erwähnt — nicht die gesamtgesellschaftliche Komponente außer Acht lassen. Und die fehlt auch in diesem Aufruf wieder vollständig: Außer an bestmöglichem Spracherwerb, den in Südtirol fast niemand mehr in Frage stellt, sollten wir uns auch an einer nachhaltigen Entwicklung orientieren, die nicht nur die jetzige Jugend, sondern die Gesellschaft als Ganzes im Blick hat.

Warum wird Immersion in Ländern wie Kanada (wo sie erfunden wurde) und Finnland nur sehr selten in der staatlichen Mehrheitssprache angeboten — auch dort, wo (wie in Québec) die Minderheitensprache regional in einer Mehrheitssituation ist? Nur Zufall oder hat das gute Gründe? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht… wissen es Rouimi und Ebensberger?

Siehe auch:

Bildung Democrazia Kohäsion+Inklusion Medien Minderheitenschutz Mitbestimmung Nationalismus Plurilinguismo Politik Scola Wissenschaft | CLIL/Immersion Zitać | | ff | Südtirol/o | | Deutsch

11 replies on “Antwort an den Landesbeirat der Schülerinnen.”

Ihr könntet bei der FF angefragen, ob die Eure Antwort nicht auch abdrucken.
Im Sinne des Meinungspluralismus…

Wollte genau dasselbe (einmal mehr) anregen. Die Aussagen der beiden kann man nur mit jugendlicher Besserwisserei wenn nicht Naivität entschuldigen.
Auf alle Punkte wird jedenfalls schlüssig geantwortet, was veröffentlicht gehört, denn derart unqualifizierte Äußerungen können nicht so stehen gelassen werden.

Diese glänzende Replik unbedingt der ff anbieten. Sollte abgelehnt werden setzt sich das Blatt selbst dem Verdacht aus in dieser Angelegenheit einen schon beinahe fundamentalistischen Missionierungseifer an den Tag zu legen.

wäre sicher gut. wobei sie einen kommentierten artikel bestimmt nicht veröffentlichen. man müsste ihn wohl umschreiben, damit er alleine stehen kann.

Genau, aber vorher statt “SchülervertreterInnen” noch “SchülerInnenvertreterInnen” schreiben.
Wir wollen ja nicht, dass einerInnen glauben mag, wir seien nicht unendlich links.

Ich verstehe nicht, wie man diese Replik derart, wie hier in den Kommentaren geschehen hypen kann. Auf BBD fand man auch mal mehr Meinungspluralismus.

Ich werde dann mal meiner Aufgabe gerecht:

Ich glaube, das ist es, was wir »Demokratie« und »Mitbestimmung« nennen.

Es ist also dMn Demokratie, wenn “Politiker, Parteien, Vereine und Verbände mit ihren oft persönlichen und populistischen Meinungen Einfluss auf die schulische Ausbildung nehmen?”? Im Ernst? Nach deiner Logik ist Lobbyismus auch Demokratie.

Ich sage: Demokratie ist, wenn diese Stimmen eine gleiche Gewichtung erfahren. Das tun sie aber nicht. Und genau so kann man diesen Absatz auch verstehen. Ich erinnere daran, dass im Zuge der 5-Tage Woche eine Ferienwoche dazu kam, die wir wohl dem HGV zu verdanken haben. Kasslatter Mur wr es nicht mal zu blöd, das öffentlich als PRO-Argument für die Schulreform zu verkaufen. Sicher durften da alle gleichberechtigt mitentscheiden.

Es stimmt nicht, dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auswärtiger SprachwissenschaftlerInnen in eine Richtung weisen.

Du ignorierst das was nach dem Doppelpunkt kommt. Dort steht: “Mehrsprachigkeit fördert kognitive sowie soziale Fähigkeiten und vereinfacht Austausch und Toleranz.”

Dann zeig mir mal eine Studie, die zum Schluss kommt, dass Mehrsprachigkeit NICHT kognitive sowie soziale Fähigkeiten fördert und Austausch NICHT vereinfacht und Toleranz NICHT fördert. Das sind so offensichtliche Erkenntnisse, dass du es sehr schwer haben wirst auch nur eine Studie zu finden, die das wiederlegt. Viel Spaß bei der Suche!

[…] einschlägige Studien (Eurac, Pisa-Test) konnten aber bislang keine gröberen Mängel feststellen.

Die testen auch nur die allgemeine Sprachkompetenz. Nicht, in wie weit man Dialekt und Hochsprache vermengt, oder ob man Grammatikfehler aufgrund eines “Dialekt-Backgrounds” macht. Deshalb lässt sich damit die Aussage der Schülervertreter nicht widerlegen.

Vieles kann man dem Südtiroler Bildungswesen vorwerfen, nur keinen Stillstand. Vielmehr wird — auch und gerade bei der Sprachvermittlung — ständig herumexperimentiert und angepasst, mitunter ziemlich leichtfertig und ohne die wünschenswerte Sorgfalt.

Die Schülerverter sagen das selbe wie du: wenn man nämlich keine Richtung hat, ständig vor und zurückrudert kann das durchaus auch Stillstand sein. Das Schulsystem ist vor lauter Reformen gelähmt.

[…] wer die Politik jedoch der Wissenschaft unterordnen will, ist auf dem Weg in die Technokratie.

Und wer die Wissenschaft der Politik unterordnen will ist auf dem Weg eine Dummheit zu begehen, oder gar in eine Diktatur.

Kaum eine Meinung — auch nicht jene zur Sprachvermittlung — ist in der Wissenschaft unumstritten.

Ach komm. Dann leg mal los. Für jede umstrittene wissenschaftliche Meinung nenn ich dir eine wissenschaftlich unumstrittene Definition. Da können wir lange schreiben und ich werde gewinnen. Ich fang an:
– Die Erde dreht sich um die Sonne.
– reines Wasser ist eine chemische Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff
– Kongruenz, Winkelsätze (Geometrie)
– Furier-Transformation
– Eine Oktav entspricht einer Schwingungsverdopplung
– …

Hier wird so getan, als wäre die deutschsprachige Schule monolingual und als widersetze sie sich der Vermittlung anderer Sprachen.

Wo denn? Es wird so getan, als sei der Diskurs über deutschsprachige Schule in der Öffentlichkeit viel zu protektionistisch angehaucht.

wissen es Rouimi und Ebensberger?

Und vor allem müssen sie das wissen?

Nach deiner Logik ist Lobbyismus auch Demokratie.

Für meine Begriffe gehört auch (transparenter) Lobbyismus zur Demokratie, ja. Auch wir, auch die SchülervertreterInnen betreiben Lobbyismus. Wichtig ist, dass dann die Politik nach demokratischen Grundsätzen entscheidet, ohne sich als Befehlsempfängerin von »Experten« zu betrachten.

[…] einschlägige Studien (Eurac, Pisa-Test) konnten aber bislang keine gröberen Mängel feststellen.

Die testen auch nur die allgemeine Sprachkompetenz. Nicht, in wie weit man Dialekt und Hochsprache vermengt, oder ob man Grammatikfehler aufgrund eines ”Dialekt-Backgrounds” macht. Deshalb lässt sich damit die Aussage der Schülervertreter nicht widerlegen.

Doch, die Aussage der SchülervertreterInnen, dass wir nur eine Sprache gut beherrschen, nämlich den Dialekt, lässt sich dadurch entkräften.

Die Schülerverter sagen das selbe wie du: wenn man nämlich keine Richtung hat, ständig vor und zurückrudert kann das durchaus auch Stillstand sein. Das Schulsystem ist vor lauter Reformen gelähmt.

Ich glaube zwar nicht, dass die SchülervertreterInnen dasselbe sagen, wie ich. Wenn aber doch, dann sind wir uns ja eh einig.

Und wer die Wissenschaft der Politik unterordnen will ist auf dem Weg eine Dummheit zu begehen, oder gar in eine Diktatur.

Die Wissenschaft soll nicht der Politik untergeordnet werden. Aber wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in Gesetze einfließen sollen, kann die Politik sich nicht einfach zur Befehlsempfängerin machen. Sie muss abwägen und — ja — demokratisch entscheiden.

Kaum eine Meinung — auch nicht jene zur Sprachvermittlung — ist in der Wissenschaft unumstritten.

Ach komm. Dann leg mal los. Für jede umstrittene wissenschaftliche Meinung nenn ich dir eine wissenschaftlich unumstrittene Definition.

Ach komm, dir ist der Unterschied zwischen Meinung und Definition wohl bekannt? Außerdem geht es hier um Sozialwissenschaften und nicht um Mathematik oder Physik. Hätte ich spezifizieren sollen, erschließt sich aber eigentlich von selbst.

Hier wird so getan, als wäre die deutschsprachige Schule monolingual und als widersetze sie sich der Vermittlung anderer Sprachen.

Wo denn? Es wird so getan, als sei der Diskurs über deutschsprachige Schule in der Öffentlichkeit viel zu protektionistisch angehaucht.

Wenn im Beitrag des Beirats steht, die deutsche Schule wolle »deutsch bleiben«, wird meiner Ansicht nach sehr wohl unterstellt, als wäre sie heute monolingual.

wissen es Rouimi und Ebensberger?

Und vor allem müssen sie das wissen?

Nein, müssen sie nicht. Aber es ist ein Thema, mit dem wir uns in Südtirol alle befassen sollten.

Was ich (bewusst) ausgelassen habe:

Es stimmt nicht, dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auswärtiger SprachwissenschaftlerInnen in eine Richtung weisen.

Du ignorierst das was nach dem Doppelpunkt kommt. Dort steht: ”Mehrsprachigkeit fördert kognitive sowie soziale Fähigkeiten und vereinfacht Austausch und Toleranz.”

Hier möchte ich nicht widersprechen. Ich habe die Aussage wohl fälschlicherweise auf die »mehrsprachige Schule« bezogen, als ich festgestellt habe, dass sich nicht alle SprachwissenschaftlerInnen einig sind. Mea culpa.

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