»Bildung und Schule«.
Positionspapier zum thematischen Workshop im Südtirolkonvent

Wir veröffentlichen hiermit unser Positionspapier (PDF) zum unlängst im Rahmen des Autonomiekonvents stattgefundenen Workshop (»Bildung und Schule«):

Bildungspolitische Entscheidungen sind von großer kollektiver Tragweite, da sie nicht bloß die reine Wissensvermittlung an junge Menschen betreffen, sondern auch langfristige gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben. Zusammen mit dem Gesundheitswesen ist der Bildungssektor der wohl zukunftsträchtigste Bereich politischen Handelns.

Leider beobachten wir in Südtirol, dass bildungspolitische Fragen erschreckend hemdsärmelig angegangen werden. Entscheidungsgrundlagen bilden nicht selten Bauchgefühle, (unwahre) Gerüchte [1] [2] [3] [4] [5] [6] und nicht repräsentative Umfragen [7] [8]. Den Bauchgefühlen und Gerüchten werden zu allem Überfluss dann auch noch regelmäßig ideologische Mäntelchen übergestülpt, welche gewisse Methoden und Sichtweisen als progressiv und andere als rückwärtsgewandt stigmatisieren – völlig unabhängig davon, was sie tatsächlich leisten. Das sind keine guten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Bildungs- und Schulpolitik.

Die Voraussetzung, um Bildungspolitik im Allgemeinen und den für das Autonomiestatut relevanten Sprachunterricht im Speziellen professionell betreiben zu können, sind wissenschaftliche Erkenntnisse aufgrund belastbarer Daten über Sprachkenntnisse und Sprachentwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg. Es ist nur schwer begreiflich, dass wir in Südtirol erst 2004 mit dem ersten so genannten „Sprachbarometer“ des ASTAT annähernd eine solche Grundlage geschaffen haben. Abgesehen vom Sprachbarometer, das lediglich alle zehn Jahre durchgeführt wird, steht uns nur die Kolipsi-Studie der EURAC, die die Zweitsprachkompetenzen der Südtiroler Schüler der Sekundarstufe II untersucht, zur Verfügung. Das Sprachbarometer wiederum basiert auf Selbsteinschätzung. Daten, die auf standardisierten Sprachtests fußen und die Sprachentwicklung der Bevölkerung laufend dokumentieren gibt es für Südtirol nicht. Für ein mehrsprachiges Gebiet ein bedauernswerter Zustand [9]. Da wir vor 40 Jahren nicht mit solchen Erhebungen begonnen haben und uns somit heute kein aussagekräftiges Zahlenmaterial [10] [11] [12] [13] vorliegt, sollten wir wenigstens jetzt damit beginnen, diese Dinge zu erheben.

Zumindest liefern uns die Sprachbarometer von 2004 und 2014 sowie die Kolipsi-Studie [14] [15] [16] [17] [18] [19] einige Anhaltspunkte, was die sprachliche Situation im Lande betrifft.

  1. Der Großteil der Südtiroler (aller Muttersprachen) sieht Italienisch als wichtigste Sprache in Südtirol an.
  2. Die deutschsprachigen Südtiroler beherrschen Italienisch wesentlich besser als die Italienischsprachigen Deutsch.
  3. Schüler in den deutschen Oberschulen beherrschen Italienisch besser als ihre italienischen Kolleginnen und Kollegen Deutsch.
  4. Die Sprachkenntnisse der Südtiroler (aller Muttersprachen) was die jeweils zweite bzw. dritte Landessprache betrifft, haben sich in den vergangenen 10 Jahren merklich verbessert.
  5. Gleichzeitig hat sich die Situation in der öffentlichen Verwaltung, die untrennbar mit dem mehrsprachigen Selbstverständnis unseres Landes verbunden ist, teilweise drastisch verschlechtert (Gesundheitswesen, Sicherheitskräfte …).

Wenn wir dann auf Basis dieser Erkenntnisse bildungspolitische Entscheidungen treffen, muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die eingeschlagenen Wege laufend und professionell evaluiert werden. Zum einen um zu verstehen, ob sie überhaupt Wirkung zeigen und zum anderen, welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen die schulpolitischen Entscheidungen zeitigen [20].

Beispielsweise hat die Evaluierung der CLIL-Experimente an deutschen Schulen zwar gezeigt, dass Eltern und Schüler mit CLIL zufrieden sind, aber auch, dass sich die Leistung der CLIL-Klassen in Italienisch sogar verschlechtert hat [21]. Was auch immer die Gründe dafür sind, der Evaluationsbericht ist diesbezüglich wenig aussagekräftig, da keine Vergleichsgruppe (Klasse ohne CLIL) evaluiert wurde. Von der Politik kommuniziert wurde übrigens nur die Zufriedenheit der Eltern und dass man aufgrund dessen das Projekt ausweiten wolle. Dass sich die Leistungen der Schüler zumindest in Italienisch verschlechtert haben, wurde geflissentlich ignoriert. Und obwohl italienische Schulen schon seit geraumer Zeit mit CLIL experimentieren, gibt es außer der Kolipsi-Studie keine Vergleichsdaten über den Erfolg der Projekte. Kolipsi wiederum bestätigt, dass die Zweitsprache an deutschen Schulen nach wie vor besser gelernt wird. Auch der allzu frühen Konfrontation der Kinder mit der Zweitsprache (es sei denn, es passiert in einem zweisprachigen familiären Umfeld), erteilen Expertinnen der Universität Bozen wie Prof. Dr. Rita Franceschini und Univ. Prof. Dr. Annemarie Saxalber eine Absage.

Überdies kann man das Bildungssystem nicht losgelöst von den Rahmenbedingungen sehen. Ein weiterer Aspekt, den wir bezüglich Sprachunterrichts daher beachten müssen, ist die besondere Situation Südtirols innerhalb eines Nationalstaates. Das ist nicht mit – beispielsweise – einem Englisch-CLIL-Projekt in Deutschland zu vergleichen. Die italienische Sprache ist sowohl nach Einschätzung der Südtiroler als auch de facto die „stärkere“ Sprache in Südtirol. Die sprachliche Gleichstellung ist auch nach über 40 Jahren Autonomiestatut nicht erreicht. Im Konsumentenschutz (Etikettierung, Medikamente, Formulare, Verträge usw.) zählt nur die italienische Sprache, vor Gericht, bei den Carabinieri, der Post usw. ist Deutsch maximal geduldet – jedoch nicht absolut gleichgestellt. Wie stark die Strahlkraft der „Nationalsprache“ in einem Nationalstaat ist, zeigt die als dreisprachige Universität gestartete Freie Universität Bozen, an der das deutschsprachige Kursangebot in vielen Bereichen stark unterrepräsentiert ist [22] [23] [24].

Wir denken, dass es unser aller Ziel ist, die sprachliche Vielfalt im Land zu erhalten und gleichzeitig die Sprachkenntnisse aller Südtirolerinnen und Südtiroler – inklusive unserer neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger – zu verbessern.

Auf Basis obiger belegter und objektiver Erkenntnisse erbringen wir folgende Vorschläge zur Autonomiereform:

  1. Das Land braucht – als Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte – die primäre und alleinige Zuständigkeit für das Bildungswesen (inkl. Hochschule), um eine Politik betreiben zu können, die unserer mehrsprachigen Realität gerecht wird.
  2. Der ominöse Artikel 19 des Autonomiestatus ist schwerfällig und komplex, da er mehrere sprachpolitische Sachverhalte gleichzeitig regelt. Ihn völlig unverändert zu lassen, würde den Handlungsspielraum Südtirols in Sachen Bildungspolitik für die kommenden Jahrzehnte lähmen. Gesetzt den Fall, dass Südtirol die primäre und alleinige Zuständigkeit für das Bildungswesen innehat, wäre es nicht notwendig ein konkretes Schulmodell in ein Gesetz mit Verfassungsrang aufzunehmen. Dies vor allem auch deshalb, da man den Sprachunterricht nicht in allen Schulstufen von der Grundschule bis zur Oberschule über einen Kamm scheren kann. Sobald mutter- und fremdsprachliche Kenntnisse weitgehend gefestigt sind, würde eine allzu starre Regelung den bildungspolitischen sowie pädagogisch-didaktischen Handlungsspielraum unnötig stark einengen. Stattdessen sollten zwei Prämissen gelten:
    • Alle Südtirolerinnen und Südtiroler haben das Recht auf muttersprachlichen Unterricht, wobei das Ausmaß durch Landesgesetze geregelt wird.
    • Die sprachliche Vielfalt im Land (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) muss gewahrt bleiben. Daher wird die Sprachsituation laufend wissenschaftlich erhoben und evaluiert. Bei statistisch relevanten Veränderungen zu Ungunsten einer der beiden Minderheitensprachen müssen entsprechende sprach- und bildungspolitische Maßnahmen getroffen werden, um der Entwicklung entgegenzusteuern.
  3. Vorausgeschickt, dass es bei der derzeitigen Sprachunterrichtspraxis großes Optimierungspotential gäbe, ist die Beibehaltung des Muttersprachenprinzips (Unterricht in der Muttersprache nach Art. 19), solange wir in einen Nationalstaat eingebettet sind, die „sicherste“ Variante für den Erhalt der sprachlichen und kulturellen Vielfalt, obgleich sie einer Homogenisierung der Südtiroler Gesellschaft und Identität entgegenwirkt. Wenn allerdings die Rahmenbedingungen stimmen (primäre Zuständigkeit im Bildungswesen beim Land, laufende Evaluation der Ergebnisse und Beobachtung des gesamtgesellschaftlichen Sprachgebrauchs) kann auch ein asymmetrisches Immersionsmodell nach dem Vorbild Kataloniens (gemeinsame Schule mit 70 Prozent des Unterrichts auf Katalanisch und 30 Prozent auf Kastilisch) zielführend sein. Das geeignete Prozentverhältnis für Südtirol müsste freilich gesondert ermittelt werden. Eine asymmetrische Gewichtung zugunsten des Deutschen (Stichwort: positive Diskriminierung) als Unterrichtssprache würde den nationalen Druck etwas ausgleichen und sicherstellen, dass der Gebrauch der Minderheitensprache gegenüber der „Lingua Franca“ Italienisch abgesichert wird, dass die Südtiroler italienischer Muttersprache besser Deutsch lernen und dass die Südtiroler deutscher Muttersprache ebenfalls stärker mit dem Italienischen konfrontiert werden. Zudem könnte man andenken, in Bozen, Leifers, Pfatten, Branzoll und Salurn noch mehr zugunsten des Deutschen zu verschieben, während in den ländlichen, großmehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden die Asymmetrie etwas in Richtung Italienisch gedreht werden könnte.
  4. Die Regelung, dass Sprachunterricht laut Artikel 19 nur von Muttersprachlern erteilt werden darf, ist innerhalb des derzeitigen Systems widersinnig. Entscheidend für das Erlernen der jeweils zweiten Landessprache ist die fremdsprachendidaktische Ausbildung der Lehrkräfte. Sie sollte Vorrang haben gegenüber dem Muttersprachenprinzip – zumindest bis eine elementare Sprachkompetenz erreicht ist. Der derzeitige Zweitsprachenunterricht ist ähnlich dem Muttersprachenunterricht konzipiert und die Lehrkräfte sind auch dahingehend ausgebildet. Er basiert auf Grammatik und Schriftlichkeit. Die für den Spracherwerb entscheidende systematische Wortschatzarbeit kommt zu kurz. Schüler können mitunter sämtliche irregulären Formen des passato remoto aufsagen, aber kaum eine Alltagssituation sprachlich meistern. In den höheren Schulstufen ist das Muttersprachenprinzip (Lehrkraft unterrichtet ihre Muttersprache) sinnvoll. Wenngleich nicht-muttersprachliche Lehrpersonen bezüglich Verständnis für den Spracherwerb vor allem zu Beginn durchaus im Vorteil sein können.
  5. Ladinischunterricht wird im Ausmaß von zwei Wochenstunden für mindestens vier Schulstufen in ganz Südtirol verpflichtend eingeführt.
  6. Stärkung der ladinischen Sprache innerhalb der „paritätischen Schule“ in den ladinischen Tälern, indem neben dem reinen Sprachunterricht, Ladinisch nach einem zu ermittelnden Schlüssel auch erheblicher Teil des paritätischen Modells wird.

Zusätzlich bedarf es aber eines grundsätzlichen Umdenkens sowie einiger weiterer Reformen im Bildungswesen. Die großangelegte Hattie-Studie kann dabei als Impulsgeber dienen. Der gängigen Praxis, unter Bildungsreformen fast ausschließlich „Strukturreformen“ zu verstehen, die nicht selten mit einem „Methodendogmatismus“ einhergehen, erteilt Hattie eine Absage. Die weit größeren Auswirkungen auf den Lernfortschritt haben hingegen selbstreflexive Lehr- und feedbackorientierte Lernstrategien. Weit bedeutender für den Lernerfolg als strukturelle Eingriffe sind demnach kommunikative Aspekte wie das Lehrer-Schüler-Verhältnis, die formative Rückmeldung und der strukturierte Unterricht mit angepasstem Methodenmix.

  1. Das Verbesserungspotential des derzeitigen Sprachunterrichts ist noch lange nicht ausgeschöpft und sollte vor allem im Hinblick auf die Hattie-Studie Vorrang vor Strukturreformen und methodischen Allheilmitteln haben, die in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin regelmäßig auf den Kopf gestellt wurden.
  2. Selbstreflexive Lehr- und feedbackorientierte Lernstrategien sind – anders als strukturelle Eingriffe – sehr stark von den Fähigkeiten der Lehrpersonen abhängig. Damit sich wieder die besten Köpfe vor eine Schulklasse stellen, braucht der Lehrerberuf einen Imagewandel. Sätze wie: „Ich weiß noch nicht, was ich einmal mache; inzwischen gehe ich halt unterrichten“ müssen ein für alle Mal der Vergangenheit angehören, denn sie bedienen einen Teufelskreis, was die gesellschaftliche Wertschätzung des Lehrerberufs angeht. Letztere ist jedoch entscheidend und sollte sich auch monetär ausdrücken. Denn nichts kommt uns langfristig teurer als schlechte (billige) Lehrer.
  3. Die Lehrerausbildung und Lehrbefähigung muss professioneller und praxisnaher werden. Es ist widersinnig, wenn beispielsweise diplomierte Anglisten für die Lehrbefähigung in Englisch lang und breit über eine Literaturliste und kaum zu didaktischen Fragen geprüft werden.
  4. Schulversuche müssen – anders als in der Vergangenheit – professionell durchgeführt werden:
    • Datenbasis schaffen und Bedarfserhebung machen
    • geeignete Lehrpersonen ausbilden
    • Umsetzung in Versuchsgruppen mit Evaluation über einen längeren Zeitraum (mehr als ein Schuljahr) mit Hilfe von Vergleichsgruppen
    • flächendeckende Ausbildung der Lehrpersonen
    • flächendeckende Umsetzung mit wissenschaftlicher Begleitung und fortlaufender Beobachtung über einige Jahre

    Bei der Einführung von Englisch in der Grundschule beispielsweise wurde erst im Nachhinein mit der entsprechenden Ausbildung der Lehrkräfte begonnen.

  5. Italien hat im europäischen Vergleich sehr viele Schulstunden. Diese sind zusätzlich noch auf einen vergleichsweise kurzen Schulkalender verteilt. Diese Dichte ist von einem pädagogisch-didaktischen Standpunkt aus gesehen kontraproduktiv für den Lernerfolg. Die einzelnen Schultage wie auch die Sommerferien sind zu lang. Die Stundenzahl muss reduziert und das Schuljahr gestreckt werden. Zwei Monate Sommerferien sind mehr als ausreichend.
  6. Es bedarf einer Entbürokratisierung des Lehrerberufs, damit den Lehrkräften wieder vermehrt Zeit für ihre eigentliche Aufgabe bleibt.

6 Pingbacks/Trackbacks

  • @schierhangl

    Ein Text mit guten Argumenten in allen wesentlichen Bereichen, zeigt er doch neben Kritik endlich auch äusserst interessante Alternativen auf. Besonders hervorheben möchte ich:
    – assymetrischer Immersionsunterricht mit unterschiedlicher Gewichtung in den Gemeinden
    – Ladinischunterricht
    – Reformen im Bereich des Lehrerberufs und dessen Ausbildung
    – Aufgeben des Prinzips der Muttersprachlichkeit der Lehrperson zugunsten didaktischen Fähigkeiten

    Krtikpunkte:
    Als Alternative für Ladinischunterricht in 4 Schulstufen zu je 2 Stunden möchte ich meinerseits vorschlagen:
    – gemeinsamer Englisch-Sprachunterricht verschiedener Sprachgruppen oder auch verschiedener Schultypen
    – Förderung von Austausch ladinischer Schüler und Lehrlinge mit Trentino, Belluno, Graubünden
    Die Schule ist Teil eines Systems zur Bildung einer Paralellgesellschaft. Die Überwindung dieser ist wichtiger als die Details von Unterrichtsformen. Gemeinsame Schulstunden könnten einen schrittweisen Ausweg aus dieser nationalistischen Sackgasse bieten ganz nach dem Vorbild der Gesamtschulde die Südtirol dem italienischem Schulsystem zu verdanken hat. Aus dem gesamten politischen und fachlichem Spektrum stellt diese niemand in Frage.

    Berufsmatura:
    Erweiterung der Möglichkeit einer Berufsmatura auf alle Lehrberufe, Förderungen für Austauschprogramme Lehrlinge

    • bzler

      Warum stehen die zwei Vorschläge alternativ und nicht zusätzlich zum Ladinischunterricht im Raum? Mir jedenfalls hätten ein paar Stunden Ladinisch nicht geschadet.

      Das mit dem Schüleraustausch macht ein grundsätzliches Problem der heutigen Autonomie und auch des Konvents offensichtlich: jegliche Gestaltungsform, die über die Landesgrenzen hinausgeht, ist nur schwerlichst diskutierbar. Die F100 hätten es in der Hand aus dieser Selbsteinschränkung auszubrechen.

  • @schierhangl

    Mit Euregio und Regionalrat existieren bereits Strukturen, die eine Gestaltungsform, die über die Landesgrenzen hinausgeht zulassen könnten. Eine Zuteilung von Kompetenzen, wie z.B. Schüleraustausch, universitäre Förderungen, Grenzgemeindefonds könnten eine Lösung darstellen…..

    • Liberté

      Wenn es so was nicht schon geben würde…

  • Falscher Vinschger

    Landesweiter Ladinischunterricht? Ich weiß nicht, was das im Vinschgau bringen soll? Im Obervinschgau wäre Bündnerromanisch jedenfalls wesentlich sinnvoller.
    Aber in den Gemeinden in der Nähe des Ladinischen Siedlungsraumes wäre Ladinischunterricht für alle dringend notwendig. Im restlichen Land müsste man es als Wahlfach anbieten; besonders für die Ladiner außerhalb Ladiniens.

    • Liberté

      Was soll der Quatsch… Manchmal frage ich mich ob Personen nachdenken bevor sie fordern.

      Ich halte Landesweiten italienisch Unterricht schon für unnötig, man sollte besser die Stunden in Englisch, evt. noch Spanisch/Französisch, aber auf jeden Fall Informatik/Mathematik/Sozialwissenschaftlichen Unterricht stecken. Was wäre denn der Mehrwert wenn mehr Menschen Ladinisch können? Die Schule dient dazu ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, nicht mehr, nicht weniger.

      • hunter

        Lieber Liberté,

        ich habe sehr viel nachgedacht, bevor ich das geschrieben habe. Ich sage das selten, aber ich glaube behaupten zu können, dass ich von Schule, Didaktik (Lehr- und Lernstrategie, Lehr- und Lernerfolg) und Pädagogik wesentlich mehr Ahnung habe als du, zumal dieses Feld auch mein Beruf ist. Ich versuche jetzt meinen Standpunkt zwar mit einer gewissen wissenschaftlichen und begrifflichen Unschärfe aber dafür hoffentlich verständlich darzulegen.

        In der Schule geht es meiner Meinung nach darum, in einem humboldschen Sinne das Lernen zu lernen. Selbstreflexion und formatives Feedback gehören ja nicht von ungefähr auch in der Hattie-Studie zu den maßgeblichen Faktoren für den Lernerfolg.

        Des weiteren weigere ich mich, Bildung ständig verzwecken zu müssen. Verzweckung ist Ausbildung. Und Schule ist keine Ausbildung. Die ist meiner Meinung nach dem tertiären Bildungsektor vorbehalten.

        Bezeichnend für diese Verzweckung ist der Tweet einer 17-jährigen, der vor einiger Zeit für Furore sorgte. (Ähnlich wie Seneca mit seinem “non vitae, sed scholae discismus” vor 2000 Jahren).

        Ich glaube jedoch, dass es in der Schule von heute zusätzlich zum essentiellen Orientierungswissen mehr denn je um Fähigkeiten und Kreativität statt Fertigkeiten und Fakten geht. Selbst von einem “verzweckten”, ökonomischen Standpunkt aus betrachtet, brauchen wir fähige und nicht fertige Menschen. Kreativität (im Denken) ist eine wirtschaftliche Schlüsselkompetenz. Jeder Hirnforscher wird dir bestätigen, dass gerade – oft als sinnlos – empfundene Nebenfächer wie Schauspiel, Musik usw. enorme diesbezügliche Potenziale in unseren Köpfen freisetzen und gleichzeitig dem Wissensbereich die nötige Zeit geben, sich zu setzen und zu regenerieren.

        Vier der sieben Berufe, die ich in meinem Leben ausgeübt habe, hat es nicht gegeben, als ich zur Schule gegangen bin. 90 Prozent der Inhalte, die ich im Informatikunterricht gelernt habe sind heute obsolet. Lediglich ein gewisses Grundlagenwissen ist gleich geblieben. 90 Prozent der Inhalte, die ich in Mathe gemacht habe, brauche ich mein ganzes Leben nicht mehr. Auch hätte ich nicht die geringste Chance heute meine Mathe-Matura zu bestehen. Hier zwei meiner Fragen von 1994:

        Wahrscheinlichkeitsrechung

        In den USA wird häufig das Glücksspiel „CHUCK-A-LUCK“ gespielt. Der Spieler setzt einen Dollar und darf mit drei Würfeln einen Wurf machen. Zeigt ein Würfel eine „Sechs“, so erhält er zwei Dollar, zeigen zwei Würfel eine „Sechs“, so erhält er drei Dollar und zeigen alle drei Würfel eine „Sechs“, so erhält er vier Dollar von der Spielbank.

        1. Berechne den Erwartungswert des Gewinnes (Verlustes), wenn 100mal gespielt wird!

        2. Ein Beobachter stellt fest, dass unter 40 Spielen nur 10mal der Spieler gewonnen hat. Geht dies mit rechten Dingen zu?
        Kann mit 1 %-iger Irrtumswahrscheinlichkeit angenommen werden, dass an den Würfeln derart manipuliert worden ist, dass die „Sechs“ mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit als 1/6 kommt?

        Volumsintegralrechnung

        Gegeben ist die Ellipse mit a = 2 m und b = 3 m.

        Ellipsengleichung:
        x2/a2 + y2/b2 = 1

        Indem man die Ellipse oben und unten 0,5 m vom Rand (bzw. 2,5 m vom Mittelpunkt) entfernt abschneidet, entsteht bei Rotation um die y-Achse ein Fass.

        1. Berechne das Volumen dieses Fasses in m3.

        2. Wie hoch steht die Flüssigkeit in diesem Fass vom Boden aus gerechnet, wenn die Füllmenge nur 35 m3 beträgt?

        Selbst mit Aufgaben aus der 3. Mittelschule hätten die meisten von uns wohl so ihre Schwierigkeiten:

        1. Fünf Punkte liegen auf einer Geraden. Alex misst alle Abstände jedes möglichen Punktepaares. Er erhält in aufsteigender Ordnung 2, 5, 6, 8, 9, k, 15, 17, 20 und 22.
        Welchen Wert hat k?
        (A) 10 (B) 11 (C) 12 (D) 13 (E) 14

        2. Von Erichs siebenstelliger Telefonnummer habe ich 6 Ziffern in der richtigen Reihenfolge notiert. Ich weiß nicht, welche Ziffer ich vergessen habe und wo sie fehlt.
        Wie viele Telefonnummern muss ich höchstens ausprobieren, um sicher zu sein, die richtige Telefonnummer verwendet zu haben? (Beachte: Die vorderste Ziffer könnte auch 0 sein!)
        (A) 55 (B) 60 (C) 64 (D) 70 (E) 80

        Dennoch waren all die Stunden, die ich in diesen Fächern verbracht habe, nicht umsonst. Denn über den Fachinhalt (Fertigkeiten) wurden mir Fähigkeiten vermittelt (logisches und analytisches Denken, Genauigkeit, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz, systematisches Vorgehen usw.). Diese Fähigkeiten/Kompetenzen sind adaptierbar, flexibel anwendbar. Das sind die Attribute, die mir ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Auch kann ich mir sich ständig verändernden Fachinhalt damit leicht aneignen.

        Die Stundenanzahl für Englisch und Mathe ist völlig ausreichend. Wenn wir es in diesen Stunden nicht schaffen, das verlangte Wissen zu vermitteln, wird es auch nicht helfen, wenn wir 1000 Stunden mehr machen. Das ist das Missverständnis, dem viele im Land aufsitzen, wenn sie – was du ja nicht tust, da du es grundsätzlich nicht für sinnvoll erachtest – mehr Italienisch fordern. In den Stunden, die vorgesehen sind, kann man Italienisch hervorragend lernen. Wenn das nicht gelingt muss die Devise heißen: “Give the children different rather than more” anstatt sie auch noch in die Nachhilfe zu schicken.

        Wir haben bereits festgestellt, dass Schulbildung keine rein zweckgerichtete Angelegenheit sein soll und darf. Gleichwohl alles im Endeffekt einen gewissen Zweck verfolgt.
        Wenn wir aber Bildung zu sehr an vermeintlichen (!) Notwendigkeiten, ökonomischen Interessen und praktischem Nutzen ausrichten, geht ihr das kreative Moment, das Neues entstehen lässt, verloren. Und das wiederum konterkariert obige Zielsetzungen. Schule hat in diesem Sinne auch einen kulturellen und gesellschaftspolitischen Auftrag. Ladinischunterricht fällt für mich (zusätzlich zu den Fähigkeiten, die ich durch das Ladinischstudium trainiere oder mir aneigne) in diesen Bereich. Wider die Beliebigkeit.

      • Liberté

        Danke Hunter für den umfangreichen Kommentar, leider habe ich aber das Gefühl das er deutlich an meinem vorbeigeht, er scheint eher vom bias mir ggÜ als dem Inhalt meines Kommentars ausgerichtet.

        Als erstes muss ich dir natürlich zustimmen Schule dient nicht, unbedingt, der Ausbildung, dies wollte ich mit meinem Satz

        Die Schule dient dazu ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, nicht mehr, nicht weniger.

        Verdeutlichen.

        Anscheinend habe ich einen wunden Punkt mit der Aussage, der italienisch Unterricht sei abzuschaffen, getroffen. Leider bezieht sich dein Kommentar nicht auf diese Forderung, und ich kenne vermutlich auch den Grund, es gibt keine gute Argumente, außer das, nationalistische, dass wir eben bei Italien sind. Ich spreche mich ja nicht gegen generellen Sprachenunterricht aus, oder gegen Musik, Kunst etc. Ich wollte nur die Frage aufwerfen wenn wir jetzt zztl. Ladinisch lehren, welche Fächer werden gestrichen?

        Ich stimme dir auch zu das man Schulische Inhalte (genauso wie angebotene Studienfächer) nicht nach ökonomischen Gesichtspunkten ausrichten sollte. Es darf aber dennoch die Frage nach dem Mehrwert gestellt werden, welchen Mehrwert hätte ein zztl., verpflichtender Ladinisch Unterricht ggÜ. anderen Sprachen, für die Gesellschaft, für den einzelnen Schüler, besonders im Vergleich zu anderen Sprachen?

        Nebenbei wollte ich auch die Thematik der Umsetzbarkeit ansprechen, wo kommen die Ladinisch Lehrer her, gibt es überhaupt “das” Ladinische welches man dann Lehren könnte, wann käme man damit im späteren Leben in Kontakt usw.?

        So weit zum Ladinisch Unterricht.

    • Liberté

      Nun sei es mir erlaubt auf die Ganzen anderen Thematiken, welche du in deinem Post angesprochen hast einzugehen.

      Und Schule ist keine Ausbildung. Die ist meiner Meinung nach dem tertiären Bildungsektor vorbehalten.

      Ich denke zu verstehen was du Aussagen wolltest, aber trotzdem Frage ich möchtest du etwa Berufsbildende Schulen abschaffen? Meiner Meinung nach kann man die Grenze zwischen Allgemein- und Berufsbildende nicht zwischen tertiär und sekundärer Bildung ziehen. Ich wage es auch zu Bezweifeln das die tertiärer, also prinzipiell universitäre, Bildung nur der Ausbildung dienen sollte.

      Bezeichnend für diese Verzweckung ist der Tweet einer 17-jährigen, der vor einiger Zeit für Furore sorgte.

      Tut mir Leid das verstehe ich jetzt nicht, wäre es nicht genau eine Verzweckung wenn man nur mehr solch “Sachdienliche” lehren würde. Für mich besteht die Aufgabe der Schule darin, das ich im Anschluss an die Matura in der Lage bin mich eigenständig zu Informieren und die Information zu nutzen. Die Behauptung nach der Matura sei man nicht in der Lage selbst sein Leben auf die Reihe zu bekommen ist für mich eine infantilisierung des mündigen Bürgers. Vielmehr ist ein solcher Tweet aussagekräftig über das komplizierte Steuersystem, als über die Bildung.

      Es scheitert bei vielen Jugendlichen an der Fähigkeit einen Text sinnerfassend zu lesen.
      Als Beispiel sei hier die heurige Matura in Österreich genannt. (Zu sehen hier “Thema 3)

      Und anschließend dutzende dieser Reaktionen:https://www.facebook.com/maturamemes/photos/pb.1529574517306167.-2207520000.1463221560./1679083012355316/?type=3&theater

      Man sehe sich auch die Kommentare an…

      • hunter

        Leider bezieht sich dein Kommentar nicht auf diese Forderung, und ich kenne vermutlich auch den Grund, es gibt keine gute Argumente, außer das, nationalistische, dass wir eben bei Italien sind.

        nein. das ist nicht das einzige argument. natürlich geht das “siamo in italia” – von dem bbd aber nichts wissen will. auch wenn südtirol unabhängig wäre, wäre ich dafür, dass wir alle deutsch und italienisch lernen. eben aus diesen kulturell-gesellschaftspolitischen gründen, die ich auch für das ladinische ins treffen führe.

        wir brauchen keine fächer streichen. wir haben zum beispiel wie zu viele deutschstunden. in mittel- und oberstufe 7 mehr als in nordtirol und 11 mehr als in bayern.

        das mit dem ladinisch-unterricht kommt ja nicht von heute auf morgen. natürlich müsste man lehrer ausbilden. und man müsste sich auf eine variante (sei’s talvarianten oder ladin dolomitan) einigen. ich wäre dafür, dolomitan als ladinische schriftsprache zu etablieren. die varietäten würden, wie in anderen sprachen auch, wohl erhalten bleiben.

        nein. ich möchte die berufsbildenden nicht abschaffen. ich hätte genauer formulieren sollen. mein text war auf gymnasien gemünzt. lehre und berufsbildende schulen sind ein gutes system, in dem die ausbildung bereits in der sekundarstufe erfolgt.

        ad tweet: genau das war ja eben das problem am tweet. sie erntete zwar viel zustimmung, hat aber nicht dieses breite bildungsverständnis, von dem ich geschrieben habe.
        stimme zu, dass der tweet möglicherweise mehr über das steuersystem aussagt als über die schule.

      • libertè

        Worin besteht der Mehrwert Italienisch, und nicht z.b französisch zu lernen?

  • Waltraud Astner

    Stimme zu dass Schule grundsätzlich bilden anstatt ausbilden soll. Einer gewissen “Verzweckung” können wir uns aber, glaube ich ,trotzdem nicht ganz verschließen. Denn gewisse Grundkompetenzen (nicht bestimmte Inhalte) müssen einfach vermittelt werden um sowohl Bildung als auch Ausbildung zu gewährleisten. Dazu gehört ein guter Englischunterricht, der unbedingt ausgeweitet gehört. Die Stunden im Vergleich zum Italienischunterricht sind lächerlich gering. Italienisch (sofern es endlich einmal effizient gelehrt würde) hat in unserem zweisprachigen Land eine große Bedeutung, aber das Englische ist für ein Studium und eine Tätigkeit in der globalisierten Welt von zentraler Bedeutung und AUCH als Grundkompetenz (als Mittel zum Zweck) für jegliche Bildung wichtig. Ich würde diesen Punkt in eurem Positionspapier stärker hervorheben.

    • hunter

      genau das schreibe ich ja. ich spreche von essentiellem orientierungswissen – einer art kanon, den es braucht, um überhaupt die voraussetzungen zum weiteren lernen zu haben.
      stimme inhaltlich zu, was englisch betrifft. aber dass es zu wenig stunden wären, stimmt so nicht. zum einen haben wir in südtirol ein jahr länger bis zur matura (in den gymnasien zumindest. in den berufsbildenden höheren schulen sind es auch in österreich dann 13 jahre). zum anderen haben wir dann auch noch mehr stunden insgesamt. in den letzten acht jahren sind es zwischen 300 und 500 mehr als in bayern und österreich. das entspricht einem ganzen semester.

      • libertè

        Ich bezweifle das man in Südtirol 4h Englisch in den letzten zwei Jahren der Oberstufe hat…
        Und es wundert mich das ausländische Universitäten die österreichische Matura als Englisch Nachweis genügt, die italienische aber nicht.

      • hunter

        Beispiele Englischunterricht:

        Bayerisches humanistisches Gymnasium
        0 4 4 4 3 3 (dann in Sekundarstufe II Module)

        Paulinum Schwaz
        4 4 3 3 3 3 3 3

        Vinzentinum Brixen
        2 3 3 4 4 4 3 3

      • Liberté

        Man kann aber auch auch nicht unterschlagen dass man in Österreich in der Mittelstufe+Volksschule mehr Englisch hat.
        Welche CEFR Stufe ist denn das Ziel der ital./südt. Matura B1/B2 oder gar C2?

  • hunter

    der “mehrwert” ist ein kultureller und gesellschaftlicher wenn man so will. ein viertel der menschen im lande spricht italienisch als muttersprache. es geht um wertschätzung, homogenität, verständnis und konkretes verstehen.

    • libertè

      Aha und weshalb wird es nicht in Nordtirol benötigt? Für Personen welche nur zufällig innerhalb zufälliger Grenzen, aber de facto sehr weit weg Leben finde ich es nicht sinnvoll eine Sprache zu lernen/lehren.
      Für mich ist eine homogene Gesellschaft nicht erstrebenswert.

      • hunter

        ich bin auch nicht für eine völlig homogene gesellschaft. ein gewisses maß ist für das zusammenleben jedoch förderlich. in südtirol könnte uns ein wenig mehr homogenität nicht schaden, finde ich.

  • Waltraud Astner

    Hier ein Auszug aus den derzeit gültigen Rahmenrichtlinien für die Südtiroler Grund-und Mittelschulen, die Italienisch-und Englischstunden betreffend:
    Grundschule Fünfjahreskontingent Italienisch: 646
    Grundschule Fünfjahreskontingent Englisch: 136

    Mittelschule Dreijahreskontingent Italienisch 408
    Mittelschule Dreijahreskontingent Englisch 204

    Interessant auch das Kontingent der Deutschstunden dazu im Vergleich:
    Grundschule Fünfjahreskontingent Deutsch: 816 ( wobei in der Unterstufe die Grundtechniken Lesen und Schreiben, die Voraussetzung für jegliches Lernen in allen Fächern sind, enthalten sind)
    Man vergleiche die Stunden der Oberstufe (4. 5. Klasse Grundschule):
    Deutsch Einjahreskontingent: 136
    Italienisch Einjahreskontingent: 170
    Englisch Einjahreskontingent: 68
    (wobei das Jahreskontingent in Italienisch, Englisch aber auch Religion durch die zusätzliche Schulwoche seit der Einführung der 5-Tage Woche nochmals gestiegen ist, das Kontingent der Deutschstunden gesunken ist, was in den Rahmenrichtlinien nicht aufscheint).

    Mittelschule :
    Dreijahreskontingent Deutsch: 408

    Hier ist für mich eindeutig ein Missverhältnis der Stunden untereinander zu erkennen.
    Englisch kommt meiner Meinung nach im Vergleich zu Italienisch viel zu kurz. In der Mittelschule sind es die Hälfte der Stunden, die der Italienischunterricht einnimmt, in der Grundschule sind es weniger als ein Viertel.
    Eklatant ist auch der Blick auf den Deutschunterricht (Deutsch als Fach): In der Mittelschule sind es gleich viele Stunden wie in Italienisch, in der Grundschule in der Unterstufe 1.-3. Klasse überwiegen die Deutschstunden ( 170 v. 136, inkl.der für die Grundtechniken aufgewendeten Stunden) , während in der 4. und 5. Klasse, wo Deutsch als Fach richtig zum Zug kommt das Stundenverhältnis umgekehrt ist: 136 Deutsch-gegen 170 Italienischstunden.

    Ich bin der Meinung, dass hier im Verhältnis der Stunden untereinander allerhand nicht stimmt. Die Italienischsstunden haben in den letzten Jahren zugenommen, die Deutschstunden abgenommen, vor allem durch die Einführung der sog. Pflichtquote. Das sind zwei verpflichtende Wochenstunden, die vom Kernunterricht des Deutsch- und Sachunterrichts herausgenommen und nicht mehr curricular geführt wurden. Im kommenden Schuljahr gehen diese Stunden z.T. an Musikschulen, Sport-und andere außerschulische Vereine. Das Fach Italienisch wurde zugunsten dieser sog. Pflichtquotestunden (Wahlpflicht) natürlich nicht gekürzt und ist im Verhältnis zum Fach Englisch deutlich überrepräsentiert sowie das Fach Deutsch im Verhältnis zum Fach Italienisch unterrepräsentiert ist.

    • hunter

      sehr interessant.
      wobei es in der oberschule ausgewogener ist.

    • G. P.

      Interessant dabei ist noch, dass die meisten (deutschsprachigen) Schüler nach Abschluss der Schule – egal ob Mittel- oder Oberschule – besser Englisch als Italienisch können.

      • Gibt es da Daten?

      • G. P.

        Nicht dass ich wüsste. Und wenn doch, dürfte aus den bekannten Gründen wohl versucht werden, diese Daten unter Verschluss zu halten. Meine Annahme beruht auf Erfahrungswerten.

      • Meine Erfahrungen mit Erfahrungswerten sind schlecht.

  • hunter

    auf der facebookseite “sprache verbindet. mehrsprachigkeit 2016 – 2020” gibt es eine wenig ermutigende erklärung für den teilweisen abfall bei den italienischkenntnissen.

    Zu den Ergebnissen der Eingangs- und Ausgangstests in Italienisch hat Prof.ssa Cavagnoli angemerkt, dass man berücksichtigen muss, dass die beiden Tests von verschiedenen Personen korrigiert wurden. Die Tatsache, dass der Eingangstest von den jeweiligen Lehrpersonen der beteiligten Klassen, der Ausgangstest jedoch nur von einer einzigen Lehrperson korrigiert wurde, erklärt die Unterschiede in der Bewertung.

    super, wie professionell die agieren. wozu evaluieren die überhaupt, wenn die ergebnisse ohnehin nicht aussagekräftig sind.

    • Libertè

      Was ist das überhaupt für ein “Motto” sprache verbindet. In Südtirol ist die Mehrsprachigkeit vor allem ein Mittel um Menschen aus anderen Gebieten auszuschließen.

    • Sagenhaft dilettantisch.

      • Ich muss nochmal darauf zurückkommen. Zu einem der umstrittensten und für eine sprachliche Minderheit relevantesten politischen Themen macht man ein Jahr lang einen Schulversuch und leistet sich eine wissenschaftliche Begleitung — ist aber zum Schluss genauso schlau, wie zuvor, weil die »eine einzige Lehrperson« am Ende nicht auch nochmal über die Arbeiten vom Jahresbeginn drübergeschaut hat.

        Sagte ich schon, dass ich das sagenhaft dilettantisch finde?

  • hunter

    Keine der verschiedenen Präferenzen zum Fremdsprachenunterricht kann wissenschaftlich untermauert werden.

    http://www.nzz.ch/schweiz/bildungspolitik-nicht-wissenschaft-1.18673106

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